Kategorie-Archiv: Blutgrätsche

Die Wahrheit über den 15. Spieltag

So wie die Werderaner im Westfalenstadion auftraten, kann man kaum glauben, dass sie nur 21 Punkte auf dem Konto haben, und auch nicht, dass sie zwar zuletzt gegen Düsseldorf gewannen, die fünf Spiele davor aber nicht. Sie traten nicht so auf, als ob sie einfach nur eine Niederlage verhindern wollten. Und waren dadurch für die schnellen Stürmer des BVB anfällig. Und es ging auch bald zur Sache, denn schon in der 11. Minute wurde Reus klar im Strafraum gefoult, aber der Schiedsrichter, der offensichtlich etwas gegen die Schwarzgelben hatte, winkte sofort ab. Zwar kann man ein Foul übersehen, selbst wenn man in unmittelbarer Nähe steht, aber wofür wurde dann der Videobeweis eingeführt? Bei der anschließenden Zeitlupe war für jeden ersichtlich, dass Klaassen Reus am Fuß erwischt hatte. Kurz darauf hatte Alcacer per Lupfer eine große Chance, aber wieder war es Klaassen, der den Ball noch von der Linie wegkratzte, sich dabei aber so verletzte, dass er kurze Zeit später vom Feld gehen musste. Der für ihn eingewechselte Möhwald beging auch gleich ein Foul an Reus. Der Freistoß war eine sehr lustige noch nie gesehene Variante, bei der Guerreiro den Freistoß zunächst antäuschte, so dass jeder dachte, Reus würde stattdessen schießen, während der zunächst ins Leere gelaufene Guerreiro umdrehte und den Freistoß nun doch ausführte, was die Bremer offensichtlich so verwirrte, dass niemand in den nun völlig verwaisten Strafraum mitlief, wo Alcacer per Kopfball zum 1:0 einnickte. Aber auch dieser Treffer sollte wegen Abseits nicht gegeben werden. Diesmal allerdings hatte der Videomann ein Einsehen und gab dem Schiedsrichter den richtigen Tipp. Ein schneller Angriff auf den anderen rollte auf die Werderaner Abwehr zu, die einige Chancen zwar vereiteln konnte, aber viele eben auch nicht, so dass der BVB viel mehr Tore hätten schießen müssen als die zwei, die am Ende an der Tafel standen. Und als der überragende Kruse mit einem Glücksschuss, der bei einem Könner wie ihm nicht wirklich ein Glückschuss war, auf 2:1 herankam, ließ einen der BVB bis zum Schluss bangen, ob nicht doch noch irgend ein krummes Ding reingehen würde. Retrospektiv sieht man zwar sofort, dass der Sieg der Dortmunder mehr als verdient war, aber bei einem so knappen Vorsprung muss man immer mit allem rechnen. Und auch wenn das wahrscheinlich alle auf dem Rasen wissen, gerieten die Dortmunder deshalb nicht in Hektik wie in der letzten Saison, sondern blieben cool und konzentriert bis zum Spielende. Bis zum Schluss setzten die Bremer die Dortmunder unter Druck, die sich immer wieder spielerisch befreiten und nicht einfach nur den Ball nach vorne bolzten. Der BVB hat wieder ein Zeichen gesetzt für das schöne Spiel. Schnelle, scharfe und direkte Pässe sind das Markenzeichen. Dafür stehen vor allem Reus, Sancho, der auch diesmal wieder eine Vorlage beisteuerte, und Alcacer, der bereits sein 11. Tor schoss, und auch Guerreiro sieht man an, dass er unbedingt wieder in die Startelf zurückkehren will. Es ist ein großer Genuss, dieser Elf zuzusehen, die jetzt 9 Punkte Vorsprung auf den 2. Gladbach hat, denn die »Fohlen« holten in Hoffenheim durch ein glückliches torloses Remis nur einen Punkt. Ins Westfalenstadion kehrte der an Bremen verkaufte Nuri Sahin zurück und wurde von der Südkurve wie ein verlorener Sohn gefeiert, und das war mal wieder ein schöner Moment für Nostalgiker wie mich.

Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Reus kündigte vor dem Derby gegenüber den Fans Wiedergutmachung an, denn das letzte Aufeinandertreffen war ein Desaster, weil der BVB eine 4:0-Führung zur Halbzeit noch verspielte, als Naldo in der Nachspielzeit noch der Ausgleichstreffer gelang. Das war ein großer Knacks im Dortmunder Mannschaftsgefüge, der sich den ganzen Rest der unglückseligen letzten Saison hinzog. Die letzten fünf Derbys konnte der BVB nicht mehr gewinnen, aber diesmal standen die Chancen so gut wie selten nicht mehr, denn Schalke hatte zu Saisonbeginn nicht nur eine beeindruckende Serie von Niederlagen hingelegt, auch in der Folgezeit konnte man gerade mal vier Siege verbuchen, nicht viel für Teilnehmer der CL. Aber da man weiß, dass ein gewonnenes Derby jede vermurkste Saison retten kann, konnte man nicht im vornherein sicher sein, dass ein Sieg der Dortmunder glatt über die Bühne gehen würde. Und er ging auch nicht glatt über die Bühne, denn Tedesco setzte auf ein besonders fieses Mittel, um die Überlegenheit der Dortmunder zu brechen. Er setzte auf Kampf, Fouls, Übermotivation und Provozieren des Gegners. In diesem speziellen Fach fiel besonders Caligiuri auf, der nach dem ungerechtfertigten Ausgleich durch einen Elfer eine Rudelbildung auslöste mit Schubsern und Rangeleien, die er dazu nutzte, sich theatralisch fallen zu lassen. Und Burgstaller verletzte sich bei einer ebenso übermotivierten wie sinnlosen Grätsche, weil der Dortmunder eben viel zu schnell war, und auch die Gegenspieler von Sancho mussten eine Demütigung nach der anderen über sich ergehen lassen, weil der kleine Engländer die Schalker auch zu zweit oder zu dritt immer wieder schlecht aussehen ließ. Die Dortmunder ließen sich nicht aus dem Konzept bringen, blieben ruhig und spielten ihre technische Überlegenheit aus, die allerdings häufig genug von der Schalker Robustheit unterbrochen wurde. Tedesco zog sogar trotz Kälte seine Jacke aus, um seinen Spielern zu signalisieren, dass sie noch einen Zacken zulegen sollten, was taktisch gesehen ein bisschen dürftig ist. Er erreichte durch diese Vorgaben an seine Mannschaft nur das brutale Einsteigen beispielsweise von Sané, der bei einer Ecke im Dortmunder Strafraum ohne die geringste Chance an den Ball zu kommen sich straflos in einer Spielertraube wuchtete und dabei Witsel so am Kopf traf, dass es an ein Wunder grenzte, dass der Belgier anschließend noch weiterspielen konnte. Wunderschön anzusehen waren nur die Dortmunder Aktionen, wie die, die zum 2:1 durch Sancho führte nach Doppelpass mit Guerreiro. Am Ende hätte Dortmund eigentlich ein, zwei Tore mehr schießen müssen, denn Reus vergab noch eine Riesenchance und Guerreiro traf nur den Pfosten. Dennoch war es keine Gala, weil nicht nur Schalke, sondern auch die anderen Bundesligamannschaften versuchen ihre technische Unterlegenheit durch defensive Härte zu kompensieren. Wichtig war der Sieg vor allem deshalb, um die Bayern, die gegen schwache Nürnberger 3:0 gewannen, auf Distanz zu halten. Zwei andere Verfolger hingegen ließen Federn, Leipzig ging in Freiburg gleich 3:0 unter, während leider auch die Eintracht mit seinem hochgelobten Sturm die zweite Niederlage hintereinander hinnehmen musste, und das ausgerechnet in Berlin, weil die Frankfurter zu spät aufdrehten und nach einem klaren Foul von Grujic an Jovic keinen Elfmeter zugesprochen bekamen.

Die Wahrheit über den 13. Spieltag

Dass das Heimspiel der Dortmunder gegen Freiburg kein Selbstläufer werden würde, war zu erwarten, denn nicht nur fordern trotz großen Kaders die englischen Wochen ihren Tribut, auch versuchen die gegnerischen Trainer natürlich ein Rezept zu finden, um die Offensive der Dortmunder möglichst wirkungslos zu machen, weil nach diversen Spielen zu sehen war, dass die meisten Bundesligavereine auf diesem Niveau nicht mithalten können. Wenn sie das Spiel offen gestalten wollten, also selbst in die Offensive gehen wollten, dann konnte es hin und wieder sein, dass sie eine ordentliche Packung bekamen. Also verfiel der Freiburg-Trainer Streich auf die naheliegende Idee, mit einer Fünferkette die Räumen möglichst so eng zu machen, dass sie sich spielerisch nur schwer aushebeln ließ. Natürlich kommt unter solchen Voraussetzungen kein spannendes Spiel zustande. Und so war es auch an diesem Abend in Dortmunder Stadion, wo das Spiel fast ausschließlich in der Freiburger Hälfte stattfand, es also lediglich um die Frage ging, würde es den Dortmundern gelingen, den Riegel zu knacken, oder würden sie sich die Zähne daran ausbeißen, was erfahrungsgemäß nicht sonderlich attraktiv ist. Zudem war es merkwürdig still im Stadion, weil die Fans gegen die zunehmende Kommerzialisierung im Fußball protestierten, ein Kampf gegen Windmühlen, denn weder die Vereine noch dazn oder sky werden damit aufhören, aus der Leidenschaft für den Fußball pekuniär alles herauszupressen, was nur irgendwie geht. Trotz dieser Widrigkeiten, versuchten die Dortmunder, mit schnellen Kombinationen die Abwehr in Verlegenheit zu bringen, was ihnen hin und wieder auch tatsächlich gelang. Vor allem Sanchez ist kaum zu bremsen, und man fragt sich, wie es in so kurzer Zeit zu dieser Leistungsexplosion kommen konnte. Man kann jetzt schon sicher sein, dass alle großen europäischen Vereine ihn im Visier haben, denn er ist für jede Mannschaft ein großer Gewinn, weil er durch seine Dribbelkünste und seine Schnelligkeit in der Lage ist, zwei, ja sogar drei Mann auf sich zu ziehen, die dann natürlich woanders fehlen. Er hat einen sensationellen Überblick und seine Vorlagen sind klug und präzise. Er ist jetzt schon ein einzigartiges Talent, und wie es aussieht, auch ein Talent, dass mit seinen Gaben nur auf dem Spielfeld verschwenderisch umgeht, dem der plötzliche Reichtum nicht so zu Kopf steigt wie Dembele, der mit seinen Starallüren nicht einmal für Barcelona tragbar ist, wo man ihn gerne wieder los werden würde. Auch diesmal hatte der BVB Sancho das alles entscheidende Tor zu verdanken, wenngleich nur durch ein an ihn begangenes Foul im Strafraum. Reus verwandelte den Elfer und schuf dadurch eine knappe Führung, die nur einmal durch einen an die Latte klatschenden Freistoßschuss gefährdet war. Auch diesmal wurde Alcacer erst spät für Götze eingewechselt, und auch diesmal gelang ihm in der Nachspielzeit nach Vorlage von Pisczcek das 2:0. Obwohl er zumeist nur 20 Minuten auf dem Platz steht, führt er die Torschützenliste an. Bayern siegt nun auch wieder, aber der Unbesiegbarkeitsnimbus ist verloren gegangen. In Bremen spielte man die letzten zehn Minuten auf Zeit, um die 2:1-Führung irgendwie über die Runden zu kriegen, die sehr glücklich durch einen Abpraller zustande kam, während Sahin nicht schnell genug war, um die Flanke von Müller zu verhindern.

Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Zum vierten Mal hintereinander konnten die Bayern nicht mehr zu Hause gewinnen. Nicht gegen Augsburg, als es an der Chancenverwertung haperte, nicht gegen Gladbach, nicht gegen Freiburg und jetzt nicht mal mehr gegen den Vorletzten Düsseldorf. Dabei wurde wie zuletzt in Dortmund deutlich, dass die bis vor kurzem noch als unüberwindliches Bollwerk geltende Abwehr mit Hummels, Boateng und Süle plötzlich löchrig wie ein Paar alter Socken ist und mit spritzigen jungen Leuten nicht mehr mitkommt. Der Alptraum Boatengs hieß Lukebakio, von dem bis zu diesem Tag nicht allzuviele Leute gehört haben dürften, wenn sie nicht zufällig Fortuna-Fans sind. Gleich drei Tore steuerte er zum 3:3-Endstand bei, und jedes Mal sah Boateng nicht gut aus. Zu abwartend, zu langsam, zu unbeteiligt, und vermutlich beißen sich Rummenigge und Hoeneß gegenseitig in den Hintern, dass man diesen Brillenwerbeträger nicht Anfang der Saison nach Paris hat ziehen lassen, als jemand für ihn noch etwas ausgegeben hätte. Dennoch waren die Bayern spielerisch überlegen, und vermutlich sprachen alle Werte für sie, sie führten bis zur 75. Minute mit 3:1, und eigentlich hätte nichts mehr passieren dürfen, und noch bis zu Beginn der Saison wäre auch nichts passiert, weil jede Mannschaft im eigenen Strafraum verharrend auf den finalen Todesstoß gewartet hätte. Aber die Bayern-Krise hat sich herumgesprochen, vielleicht auch die Erkenntnis, dass die Chancen zu verlieren nicht größer werden, wenn man stürmt, aber immerhin dann die Chance besteht, einen oder auch drei Punkte mitzunehmen. Und wenn man bei den Bayern schon kein Glück bei der Chancenverwertung hat, dann kommt auch noch Pech in Form von Unvermögen hinzu, wie in der 93. Minute, als Hennings einfach den Ball Richtung Bayern-Tor schießt, zufällig genau in den Lauf von Lukebakio, der auch noch als Höchststrafe Neuer durch die Beine schießt. Die Stimmung bei den Bayern war hervorragend. Nico Kovac war sauer und total enttäuscht. Und Hoeneß will alles im Verein auf die Waage stellen, nur sich selbst nicht, was er aber mal dringend tun müsste. Er würde eine Überraschung erleben. Kovac, der von Hoeneß bis zuletzt noch unterstützt wurde, steht zur Disposition und hat nur noch eine Gnadenfrist bis zu nächsten Spiel morgen gegen Lissabon. Inzwischen haben die Bayern neun Punkte Rückstand auf Dortmund, keine Differenz, die beunruhigen müsste, aber dazu müsste man erstmal wieder in Spur kommen, aber das »Siegergen«, von dem man in München immer triumphierend gesprochen hat, ist zerbröselt. Den Dortmundern kanns nur recht sein. Sie haben jetzt den bislang von Barcelona nur ausgeliehenen Alcacer verpflichtet, und weil er der beste von der Bank kommende Torschütze ist, wird er immer nur eingewechselt. So auch im Spiel gegen zuletzt und auch diesmal wieder stark aufspielende Mainzer, die es den Dortmundern nicht einfach machten und phasenweise die Schwarzgelben in deren eigene Hälfte pressten. Und wieder war Sancho der Dosenöffner, der einen präzisen Steilpass auf Reus spielte. Plötzlich frei auf den Mainzer Torwart zulaufend, brauchte er nur noch quer auf Alcacer zu spielen, und nach dem Ausgleich kurz danach, gelang Piszczek mitten im Gewühl am Sechszehner ein Glücksschuss in den Winkel, womit die Dortmunder das Glück zu sich gelockt haben, das sich von den Bayern abgewendet hat. Vielleicht ist Bayern einfach zu lange zu souverän von Sieg zu Sieg geeilt, mit einem Nimbus, der die Gegner im vornherein einschüchterte, die darauf bedacht waren, nur nicht zu hoch zu verlieren. Vielleicht rächt sich das jetzt, während Dortmund für jeden Sieg sich abstrampeln muss. Immerhin ist das mal weniger langweilig, weshalb fast alle Fußball-Fans die Spiele von Dortmund gucken wollen.

