Kategorie-Archiv: Blutgrätsche

Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Der BVB war die einzige Bundesligamannschaft, der ein Spiel unter der Woche in den Knochen steckte und bereits drei Tage danach wieder auflaufen musste. Das Pokalnachholspiel gegen den Drittligisten Lotte wurde zwar standesgemäß mit 3:0 über die Bühne gebracht, aber die Dortmunder mussten einiges aufbieten, um die mit robusten Mitteln zu Werke gehenden Mannschaft zu bezwingen, und man konnte auch nicht einfach einen Gang runterschalten, weil es lange Zeit 0:0 stand. Bei ähnlichen Gelegenheiten sah der darauf folgende Bundesligaalltag zumeist eher trist aus. Ich erinnere mich mit Grausen an Darmstadt, der gegen den BVB völlig verdient gewann. Und diesmal kam der Tabellenvorletzte Ingolstadt, und auch diesmal wurde es ein zähes Spiel. Und nicht nur das, es wurde das schlechteste Spiel der Dortmunder in dieser Saison, nur machten sie es diesmal wie die Bayern, die auch solche Spiele irgendwie gewinnen. Dieses Irgendwie allerdings hatten sich die Ingolstädter selbst zuzuschreiben, denn sie vergaben alle Chancen, die die Dortmunder ihnen großzügig einräumten, und sie vergaben sie kläglich. Der BVB spielte nicht überragende, aber doch ganz lebendige fünfzehn Minuten zu Beginn, und in dieser Zeit gelang ihnen nach dem einzigen sehenswerten Angriff nach genialem Pass von Kagawa auch Schmelzer, dessen etwas zu sehr in den Rücken gespielte Flanke von Aubameyang auf erstaunliche Weise verwandelt wurde. Danach passten sich die Dortmunder dem Ingolstädter Spiel an und schlugen einfach lange Bälle nach vorne, im Unterschied zu Ingolstadt kamen die langen Bälle der Dortmunder aber so gut wie nie an, während die Ingolstädter den Dortmundern keinen Raum gaben, ihr Spiel aufzuziehen. Unter diesem Druck wirkten die Dortmunder merkwürdig verunsichert, und nach solchen Spielen fragt man sich immer, wie der BVB gegen internationale Spitzenmannschaften bestehen kann. Natürlich fehlten den Dortmundern einige wichtige Spieler, wie der gesperrte Dembélé und der verletzte Marco Reus, aber eigentlich besitzt der Verein genügend großartige Spieler, um auch mit einer kompletten B-Elf gegen eine Mannschaft wie Ingolstadt zu gewinnen, ohne auf deren Hilfe angewiesen zu sein. Solche Spiele werden als Arbeitssiege betrachtet, in Wirklichkeit hatte man einfach Glück. Und dieses Glück hatte man dringend nötig, denn auch die dem BVB im Nacken sitzenden Hoffenheimer gewannen ihre Partie in Leverkusen mit 1:0. Das Ergebnis war zwar genauso knapp, aber Hoffenheim spielte besser, und musste das auch tun, denn Leverkusen hielt durchaus dagegen. Wenigstens verlor die Hertha in Köln mit 4:2 und liegt jetzt schon sechs Punkte hinter den Dortmundern zurück, was ein angenehmes Polster ist. Modeste steuerte für Köln gleich drei Tore bei und überholte jetzt mit 22 Treffern sogar Lewandowski im Duell der Torjäger. Am schönsten war zweifellos das Ergebnis in Bremen, weil Werder mit 3:0 Leipzig eine unverhoffte Niederlage beibrachte, wodurch sich der Abstand zum BVB auf drei Punkte verringerte. Könnte sein, dass sie jetzt langsam nervös werden.

Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Ein paar Fragen an Tuchel stellen sich am Ende der Niederlage der Dortmunder bei der Hertha dann doch. Wenn er schon Dembelé und Pulisic auf die Bank setzt, um ihnen eine Pause zu gönnen, warum tut er das nicht am Dienstag im Pokalspiel gegen Lotte? Warum in Berlin, müsste er doch wissen, wie unangenehm die Hertha schon immer gegen den BVB war? Und darüber sollte auch die 1:0-Niederlage der Berliner zuletzt gegen Hamburg nicht hinwegtäuschen. Und warum vertraute er Schürrle und Durm, die jede Durchschlagskraft vermissen ließen? Und warum brachte er Dembelé und Pulisic erst 15 Minuten vor Schluss und nicht schon eine halbe Stunde früher? Und warum setzte er Ginter ausgerechnet in diesem wichtigen Spiel zentral in die Abwehr, lässt er ihn doch sonst kaum spielen? Und weil Ginter eben die Spielpraxis fehlte, unterliefen ihm gleich die zwei entscheidenden Fehler, die zu den beiden Treffern der Berliner führten. Und das betrifft nur die Personalien, auch das ungewohnte Spielsystem des 3-4-1-2, das Tuchel verordnet hatte, ist bei einer Mannschaft nicht unproblematisch, die nicht nur so noch nie gespielt hat, die dieses Spielsystem mit Leuten umsetzen musste, die wie der nur selten eingesetzte Kagawa auf einer zentralen Position umsetzen sollte. Es war, als wollte Tuchel Ginter und Kagawa einen Denkzettel verpassen, als wollte er ihnen sagen: Ihr beschwert Euch, dass Ihr nicht so oft eingesetzt werdet, aber wenn ich Euch spielen lasse, verliert Ihr. Kann sein, dass ich völlig daneben liege, aber das ist eben der Eindruck, der sich ein wenig aufdrängte. Auch die für einen Außenstehenden völlig sinnlose Hereinnahme des Mittelfeldspielers Merino für Schürrle, als ob Tuchel zum Schluss ein bisschen auf Zeit spielen wollte, gab Rätsel auf. Dennoch schlug sich Dortmund gut und setzte die Hertha vor allem in der 2. Hälfte unter Druck, aber genau in dieser Phase setzte Weiser zu einem Sprint an, den Ginter nur ungeschickt an der Strafraumgrenze zu stoppen wusste. Dass Plattenhardt den Ball mit Wucht zwar, aber eben doch in die Torwartecke drosch, lässt vermuten, dass auch Bürki nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Für nicht wenige Torhüter wäre das keine unlösbare Aufgabe gewesen. Und schließlich kam dann noch die miese Nummer von Weiser hinzu, der nicht nur den Ball wegschlug, sondern sich dann auch noch theatralisch am Boden wälzte, als hätte ihn ein Elefant getreten. Irgendwie war das eine unnötige und ärgerliche Niederlage, aber nicht so ärgerlich wie zu Hause gegen Wolfsburg zu verlieren, wie das den Leipzigern passierte. Oder die 3:0-Niederlage der Eintracht in München, obwohl die Frankfurter in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft war und einige hochkarätige Chancen liegen ließ, während den Bayern die Tore einfach so gelingen, was nur den Ex-Dortmundern zu verdanken ist, Lewandowski, der zwei Tore erzielte, und Hummels, der eine 100-prozentige der Eintracht vereitelte. Jetzt hat Dortmund die Chance liegen lassen, Leipzig bis auf drei Punkte auf den Pelz zu rücken und muss jetzt aufpassen, dass sie nicht von Hoffenheim überholt werden.

Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Gegen Leverkusen zu spielen ist alles andere als ein Selbstläufer für Dortmund, denn gerade wenn die Bayer-Elf eine grottenschlechte Phase wie zuletzt hat, steigt sie gegen den BVB gern wie Phönix aus der Asche und steht plötzlich tiptop auf dem Platz. Und ein weiteres schlechtes Omen war das Unentschieden der Leipziger am Vortag in Augsburg, denn auch bei einer solchen Steilvorlage nahm sich die Dortmunder Elf in der Regel eine Auszeit. Aber diesmal war alles anders. Leverkusen war zwar nicht schlecht, wie der Trainer Schmidt seinem Team konzedierte, das Team kombinierte gefällig, aber nicht wirklich durchschlagskräftig. Und sie wollten durch hohes Pressing die für diese Taktik anfällige Dortmunder Abwehrreihe verunsichern, was ihnen jedoch kaum gelang. Es war wieder einmal Dembelé, der nicht zu stoppen war, der den Gegner schwindlig spielte und immer für Gefahr sorgte. Ihm zuzusehen ist einfach zauberhaft, und zusammen mit Reus und Aubameyang kann es dieses Trio sogar mit Messi, Neymar und Suarez von Barcelona aufnehmen, oder mit Madrids Sturmtrio. Aber auch das Zentrum mit Castro und Guerreiro ist so einfach nicht zu toppen. Der einzige, der da nicht so ohne weiteres hineinpasst ist Durm, auch wenn er in diesem Spiel sogar eine Torvorlage lieferte. Leverkusen versuchte es wieder mit üblen Fouls den Dortmundern den Schneid abzukaufen. 