Kategorie-Archiv: Blutgrätsche

Die Wahrheit über den 7. Spieltag

Vier Spieltage waren die Bayern sieglos geblieben. Dafür gibt es vermutlich alle möglichen Gründe, wie z.B. die Überalterung des Kaders, Verletzungspech, vielleicht schlechte Stimmung. Man steckt nicht drin, aber ein Grund dürfte es sicherlich nicht gewesen sein, nämlich die Presse, weil sie so schlecht über die Bayern schreibt. Bislang haben sich die Profis nicht durch intellektuelle Anstrengung hervorgetan, vielmehr sind sie eben schnell beleidigt, weil sie sich als Millionäre und durch ihren Status als Stars unantastbar fühlen und mindestens eine Hofberichterstattung erwarten, was häufig ja auch der Fall ist. Hoeneß und Rummenigge haben ihren schlechten Ruf noch etwas vertieft und auf einer Pressekonferenz zu verstehen gegeben, dass sie es als Majestätsbeleidigung ansehen, wenn »herabwürdigend«, ja sogar »Menschenverachtend« über den Verein und die Spieler berichtet wird. Damit konfrontiert, dass Hoeneß auch nicht gerade zimperlich ist und andere Spieler schon mal als »geisteskrank« bezeichnet hat, suchte Hoeneß Zuflucht in der hochkochenden Emotionalität unmittelbar nach dem Spiel, auch wenn der »Scheißdreck«, den jemand gespielt haben soll, schon eine Stunde lang vorbei war. Und Rummenigge berief sich gar auf Artikel 1 des Grundgesetzes und jeder noch so gewogene Reporter muss vor Scham angesichts dieser Peinlichkeit in den Erdboden versunken sein. Jedem dürfte klar gewesen sein, dass dieses Manöver – ganz wie Mourinho das immer gemacht hat – dazu diente, die Aufmerksamkeit auf den Vorstand zu lenken, um die Spieler aus den Fokus zu nehmen. Und das hat dann ja auch geklappt, denn die Bayern gewannen ziemlich souverän in Wolfsburg mit 3:1, was sie allerdings vermutlich auch getan hätten, hätte es die Pressekonferenz nicht gegeben, auf der Rummenigge sich über die »faktische« Berichterstattung beschwerte. Und das ja auch irgendwie zu recht, denn würde jeder immer nur die Fakten referieren, wäre die Langeweile vollkommen. Für die Fakten gibt es das Fernsehen, wo man mit eigenen Augen immer noch unterschiedliche Fakten wahrnimmt, aber wenn man schon liest, will man ein bisschen mehr erfahren. Denn was macht schließlich den Fußball aus? Das Theater, die Ausraster, die Beschimpfung, die ungerechtfertigten Anschuldigungen und niemand weiß das besser als Hoeneß, der immerhin schon mal spielsüchtiger Börsenspekulant war und jetzt auch noch eine lächerliche Figur aus der Muppetshow. Das Erstaunliche ist nur, dass solche Figuren einen so umsatzträchtigen Verein wie Bayern führen, aber gerade weil das so ist, können sie sich gar nicht lächerlich genug machen, denn wären sie nicht durch ihren Status geschützt, könnte man sie auch für einen Fall für die Anstalt halten. Aber in jedem Fall hatte die Show einen großen Unterhaltungswert, und zwar auch deshalb, weil die bitteren Vorwürfe der beiden Chefs, dass viele der Pressevertreter sie gerne verlieren sehen würden, so herzzerreißend waren. Und man fragt sich bereits, was noch zu erwarten sein wird, wenn die Bayern wieder verlieren sollte. Der BVB jedenfalls kann dem absurden Theater entspannt zusehen. Mit 4:0 gewann man diesmal in Stuttgart, ausnahmsweise mal in der ersten Halbzeit, wo man mit einem 3:0 schon frühzeitig alles klar machte, während man die ersten 15 Minuten der 2. Halbzeit mit Glück überstand, als die Schwaben so nett waren, allergrößte Chancen zu versieben.