Die Wahrheit über den historischen 11. Spieltag

Der Ex-Knacki und Bayern-Boss Hoeneß stapelte vor der Begegnung beim BVB tief, um die Außenseiterposition seiner Mannschaft zu unterstreichen, denn ihm war klar, dass nur aus dieser Position heraus sich vielleicht etwas mitnehmen ließ, ganz abgesehen davon, dass angesichts der letzten Bayern-Spiele Optimismus nun gar nicht angesagt war. Die Bedeutung dieser Begegnung war für die Bayern immens, denn dieses Spiel hätte ihnen das verlorene Selbstvertrauen, das laut Hoeneß 50% der Leistung eines Spielers ausmacht, wieder zurückbringen können, es hätte die Mannschaft mit einem Schlag wieder zurück in die Erfolgsspur bringen können, aber es half alles nichts, denn jetzt steht Bayern vor seinem eigenen zerstörten Nimbus, der mit sechs hintereinander gewonnenen Meisterschaften nunmehr wie ein Alp auf der Mannschaft und dem Verein liegen dürfte. Jedenfalls hoffe ich das stark, denn sonst wird es langsam langweilig. Sollte der Trend anhalten, könnte es tatsächlich mal eine spannende Meisterschaft werden. Die Bayern fingen zwar wie in alten Tagen erstaunlich überlegen an, setzten Dortmund schwer unter Druck, dem vor allem der für Delaney in die Mannschaft gerückte Weigl überhaupt nicht gewachsen war, aber die großen Torchancen hatte Reus, der dem völlig indisponierten Hummels den Ball wegspitzelte und allein auf Neuer zulief, um dann, weil er zuviel Zeit hatte zu überlegen, ob er schießen, lupfen oder abgeben sollte, prompt die falsche Entscheidung traf. Das 1:0 war von den Bayern fein herausgespielt und die Flanke von Gnabry mit dem dann klassisch verwandelten Kopfball von Lewandowsky war kaum zu verteidigen, weil alles millimetergenau stimmte. In dieser Phase bestand das größte Verdienst des BVB darin, nicht in Hektik zu verfallen, was vor allem an Witsel lag, der in jeder Situation die Ruhe und den Überblick behielt. In der zweiten Hälfte kam Dahoud für Weigl, der mehr Offensivpower ins Spiel der Dortmunder brachte, und jetzt zeigte sich, dass die Bayern offensiv in die Bredouille zu bringen waren, vor allem, weil Neuer bei einer Steilvorlage zunächst zögerte, um sich danach Reus so in den Weg zu werfen, dass der zwar noch den Ball vorbeispitzeln konnte, aber nicht verhindern konnte, mit Neuer zu kollidieren. Der Elfer war so glasklar, dass es nur dem Bayern-Manager Salihamidzic einfallen konnte, ihn als ungerechtfertigt zu bezeichnen. Aber nur ein paar Minuten später war es wieder Lewandowsky, der aus einer unübersichtlichen Strafraumszene heraus den Ball auf den Kopf bekam und ins Tor bugsierte. Dann überschlugen sich die Ereignisse, denn wieder vergab Reus alleinstehend vor Neuer, ebenso der für Götze eingewechselte Alcacer, so dass einem langsam das Gefühl beschlich, das Bayern-Tor könnte von teuflischen Kräften vernagelt worden sein, bis schließlich Reus ein Flanke von Sancho auf höchsten Niveau per Direktabnahme versenkte und damit aus keiner Chance ein Tor machte. Der Siegtreffer durch Alcacer war dann wirklich traumhaft herausgespielt, nachdem Sancho am eigenen Sechszehner den Ball Ribéry abluchste, der Ball dann im One-touch-Stil präzise und in Höchstgeschwindigkeit nach vorne getrieben wurde, wo Alcacer nach einer genialen Vorlage von Witsel den Ball elegant über den herausstürzenden Neuer zum Siegtreffer lupfte. Lewandowsky gelangen zwar noch zwei Treffer, einer davon in der 95. Minute, aber beide wurden aus einer Abseitsposition heraus erzielt. Ein großartiges Spiel, von dem man noch lange wird zehren können, mit einem verdienten Sieg, der nach der 2:0-Niederlage bei Atletico Madrid am Dienstag nicht unbedingt zu erwarten war. Sinnbildhaft für dieses Spiel war, wie Sancho Hummels den Ball abknöpfte und ihm leichtfüßig enteilte. Hummels sagte anschließend, er hätte Schwindelanfälle gehabt wegen einer Erkältung, aber so richtig intelligent hörte sich die Ausrede nicht an. Jetzt haben die Dortmunder sieben Punkte Vorsprung vor den Bayern. Der neue Verfolger heißt jetzt Borussia Mönchengladbach. Die haben nur vier Punkte Rückstand, nach einem 3:1-Sieg in Bremen. So kanns gerne weitergehen.

