Kategorie-Archiv: Blutgrätsche

Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Die erste Generalprobe der deutschen gegen die englischen Mannschaften in der Champions-League ging für den BVB mit einem ziemlich eindeutigen 3:0 gegen Tottenham schon mal total daneben, nachdem man in der Bundesliga nach einer 3:0-Führung gegen Hoffenheim innerhalb von zwölf Minuten ein 3:3 hinnehmen musste. Bayerns letzter Auftritt in Augsburg vor der Begegnung mit Klopps Liverpool endete zwar mit einem knappen 3:2-Sieg, aber überzeugend war er auch nicht, noch dazu verletzte sich Coman am Sprungelenk, das bei Coman besonders anfällig ist, weshalb er bereits darüber nachgedacht hat, seine Karriere zu beenden, bevor das Martyrium kein Ende nehmen sollte. Er ist bei den Bayern gerade besonders wichtig, trug er doch gleich zwei Tore in Augsburg zum Sieg bei, in dem es für die Bayern ganz und gar nicht danach aussah, als würde ihnen die Siege nur so in den Schoß fallen, vor allem, nachdem Goretzka gleich in der Anfangsphase ein Eigentor fabrizierte. Gegen die Reds traut ihnen niemand allzu Großartiges zu, die Favoritenrolle hat eindeutig Liverpool, d.h. Bayern kann eigentlich nur gewinnen und leider haben sie oft genug bewiesen, dass sie dann besonders stark sind, während den Dortmundern die Favoritenrolle überhaupt nicht gut bekam, um so mehr als Harry Kane und ein paar seiner Kollegen verletzt waren. Die Chancen der Bayern sehen also gar nicht so schlecht aus, während man bei den Schalkern tatsächlich ein Desaster erwarten darf, denn das extrem spielstarke Manchester City hat es mit einer Elf zu tun, der in der Liga noch ein einziger glanzvoller Auftritt gelungen ist, an dem man sich klammern könnte im Sinne von, es geht doch. Es geht eben nicht, nicht mal gegen Freiburg, gegen die man mit Glück ein torloses Remis zustande brachte. War man in der ersten Halbzeit noch ein bisschen überlegen, biss sich aber an der disziplinierten Abwehr der Freiburger die Zähne aus, dezimierten sich die Schalke nach einem üblen Foul von Serdar an Frantz selbst. Ein Spiel, in dem der Schiedsrichter im Mittelpunkt steht, ist nie besonders attraktiv, aber das ist die einzige Chance, die Schalke z.Z. hat. In der 2. Hälfte nutzten die Freiburger ihre zahlenmäßige Überlegenheit aus, weil sie spürten, dass durchaus drei Punkte drin waren, aber Freiburgs Innenverteidiger Lienhart brachte das Kunststück fertig, aus einem Meter Entfernung über das Tor der Schalker zu köpfen. Hoffenheim tat sich mit einem 3:0 gegen Hannover gütlich, vergaben aber Chancen für ein 8:0. Dolls Versuch, den dürftigen Sieg Hannovers gegen die noch schwächeren Nürnberger in der letzten Woche, als Aufbruch zu interpretieren, indem er sagte, seine Mannschaft hätte sich noch nicht aufgegeben, war nur ein frommer Wunsch. Man kann jetzt schon nichts mehr gewinnen, wenn man auf den Abstieg Hannovers setzt, während man bei Nürnberg gespannt sein darf, denn dort hat Marek Mintal, der Schatten, den glücklosen Köllner abgelöst. Wenn es heute abend gegen Dortmund geht, dann wird für beide Mannschaften das Spiel richtungsweisend sein, wobei ein Sieg der Dortmunder zwar Pflicht ist, aber es bei ihnen darauf ankommt, wie sie den Sieg errungen haben werden: Ob mit Kampf und Krampf oder überzeugend. Ein schönes Spiel wird es nicht, das glanzvolle 7:0 für den BVB aus der Hinrunde wird es nicht mehr geben.

Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Der BVB macht es spannend. Bei den Dortmundern ist es jedenfalls nicht so langweilig wie in den letzten sechs Jahren, als Bayern Meister wurde. Dreimal hintereinander haben sie bereits nur Remis gespielt. War das 3:3 im Pokalfight gegen Werder schon schlimm, weil man zwei völlig unnötige späte Tore hinnehmen musste, die zum Elfmeterschießen führten, so war dieses 3:3 zu Hause gegen Hoffenheim eigentlich noch viel schlimmer, weil man bis zur 75. Minute 3:0 führte und dann innerhalb von 12 Minuten drei Gegentore kassierte. Und das nicht einmal zu Unrecht. Zwar fehlte erneut Reus, aber sonst waren die Grippekranken fast alle wieder genesen, vor allem war Sancho wieder zurück und zeigte, dass ohne ihn gerade nicht allzuviel läuft in Dortmund. Seine Sololäufe, sein Antritt und seine Finten sind von keinem Spieler der Welt zu verteidigen. Das erste Tor schoss er selbst, die beiden anderen bereitete er auf geniale Weise vor. Das war in der ersten Halbzeit allerdings auch relativ leicht, denn Hoffenheim spielte sehr zurückhaltend und kam kein einziges Mal wirklich gefährlich vor das Tor. Das änderte sich schlagartig in der 2. Halbzeit, als mit Geiger und Belfodil zwei neue Spieler für Hoffenheim aufliefen. Plötzlich spielten sie aggressiv und setzten den ballführenden Mann frühzeitig unter Druck. Und Dortmund fing an zu schwimmen. Eine torgefährliche Situation reihte sich an die andere, aber der Anschlusstreffer wollte nicht fallen, stattdessen erzielten die Dortmunder wunderschön kombinierend nach Hackentrick von Sancho auf Götze, der in den Rückraum auf Guerreiro passte das 3:0. Aber die Hoffenheimer ließen sich nicht beeindrucken und spielten einfach ihr Spiel weiter. Hätte Sancho nach einem Konter das 4:0 erzielt, wäre das Spiel entgültig entschieden gewesen, aber auch einem Sancho gelingt eben nicht alles. Aber auch der Drei-Tore-Vorsprung muss 15 Minuten vor Abpfiff eigentlich reichen. Leider aber klappte bei Hoffenheim nunmehr all das, was vorher misslang. Und als Sancho nach hinten verteidigte und ein leichter Rempler als Strafstoß gewertet wurde, war das Schicksal besiegelt, denn ausgerechnet die beiden eingewechselten Hoffenheimer erzielten den Ausgleich. Der Strafstoß war zwar eine Fehlentscheidung, aber man kann so eine Flanke aus dem Halbfeld auch verteidigen. Aber Diallo und Hakimi waren an diesem Tag von der Rolle, und die Dortmunder Trainerbank traf merkwürdige Entscheidungen und setzte völlig falsche Signale, denn man wechselte mit Toprak für Götze einen Defensivmann ein, der das fragile Gefüge noch mehr chaotisierte, denn kurz darauf fielen zwei Hoffenheim-Tore. Und als Dortmund versuchte, noch den Siegtreffer zu erzielen, wechselte man in der 92. Minute völlig sinnlos Wolf für Guerreiro ein, was man nur macht, wenn man auf Zeit spielen will, die man nicht hatte. Es sind zwar immer noch 5 Punkte Vorsprung vor Bayern, die gegen Schalke natürlich nicht viel Mühe hatten, aber das bedenkliche ist die augenblickliche Formschwäche, die ohne Reus noch verschärft wird. Und diese Formschwäche kommt nicht gerade gelegen, denn so hat man in der CL gegen Tottenham am Mittwoch kaum Chancen. Danach muss man zum Club, dem das Wasser bis zum Hals steht. Auch das ist keine angenehme Aufgabe, denn die haben nach der Niederlage gegen den direkten Abstiegskonkurrenten Hannover nichts mehr zu verlieren.

Die Wahrheit über den 20. Spieltag

War es schon vorher klar, dass es in Frankfurt nicht einfach werden würde, auch wenn die Eintracht in Bremen nur ein Remis zustande brachten und am Ende der Vorrunde schwächelten, so fanden die Frankfurter im BVB eine echte Herausforderung, die sie gerne annahmen, indem sie ihr besten Spiel der Saison ablieferten. Immer wieder setzten sie der Dortmunder Abwehr zu, der unter Druck dann eben Missverständnisse unterliefen wie zwischen dem ansonsten sehr zuverlässigen und zweikampfstarken Weigel und Diallo. Aber Rebic konnte die Chance, als er plötzlich allein vor Bürki stand, nicht verwerten. Es war nur eine von ein paar hochkarätigen Chancen, die die Einrtachtstürmer liegen ließen, was sie eigentlich sonst nicht tun, denn nicht umsonst haben sie ebensoviele Tore erzielt wie Dortmunds Stürmer. Aber nach den ersten zehn Minuten konnten sich die Dortmunder von der Umklammerung befreien und hatten die Gelegenheit, ihrerseits mehrere Großchancen zu versieben. Vor allem Reus zeichnete sich in dieser Kunst aus. Er schoss zwar das 1:0, aber wem das Tor eigentlich gebührte, das machte Reus selbst durch Gesten deutlich, denn dem Treffer war ein sehenswertes Dribbling Guerreiros vorausgegangen, der sich durch die Frankfurter Abwehr tankte, dabei noch den Überblick behielt und im richtigen Moment den Ball zu seinem Nebenspieler schob, der nur noch den Fuß hinhalten musste. Reus lief kurz darauf noch einmal allein auf Frankfurts Torhüter Trapp zu, setzte den Ball aber neben den Pfosten, aber als er eine flache von Alcacer in den Rückraum geschlagene Flanke genau ins rechte obere Toreck setzen wollte und nur die