Die Wahrheit über den 6. Spieltag

Jedem, der das Spiel gesehen hat, steckte es danach noch lange in den Knochen, und keiner wird es wohl so schnell vergessen. Ausgerechnet in einer Schalke-Kneipe feierten die BVB-Fans im Siegestaumel. Und dabei war es nur eine Bundesligapartie, es ging nur um drei Punkte und der Gegner war mit Augsburg auch nicht gerade von der Sorte, die ein absolutes Top-Spiel erwarten ließ. Immerhin ließ das Remis der Augsburger in München aufhorchen, aber so ein Glück hat man in der Regel nur einmal im Leben. Die Augsburger zeigten von der ersten Minute an, dass sie nicht nur mitspielen wollten, sondern dass sie aus Dortmund etwas mitnehmen wollten. Sie spielten ein nicht gerade inspiriertes, aber effektives Manndecken, sie spielten hart an der Grenze des Erlaubten mit sechs gelben Karten und einem Foulverhältnis von 22:4, und genau aus diesem Grund haben sie auch völlig zu Recht verloren, aber immerhin haben sie sich nicht eingeigelt, sondern haben immer wieder gefährliche Angriffe gefahren, bei denen die Dortmunder Viererkette mit Diallo, Zagadou, Akanji und Hakimi nicht immer gut aussah. Die Partie war in der ersten Hälfte optisch ausgeglichen, aber während Reus einen präzisen flachen Pass in den Rückraum über die Latte knallte, nutzten die Augsburger ihre Chancen besser und mit dem Schiedsrichter auf ihrer Seite nutzte Finnbogason das Chaos in Dortmunds Strafraum, um nach einem Foul an Reus und nach einem Handspiel schließlich den Ball ins Tor zu bugsieren. Der BVB tat einiges, aber erst in der 60. Minute kam mit Paco Alcacer der Joker ins Spiel, der bislang immer gestochen hat. So auch hier, denn nur zwei Minuten später eroberte Witsel den Ball, passte ihn präzise auf die rechte Seite zu Sancho, der ihn wiederum sofort und ebenso präzise quer auf Alcacer spielte. Ein Spielzug, wie er im Lehrbuch steht und dennoch nur selten zu sehen ist. Aber Augsburg gab nicht auf, ein Querschläger landete bei Max, der freistehend einschießen konnte. Wieder war es Alcacer, der nach einem von Guerreiro schnell ausgeführten Freistoß sehenswert den Ball ins Netz wuchtete. Das war in der 80. Minute. Und dann ging es Schlag auf Schlag, denn bereits in der 82. Minute nahm der eingewechselte Mario Götze bei seinem Bundesliga-Debüt elegant einen Pass in die Tiefe von Hakimi mit und schob den Ball unter den herausstürzenden Luthe hindurch in die Maschen. Aber die Partie war immer noch nicht gelaufen, denn den Augsburger gelang der Ausgleich mit dem Kopfball von Gregoritsch, bei dem Bürki nicht gut aussah. Nun endlich versuchten die Augsburger den Punkt festzuhalten, verzögerten das Spiel und begingen Fouls, und das letzte wurde ihnen dann zum Verhängnis, denn der Schiedsrichter, der ziemlich einseitig gegen Dortmund gepfiffen hatte, ließ über die 4 Minuten Nachspielzeit hinaus das Spiel laufen und den Freistoß ausführen. Mit Guerreiro und Alcacer standen zwei dafür bereit, und als Alcacer anlief, lief auch Guerreiro nach rechts als ob er angespielt werden wollte, um flanken zu können. Mit diesem Täuschungsmanöver jedoch lockte er den entscheidenden Mann aus der rechten Seite der Mauer heraus, der sich Guerreiro in den Weg stellen wollte, und genau durch die nun frei gewordene Lücke der Mauer segelte der Ball in der 96. Minute ins Toreck. Genau so muss es sein, eine perfekte Dramaturgie mit einem Happy end. Und weil Bayern zu Hause in einem extrem uninspirierten Spiel gegen Gladbach mit 3:0 verloren, war dieser Tag noch perfekter als perfekt, nämlich wundervoll. Und man stellt sich Hoeness vor, wie er zum Telefon greift und den »Jupp« wieder zu überreden versucht. »Geh, Jupp, nur noch das eine Mal, versprochen.«