20:7 stand es am Ende in der Foul-Statstik. Und diese Fouls hatten es in sich. Musste schon in der ersten Halbzeit Aranguiz ausgewechselt werden, weil er rotgefährdet war, erwies sich der für ihn eingewechselte Bellarabi als noch gefährlicher für die Unversehrtheit der Dortmunder Spieler, und dass er nicht gelb-rot bekam, war einzig der Ansicht des Schiedsrichters zu verdanken, die er exklusiv für sich hatte. Auch wenn es am Ende 6:2 stand, war die Partie lange Zeit offen, vor allem, weil Aubameyang ein Riesenchance zum 3:0 ausließ. Damit wäre das Spiel entschieden gewesen, so aber ließ man die Leverkusener noch einmal herankommen durch ein Tor von Volland, bei dem Sokratis nicht gut aussah. Und nach dem 3:1 durch Aubameyang rückten die Leverkusener dem BVB wieder mit einem Freistoßtor auf die Pelle, aber nach dem 4:2 durch Pulisic war der Drops gelutscht, Leverkusen brach ein, entnervt durch die schnelle Spielweise, auf die sich der im Sommer zu Dortmund wechselnde Toprak schon mal freuen kann, der, wie man leider zugeben muss, Aubameyang ziemlich gut im Griff hatte und auch keinem Laufduell aus dem Weg ging. Jetzt sind die Dortmunder bis auf sechs Punkte an Leipzig herangekommen. Das ist kein uneinholbarer Vorsprung, aber Leipzig macht einen zu gefestigten Eindruck, als dass sie sich den 2. Platz wieder abnehmen lassen werden. Viel gefährlicher für den BVB ist da Hoffenheim, die nur zwei Punkte hinter Dortmund stehen, während die anderen Verfolger, außer vielleicht Hertha, wohl kaum eine Rolle spielen werden für die CL-Plätze. Schon gar nicht die Schalker, die gegen Gladbach untergingen und jetzt auch noch in der Euroleague gegen die beste Rückrundenmannschaft antreten müssen.

Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Freiburg hatte oft genug gezeigt, was in der Mannschaft steckt, als dass man sich keine Sorgen um Dortmund hätte machen müssen, vor allem, seit die Borussen wie eine Wundertüte spielt: Man weiß nie, was zum Vorschein kommt. Immerhin hatten die Freiburger den Bayern ein 1:1 abgetrotzt und in einigen Spielzügen wussten die Freiburger auch spielerisch durchaus zu überzeugen. Mit nur acht Fouls begingen sie zwei weniger als die Dortmunder. Und das muss man den Freiburgern hoch anrechnen, und dass sie nicht einfach durch Fouls das gegnerische Spiel zerstören wollten. Trotzdem trafen sie diesmal zu ihrem Pech auf eine glänzend aufgelegte Dortmunder Elf, die zwar immer noch jede Menge Chancen vergab, aber die deshalb nicht aufsteckte und immer neue kreierte, einmal sogar im Dreierpack kurz hintereinander. Und das Schöne war, dass alle Dortmunder sich bemühten, den zutiefst deprimierten, weil vor dem Tor unglücklichen Aubameyang wieder auf die Beine zu helfen. Alle schienen darauf bedacht zu sein, ihm verwertbare Vorlagen zu liefern, aber in der ersten Hälfte waren es trotz aller Bemühungen wieder Pleiten, Pech und Pannen, und nur Sokratis sorgte nach Freistoßflanke von Guerreiro mit einem Kopfballtreffer dafür, dass die Dortmunder nicht verkrampften, wie man das in dieser Saison schon häufiger erlebt hatte. So stand es zur Pause nur 1:0 und Fußballexperten hatten schon wieder das Spiel gegen Mainz vor Augen, als den Mainzern ähnlich chancenlos wie Freiburg aus dem Nichts der Ausgleichtreffer gelang. Ein Tor reicht eben oft nicht aus, vor allem, wenn man weiß, dass die Dortmunder Abwehr immer für einen Gegentreffer gut ist. Aber dann umspielte Reus mit einem Beinschuss an der Torauslinie seinen Gegner und schoss scharf in die Mitte, wo Aubameyang souverän und lässig den Fuß hinhielt, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte. Und auch Durm, der ansonsten blass wie immer spielte, gab in aussichtsreicher Position, in der er selbst hätte schießen können, zu Aubameyang, bei dem nun endlich der Knoten geplatzt war. Die Dortmunder Offensive war sehr beeindruckend. Das gab auch Streich zu, der die Niederlage auf seine Kappe nahm, weil er seine Mannschaft zu offensiv eingestellt hatte. Aber ich bezweifle, ob eine defensivere Aufstellung Dortmund an diesem Tag hätte stoppen können. Leider hat auch Leipzig wieder gewonnen, und zwar ziemlich souverän gegen Kölner, die ja immerhin zu den Anwärtern auf einen internationalen Platz gehören. Acht Punkte Vorsprung zum BVB sind nicht wenig und es sieht nicht so aus, als ob Leipzig noch einen ernsthaften Leistungseinbruch befürchten müsste. Die Bayern hatten leichtes Spiel gegen den HSV, der schon immer ein gern gesehener Gast waren, um einen neuen Torrekord aufzustellen. Das gelang zwar mit 8:0 nicht ganz, aber Lewandowski konnte seine Torbilanz aufpolieren, und auch insgesamt dürfte das den Bayern geholfen haben, die eher durchwachsenen Leistungen seit Anfang der Rückrunde zu vergessen. Die Eintracht, »die Treter-Truppe Nummer eins«, wie vom eigenen Trainer Kovac bestätigt wurde, verlor das dritte Spiel hintereinander und verliert so langsam den Anschluss nach oben. Und Roger Schmidt könnte einer der nächsten Trainer sein, der entlassen wird, denn auch wenn die Niederlage gegen Atletico Madrid noch durch ein aufregendes und toll anzusehendes Spiel gemildert wurde, zeigte sich Leverkusen zu Hause gegen Mainz wieder von seiner Schattenseite.

Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Die leere Südtribüne Die leere Südtribüne war an diesem Spieltag die Hauptattraktion. Und vielleicht war das ja doch keine so schlechte Entscheidung des DFB, denn vielleicht geht den 24500 Fans, die nicht den ca. 500 Hooligans angehören, ja ein Licht auf und wirken auf diese Leute ein bisschen ein, wenn sie selbst unter deren schwachsinnige Aktionen zu leiden haben, so jedenfalls ein Kenner der Szene aus Dortmund. Da der Hooligans aggressiv und geschlossen auftreten, hatten sie bislang auch wenig zu befürchten, aber das Interessante war ja, dass sie mit den Transparenten über die gesamte Südtribüne verteilt waren und die restlichen 24500 Leute sich das gefallen ließen und kein einziges der Transparente entfernt wurde, weil es den Leuten nicht passte, oder ist es tatsächlich so, dass die Südtribüne den Hooligan-Block nicht nur toleriert, sondern ihn auch noch irgendwie gut findet? 88 Personen wurden inzwischen identifiziert und mit einem Stadionverbot belegt. Und ich wette, dass man keinen von denen bemitleiden muss. Dabei geht es nicht darum, sich mit jedem anderen Verein in friedlichen Koexistenz zu befinden, aber man wird das Gefühl nicht los, dass die Parolen und Spottgesänge früher ein bisschen origineller waren als »Bullen schlachten«, und wehmütig erinnert man sich selbst an so schlichte Gesänge wie »Mario Basler du bist ein ganz großes Arschloch« nach der Melodie von »Guantanamera«. Da Dortmund z.Z. wie eine Wundertüte spielt, man also nie weiß, was drin ist, konnte man auch gegen Wolfsburg gespannt sein, aber Wolfsburg erfüllte alle Voraussetzungen an einer Schlaftablettenmannschaft, die die Dortmunder nicht in ihren Kreisen störte. Das war schön für die Dortmunder, die allerdings trotz des am Ende deutlichen 3:0 fast an ihrer mickrigen Chancenverwertung gescheitert wären, denn Gelegenheiten, das Ergebnis zu erhöhen, hatten sie gut dreimal so viel. Man of the match war Piszczek, der mit seinem 5. Tor inzwischen zum torgefährlichsten Verteidiger der Liga avancierte und der auch noch die beiden anderen Treffer vorbereitete. Viel zu spät wurde dann noch Kuba eingewechselt, allerdings bei Wolfsburg, und von den Dortmunder Fans wie ein verlorener Sohn gefeiert. Das war wieder mal eine Situation, bei der manche wieder wussten, warum man Fan der Schwarzgelben ist. Und Bayern ermogelte sich in Berlin einen Punkt. In der 6. von den fünf Nachspielminuten erzielte wer sonst als Lewandowski den Ausgleich, was zum einen zeigt, dass die Schiris inzwischen so lange nachspielen lassen, bis die Bayern den entscheidenden Treffer erzielen, und zum anderen, dass die Bayern eben nichts wären, wenn ihnen nicht Ex-Dortmunder den Arsch retten würden. Allerdings muss man deshalb auch nicht traurig sein, wenn man weiß, wie prollig-fies der Herthaner spielen, wenn es ums Ergebnishalten geht, und wie nicht minder fies sich deren Fans aufführen, die Ancelotti bespuckten, so dass der ihnen den Stinkefinger zeigte, und wenn das ein gutsituierter, höflicher, ruhiger und in sich ruhender Italiener tut, dann kann man ermessen, wie schlecht sich einige Leute da benommen haben müssen.