Die Wahrheit über den 10. Spieltag

Die FAS war voll des Lobes über das Dortmunder Spiel in Wolfsburg und sah den unbedingten Willen zu gewinnen am Werk, eine erfrischende Offensive und einen nie nachlassenden Torhunger, auch wenn das Spiel schon entschieden ist. Angesichts des mageren und in einigen Situationen durchaus gefährdeten 1:0-Sieges sieht die Bewertung ein wenig optimistisch aus, denn auch wenn Wolfsburg nie wirklich vorne gefährlich war, sie waren ansonsten durchaus in der Lage mitzuhalten und vor allem in der Verteidigung standen sie sicher, ohne einfach nur zu mauern. Immerhin war Alcacer fast unsichtbar und Sancho hatte in Roussillon einen Gegenspieler, der genauso schnell war, weshalb das neue englische Wunderkind irgendwann auf die andere Seite auswich und von dort auch die entscheidende Flanke schlug, die Delaney neben das Tor geköpft hätte, wenn nicht zufällig Reus in der Nähe gestanden wäre und nur den Kopf hinhalten musste. Ein Zufallstreffer also, wie das ja meistens der Fall ist, wenngleich man dem Zufall natürlich ein wenig auf die Sprünge helfen kann. In der Schlussphase, als Wolfsburg gezwungen war, alles auf eine Karte zu setzen, ergaben sich dann zwar noch zwei Großchancen, aber sowohl Reus als auch Bruun-Larsen vergaben sie alleinstehend, weil sie zu viel Zeit hatten darüber nachzudenken, wie sie den Ball am besten verwerten könnten. Das Spiel war also kein Selbstläufer, sondern durchaus ein Spiel auf Augenhöhe, was bei Wolfsburg etwas erstaunt, denn vor der Niederlage gegen den BVB hatten sie mit jeweils drei Siegen, Niederlagen und Remis eine ausgeglichene, also eher mittelmäßige bis durchwachsene Bilanz. Wenn man also nach der Statistik geht, wäre Wolfsburg kein Gegner gewesen, den man hätte fürchten müssen. Trotzdem hat der BVB gut gespielt, aber man merkt so langsam die Belastung der englischen Wochen. Man kann eben nicht immer auf einem so hohen Niveau spielen wie gegen Athletico Madrid, wo der BVB letztlich auch mit Glück gewonnen hat. Und auch die Rotation birgt Gefahren, wie man im Pokal gegen Union gesehen hat, als man erst am Ende der Nachspielzeit durch einen Elfer die Partie für sich entscheiden konnte. Die Erfolgswelle, auf der der BVB also gerade schwimmt, ist eine wackligere Angelegenheit, als manche annehmen. Der zweifellos mutige Schritt des BVB, die Mannschaft derart radikal umzumodeln, scheint aber erstmal gelungen zu sein, und zwar erstaunlich schnell, was die Rede vom langdauernden Prozess einer Neuformierung ad absurdum führt. Und umgekehrt kann man ebenso schnell wieder aus einem Formtief kommen. Damit haben Real Madrid und Bayern gerade zu kämpfen, die nach einer langen Erfolgsphase eine überalterte Mannschaft nicht rechtzeitig verjüngt haben. Jetzt schalten sich sogar Spielerfrauen ein und mäkeln an der Arbeit von Kovac herum, in diesem Fall von Müller, dessen Einwechslung in der 70. Minute spöttisch als lang überfälliger »Geistesblitz« kommentiert wurde. Zu Hause nach einer 1:0-Führung gegen Freiburg noch den Ausgleich hinnehmen zu müssen, öffnet in einem Verein wie Bayern alle Türen für Neid, Missgunst und Häme. Dass Kovac das jetzt ausbaden muss zusammen mit den ziemlich lächerlichen Drohungen der langsam selber ein wenig überalterten Vereinsführung gegen eine den Bayern angeblich übel gesinnte Presse, ist hart, aber nicht wirklich etwas, dass einen Tränen in die Augen treibt.

Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Irgendwann musste es so kommen. Das Glück, das den BVB in den letzten Wochen begleitet hatte, war aufgebraucht, aber dass es sich ausgerechnet im Spiel gegen Hertha abwendete, war doch etwas bitter, weil man nicht gern gegen einen Club verliert, der dafür wirbt, dass man in Berlin »alles« sein darf, sogar Fan von Hertha BSC. Diesmal haben die Blauweißen in der Nachspielzeit das Spiel noch gedreht durch einen von Zagadou verursachten Elfmeter, als er sich mehr als ungeschickt in einem eigentlich schon gewonnenen Zweikampf gegen Selke anstellte. Aber auch das erste Tor der Hertha war einem krassen Fehlpass von Dahoud geschuldet, bei dem Piszczek seinen Anteil hatte, weil er dem Pass nicht entgegen lief, was für die Spielweise der Dortmunder eher ungewöhnlich ist. Und dann gab es auch noch die Erbsenzähler in Köln, die per Videobeweis ein wunderschönes Hackentor von Sancho aberkannten, weil Reus mit der Fußspitze im Abseits gestanden haben soll. Würden sich diese Leute immer so akribisch einmischen, käme überhaupt nichts mehr zustande. Durch solche absurden Entscheidungen arbeiten sie hart daran, das schöne Spiel zu zerstören. Aber selbst das war nicht unbedingt allein entscheidend für das schmeichelhafte 2:2 der Hertha, die zwar ungewöhnlich konzentriert und präzise spielten, also über ihre Möglichkeiten, was die meisten Vereine tun, wenn sie gegen Dortmund spielen, entscheidend war, dass die Dortmunder einige Großchancen versiebten, wie z.B. Guerreiro, der allein vor Jarstein es mit einem Lupfer probierte und scheiterte, oder Bruun Larsen, der ungehindert eine flache Hereingabe nicht verwerten konnte. Mit diesen Treffern wäre die Partie entschieden gewesen, aber so kam es, wie es kommen musste, nämlich dass dem ansonsten überragenden Zagadou ein Patzer unterlief. Aber nach der letztlich auch glücklichen 4:0-Gala gegen Athletico Madrid kann man nicht erwarten, dass es immer so weitergeht, wichtig ist nur, dass der BVB gerade so ziemlich den attraktivsten Fußball in Europa spielt. Das anerkannte sogar Simeone, dessen Job als Trainer von Athletico nicht gerade darin besteht, hingerissen vom Spiel die Dortmunder über den grünen Klee zu loben. Eine schlechte Figur machte nur der BVB-Chef Watzke, der in einem Interview mit dem Sportstudio sich in selbstgefälliger Bescheidenheit übte und auf unangenehme Weise alles schon vorher gewusst haben wollte, vor allem aber dadurch unsympathisch erschien, weil er in merkwürdiger Unterwürfigkeit das absurde Medien-Bashing der Bayern-Bosse unkommentiert ließ und einem dabei das Gefühl beschlich, dass er dem autoritären Zusammenstauchen der Medien im Stile des bayrischen Alleinherrschers Franz Josef Strauß durchaus etwas abgewinnen konnte. Und in diesem Stil würde vermutlich auch Watzke gerne regieren, umgeben von ein paar Beratern, mit denen es »wahnsinnig Spaß macht«, kontrovers zu diskutieren. Die hässliche Seite des Fußball als bloße Vermarktungsmaschine wird dabei nur noch von einer anderen häßlichen Seite gestört, nämlich den Hooligans, die im Hertha-Block sich mit der Polizei prügelten, wobei diese Fans, die sich prügeln müssen, weil sie sonst nichts mehr spüren, gleichzeitig gebraucht werden, weil sie in den Worten Wolfgang Pohrts »so was wie der Dreck sind, an welchem der Saubermann zeigen kann, dass er einer ist«. Diesmal durfte Michael Preetz in dieser Rolle brillieren.