Die Wahrheit über den 5. Spieltag

Mit einer im Vergleich zum letzten Spiel in Hoffenheim auf fünf Positionen veränderten Startelf und mit drei Spielern, die bislang nur Kurzeinsätze zu verzeichnen hatten, trat der BVB gegen den Club aus Nürnberg an, und siehe da, es wurde gut, denn niemand, der die letzten Begegnungen gesehen hatte, konnte sich ernsthaft Hoffnung machen auf ein so rasantes Spiel, wie es die Dortmunder diesmal ablieferten. Weil die zumeist jugendlichen Spieler des BVB Lust hatten, immer weiter zu machen und nicht automatisch nach einem 2:0 auf Ergebnishalten umschalteten, deshalb hieß es am Ende gleich 7:0. Eine regelrechte Gala, ein Spielwitz und eine Kombinationsfreude, die man schon lange nicht mehr so gesehen hat beim BVB und die gepaart waren mit Effektivität im Abschluss. Zagadou war mehr als nur ein Ersatz für den rotgesperrten Diallo und er empfahl sich ebenso wie Hakimi, der sein Saisondebut auf der rechten Außenbahn gab als Ersatz für Piszczek. Die Leihgabe von Real Madrid war schnell und schoss mit einer Abgebrühtheit und Routine das 3:0, die man sonst selten sieht bei einem 18jährigen. Natürlich hatten die Nürnberger spätestens nach dem 3. Gegentor in der 49. Minute keine Lust mehr, denn obwohl sie ja als Aufsteiger bisher keine schlechte Bilanz aufweisen, wurden ihnen nun ziemlich heftig die Grenzen aufgezeigt, denn in keiner Phase des Spiels hatten sie irgendwie einen Zugriff, und es hatte nichts genützt, dass sie einen Fünferriegel vor dem Tor aufgebaut hatten. Und nachdem ihnen schließlich die Vergeblichkeit vor Augen geführt wurde, auch nur einen Treffer zu erzielen, fielen die Tore für den BVB wie reife Früchte vom Baum. Sogar der Innenverteidiger Akanji betätigte sich als Stürmer im gegnerischen Strafraum und schoß ein Tor, ebenso wie Hakimi und am Ende sogar der eingewechselte Weigl, der sonst auch nicht gerade als gefährlicher Torjäger gilt. Bruun-Larsen, der sich mit dem zweifachen Torschützen Reus blind verstand, muss noch hervorgehoben werden, denn er erzielte mit einem wundervollen Lupfer das 1:0, so dass der verletzte Alcacer überhaupt nicht vermisst wurde. Ob wegen dieser glanzvollen Vorstellung der Knoten geplatzt ist, ist kaum anzunehmen, denn im nächsten Spiel kann Dortmund schon wieder den öden Fußball der letzten Spiele zeigen, aber immerhin gibt es Hoffnung, dass in der Wundertüte eben auch manchmal so ein tolles Spiel dabei ist, und wenn das ein wenig häufiger der Fall ist als in der letzten Saison, kann man ja auch schon froh sein. Platz für Götze scheint da jedenfalls nicht mehr zu sein, denn auch diesmal stand er nicht mal im Kader. Dafür hat sein Bruder Felix den 1:1-Ausgleichstreffer der Augsburger in München erzielt, der den Bayern schwer im Magen liegt, dabei brauchen sie sich gar keine Sorgen machen, denn es lag einfach nur an der sensationell schlechten Chancenverwertung und nicht daran, dass Kovac zu viel rotiert hätte. Und Schalke gelingt das Kunststück als Vizemeister auch das 5. Bundesligaspiel in Folge zu verlieren. Diesmal immerhin nur knapp mit 1:0 in Freiburg, aber das war auch nicht so unverdient, jedenfalls kann man nicht behaupten, Freiburg hätte so viel Glück gehabt wie Augsburg. Und Werder erwies sich im Spitzenduell gegen Hertha als die bessere Mannschaft, die verdient 3:1 gewann und die Berliner wieder auf Normalmaß zusammenschrumpfen ließ, was nicht zuletzt an den Ex-Dortmunder Sahin lag.

Die Wahrheit über den 4. Spieltag

Nach der mehr als mäßigen Vorstellung des BVB gegen Brügge in der CL, die nur durch einen glücklichen Abpraller für die Dortmunder entschieden wurde, aber ansonsten sehr an die unseligen Spiele gegen Nikosia in der letzten Saison erinnerte, die immerhin der Grund waren für den radikalen Umbau der Mannschaft, knüpften die Dortmunder in Hoffenheim an ihrer unterirdischen Leistung nahtlos an. Schon werden die ersten Zweifel geäußert, ob Favre der richtige Trainer sei, denn so einfallslos spielen zu lassen, sollte auch anderen gelingen. Favre setzte Götze auf die Tribüne, weil dessen Leistung gegen Brügge eher unauffällig war. Aber dieser Logik zufolge hätte Favre die gesamte Mannschaft auf die Tribüne schicken müssen, aber Favre setzt lieber auf seinen Zögling aus Gladbacher Zeiten Dahoud, dessen Pässe aber die Präzision vermissen lassen, der in manchen Situationen einfach zu langsam ist und der, statt das Spiel zu öffnen und zu beschleunigen, den Ball lieber selber nach vorne schleppt. Aber das ist nur die auffälligste Randnotiz, denn bei fast allen Dortmundern könnte man sich ähnlich fragen, warum sie auf dem Platz standen. Hoffenheim war nach einem kurzen Feuerwerk der Dortmunder zu Beginn der Partie in allen Belangen überlegen und daran änderte sich auch nach der Pause nichts, wo man vielleicht die Spielweise neu justieren hätte können. Der BVB hatte zweifellos Glück, da sind sich die Experten alle einig, denn Hoffenheim spielte nicht nur überlegen, sie hatten auch etliche Großchancen, als Bittencourt allein vor Bürki auftauchte oder Beldodil in der Nachspielzeit zwei Meter vor dem Tor nicht traf. Der BVB hatte es nicht verdient, einen Punkt mitzunehmen, weil sie einfach die schlechtere Mannschaft war. Aber gleichzeitig wurde der BVB massiv vom Schiedsrichter benachteiligt, denn Pulisic wurde in der Anfangsphase klar gefoult, und zwar auf der Strafraumlinie, und man weiß nicht, warum es den Videobeweis gibt, wenn man den Schiedsrichter einfach weiterspielen lässt, denn in der Wiederholung der Szene konnte kein Zweifel mehr an dem Foul bestehen. Und dass schließlich Diallo vom Platz gestellt wurde, weil er als letzter Mann Kramaric angeblich zu Fall brachte, war nach näherer Sichtung der Szene ein Witz, denn es handelte sich um einen Zweikampf, in dem Diallo den Ball zum Torwart zurückköpfte, bevor sich Kramaric zu Boden fallen ließ. Eine »harte Entscheidung«, hieß es, aber es war keine harte, sondern eine falsche Entscheidung. Und schließlich hatte Hoffenheim auch noch Glück, denn das 1:0 durch Joelinton kam nur zustande, weil der Brasilianer beim Schuss ausrutschte und erst dadurch dem Ball die richtige Richtung gab. Und auch außerhalb des Spielfelds endete die Partie mit einem miesen Remis, denn das Eigentor durch Hopp, der als zartfühlender Mäzen seine guten Taten für den Fußball nicht genügend gewürdigt sah und beleidigt von Schmähgesängen gegen 30 BVB-Fans Strafanzeige gestellt hatte, glichen die Südtribünen-Fans mit einem Banner aus, auf dem stand: »Hasta la vista, Hopp« mit Hopps Konterfei in einer Zielscheibe, was ebenso einfallslos wie geistlos ist, aber auch gleichzeitig zeigt, auf welchem Niveau im Fußball Auseinandersetzungen stattfinden. Aber es passt zum trüben Erscheinungsbild, das die Dortmunder z.Z. abgeben, die in dieser Form gegen die meisten Bundesligateams keine Chance haben dürften, nicht mal gegen den Club, gegen den es am Mittwoch geht und der gegen Hannover 2:0 gewann.