Latte traf, da konnte man schon fast von Fahrlässigkeit sprechen. Die erste Halbzeit war ein unglaublich intensives, ein grandioses Fußballspiel, und dass den Dortmundern alles abverlangt wurde, ist vielleicht nicht schlecht, denn dadurch merken sie, dass sie eben immer alles geben müssen, dass ihnen nichts in den Schoß fällt, denn irgendwie scheinen sie die Gabe zu besitzen, das beste aus dem jeweiligen Gegner herauszukitzeln. Selbst gegen den Club vor einer Woche war das so, auch wenn der dann nach einer Stunde aufgab. Schade, dass Reus seine Chancen verdattelte, denn Man hätte sich noch deutlicher von den Münchnern absetzen können. Am Ende waren beide Mannschaften zufrieden, vor allem deshalb, weil die Bayern in Leverkusen mit 3:1 verloren hatten, nachdem sie 1:0 führten, weshalb die Bayern nicht wie gefürchtet dem Tabellenführer näher kamen, sondern der BVB seinen Vorsprung sogar noch ausbauen konnte, wenngleich auch nur durch einen Punkt. Der Gewinner des Abends waren die Gladbacher, die gegen verbissene und uninspirierte Schalker auswärts mit 2:0 gewannen und sich dadurch an den Bayern vorbei sogar auf Platz zwei schoben. Die grandiose Schnapsidee der Hannoveraner Vereinsführung, Thomas Doll als Retter des Vereins zu engagieren, ging voll auf, denn Doll, der schon vor langer Zeit in Dortmund seine Unfähigkeit unter Beweis gestellt hatte, eine Mannschaft zu Höchstleistungen zu führen, blieb seinem Ruf treu. Die Aufbruchstimmung, die er zu verbreiten suchte, kippte bei einem blutleeren Auftritt zu Hause gegen Leipzig um in Resignation und Verzagtheit. Es gibt also nichts neues unter der Hannoveraner Fußballsonne, außer eine neue Ratlosigkeit, die die alte ist.

Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Für Hannovers Trainer Breitenreiter war das Spiel in Dortmund eine mission impossible, denn das Auftreten seiner Manschaft wurde von den Verantwortlichen zur Bedingung für seine Weiterbeschäftigung gemacht. Schon nach dem letzten Spiel wurde öffentlich über den Trainerwechsel gesprochen, was Breitenreiter nicht sonderlich hilfreich für seine Arbeit empfand. Dennoch ist die Situation nicht eindeutiger geworden, denn trotz der deutlichen 5:1-Niederlage der Niedersachsen, hatten die Sechsundneunziger eine Stunde lang den Dortmundern Paroli geboten und in dieser Zeit hatte man nicht den Eindruck, Hannover sei die schlechtere Mannschaft, im Gegenteil, man konnte sich nie sicher sein, ob die knappe 1:0-Führung durch Hakimi in der 24. Minute wirklich ausreichen würde, denn Hannover hatte durchaus Chancen, und wenn Bürki auf der Linie zur Zeit nicht so gut in Form wäre, hätten die Hannoveraner bereits in der 2. Minute geführt. Es war also durchaus ein Spiel, in dem den Dortmundern so ziemlich alles abverlangt wurde, und man konnte sich zunächst nicht vorstellen, dass Hannover nur auf dem 17. Platz stand. Jedenfalls gaben sie alles, und sie gaben es für ihren Trainer. Bei Dortmund hingegen klappte unter Druck nicht viel, und wenn Piszczek nicht so grandios gespielt hätte mit zwei genialen Vorlagen, die Reus und Guerreiro allerdings nicht verwerten konnten, dann hätte es optisch noch schlechter ausgesehen. Aber nach genau einer Stunde, verlor Hannovers Verteidiger Albornoz den Ball völlig unnötig an Hakimi, der aus einer Entfernung von guten zwanzig Metern angebraust kam – was wie absurder Übereifer aussah –, den Ball eroberte und überlegt auf Reus passte, der den Ball kunstvoll wie eine Billardkugel am Torwart vorbei ins Tor bugsierte. Danach brach Hannover ein. Sancho auf Götze und Reus auf Guerreiro, fast zwei identische Tore, und das Spiel war gelaufen. Dennoch ließ sich Hannover nicht hängen und erzielte noch den Anschlusstreffer, einen abgefälschten Schuss von Bakalorz, nachdem er fast von der Mittellinie bis fast zum Sechzehner gelaufen war. Das ärgerte die Borussen dann doch so sehr, dass Witsel in der 90. noch mit einem sehenswerten Fernschuss den Endstand herstellte. Breitenreiter schien ganz zufrieden zu sein, wenigstens konnte er sich mit einer guten Leistung verabschieden: »Es geht jetzt nicht um mich, sondern darum, den Verein vor dem Klassenerhalt zu bewahren«, sagte er hinterlistig und setzte damit die Schlusspointe, denn auch ein anderer Trainer wird die Hannoveraner nicht retten können. Leider war es für den BVB nur ein Pflichtsieg, denn auch Gladbach gewann, und es lässt sich kaum davon ausgehen, dass die Bayern im Sonntagsspiel gegen Stuttgart verlieren werden. Erstaunlicherweise gewann Bosz mit Leverkusen in Wolfsburg souverän mit 3:0. Aber das hatte er auch Anfang der letzten Saison mit Dortmund. Man darf gespannt sein, ob sich auch alles andere wiederholen wird. In einer mitreißenden Partie trennten sich Bremen und Frankfurt mit einem 2:2. Es wird also in einer Woche nicht ganz so einfach sein, in Frankfurt zu gewinnen, wenn der BVB dort antreten muss, denn im Unterschied zur Hinrunde, als die Eintracht völlig von der Rolle war, gehören sie zu den Anwärtern auf einen internationalen Platz und haben mit Haller, Jovic und Rebic drei richtig gute Stürmer.

Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Im Vorfeld des Spieltags stand in der FAZ ein großes Interview mit Marco Reuss, der auf Nachfrage sagte, dass er nie zu Bayern wechseln würde, eine Nachricht, die groß aufgeblasen wurde, obwohl Reuss selbst darauf hinwies, dass er als fast Dreißigjähriger wohl kaum bei der von den Bayern geplanten Verjüngungskur in Frage kommt. Und der FAZ-Redakteur Horeni fragte weiter, ob Reuss durch seine Führerscheinaffäre von Löw nicht mindestens zwei bis drei Spiele hätte gesperrt werden müssen, weil er seinen Vorbildcharakter für die deutsche Jugend verletzt habe. Man ist bei solchen Gelegenheiten doch immer wieder erstaunt, was Reporter so umtreibt, die wie die AfD reden, ohne es zu merken, vermutlich weil ihnen die anspruchslose und simple Argumention, bei der sich alles über den deutschen Leisten schlagen lässt, ihrer Auffassungsgabe entgegenkommt, denn selbstverständlich entgeht ihnen natürlich, dass die Spieler der Jugend nicht etwa vermitteln, ohne Führerschein zu fahren, sondern an der Spielkonsole zu daddeln und auf Fortnite zu ballern, was das Zeug hält. Sonst aber war der Spieltag ganz wunderbar, weil trotz kurzfristiger Verletzung von Reuss die Dortmunder in einem rasanten Spiel nun auch in Leipzig bestanden und den überengagierten und von Rangnik bis in die Haarspitzen motivierten RBlern die erste Heimniederlage zufügten. Die Dortmunder ließen sich nicht von der Hektik, die die Leipziger zu entfachen versuchten, anstecken, und dennoch wurde es ein sehr enges Spiel auf kleinem Raum, weil jeder versuchte, die Räume um den Ball einzuengen und durch ständige Eroberungsversuche des Balles sich Vorteile zu verschaffen. Aber auf engem Raum konnten die Dortmunder ihre technische Überlegenheit durch schnelle Kombinationen ausspielen, und einige Male gelang es ihnen, schnell in die Spitzen zu spielen, aber der wuchtige und schnelle Upamecano vereitelte immer wieder gefährliche Situationen im letzten Moment. Das Spiel hätte einige Tore mehr verdient, aber auf beiden Seiten ließ man großzügig die Chancen aus, die sich boten, so dass der wunderschöne Schuss Witsels aus dem Stand heraus an die Unterkante der Latte mitten im Strafraumgewühl nach einer Ecke von Guerreiro der einzige Treffer bleiben sollte. Dennoch gibt es bei den Dortmundern einiges zu bemängeln, zum Beispiel an Bürki, der zwar ein paar tolle Paraden zeigte und deshalb auch gleich zum besten Spieler des BVB gekürt wurde, aber der eine der größten Chancen der Leipziger selbst generiert hatte, als er ausrutschte und den zurückgepassten Ball nicht traf, eine Gelegenheit, die sich eine etwas bessere Mannschaft nicht hätte entgehen lassen. Vor allem aber kam keiner der lang nach vorne geschlagenen Bälle beim eigenen Mann an, was wirklich eine Leistung ist, die ihm so schnell niemand nachmacht. Und auch der Reuss-Ersatz Philipp enttäuschte nicht nur, weil er die riesige Chance zum 2:0 versiebte, auch sonst spielte er unglücklich und dürfte wesentlich an den schlechten Zweikampfwerten der Dortmunder mit einer Quote von 44 % beteiligt gewesen sein. Jedenfalls war der Sieg des BVB sehr wichtig, weil Bayern schon am Freitag in Hoffenheim souverän mit 3:1 gewonnen hatte und zur Jagd auf die Dortmunder geblasen hatte, wobei man sich in der nun eröffneten 2. Saisonhälfte nicht allzu viele Ausrutscher wird erlauben dürfen, denn Bayern macht wieder einen sehr stabilen Eindruck. Peter Bosz ist wieder in die Liga zurückgekehrt und hat mit Leverkusen auch gleich sein erstes Spiel gegen Gladbach verloren. Ob es diesmal klappt mit seinem Offensivsystem? Man darf gespannt sein.

Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Nachdem es die Dortmunder in Düsseldorf erwischt hatte und sie ihre erste Niederlage hinnehmen mussten, ging mir wieder die Szene aus »Farewell my lovely« durch den Kopf, als Mitchum alias Philipp Marlowe mit seinem Zeitungshändler und Freund wettet, wie lange die unglaubliche Siegesserie von Joe DiMaggio noch anhalten würde, die ihm die Gunst sogar von Marylin Monroe einbrachte. Während des ganzen Films eilt DiMaggio von Sieg zu Sieg, aber als der Fall gelöst war, schnappt sich Marlow nach einem anstrengenden Tag eine herumliegende Zeitung und erfährt von der ersten Niederlage seines Helden, ausgerechnet gegen zwei mittelmäßige Spieler, wie man aus dem Off erfährt. Und genau das denke ich auch immer, wenn es gegen solche Gegner wie Düsseldorf geht, bei denen sich fast jede Mannschaft bedient, und dann kommt einmal ein vernünftiger, attraktiver, glamouröser Gegner vorbei und schon geben alle Spieler 200 Prozent, als ob es um ihr Leben ginge, denn das ist es schließlich, das sie ihren Enkeln mal erzählen können, dass sie gegen den großen BVB gewonnen haben. Gegen Gladbach musste man sich hingegen weniger Sorgen machen, denn bei denen ging es nur darum, vielleicht auf drei Punkte an die Dortmunder heranzukommen, d.h. sie konnten sich nicht hinten reinstellen und sich vorne auf eine schnelle Spitze und eine schlafmützige BVB-Innenverteidigung verlassen. Leider wurde das Spiel weit weniger attraktiv als gedacht, vielleicht weil beide Mannschaften doch ziemlich ersatzgeschwächt in das Spiel gingen, weil beide Spielsysteme auf kontrollierte Offensive setzten, und natürlich auf Ballbesitz. Wie der Gladbach-Trainer Hecking am Ende durchaus richtig sagte, der Unterschied bestand darin, dass Gladbach mehr Fehler machte und Dortmund daraus resultierend mehr Möglichkeiten besaß, wie Reus in der 20. Minute nach einer genialen Kombination, der an Sommer scheiterte, den er aber hätte machen müssen. Dafür war es wieder einmal Sancho, bei dem es aussah, als würde er ausgerechnet in aussichtsreicher Situation das Spiel verzögern, so dass sich die Gladbacher wieder ordnen konnten, aber selbst das scheint ihn nicht aufzuhalten. Eine Finte, ein schneller Antritt und aus spitzem Winkel das überraschende 1:0. Dieser Mann ist so gut, dass er nicht mehr lange beim BVB spielen wird, und das ist schade. Merkwürdig hingegen der Formverfall von Pulisic, dem nichts mehr zu gelingen scheint. Jedenfalls ist es nicht gut, wenn die Leistung einer Mannschaft so stark von einer Person abhängt. Und sie tut das viel mehr von Sancho als von Reus, den viele für den Spieler den Hinrunde halten, aber Reus bleibt wie ein normal Sterblicher immer wieder hängen, versiebt Chancen und ist jetzt nicht wirklich so schnell, dass gegnerische Spieler nicht mitkommen würden. Das ist zwar eine Klage auf hohem Niveau, aber Sancho vollbringt Dinge, denen man auch bei näherem Hinsehen nicht auf die Schliche kommt, dabei ist er schnell und kann Gegner auf sich ziehen und sie wie Statisten stehen lassen, als würde er zur Familie der Incredibles gehören. Erst an ihm sieht man, wie schlicht die anderen spielen, wie weit selbst ein Schmelzer oder Pisczcek dahinter zurückbleiben, selbst wenn sie einen guten Tag haben. Allerdings scheint die Zeit von Schmelzer tatsächlich abgelaufen zu sein, denn Hakimi ist in seinen Vorstößen um einiges gefährlicher und rennt nicht nur mit dem Ball nach vorne, nur um beim ersten Gegner abzustoppen und den Ball wieder zurückzuspielen. Leider ist Hakimi von Madrid nur ausgeliehen und wird bei seinen Leistungen wohl kaum loszueisen sein. Und was macht Frankfurt? Schon wieder verloren. Diesmal auch noch gegen Bayern. Wenn das mal keine Wettbewerbsverzerrung ist. Die Eintracht sollte dringend seinen Trainer entlassen.