Die Wahrheit über den 8. Spieltag

Vier Spieltage waren die Bayern sieglos geblieben. Dafür gibt es vermutlich alle möglichen Gründe, wie z.B. die Überalterung des Kaders, Verletzungspech, vielleicht schlechte Stimmung. Man steckt nicht drin, aber ein Grund dürfte es sicherlich nicht gewesen sein, nämlich die Presse, weil sie so schlecht über die Bayern schreibt. Bislang haben sich die Profis nicht durch intellektuelle Anstrengung hervorgetan, vielmehr sind sie eben schnell beleidigt, weil sie sich als Millionäre und durch ihren Status als Stars unantastbar fühlen und mindestens eine Hofberichterstattung erwarten, was häufig ja auch der Fall ist. Hoeneß und Rummenigge haben ihren schlechten Ruf noch etwas vertieft und auf einer Pressekonferenz zu verstehen gegeben, dass sie es als Majestätsbeleidigung ansehen, wenn »herabwürdigend«, ja sogar »Menschenverachtend« über den Verein und die Spieler berichtet wird. Damit konfrontiert, dass Hoeneß auch nicht gerade zimperlich ist und andere Spieler schon mal als »geisteskrank« bezeichnet hat, suchte Hoeneß Zuflucht in der hochkochenden Emotionalität unmittelbar nach dem Spiel, auch wenn der »Scheißdreck«, den jemand gespielt haben soll, schon eine Stunde lang vorbei war. Und Rummenigge berief sich gar auf Artikel 1 des Grundgesetzes und jeder noch so gewogene Reporter muss vor Scham angesichts dieser Peinlichkeit in den Erdboden versunken sein. Jedem dürfte klar gewesen sein, dass dieses Manöver – ganz wie Mourinho das immer gemacht hat – dazu diente, die Aufmerksamkeit auf den Vorstand zu lenken, um die Spieler aus den Fokus zu nehmen. Und das hat dann ja auch geklappt, denn die Bayern gewannen ziemlich souverän in Wolfsburg mit 3:1, was sie allerdings vermutlich auch getan hätten, hätte es die Pressekonferenz nicht gegeben, auf der Rummenigge sich über die »faktische« Berichterstattung beschwerte. Und das ja auch irgendwie zu recht, denn würde jeder immer nur die Fakten referieren, wäre die Langeweile vollkommen. Für die Fakten gibt es das Fernsehen, wo man mit eigenen Augen immer noch unterschiedliche Fakten wahrnimmt, aber wenn man schon liest, will man ein bisschen mehr erfahren. Denn was macht schließlich den Fußball aus? Das Theater, die Ausraster, die Beschimpfung, die ungerechtfertigten Anschuldigungen und niemand weiß das besser als Hoeneß, der immerhin schon mal spielsüchtiger Börsenspekulant war und jetzt auch noch eine lächerliche Figur aus der Muppetshow. Das Erstaunliche ist nur, dass solche Figuren einen so umsatzträchtigen Verein wie Bayern führen, aber gerade weil das so ist, können sie sich gar nicht lächerlich genug machen, denn wären sie nicht durch ihren Status geschützt, könnte man sie auch für einen Fall für die Anstalt halten. Aber in jedem Fall hatte die Show einen großen Unterhaltungswert, und zwar auch deshalb, weil die bitteren Vorwürfe der beiden Chefs, dass viele der Pressevertreter sie gerne verlieren sehen würden, so herzzerreißend waren. Und man fragt sich bereits, was noch zu erwarten sein wird, wenn die Bayern wieder verlieren sollte. Der BVB jedenfalls kann dem absurden Theater entspannt zusehen. Mit 4:0 gewann man diesmal in Stuttgart, ausnahmsweise mal in der ersten Halbzeit, wo man mit einem 3:0 schon frühzeitig alles klar machte, während man die ersten 15 Minuten der 2. Halbzeit mit Glück überstand, als die Schwaben so nett waren, allergrößte Chancen zu versieben.

Die Wahrheit über die Buchmesse 2018

Die Buchmesse reagiert nun schon seit Jahren auf die neuen Anforderungen der Zeit, und auf zwar auf sehr einfallsreiche Weise. Die Stände werden immer teurer, um den Ausfall der Kosten durch wegbleibende Verlage zu kompensieren, aber auch durch Erhöhung der Eintrittspreise. Ein Tagesticket kostete 2016 45.- Euro, 2017 68.- und in diesem Jahre nur noch 74.- Euro. Uneinsichtige Buchhändler, die keinen Sinn für die Nöte der Messe haben, die immer größer und weltläufiger wird und mit Georgien einen echten Knüller zum Messeland gemacht hat, was natürlich mit großen Kosten verbunden ist, meckern zwar, aber sie können ja schließlich auch übers Internet Bücher bestellen, wenn sie denn unbedingt welche haben wollen. Auch sonst geht die Buchmesse unbeirrt den Weg der digitalen Modernisierung. Seit diesem Jahr ist das Eintrittsticket für den Aussteller nicht mehr im Preis des Standes enthalten, sondern man muss sich dieses Ticket selbst ausdrucken, natürlich sehr einfach und in nur wenigen Stunden leicht zu machen, so dass sich jeder, der am Leitfaden scheitert und dann doch zum Telefonhörer greifen muss, um sich unter Anleitung einer geduldigen Dame durch das System des Klickens führen zu lassen, in den Genuss kommt, sich wie ein echter Vollidiot fühlen zu dürfen. Man nennt diese Methode Outsourcing, also die Verlagerung der Arbeit an den Kunden, um selbst mehr Zeit für Brainstormingkonferenzen zu haben, in denen mit großen Visionen an der Abschaffung des Buches gearbeitet wird. Der Branche geht es schlecht. Inzwischen gibt es Graphiken, aus denen durch eine nach unten fallende Kurve eindeutig hervorgeht, dass der Leser ausstirbt und immer weniger Bücher verkauft werden. Und auch wenn die verbliebenen Leser mehr Bücher kaufen, können sie den Abwärtstrend nicht stoppen. Die meisten der noch vorhandenen Leser schreiben im übrigen ihre Bücher selbst. Mit den von den Verlagen abgelehnten Manuskripte allein in Deutschland könnten, nebeneinander gelegt, die Erde eingepackt werden. Die Verlage machen dennoch weiter, in der Regel allerdings deshalb, weil die meisten Verleger, wie ich auch, sonst nichts richtiges gelernt haben und nun gezwungen sind, solange ins Büro zu gehen bis der Insolvenzverwalter an die Tür klopft. Die Zeit der rauschenden Verlagspartys ist vorbei. Rowohlt hat seine gestrichen und macht jetzt wie Suhrkamp einen Kritikerempfang, um dem unkontrollierten Ansturm der Autoren einen Riegel vorzuschieben, die sich auf Kosten Rowohlts die Kante geben. Kein Wunder, dass auf diesen Empfängen der Kulturpessimismus Konjunktur hat. Die Journalisten haben Angst, dass sie bald überflüssig sind und entlassen werden, die Verleger, dass sie auf ihren Bücher sitzen bleiben, die dann makuliert werden müssen. Aber ist das wirklich ein Wunder? Geschätzte 95 % der gesamten Buchproduktion sind Mist. Vielleicht haben die Leser das jetzt langsam gemerkt. Eigentlich ist es nur verwunderlich, dass es so lange gedauert hat. Und die restlichen 5 % haben bis auf Ausnahmen kaum jemanden wirklich interessiert. Bücher als Massenware sind wie andere Waren auch, ein ex und hopp-Produkt. Und Lesen bildet nicht, sondern verdummt. Diese Wahrheit kommt jetzt in der schönen neuen Welt des digitalen Zeitalters zum Vorschein, in der Buchstaben und Infos konsumiert werden, aber niemand mehr weiß, was er damit anfangen soll.