Die Wahrheit über den 3. Spieltag

Diesmal gab es einige sehr schöne und überraschende Ergebnisse und vor allem, man brauchte dazu nur die letzten zwanzig Minuten zu gucken, weil es erst ganz am Schluss spannend wurde. Vorher war es häufig sehr sehr öde, wie z.B. in der Begegnung Wolfsburg gegen Hertha, also so, wie man das bei diesen beiden Mannschaften erwartet, bei denen man auch nie weiß, wem man die Daumen halten soll. Zweimal ging Hertha in Führung. Erst in der 87. Minute glichen die Wolfsburger nach einem stümperhaften Foul eines Herthaners aus. In der 91. Minute legte Hertha wieder vor mit einem schönen Freistoß von Duda unter der hochspringenden Mauer hindurch. Schon rumpelstilzte Dardai an der Außenlinie entlang, als in der 93. Minute Mehmedi nach einer Flanke elegant durch Jarsteins Beine den Ausgleich schaffte. Bei diesem Spiel hätten also sogar die letzten sieben Minuten genügt und man hätte nichts verpasst. Bei der Begegnung Gladbach gegen Schalke war es ähnlich. Die Statistik war ausgeglichen, aber Gladbach machte die Tore, bevor Schalke in der 94. Minute noch der Anschlusstreffer zum 2:1 schaffte. Jetzt stehen sie nach drei Spieltagen ohne einen Punkt da, was für einen Vize-Meister ein bisschen wenig ist, aber dennoch ist Tedesco auf seine Mannschaft »stolz«. Fragt sich nur worauf. Und schließlich erkämpfte sich die Fortuna gegen Hoffenheim ebenfalls in der Schlussphase drei Punkte. Erst in der 86. Minute gelang den Hoffenheimern nach einem stümperhaften Abwehrverhalten der Düsseldorfer der Ausgleich, aber nur zwei Minuten später rammte der Hoffenheimer Vogt seinen Gegenspieler im Strafraum um und verursachte einen Elfer, den Lukebakio sicher verwandelte. Und auch in Mainz fielen die Treffer zum 2:1-Sieg der Mainzer gegen Augsburg erst in den letzten zehn Minuten. Was sagt uns das? Dass die Mannschaften zunächst auf Sparflamme spielen, weil es reicht, wenn sie in den letzten Minuten auf die Tube drücken. Das allerdings ist ein Glücksspiel, denn es reicht manchmal eben nicht, in der 92. in Führung zu gehen, weil man in der 94. immer noch den Ausgleich kriegen kann. Für den Zuschauer hingegen bedeutet es, man kann achtzig Minuten des Spiels mit sinnvolleren Dingen verbringen. Favre lässt Götze auch weiterhin auf der Bank und 40 Millionen Fußballexperten machen sich Sorgen um das Sorgenkind. Ist er vielleicht zu langsam? Fehlt ihm die Dynamik? Niemand weiß es. Aber in Dortmund ist er nicht das einzige Sorgenkind, denn auch für Kagawa und Guerreiro wird es eng, wenn sie wieder zur Verfügung stehen. Immerhin durfte zum ersten Mal Paco Alcacer für 25 Minuten ran und traf prompt nach einer einstudierten Ecke, allerdings unter tätiger Mithilfe eines Frankfurters, der den Ball unhaltbar abfälschte. Übrigens auch in der 88. Minute. Immerhin ließen die Dortmunder der Eintracht wenig Möglichkeiten. Dass ihr dennoch ein Tor gelang, war eine Mischung aus Zufall und Glück. Dass Dortmund sich durch den zwischenzeitlichen Ausgleich nicht verunsichern ließ, ist vielleicht das Positive an der zumindest in der Offensive noch wahnsinnig jungen Mannschaft. In der Abwehrkette setzt Favre auf Erfahrung, und irgendwie scheint es zu klappen, auch wenn der Glanz eines Aubameyangs und eines Dembele noch lange fehlen wird, denn ob Sancho und Bruun Larsen sie ersetzen können, kann man noch nicht sagen. Und wenn es so wäre, könnte man sicher sein, dass sie schnell wieder weg wären.