Die Wahrheit über den 15. Spieltag

So wie die Werderaner im Westfalenstadion auftraten, kann man kaum glauben, dass sie nur 21 Punkte auf dem Konto haben, und auch nicht, dass sie zwar zuletzt gegen Düsseldorf gewannen, die fünf Spiele davor aber nicht. Sie traten nicht so auf, als ob sie einfach nur eine Niederlage verhindern wollten. Und waren dadurch für die schnellen Stürmer des BVB anfällig. Und es ging auch bald zur Sache, denn schon in der 11. Minute wurde Reus klar im Strafraum gefoult, aber der Schiedsrichter, der offensichtlich etwas gegen die Schwarzgelben hatte, winkte sofort ab. Zwar kann man ein Foul übersehen, selbst wenn man in unmittelbarer Nähe steht, aber wofür wurde dann der Videobeweis eingeführt? Bei der anschließenden Zeitlupe war für jeden ersichtlich, dass Klaassen Reus am Fuß erwischt hatte. Kurz darauf hatte Alcacer per Lupfer eine große Chance, aber wieder war es Klaassen, der den Ball noch von der Linie wegkratzte, sich dabei aber so verletzte, dass er kurze Zeit später vom Feld gehen musste. Der für ihn eingewechselte Möhwald beging auch gleich ein Foul an Reus. Der Freistoß war eine sehr lustige noch nie gesehene Variante, bei der Guerreiro den Freistoß zunächst antäuschte, so dass jeder dachte, Reus würde stattdessen schießen, während der zunächst ins Leere gelaufene Guerreiro umdrehte und den Freistoß nun doch ausführte, was die Bremer offensichtlich so verwirrte, dass niemand in den nun völlig verwaisten Strafraum mitlief, wo Alcacer per Kopfball zum 1:0 einnickte. Aber auch dieser Treffer sollte wegen Abseits nicht gegeben werden. Diesmal allerdings hatte der Videomann ein Einsehen und gab dem Schiedsrichter den richtigen Tipp. Ein schneller Angriff auf den anderen rollte auf die Werderaner Abwehr zu, die einige Chancen zwar vereiteln konnte, aber viele eben auch nicht, so dass der BVB viel mehr Tore hätten schießen müssen als die zwei, die am Ende an der Tafel standen. Und als der überragende Kruse mit einem Glücksschuss, der bei einem Könner wie ihm nicht wirklich ein Glückschuss war, auf 2:1 herankam, ließ einen der BVB bis zum Schluss bangen, ob nicht doch noch irgend ein krummes Ding reingehen würde. Retrospektiv sieht man zwar sofort, dass der Sieg der Dortmunder mehr als verdient war, aber bei einem so knappen Vorsprung muss man immer mit allem rechnen. Und auch wenn das wahrscheinlich alle auf dem Rasen wissen, gerieten die Dortmunder deshalb nicht in Hektik wie in der letzten Saison, sondern blieben cool und konzentriert bis zum Spielende. Bis zum Schluss setzten die Bremer die Dortmunder unter Druck, die sich immer wieder spielerisch befreiten und nicht einfach nur den Ball nach vorne bolzten. Der BVB hat wieder ein Zeichen gesetzt für das schöne Spiel. Schnelle, scharfe und direkte Pässe sind das Markenzeichen. Dafür stehen vor allem Reus, Sancho, der auch diesmal wieder eine Vorlage beisteuerte, und Alcacer, der bereits sein 11. Tor schoss, und auch Guerreiro sieht man an, dass er unbedingt wieder in die Startelf zurückkehren will. Es ist ein großer Genuss, dieser Elf zuzusehen, die jetzt 9 Punkte Vorsprung auf den 2. Gladbach hat, denn die »Fohlen« holten in Hoffenheim durch ein glückliches torloses Remis nur einen Punkt. Ins Westfalenstadion kehrte der an Bremen verkaufte Nuri Sahin zurück und wurde von der Südkurve wie ein verlorener Sohn gefeiert, und das war mal wieder ein schöner Moment für Nostalgiker wie mich.

Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Reus kündigte vor dem Derby gegenüber den Fans Wiedergutmachung an, denn das letzte Aufeinandertreffen war ein Desaster, weil der BVB eine 4:0-Führung zur Halbzeit noch verspielte, als Naldo in der Nachspielzeit noch der Ausgleichstreffer gelang. Das war ein großer Knacks im Dortmunder Mannschaftsgefüge, der sich den ganzen Rest der unglückseligen letzten Saison hinzog. Die letzten fünf Derbys konnte der BVB nicht mehr gewinnen, aber diesmal standen die Chancen so gut wie selten nicht mehr, denn Schalke hatte zu Saisonbeginn nicht nur eine beeindruckende Serie von Niederlagen hingelegt, auch in der Folgezeit konnte man gerade mal vier Siege verbuchen, nicht viel für Teilnehmer der CL. Aber da man weiß, dass ein gewonnenes Derby jede vermurkste Saison retten kann, konnte man nicht im vornherein sicher sein, dass ein Sieg der Dortmunder glatt über die Bühne gehen würde. Und er ging auch nicht glatt über die Bühne, denn Tedesco setzte auf ein besonders fieses Mittel, um die Überlegenheit der Dortmunder zu brechen. Er setzte auf Kampf, Fouls, Übermotivation und Provozieren des Gegners. In diesem speziellen Fach fiel besonders Caligiuri auf, der nach dem ungerechtfertigten Ausgleich durch einen Elfer eine Rudelbildung auslöste mit Schubsern und Rangeleien, die er dazu nutzte, sich theatralisch fallen zu lassen. Und Burgstaller verletzte sich bei einer ebenso übermotivierten wie sinnlosen Grätsche, weil der Dortmunder eben viel zu schnell war, und auch die Gegenspieler von Sancho mussten eine Demütigung nach der anderen über sich ergehen lassen, weil der kleine Engländer die Schalker auch zu zweit oder