Die Wahrheit über den 20. Spieltag

Wenn z.Z. der Wurm drin ist, dann bei den Dortmundern. Nicht nur lieferten sie beim Tabellenletzten Darmstadt eines ihrer schlechtesten Spiele der Saison ab, auch die Ultras machten wieder von sich reden. Zwei ihrer Reisebusse wurden durchsucht und gefunden wurden etliche Dinge, mit denen man wieder auf unschöne Weise auf sich aufmerksam hätte machen können. Jetzt wird vielleicht sogar als Strafe die Südtribüne für ein Spiel gesperrt. Das wäre nicht besonders schlau, denn damit bestraft man auch die 24500 Fans, die nichts mit den 500 Hools am Hut haben. Statt die Ultras mit allen Mitteln das Leben schwer zu machen und alles daran zu setzen, sie aus dem Stadion zu entfernen, und damit Plätze zu schaffen, auf die viele scharf wären und die sich auch besser benehmen würden, setzt man sinnlose Symbolaktionen. Allerdings war es bei diesem Spiel eher so, dass es eine Strafe war, dem Spiel beigewohnt zu haben, denn von Dortmunder Seite war es unterirdisch. Und niemand verstand so recht, warum das so war. Klar, den Dortmundern steckte noch das Pokalspiel vom Mittwoch gegen Hertha in den Knochen, aber Tuchel hat eigentlich genügend Spieler, um frische Kräfte auf den Platz zu bringen, was er auch tat, dennoch ließ er etliche bewährte Kräfte wie Kagawa und Castro auf der Bank, während viele schon wieder verletzt oder angeschlagen waren. Aber das sind Dinge, die man nicht wirklich beurteilen kann, weil man von außen keine Diagnosen stellen sollte. Aber auch Tuchel sagte, dass es keine Anzeichen dafür gegeben hätte für die unterirdische Leistung seiner Mannschaft. Irgendwie beschlich einem das Gefühl, als ob die Dortmunder dachten, sie würden das Spiel schon irgendwie schaukeln. Vor zwei Wochen erst waren die Darmstädter gegen Köln mit 6:1 sang- und klanglos wie ein sicherer Absteiger untergegangen. Und auch die 2:0-Niederlage gegen die Eintracht war eindeutig. Was sollte da schon schiefgehen? Und was alles schief gehen kann, konnte man in diesem Spiel sehen, wenn eine Mannschaft plötzlich über sich hinauswächst und alles gibt. Die Niederlage war mehr als verdient, denn die Darmstädter erspielten sich Chancen über Chancen, während sich in der Dortmunder Defensive Lücken auftaten, die einer viertklassigen Mannschaft würdig gewesen wären. Sogar die Säule im Abwehrverbund Sokratis hatte Aussetzer und immer wieder ließen sich die Dortmunder überlaufen und konnten selbst bei einem Verhältnis von 7 Dortmundern gegen 2 Darmstädter das 1:0 nicht verhindern. Nur Pulisic und Emre Mor sorgten ab und zu für so etwas wie Gefahr. Sonst reihte sich ein Totalausfall an den anderen und die Dortmunder Spielidee schien darin zu bestehen, sich den Ball hin- und herzuschieben. Es war grauenvoll. Aber die Dortmunder waren nicht die einzigen, die sich als Anwärter für die internationalen Plätze blamierten. Leipzig verlor zu Hause gleich 3:0 gegen Hamburg und kassierte damit die 2. Niederlage hintereinander, und das ist ja auch eine durchaus reife Leistung. Frankfurt verlor in Leverkusen, weil Roger Schmidt wohl sonst seinen Platz hätte räumen müssen, und Hertha kriegte auf Schalke einen auf den Deckel. Nur die Bayern gewannen, obwohl auch sie nicht unbedingt besser spielten als die Konkurrenz (wobei das Konkurrenz zu nennen ein Euphemismus ist), aber ihnen genügte die Nachspielzeit, um noch schnell zwei Siegtore in Ingolstadt zu erzielen.

Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Der Empfang der Leipziger Fans war nicht besonders freundlich. 28 Strafanzeigen wurden gestellt wegen Körperverletzung. Drei Polizisten und ein Polizeihund bekamen was ab, und ohne deshalb gleich in Hysterie verfallen zu wollen, denn dafür war nun wirklich zu wenig passiert, kann man davon ausgehen, dass die rechte Szene mal wieder ihr »schmutziges Haupt« erhoben hat, so hätte man das jedenfalls früher genannt. Der Verein kann zwar versuchen, die Rechtsradikalen aus dem Stadion zu halten, aber er kann wenig dagegen tun, dass sie sich Dortmund als Hochburg ausgesucht haben, für die die Sozialdemokratie das passende architektonische Ambiente geschaffen hat, trostlose Siedlungen, in denen die soziale Situation einem nicht viele Möglichkeiten einräumt, sein Leben zu gestalten. Aber auch die Südtribüne, die gerne als sportliches Ereignis gefeiert wird, zeigte sich von ihrer dämlichen Seite mit nicht sonderlich einfallsreichen Spruchbändern wie »Verpisst Euch« oder »Leipziger Hosenscheißer«, statt sich mal lustige Spott- und Hohngesänge einfallen zu lassen. Daran sollten die diversen Fangruppen mal arbeiten, schließlich ist es schon schlimm genug, wenn es in anderen Stadien so zugeht.
Die Leipziger konnten sich jedoch schon allein aufgrund des Reglements nicht »verpissen« und auch als »Hosenscheißer« ließen sie sich schlecht bezeichnen, denn sie spielten durchaus mit und riegelten eben nicht wie andere Mannschaften den Strafraum ab, und dieser Spielweise war es zu verdanken, dass die Dortmunder endlich mal wieder ein Spiel aufziehen konnten, das sehenswert war, und spannend obendrein. Ein »gefühltes 4:0« sei das gewesen, meinte Tuchel anschließend, aber Aubameyang, Reus und Dembelé ließen etliche Großchancen liegen, und deshalb war das Spiel bis zum Schluss offen, und das kann sich mit einer gelungenen oder zufälligen Situation schnell ändern. Das hatte das vergangene Spiel gegen Mainz wieder schmerzlich in Erinnerung gerufen, als die Dortmunder das gesamte Spiel beherrschten und den Mainzern eine Flanke und ein Kopfball genügten, um das Spiel auf den Kopf zu stellen. Und auch im Spiel gegen Leipzig war diese Option immer drin, wie die allerletzte Sekunde der Nachspielzeit zeigte, als die Leipziger noch den Ausgleich schossen, der wegen Abseits jedoch nicht gegeben wurde, wobei es höchstens ein Arm war, der sich im Abseits befand, was ein wenig wenig für eine Abseitsentscheidung ist, weshalb dem Linienrichter ein großes Lob ausgesprochen werden muss, denn diese Spielsituation kam nur deshalb zustande, weil den Dortmundern vorher ein eindeutiger Eckstoß verwehrt worden war. Ende gut alles gut also. So haben die Dortmunder wieder etwas Luft, um die sich zuletzt häufenden Medienberichten über das Knirschen im Gebälk des Apparates vom Hals zu schaffen, denen zufolge jetzt auch noch Reus Abwanderungsgedanken hegt, Tuchel die Mannschaft nicht mehr im Griff hat und über »Kommunikationsdefizite« mit Zorc und Watzke. Wenn Klopp in Liverpool weiterhin von Niederlage zu Niederlage eilt, vielleicht könnte Tuchel ja seine Stelle antreten und Klopp dann wieder zurückkehren. Naja, ist ja nur ein kleiner Wunschtraum.

Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Der ehemalige Hertha-Angestellte Ben Hatira, der zusammen mit den Boatengs in einer üblen Gegend Berlins aufwuchs, wurde von seinem jetzigen Verein Darmstadt 98 »einvernehmlich« gefeuert, weil er Kontakte zu Salafisten pflegte. In Berlin wurde er rausgeschmissen, weil er seinem Mitspieler Mitchell Weiser ein Veilchen verpasste. Über Umwegen bei Darmstadt 98 gelandet sollte er eigentlich das Projekt Nicht-Abstieg voranbringen, das gerade mit dem neuen Trainer Torsten Frings den Bach runtergeht, jedenfalls spricht die 1:6-Heimpleite gegen Köln dafür. Ben Hatira behauptet, sein Engagement für Ansaar International, das Hilfsprojekte in Gaza finanziert, sei ehrenwert und lauter, und Ansaar International freute sich, einen so prominenten Fürsprecher und Unterstützer in seinen Reihen zu haben. Einen Tanklaster mit Trinkwasser war mit seinem Konterfei gepflastert nach Gaza gefahren nach dem Motto, man tut nichts gutes, es sei denn, man hängt es an die große Glocke. Laut Verfassungsschutz pflegt die kleine Hilfsorganisation Ansaar International Kontakte zu Salafisten wie z.B. zu dem Hassprediger Muhammed Ciftci, »der Menschen, die sich vom Islam abkehren, köpfen möchte und Gewalt gegen Frauen rechtfertigt«. So jedenfalls stand es auf einem Flyer der »Lilienfans gegen Rechts«, die vor dem Stadion verteilt wurden und das schließlich den Stein ins Rollen brachte. Aber erst als die Sponsoren des Vereins und CDU-Politiker Stellung bezogen, um ein schlechtes