Die Wahrheit über den 2. Spieltag

Bereits nach dem 2. Spieltag hat man das Gefühl von business as usual, denn Bayern siegt auch diesmal wieder ohne Probleme. Stuttgart kam kaum aus der eigenen Hälfte heraus, oder wollte das erst gar nicht, um die Niederlage nicht noch höher als bloß 3:0 ausfallen zu fallen, und diesmal benötigten die Bayern nicht mal eine Schwalbe von Ribéry, um das Spiel zu drehen. Beim 0:0 in Hannover zeigte der BVB vor allem, dass man noch weit entfernt ist von einer Form, mit der man den Bayern gefährlich werden könnte. Die Dortmunder waren in den Zweikämpfen nicht präsent genug und verloren zu schnell wieder den Ball. So sah die Diagnose von Lucien Favre aus, und da könnte man noch einiges hinzufügen, denn die Dortmunder spielten nicht präzise und ließen sich durch das hohe Anlaufen der Hannoveraner unter Druck setzen. Wenn aber eine Mannschaft die andere schon in deren Hälfte beharkt, dann sollte eine Mannschaft mit dem Anspruch des BVB in der Lage sein, die sich bietenden Räume zu nutzen, wozu es aber eines Spielmachers bedarf, der mehr zustande bringt als Dahoud, der zwar fleißig läuft, aber viel zu selten einen entscheidenden Pass zustande bringt. Dennoch hätte der BVB das Spiel gewinnen müssen, aber Reus vergab zwei hunderprozentige Chancen. Hannover spielte hingegen an seinem Limit, ohne sich auch nur eine einzige erwähnenswerte Chance zu erspielen. Zumindest hat der BVB begriffen, dass es nicht mehr auf Ballbesitz allein ankommt, d.h. die Innenverteidiger spielten nicht mehr wie in der letzten unglückseligen Saison hinten den Ball hin und her, sondern Diallo und Akanji spielten häufig auch steil, aber es gibt im Dortmunder Spiel einfach noch zu viele Missverständisse, er knarzt im Spielaufbau, und das ist auch nicht verwunderlich, ist Favre doch mit der nicht ganz leichten Aufgabe konfrontiert, jede Menge neue Spieler zu integrieren, während die Bayern sich auf den alten eingespielten Kader verlassen können. Die Überraschungen dieses Spieltags spielten sich in anderen Stadien ab. Wolfsburg gewann bei den hoch favorisierten Leverkusenern mit 3:1 und machte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, wieder an die letzte Saison anknüpfen zu wollen. Die VW-Wölfe spielten auf Augenhöhe und hielten auch in Phasen dagegen, als Leverkusen überlegen war. Jetzt muss Heiko Herrlich mit seiner Mannschaft beim nächsten Spiel zu den Bayern und wird dann seine 3. Niederlage kassieren. Dann allerdings wird die Sache schon etwas unangenehmer. Nach Frankfurt ist der verlorene Sohn Kevin Trapp zurückgekehrt, nachdem er in Paris nur noch geringe Chancen hatte, das Tor zu hüten. Sein Einstand gegen Bremen war jedoch nicht sehr erfreulich, denn in einem hart umkämpften Spiel gewannen die Werderaner in der 96. Minute durch ein Freistoßtor von Rashica. Dabei musste die Eintracht eine Stunde lang in Unterzahl spielen, weil der Linksverteidiger Willems seine Nerven nicht im Griff hatte und seinem Gegner so offenkundig ins Gesicht schlug, dass nicht mal ein Videobeweis nötig war, woran man sehen kann, dass man trotz der drei Punkte, die man Freiburg holte, nervös ist, denn auch bei der Eintracht ist der Umbruch riesig, während die Bremer sich mit Sahin verstärkt haben und mit ihm zusätzliche Spielstärke gewinnen dürften, während in Dortmund der ehemalige Bremer Delany im Mittelfeld die Bälle erobern soll. Die Frage ist: Wer profitiert mehr davon?