zu dritt immer wieder schlecht aussehen ließ. Die Dortmunder ließen sich nicht aus dem Konzept bringen, blieben ruhig und spielten ihre technische Überlegenheit aus, die allerdings häufig genug von der Schalker Robustheit unterbrochen wurde. Tedesco zog sogar trotz Kälte seine Jacke aus, um seinen Spielern zu signalisieren, dass sie noch einen Zacken zulegen sollten, was taktisch gesehen ein bisschen dürftig ist. Er erreichte durch diese Vorgaben an seine Mannschaft nur das brutale Einsteigen beispielsweise von Sané, der bei einer Ecke im Dortmunder Strafraum ohne die geringste Chance an den Ball zu kommen sich straflos in einer Spielertraube wuchtete und dabei Witsel so am Kopf traf, dass es an ein Wunder grenzte, dass der Belgier anschließend noch weiterspielen konnte. Wunderschön anzusehen waren nur die Dortmunder Aktionen, wie die, die zum 2:1 durch Sancho führte nach Doppelpass mit Guerreiro. Am Ende hätte Dortmund eigentlich ein, zwei Tore mehr schießen müssen, denn Reus vergab noch eine Riesenchance und Guerreiro traf nur den Pfosten. Dennoch war es keine Gala, weil nicht nur Schalke, sondern auch die anderen Bundesligamannschaften versuchen ihre technische Unterlegenheit durch defensive Härte zu kompensieren. Wichtig war der Sieg vor allem deshalb, um die Bayern, die gegen schwache Nürnberger 3:0 gewannen, auf Distanz zu halten. Zwei andere Verfolger hingegen ließen Federn, Leipzig ging in Freiburg gleich 3:0 unter, während leider auch die Eintracht mit seinem hochgelobten Sturm die zweite Niederlage hintereinander hinnehmen musste, und das ausgerechnet in Berlin, weil die Frankfurter zu spät aufdrehten und nach einem klaren Foul von Grujic an Jovic keinen Elfmeter zugesprochen bekamen.

Die Wahrheit über den 13. Spieltag

Dass das Heimspiel der Dortmunder gegen Freiburg kein Selbstläufer werden würde, war zu erwarten, denn nicht nur fordern trotz großen Kaders die englischen Wochen ihren Tribut, auch versuchen die gegnerischen Trainer natürlich ein Rezept zu finden, um die Offensive der Dortmunder möglichst wirkungslos zu machen, weil nach diversen Spielen zu sehen war, dass die meisten Bundesligavereine auf diesem Niveau nicht mithalten können. Wenn sie das Spiel offen gestalten wollten, also selbst in die Offensive gehen wollten, dann konnte es hin und wieder sein, dass sie eine ordentliche Packung bekamen. Also verfiel der Freiburg-Trainer Streich auf die naheliegende Idee, mit einer Fünferkette die Räumen möglichst so eng zu machen, dass sie sich spielerisch nur schwer aushebeln ließ. Natürlich kommt unter solchen Voraussetzungen kein spannendes Spiel zustande. Und so war es auch an diesem Abend in Dortmunder Stadion, wo das Spiel fast ausschließlich in der Freiburger Hälfte stattfand, es also lediglich um die Frage ging, würde es den Dortmundern gelingen, den Riegel zu knacken, oder würden sie sich die Zähne daran ausbeißen, was erfahrungsgemäß nicht sonderlich attraktiv ist. Zudem war es merkwürdig still im Stadion, weil die Fans gegen die zunehmende Kommerzialisierung im Fußball protestierten, ein Kampf gegen Windmühlen, denn weder die Vereine noch dazn oder sky werden damit aufhören, aus der Leidenschaft für den Fußball pekuniär alles herauszupressen, was nur irgendwie geht. Trotz dieser Widrigkeiten, versuchten die Dortmunder, mit schnellen Kombinationen die Abwehr in Verlegenheit zu bringen, was ihnen hin und wieder auch tatsächlich gelang. Vor allem Sanchez ist kaum zu bremsen, und man fragt sich, wie es in so kurzer Zeit zu dieser Leistungsexplosion kommen konnte. Man kann jetzt schon sicher sein, dass alle großen europäischen Vereine ihn im Visier haben, denn er ist für jede Mannschaft ein großer Gewinn, weil er durch seine Dribbelkünste und seine Schnelligkeit in der Lage ist, zwei, ja sogar drei Mann auf sich zu ziehen, die dann natürlich woanders fehlen. Er hat einen sensationellen Überblick und seine Vorlagen sind klug und präzise. Er ist jetzt schon ein einzigartiges Talent, und wie es aussieht, auch ein Talent, dass mit seinen Gaben nur auf dem Spielfeld verschwenderisch umgeht, dem der plötzliche Reichtum nicht so zu Kopf steigt wie Dembele, der mit seinen Starallüren nicht einmal für Barcelona tragbar ist, wo man ihn gerne wieder los werden würde. Auch diesmal hatte der BVB Sancho das alles entscheidende Tor zu verdanken, wenngleich nur durch ein an ihn begangenes Foul im Strafraum. Reus verwandelte den Elfer und schuf dadurch eine knappe Führung, die nur einmal durch einen an die Latte klatschenden Freistoßschuss gefährdet war. Auch diesmal wurde Alcacer erst spät für Götze eingewechselt, und auch diesmal gelang ihm in der Nachspielzeit nach Vorlage von Pisczcek das 2:0. Obwohl er zumeist nur 20 Minuten auf dem Platz steht, führt er die Torschützenliste an. Bayern siegt nun auch wieder, aber der Unbesiegbarkeitsnimbus ist verloren gegangen. In Bremen spielte man die letzten zehn Minuten auf Zeit, um die 2:1-Führung irgendwie über die Runden zu kriegen, die sehr glücklich durch einen Abpraller zustande kam, während Sahin nicht schnell genug war, um die Flanke von Müller zu verhindern.

Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Zum vierten Mal hintereinander konnten die Bayern nicht mehr zu Hause gewinnen. Nicht gegen Augsburg, als es an der Chancenverwertung haperte, nicht gegen Gladbach, nicht gegen Freiburg und jetzt nicht mal mehr gegen den Vorletzten Düsseldorf. Dabei wurde wie zuletzt in Dortmund deutlich, dass die bis vor kurzem noch als unüberwindliches Bollwerk geltende Abwehr mit Hummels, Boateng und Süle plötzlich löchrig wie ein Paar alter Socken ist und mit spritzigen jungen Leuten nicht mehr mitkommt. Der Alptraum Boatengs hieß Lukebakio, von dem bis zu diesem Tag nicht allzuviele Leute gehört haben dürften, wenn sie nicht zufällig Fortuna-Fans sind. Gleich drei Tore steuerte er zum 3:3-Endstand bei, und jedes Mal sah Boateng nicht gut aus. Zu abwartend, zu langsam, zu unbeteiligt, und vermutlich beißen sich Rummenigge und Hoeneß gegenseitig in den Hintern, dass man diesen Brillenwerbeträger nicht Anfang der Saison nach Paris hat ziehen lassen, als jemand für ihn noch etwas ausgegeben hätte. Dennoch waren die Bayern spielerisch überlegen, und vermutlich sprachen alle Werte für sie, sie führten bis zur 75. Minute mit 3:1, und eigentlich hätte nichts mehr passieren dürfen, und noch bis zu Beginn der Saison wäre auch nichts passiert, weil jede Mannschaft im eigenen Strafraum verharrend auf den finalen Todesstoß gewartet hätte. Aber die Bayern-Krise hat sich herumgesprochen, vielleicht auch die Erkenntnis, dass die Chancen zu verlieren nicht größer werden, wenn man stürmt, aber immerhin dann die Chance besteht, einen oder auch drei Punkte mitzunehmen. Und wenn man bei den Bayern schon kein Glück bei der Chancenverwertung hat, dann kommt auch noch Pech in Form von Unvermögen hinzu, wie in der 93. Minute, als Hennings einfach den Ball Richtung Bayern-Tor schießt, zufällig genau in den Lauf von Lukebakio, der auch noch als Höchststrafe Neuer durch die Beine schießt. Die Stimmung bei den Bayern war hervorragend. Nico Kovac war sauer und total enttäuscht. Und Hoeneß will alles im Verein auf die Waage stellen, nur sich selbst nicht, was er aber mal dringend tun müsste. Er würde eine Überraschung erleben. Kovac, der von Hoeneß bis zuletzt noch unterstützt wurde, steht zur Disposition und hat nur noch eine Gnadenfrist bis zu nächsten Spiel morgen gegen Lissabon. Inzwischen haben die Bayern neun Punkte Rückstand auf Dortmund, keine Differenz, die beunruhigen müsste, aber dazu müsste man erstmal wieder in Spur kommen, aber das »Siegergen«, von dem man in München immer triumphierend gesprochen hat, ist zerbröselt. Den Dortmundern kanns nur recht sein. Sie haben jetzt den bislang von Barcelona nur ausgeliehenen Alcacer verpflichtet, und weil er der beste von der Bank kommende Torschütze ist, wird er immer nur eingewechselt. So auch im Spiel gegen zuletzt und auch diesmal wieder stark aufspielende Mainzer, die es den Dortmundern nicht einfach machten und phasenweise die Schwarzgelben in deren eigene Hälfte pressten. Und wieder war Sancho der Dosenöffner, der einen präzisen Steilpass auf Reus spielte. Plötzlich frei auf den Mainzer Torwart zulaufend, brauchte er nur noch quer auf Alcacer zu spielen, und nach dem Ausgleich kurz danach, gelang Piszczek mitten im Gewühl am Sechszehner ein Glücksschuss in den Winkel, womit die Dortmunder das Glück zu sich gelockt haben, das sich von den Bayern abgewendet hat. Vielleicht ist Bayern einfach zu lange zu souverän von Sieg zu Sieg geeilt, mit einem Nimbus, der die Gegner im vornherein einschüchterte, die darauf bedacht waren, nur nicht zu hoch zu verlieren. Vielleicht rächt sich das jetzt, während Dortmund für jeden Sieg sich abstrampeln muss. Immerhin ist das mal weniger langweilig, weshalb fast alle Fußball-Fans die Spiele von Dortmund gucken wollen.