Image des Vereins zu verhindern, wurde der Vertrag Ben Hatiras »in gegenseitigem Einvernehmen« aufgelöst, auch weil der Verein Zuschüsse von der Stadt für den Stadionbau nicht aufs Spiel setzen will. Ben Hatira sieht sich hingegen im Recht und meinte, er könne noch in den Spiegel schauen. Das können in diesem Fall allerdings auch alle anderen, die eine Rolle spielen. Natürlich auch Ansaar International, das nur Gutes tut und jeden noch so leisen Einwand als Lüge und Verleumdung abwehrt. Egal, welche Motive die einzelnen Akteure antreiben, u.a. die Angst vor schlechter Presse und vor der AfD, es ist schön, dass solche Spieler in der Bundesliga kein Engagement mehr finden. Bei Real Madrid haben die Sponsoren hingegen andere Sorgen. Auf ihr Bestreben hin entfernte der Verein aus seinem Wappen das Kreuz, um die empfindlichen Gemüter arabischer Fans nicht zu verletzen. Leider mussten erst die Islamisten kommen und sagen, dass ihnen das nicht passt. Und der reichste Club der Welt folgt aufs Wort. Atheisten und aufgeklärte Geister hätten das nie geschafft. Aber im Westen wird das Kreuz auch weiterhin im Wappen sein, denn es wurde exklusiv für die arabischen Länder entfernt. Gespielt wurde auch noch. Bayern schaffte wieder einen glücklichen Sieg, und Leipzig brachte dem bislang ungeschlagenen Hoffenheim die erste Niederlage bei. Dank Wagner, der nach brutalem Foul völlig zu Recht vom Platz gestellt wurde. Sonst hat er meist Erfolg mit kleinen versteckten Fouls, aber diesmal stellte sich Hoffenheims Stürmer, der sich für den besten in Deutschland hält, zu dumm an.

Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Der BVB hat sich eins der neuen Talente geangelt, die schon lange nicht mehr im Verborgenen blühen: Der erst 17jährige Alexander Isak ist Schwede und gilt bereits als Nachfolger von Zlatan Ibrahimovic. Eigentlich wollte ihn Real nach Madrid locken, aber dann kam ein kurzfristiges Angebot aus Dortmund, und der BVB gilt bei den Talenten mittlerweile als erste Adresse, weil sie dort auch spielen dürfen und nicht nur auf der Bank versauern wie bei den anderen europäischen Spitzenclubs. Bei seinem Heimatclub AIK Solna hat er als Stürmer mit zehn Toren eine ziemlich gute Bilanz. Du die muss er auch haben, denn Aubameyang verriet in einem Interview der inzwischen nun täglich erscheinenden „Sport-Bild“, dass er zwar nie zu den Bayern wechseln würde, weil das die Fans nicht gut finden würden (und weil da freilich die Planstelle mit Lewandowski fest vergeben ist), aber wer könne schon sagen, was am Ende der Saison sein würde, was die übliche Formulierung ist, um den Managern der Spitzenclubs zu signalisieren, mal Angebote auf den Tisch zu legen. Immerhin ist er 27, und in drei Jahren, also nach Beendigung seines vor nicht allzulanger Zeit verlängerten Vertrags, hätte er seinen Zenit vermutlich schon überschritten. Und Ramos ist nun auch weg und auf den Weg nach China, wo man in der Partei Pläne hegt, die Liga aufzurüsten, konkurrenzfähig und attraktiv zu machen, d.h. aus Prestigegründen Geld ohne Ende hineinzupumpen. Als Ausbildungslager de luxe zu fungieren macht den BVB ja auch so spannend, aber Titel wird man mit dieser Taktik nicht einsacken, denn kaum hat sich eine Mannschaft so eingespielt wie in der letzten Saison, in der man um alle Pokale mitzuspielen in der Lage war und nur durch außergewöhnliche Umstände daran gehindert wurde, einen davon tatsächlich zu gewinnen, wandern die wichtigsten und besten Spieler ab. Jetzt muss sich Dortmund erst wieder konsolidieren, was selbst nach der Vorbereitungszeit während der Winterpause schwer genug war. In Bremen jedenfalls taten sich die Dortmunder ziemlich schwer, und selbst als Bremens Schlussmann Drobny nach einem hässlichen Foul an Reus vom Platz gestellt wurde, kriegten die Dortmunder das Spiel nie unter ihre Kontrolle, im Gegenteil, den aufopferungsvoll kämpfenden Bremern gelang durch Bartels sogar der richtig gut herausgespielte Ausgleich, und nur einem Abpraller war es zu verdanken, dass Piszczek das 2:1 erzielen konnte. Souverän sieht anders aus, und das sah man in zahlreichen Situationen, in denen ungenaue Pässe und Missverständnisse vorherrschten. Aber auch die Münchner machten ihren Namen von den Dusel-Bayern mal wieder alle Ehre und erzielten, natürlich durch Lewandowski, erst in der Nachspielzeit den Siegtreffer in Freiburg, wo Streich eine richtig gut kickende junge Mannschaft zusammengebastelt hat. Und in Leipzig war das Spiel gegen die Eintracht schon nach drei Minuten entschieden, als Torwart Hradecky beim Herauslaufen ausrutschte und den Ball außerhalb des Strafraums in die Hand nahm. Rot und ein Freistoß, der zum 1:0 führte, ein Tor, von dem sich die Eintracht nicht erholte.

Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Der letzte Spieltag in diesem Jahr endete so übel wie 2016 auch in jeder anderen Hinsicht war. Und von den schlechten Nachrichten ist die Entlassung des sympathischen André Schubert nur eine. Dabei war sein Vertrag erst im September bis 2019 verlängert worden. Nach einer neuerlichen Pleite der Gladbacher, diesmal nun auch noch zu Hause gegen Wolfsburger, die bislang völlig von der Rolle waren und deswegen Dieter Hecking feuerten, wird nun genau dieser erfolglose und unsympathische Dieter Hecking als Notnagel engagiert. Die Unsicherheit, die die Gladbacher ausgestrahlt haben, hat Max Eberl gezwungen, »einvernehmlich diese Entscheidung zu fällen«. Und wieder kann eine Mannschaft, die im Vorjahr sensationell spielte, im Folgejahr das Niveau nicht halten, weil die CL einfach zu viel Substanz kostet. Dass Bayern in einer souveränen Vorstellung die bisherige Überraschungsmannschaft Leipzig mit einem deutlichen 3:0 abfertigte, ist ebenfalls eine Nachricht, die die Laune nicht unbedingt hebt, denn nachdem es auch aufgrund der Niederlage der Bayern in Dortmund kurz so aussah, als ob wieder Spannung im Kampf um die Meisterschaft geben könnte, machten die Bayern schnell wieder deutlich, dass es sein wird wie immer: the same procedure as every year. Und da wird keine andere Mannschaft mitmischen, auch nicht Hertha, die gegen Darmstadt gewann. Und auch die einzige Mannschaft ohne Niederlage in dieser Saison, Hoffenheim, kommt zu Hause gegen den Tabellenfünfzehnten Bremen nicht über ein Remis hinaus. Und das ist schon eine der wenigen guten Nachrichten, abgesehen von der Pleite der Schalker in Hamburg in einem Festival der Fehlpässe, aber diese kleine Freude wurde durch den Sieg der Hamburger getrübt, die es endlich verdient gehabt hätten abzusteigen. Und ebenfalls deprimierend, dass der BVB einfach nicht mehr gewinnen kann und nun schon elf Punkte weniger hat als zum gleichen Zeitpunkt der letzten Saison. Selbst gegen limitierte Augsburger geriet man schon nach einer halben Stunde in Rückstand. Behilflich bei diesem Treffer war wieder einmal Bartra, der zur Halbzeit dann auch prompt ausgewechselt wurde. Und wieder mussten die Dortmunder eine Aufholjagd starten, ließen aber jede Menge Chancen links liegen und verdankten es am Ende Dembélé, dass man nicht auch noch die erste Heimniederlage der Saison hinnehmen musste. Die Statistik spricht Bände: 23:8 Torschüsse, 732:256 gespielte Pässe, 74% Ballbesitz, 54% Zweikampfquote, aber durch die dicht gestaffelte Augsburger Verteidigung schien kein Durchkommen zu sein. Die Dortmunder Kreativabteilung Götze, Dembélé und Kagawa stand sich im Zentrum selbst im Weg, und man beginnt in Dortmund bereits zu munkeln, dass nicht nur das ständige Personalkarussel, hervorgerufen durch ständige Verletzungen, eine stabile Leistung verhindere, sondern auch die von Tuchel vorgenommenen ständigen taktischen Veränderungen die Mannschaft verwirre. Und dann kommt auch noch Sammer wieder zurück, als TV-Experte. Es wird wirklich alles getan, um einen den Fußball zu vermiesen.