Die Wahrheit über den 1. Spieltag

Der BVB hat seinen Kader wie nichts Gutes umgekrempelt. Der geballte Sachverstand des neuen Quartetts Watzke, Sammer, Kehl und Zorc hat die Schwachstelle an den fehlenden Führungsspielern festgemacht und unsichere Kandidaten wie Castro im Mittelfeld abgegeben. Andere wie Rode und Toljan, die wohl kaum mehr spielen werden, hatte man nahegelegt, den Verein ebenfalls zu verlassen, aber die beiden wollen ihren gut dotierten Vertrag lieber absitzen. Hier hat der Verein leider nicht die Möglichkeit mit Mitteln des Streiks das Vertragsverhältnis zu kündigen wie Dembele es gemacht hat, wobei allerdings 100 Millionen ein gutes Schmerzensgeld waren, die einiges für das neue Umsatzrekordjahr beigetragen haben, obwohl sportlich die Saison eher mau war. Aber die Show geht weiter, die Umsätze und die Ablösesummen werden auch weiterhin steigen, und niemand weiß so genau, warum eigentlich, denn das, was man geboten bekommt, schon lange nicht mehr mit den Summen mithalten kann. Der BVB setzt jetzt auf Mittelfeldkämpfer wie Witsel und Delaney, die nicht glänzen, sondern ackern sollen, d.h. vermutlich, dass man beim BVB nicht mehr soviel Rasanz, sondern mehr Arbeitssiege erwarten kann, und das ist als Ergebnis der Analyse auch nicht verwunderlich, waren Zorc, Kehl und Sammer alles Vertreter dieser Arbeitsmoral, die im Mittelfeld und in der Abwehr vor allem darauf achteten, dass hinten nichts anbrannte. Diese riesige Umstrukturierungsmaßnahme soll demnächst durch den Stürmer aus Barcelona Alcácer abgeschlossen werden, ein »Star«, der kaum spielte, weil er an Messi natürlich nie vorbeikam. Bayern hingegen hielt sich merkwürdig zurück, als hoffte man, die turbulenten Preise würden sich in der nächsten Saison wieder legen. Andererseits ist man bei den Bayern auch im Besitz eines ausgezeichneten Kaders, der für die nächste Meisterschaft und den Pokal mehr als ausreicht, wenn auch nicht für die CL. Leverkusens Trainer Heiko Herrlich hält seinen Ex-Verein, den BVB, für den Meisterschaftfavorit, aber es ist trotz des neuen Trainers Favre kaum abzusehen, wie sich die neue Mannschaft zusammenfinden wird. Auch Bayern tat sich im ersten Saisonspiel gegen Hoffenheim schwer und konnte das Spiel erst nach einer fragwürdigen Schiedsrichterentscheidung gewinnen, die den Videobeweis in einem schlechten Licht erscheinen ließ, denn Ribérys Schwalbe, die jeder auf Anhieb im Stadion sehen konnte, verleitete den Schiedsrichter selbst nach eingehendem Studium auf dem Bildschirm dazu, auf den Elfmeterpunkt zu zeigen. Überhaupt verbrachten die Schiris eine Menge Zeit vor dem Bildschirm, und nicht immer kam eine vernünftige Entscheidung dabei heraus. Nur bei der roten Karte, die sich Nastasic von Schalke nach seinem üblen Foul gegen den Wolfsburger Weghorst abholte, führte der Videobeweis auf die richtige Spur, denn der Schiedsrichter hatte zunächst nur gelb gegeben. Aber in diesem Spiel, das erfreulicherweise die Wolfsburger in der 94. Minute für sich entscheiden konnten, schien der Schiedsrichter etwas überfordert gewesen zu sein, denn später musste er eine rote Karte in gelb umwandeln. All diese Videobeweisführungen verändern auch das Spiel. Sie machen vielleicht einiges gerechter, wenngleich auch nicht alles, aber man kann sich über all die schönen falschen Entscheidungen gar nicht mehr aufregen, weil sie der Schiedsrichter korrigiert, und irgendwie ist das auch nicht das Gelbe vom Ei.

Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Als Rummenigge über die Details beim Trainerwechsel von Kovac von Frankfurt zu den Bayern gefragt wurde, hörte sich der nur pflichtgemäß optimistisch an. Eigentlich wollten die Bayern Tuchel verpflichten, zu dem Rummenigge, wie er sagte, schon immer ein gutes Verhältnis gehabt habe, wie überhaupt in der Branche jeder mit jedem gut befreundet ist, und deshalb tritt Kovac in der nächsten Saison seinen Job zunächst einmal als Notnagel an. Rummenigge tröstete sich damit, dass Kovac schon mal bei Bayern gespielt habe und deshalb die Vereinsstrukturen kenne, d.h. er weiß, wer die Platzhirsche sind und wo der Hammer hängt. Kovac hatte eine Ausstiegsklausel im Vertrag und natürlich wussten die Bayern davon, und sie wussten, wie billig der Mann zu haben sein würde, denn mit der Eintracht im oberen Mittelfeld mitzuspielen, mag für manche zwar erstaunlich sein, aber ein richtiger Leistungsnachweis ist es eigentlich nicht. Zudem sind bei den Bayern andere Fähigkeiten gefragt als aus einer mittelmäßigen Mannschaft eine etwas bessere mittelmäßige Mannschaft zu formen. Auch wenn in Frankfurt eine hohe Fluktuation herrscht, weil der Eintracht die guten Spieler immer weggekauft wurden, hat Kovac das gut kompensieren können, was man als Trainer allerdings auch können muss, denn mit diesem Problem sind alle Vereine konfrontiert. Natürlich ist es für jeden Trainer attraktiv, wenn man die restliche Liga als Shopping-Center benutzen kann, dennoch heißt das alles noch lange nicht, dass es mit den Bayern und Kovac klappt. Und dass es nicht klappt, ist die einzige schwache Hoffnung der anderen Vereine, dass den Bayern vielleicht nicht der siebte Durchmarsch gelingt. Aber wenn es nicht gelingt, kann man immer noch Heynckes aus der Gruft holen. Interessanter wird sein, wer in Dortmund den uninspirierten Stöger ablösen wird, der an der Seitenlinie so depressiv und leidenschaftslos herumsteht wie seine Spieler auf dem Platz agieren. Wer die ersten dreißig Minuten des letzten Spiels zu Hause gegen Stuttgart gesehen hat, war schockiert über den sagenhaften Rumpelfußball, den man da geboten bekam, bevor Pulisic durch einen Zufallstreffer das 1:0 gelang. Bei dieser Spielweise kann man kaum fassen, dass der BVB immer noch auf Platz 3 steht, denn Leverkusen, Hoffenheim, die Eintracht und Leipzig spielen viel besseren und ansehnlicheren Fußball. Vor allem die Leverkusener, die zu Hause gegen Frankfurt souverän und mit blitzsauberem Konterfußball 4:1 gewannen, was man in München wahrscheinlich mit einem Stirnrunzeln registriert haben wird, haben spielerisch wenigstens etwas zu bieten. Das wird gegen die Bayern zwar nicht ausreichen, wenn die beiden Mannschaften am Dienstag im Pokalhalbfinale aufeinander treffen, aber immerhin scheint Heiko Herrlich den Spielern Selbstvertrauen vermitteln können, was den Dortmundern völlig fehlt. Ebenso den Gladbachern, die sich in München mit 5:1 fast so blamabel abfertigen ließen wie Dortmund. Köln und Hamburg, die am letzten Spieltag nochmal kurz Morgenluft wittern durften, wurden in Hoffenheim und in Berlin wieder auf Normalmaß zurechtgestutzt. Rechnerisch ist der Relegationsplatz zwar noch drin, aber da müsste schon ein Wunder passieren. Und Wunder in der Liga gibt es keine mehr, seitdem die Bayern keine Wunder mehr zulassen, weshalb auch der Zauber des Fußballs verloren gegangen ist.

Die Wahrheit über den 29. Spieltag

Fünf Spieltage vor Saisonende ist Bayern Meister. In Augsburg machte Bayern mit einem standesgemäßen 4:1 alles klar. Bayern hat das schon mal schneller geschafft, aber immer noch rechtzeitig vor den entscheidenden Finalspielen in der Champions-League, und damit ist nicht Sevilla gemeint, die in der Liga gerade 4:0 gegen Celta Vigo verloren, sondern die Halbfinalrunde, in der es dann tatsächlich nur noch starke Gegner gibt, denn bislang hatte Bayern einen unglaublichen Dusel, denn nur weil man Zweiter in der Gruppenphase wurde, bekam man es nicht gleich mit Madrid zu tun und stattdessen mit den jeweils schwächsten Teams im Topf (Istanbul und Sevilla) zu tun. Dennoch ist die Bundesliga schon lange kein Maßstab mehr für die Bayern, denn dort ist niemand mehr in der Lage, gute Spieler, die dort aufblühen, zu halten. Gladbachs Manager Eberl hofft zwar, dass die Umbruchsphase des eigentlich überalterten Bayern-Kaders dazu führt, dass auch mal wieder ein anderer Verein Meister werden könnte, aber er vergisst hinzuzufügen, dass es einfach der Verein mit dem meisten Geld ist, der attraktivste Verein, der den Spielern am verlässlichsten Titel beschert. Immer wieder wird betont, was für gute Arbeit der Verein leisten würde. Aber daran liegt es nicht allein. Sondern ganz einfach daran, dass Bayern seine Spieler nur selten abgeben muss. Bayern muss eigentlich nur winken und schon kommen die Nachwuchstalente aus den Vereinen auch ablösefrei zu Bayern, auch wenn sie dort gar keine Chance haben zu spielen. Die Liga ist eigentlich nur noch ein Nachwuchszentrum für die Bayern. Und so lange man nichts gegen diese Entwicklung tut, wird Bayern auch mit seiner B-Elf noch weitere zwanzig Mal hintereinander deutscher Meister. Hätte Dortmund Dembélé, Aubameyang, Mkhitaryan, Gündogan, Hummels, Lewandowski etc. halten können, wäre Bayern ein ernstzunehmender Gegner erwachsen. Aber da kein Verein immer solche Treffer mit der Verpflichtung von Nachwuchsspielern wie Dembélé landen kann, war der BVB der letzte Verein, der den Bayern einmal etwas streitig machen konnte. Das wird jetzt nicht mehr passieren. Diese Monokultur im Fußball ist kein Wettkampf mehr und die Hoffnung, dass Bayern mal versagen könnte, löst sich meistens schnell in Luft auf. Die Folge dieser Langeweile kann man immer mehr beobachten im Desinteresse am Produkt Fußball, denn immer weniger gucken sich normale Spiele an, weder in den Stadien noch vor dem Fernseher. Das war vor sechs Jahren, als der BVB die Liga aufmischte noch anders. Heute gucken nur noch Masochisten die öden Spiele des BVB an, die hilflos sind gegen Vereine, von denen man z.T. noch nie gehört hat. Diese nationale Entwicklung greift auch auf internationaler Ebene. Es gibt Gerüchte, dass Lewandowski zu Real Madrid wechselt, und wenn ein englischer Verein von den Top Five einen Spieler aus den Bundesliga verpflichten will, dann ist das kein Problem, das an finanziellen Mitteln scheitert. Bayern hat sich bislang dieser Entwicklung gut entziehen können, ist aber auch der einzige deutsche Verein, der hier noch mithalten kann. Vereine wie Schalke, die sich für die Champions-League zu qualifizieren scheinen, verlieren gegen Absteiger wie Hamburg, wenn die nur ein bisschen entschlossen spielen. Und dem BVB wie jedem anderen Verein, der um die internationalen Plätze spielt, wäre das gleiche passiert.