Die Wahrheit über den 7. Spieltag

Jedem, der das Spiel gesehen hat, steckte es danach noch lange in den Knochen, und keiner wird es wohl so schnell vergessen. Ausgerechnet in einer Schalke-Kneipe feierten die BVB-Fans im Siegestaumel. Und dabei war es nur eine Bundesligapartie, es ging nur um drei Punkte und der Gegner war mit Augsburg auch nicht gerade von der Sorte, die ein absolutes Top-Spiel erwarten ließ. Immerhin ließ das Remis der Augsburger in München aufhorchen, aber so ein Glück hat man in der Regel nur einmal im Leben. Die Augsburger zeigten von der ersten Minute an, dass sie nicht nur mitspielen wollten, sondern dass sie aus Dortmund etwas mitnehmen wollten. Sie spielten ein nicht gerade inspiriertes, aber effektives Manndecken, sie spielten hart an der Grenze des Erlaubten mit sechs gelben Karten und einem Foulverhältnis von 22:4, und genau aus diesem Grund haben sie auch völlig zu Recht verloren, aber immerhin haben sie sich nicht eingeigelt, sondern haben immer wieder gefährliche Angriffe gefahren, bei denen die Dortmunder Viererkette mit Diallo, Zagadou, Akanji und Hakimi nicht immer gut aussah. Die Partie war in der ersten Hälfte optisch ausgeglichen, aber während Reus einen präzisen flachen Pass in den Rückraum über die Latte knallte, nutzten die Augsburger ihre Chancen besser und mit dem Schiedsrichter auf ihrer Seite nutzte Finnbogason das Chaos in Dortmunds Strafraum, um nach einem Foul an Reus und nach einem Handspiel schließlich den Ball ins Tor zu bugsieren. Der BVB tat einiges, aber erst in der 60. Minute kam mit Paco Alcacer der Joker ins Spiel, der bislang immer gestochen hat. So auch hier, denn nur zwei Minuten später eroberte Witsel den Ball, passte ihn präzise auf die rechte Seite zu Sancho, der ihn wiederum sofort und ebenso präzise quer auf Alcacer spielte. Ein Spielzug, wie er im Lehrbuch steht und dennoch nur selten zu sehen ist. Aber Augsburg gab nicht auf, ein Querschläger landete bei Max, der freistehend einschießen konnte. Wieder war es Alcacer, der nach einem von Guerreiro schnell ausgeführten Freistoß sehenswert den Ball ins Netz wuchtete. Das war in der 80. Minute. Und dann ging es Schlag auf Schlag, denn bereits in der 82. Minute nahm der eingewechselte Mario Götze bei seinem Bundesliga-Debüt elegant einen Pass in die Tiefe von Hakimi mit und schob den Ball unter den herausstürzenden Luthe hindurch in die Maschen. Aber die Partie war immer noch nicht gelaufen, denn den Augsburger gelang der Ausgleich mit dem Kopfball von Gregoritsch, bei dem Bürki nicht gut aussah. Nun endlich versuchten die Augsburger den Punkt festzuhalten, verzögerten das Spiel und begingen Fouls, und das letzte wurde ihnen dann zum Verhängnis, denn der Schiedsrichter, der ziemlich einseitig gegen Dortmund gepfiffen hatte, ließ über die 4 Minuten Nachspielzeit hinaus das Spiel laufen und den Freistoß ausführen. Mit Guerreiro und Alcacer standen zwei dafür bereit, und als Alcacer anlief, lief auch Guerreiro nach rechts als ob er angespielt werden wollte, um flanken zu können. Mit diesem Täuschungsmanöver jedoch lockte er den entscheidenden Mann aus der rechten Seite der Mauer heraus, der sich Guerreiro in den Weg stellen wollte, und genau durch die nun frei gewordene Lücke der Mauer segelte der Ball in der 96. Minute ins Toreck. Genau so muss es sein, eine perfekte Dramaturgie mit einem Happy end. Und weil Bayern zu Hause in einem extrem uninspirierten Spiel gegen Gladbach mit 3:0 verloren, war dieser Tag noch perfekter als perfekt, nämlich wundervoll. Und man stellt sich Hoeness vor, wie er zum Telefon greift und den »Jupp« wieder zu überreden versucht. »Geh, Jupp, nur noch das eine Mal, versprochen.«