Die Wahrheit über den 28. Spieltag

»Absolut katastrophal«, »desaströs«, »inakzeptabel«, so oder ähnlich klangen die Beurteilungen der Reporter und der Fußballexperten Lothar Matthäus und Metzelder. Und auch wenn ich das ungern schreibe, leider hatten sie alle recht. Schmelzer sagte nach dem Spiel, dass sich die Mannschaft viel vorgenommen hätte, und in den ersten Minuten konnte man davon zumindest etwas erahnen. Man wollte mitpielen, was man daran erkennen konnte, dass es sogar munter nach vorne ging und Hummels sogar einmal einen Schuss von Pulisic blocken musste, aber nach dem frühen 1:0, das aus einer leichten Abseitsposition erzielt wurde, waren alle guten Vorsätze wie weggewischt. Was der BVB dann spielte, war so erbärmlich, dass Mr. Fup, den ich über Jahre hinweg vorsichtig zum Fan der Schwarzgelben erzogen habe, enttäuscht aufstand und ging, weil er sich das Trauerspiel nicht länger angucken wollte. Und er hatte völlig recht. Es gibt bald keinen Grund mehr, Fan dieser Mannschaft zu sein. Und der Verein trägt mittlerweile auch einiges dazu bei, seine Fans zu verkraulen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass man nun Sammer als externen Berater eingestellt hat, weil Watzke seine Analysefähigkeiten schätzt. Wenn man Sammer auf Eurosport einmal gesehen hat, wie er Magnete auf einer Schautafel hin- und herschiebt und dabei stulles Zeug redet, das angeblich irgendeine Taktik erklären soll, dann kann man nur beten, dass wieder Vernunft einkehren möge beim Verein. Es machte einen regelrecht wütend, die Dortmunder so zu sehen, erkennen zu müssen, wie mittelmäßig die einzelnen Spieler sind, was man nicht so gut sieht, wenn sie gegen einen Gegner spielen, der eben auch nur mittelmäßige Spieler hat. Die Dortmunder waren in jeder Situation in Unterzahl, die weiten Pässe landeten entweder bei den Münchnern oder im Seitenaus, während man die Präzision von Boatengs Pässen quer übers Spielfeld genau auf den Fuß von Ribéry bewundern musste. Castro verstolperte im Mittelfeld wie ein Anfänger den Ball und sah dann nur hinterher, wie die Angriffswelle aufs Tor rollte. Der für ihn schon nach einer halben Stunde eingewechselte Weigl spielt ohne Bedrängnis und Not den Ball vor dem eigenen Tor zum Gegner, die wie im Training sich mit einem Treffer dafür bedanken. Als Ribéry sich gegen Piszczek durchsetzte, sahen in unmittelbarer Nähe drei Dortmunder paralysiert zu, wie ein weiteres Tor fiel. Niemand ging in die Zweikämpfe, sondern man hielt immer einen Sicherheitsabstand von ein, zwei Metern. Dahoud völlig überfordert. Die Bayern bestimmten nach Belieben das Spiel und das Tempo. Und hätten sich die Münchner in der 2. Hälfte nicht für das CL-Spiel am Dienstag geschont, wäre die Niederlage vermutlich zweistellig ausgefallen. Woran diese Verunsicherung liegt, wusste auch Schmelzer nicht zu beantworten, aber jeder im Verein spürt sie. Dazu passt es, dass Zorc, wie ein Reporter berichtete, zu Gerland gesagt haben soll: »Seid heute bitte gnädig mit uns.« Die Dortmunder waren also schon mit der Erwartung nach München gefahren, unter die Räder zu kommen. Und genau das war auch die Haltung, die die Spieler ausstrahlten. Es war wie eine kollektive Lähmung. Es ist schade, aber es sieht so aus, als ob Dortmund gerade einen ziemlich großen Imageschaden erleidet. Die Fans, die ihnen in den letzten Jahren in Scharen zugelaufen sind, werden sich das kaum länger antun mögen. Und das ist nur zu verständlich. Es bleiben dann die Hardcore-Fans, und um die ist kein Verein zu beneiden.