Kategorie-Archiv: Blutgrätsche

Die Wahrheit über den 20. Spieltag

So, wie der BVB z.Z. spielt, muss man seine Erwartungen erheblich herunterschrauben, was nicht leicht fällt, wenn man an den Anfang der Saison denkt, als es mit spielerischer Leichtigkeit gelang, hohe Siege einzufahren und sogar kurzfristig mit fünf Punkten Vorsprung auf Platz eins zu stehen. Aber selbst in dieser Phase musste sich Dortmund mit einem Unentschieden in Freiburg zufriedengeben, ein Ergebnis, das durch die folgenden ein wenig unter den Tisch fiel. Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, sich am Lieblingsgegner wieder aufzurichten, denn das letzte Mal, dass Freiburg in Dortmund Punkte holte war 2002. Andererseits sind die Freiburger nicht umsonst seit sieben Spieltagen ohne Niederlage. Und das Spiel gegen Hertha noch in frischer Erinnerung war klar, dass ein Unentschieden mehr als wahrscheinlich sein würde. Dann jedoch befand sich Aubameyang in der Startelf, mit seinem wahrscheinlich letzten Spiel vor heimischer Kulisse und sofort hatte man das Gefühl, dass er sich mit einer Glanzleistung verabschieden wollte, und wahrscheinlich war das auch sein Plan, aber mit den uninspiriert auftretenden Mannschaftskollegen, war der schnell Makulatur. Nils Petersen stehl ihm die Show. Er allein brachte die Dortmunder Abwehr ein ums andere Mal in Verlegenheit. Zwang sie zu Rückpässen, und das mit Erfolg, denn als Sahin, der es nicht schaffte, dem Spiel so etwas wie eine Struktur zu verleihen, angelaufen von Petersen zurückspielen wollte, blockte Petersen den Pass und hob den Ball mit einem 30-Meter-Schuss über Bürki zum 2:1. Dabei hatte es so gut angefangen, als Dortmund Druck machte und ein Abpraller Kagawa vor die Füße fiel, der mit einem Seitenfallzieher ästhetisch einwandfrei verwandelte. Freiburg ließ sich aber nicht beeindrucken. Haberer wurde mit einem Steilpass zur Grundlinie geschickt, während Sahin nur gemächlich hinterhertrottete. Ein scharfer Pass in den 5-Meter-Raum verwandelte Petersen zum Ausgleich, umringt von gleich drei Dortmundern, die interessiert zuguckten. Ich beschreibe das Zustandekommen der Freiburger Tore deshalb, um zu zeigen, wie dilettantisch die Abwehr immer noch zu Werke geht, während der underdog in jeden Zweikampf geht, auch wenn die Aussichten schlecht sind. Fast alle statistischen Werte sprachen für Dortmund und dennoch war die Körpersprache bei den beiden Mannschaft völlig unterschiedlich. Leidenschaft bei den Freiburger, Halbherzigkeit bei den Dortmundern, Risiko gegen einfallslose Sicherheitspässe. Den ganz anderen BVB, den Stöger in der Winterpause angekündigt hat, sucht man vergeblich. Gegen kompakt stehende Mannschaften, die als Kollektiv auftreten und nicht mal einen genialen Spieler benötigen, hat Dortmund nur bescheidene Chancen. Am Ende hatten die Schwarzgelben dann sogar noch unverschämtes Glück, denn in der Nachspielzeit schoss Toljan einen ihm vor die Füße flippernden Ball durch die Beine von gleich Freiburgern ins Tor. Dortmund hätte eigentlich nicht gewinnen dürfen, denn die beiden Tore kamen durch Zufall zustande, die beiden Freiburger Tore hingegen waren geplant und so gewollt. Als nächstes geht es nach Köln, gegen die der BVB kaum eine Chance haben wird, denn noch mehr als gegen Freiburg hat man es hier mit einem leidenschaftlich kämpfenden Gegner zu tun. Und diesem Konzept hat Dortmund z.Z. nichts entgegenzusetzen.

Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Aubameyang kehrt nach dem sich abzeichnenden desaströsen Verlauf der Saison dem BVB nun endgültig den Rücken und versucht, durch sein unwilliges Verhalten der Vereinsführung die Entscheidung, ihn zu Arsenal ziehen zu lassen, zu erleichtern. Das ist für den Fan nicht schön, wenn wieder einer der wirklich Guten den BVB verlässt, aber auch durchaus verständlich, denn die Mechanismen im Profigeschäft sind so, dass jeder als Vollidiot gilt, der das nicht täte und entsprechend seinem Marktwert das Maximale herauszuholen versucht. Und das ist nicht nur im Fußball so, sondern überall auf dem freien Markt. Wenn Heynckes also einen Appell gegen diese Gepflogenheiten richtet, dann ist das nicht nur naiv, sondern auch zynisch, denn er selbst hat sich diesen Marktgesetzen unterworfen, und nicht nur das, er arbeitet für einen Verein, der diesen Neoliberalismus in der Liga durch seine marktbeherrschende Position schon immer praktiziert hat. Ich erinnere mich vage daran, wie Bayern Mario Götze geholt hat, und sich dabei nicht gerade dem fair play verpflichtet fühlte. Inzwischen muss Bayern allerdings sowieso nur noch kurz zu winken und der Spieler steht sofort bereit und lässt trotz gegenteiliger Bekenntnisse, die er mal für seinen alten Verein gegeben hat, diesen im Regen stehen, wie man gerade wieder bei Goretzka beobachten kann. Wenn Heynckes also die Spieler an ihre »Verantwortung« erinnern will, so ist die wohl kaum zu trennen von der Verantwortung, die die Vereine auch nicht haben. Und weil sich das ganz öffentlich abspielt, kann jeder beobachten, dass es im internationalen Fußball eine Nahrungskette gibt, und ganz oben stehen vier, fünf englische Mannschaften, drei spanische, Paris St. Germain und Bayern. Nicht mal Juve gehört da mehr dazu, bzw. ist in die zweite Kategorie gerutscht, denn auch Turin konnte einen Pogba nicht halten. Deutlicher als sonst wird das alles nur dadurch, weil durch den Megatransfer von Neymar etwas in Rutschen geraten ist und fast alle Vereine durch absurde Magedeals sich möglichst weit oben in der Hierarchie behaupten wollen, wo die wirklich großen Summen generiert oder verbrannt werden, denn der Fußball ist immer noch ein Spekulationsgeschäft. Wenn Heynckes also von »Verantwortung« schwafelt und dafür auch noch gelobt und bewundert wird als moralisch integere Person, so könnte man vielleicht glauben, er sei ein bisschen dumm, in Wirklichkeit aber gehört das einfach zum Geschäft, Heynckes suggeriert durch seine Kritik, dass es so etwas wie Fairness im Fußballgeschäft noch gebe, und das in der einer Zeit, in der die Financial Fairplay-Richtlinien der Uefa noch nie so unterlaufen wurden wie in Zeiten der großen Tranfers. Natürlich schreibe ich das nur, weil es über den BVB nichts gutes zu berichten gibt, außer dass sich nun auch noch Schürrle zu Wort gemeldet hat, der das Verhalten Aubameyangs kritisiert, obwohl er gemessen an seinem geringen Talent nicht nur einer der größten Transferabsahner gewesen ist, sondern auch als Nutznießer der Aubameyangschen Lustlosigkeit seine fußballerische Unfähigkeit unter Beweis stellen darf, wie gerade eben in Berlin, wo er sehr engagiert über den Platz hastete, ohne dass ihm etwas gelungen wäre. Es ist bitter, dass der BVB alle seine wirklich guten Spieler verloren hat und sich nun offenbart, dass der Rest gerade mal gut genug ist, um im oberen Drittel herumzukrebsen, weil es ihm nicht einmal mehr gelingt, gegen mittelmäßige Mannschaften wie Hertha mehr zustande zu bringen als ein uninspiriertes Gekicke und ein unansehnliches Unentschieden. Es tröstet dabei nicht wirklich, dass die Konkurrenz auch nicht viel besser ist.

Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Die Bayern zieht wieder seine einsamen Kreise an der Tabellenspitze und niemand in weiter Sicht, der ihnen in irgendeiner Weise gefährlich werden könnte. Auch nicht die zuletzt ziemlich stark auftretenden Leverkusener, die zwar ein paar Chancen herausspielen und verdatteln durften, die aber die Überlegenheit der Münchner nie ernsthaft in Zweifel zogen, nicht einmal gegen einen Ribery, der mit 34 im Spitzenfußball schon als Dinosaurier gilt. Im Abstand von 13 Zählern tummelt ein dicht gestaffeltes Mittelfeld von neun Mannschaften, zwischen denen gerade mal 5 Zähler Unterschied liegen. Und in diesem Mittelfeld herrschen Mittelmaß und große Leistungsschwankungen. Jeder kann sich hier gegen jeden blamieren, auch gegen Mannschaften, die ganz unten stehen. So schaffen es die auf Platz 7 stehenden und um einen internationalen Wettbewerb spielenden Augsburger mal gerade mit Mühe und Not ein 1:0 gegen ein schwaches Hamburg, das jede Inspiration missen lässt und wie schon in den letzten Jahren um den Abstieg bettelt, der von den Vereinsstrukturen begünstigt wird, aber nicht sein darf. Immerhin kann man sich in Hamburg mit der Elbphilharmonie trösten. Auch mit ihr hat man Millionen in den Sand gesetzt, aber sie ist wenigstens über die nächsten Jahre ausverkauft. Das lässt vom Hamburger Sportverein nicht behaupten, und es verwundert sehr, mit welcher Langmut und großartigen Frustrationstoleranz die Hamburger dem »Tennisverein mit angeschlossener Fußballabteilung« (Harry Rowohlt) bei einem Gekicke zugucken, das man sich auch wesentlich billiger auf irgendwelchen Bolzplätzen ansehen kann. Vielleicht sollte man ein Jahr in der 2. Liga Pause machen und sich regenerieren, um so wie Hannover als Phönix aus der Asche wieder aufzusteigen und auf erstaunliche Weise zu brillieren. Gegen Mainz holte man einen 2:0-Rückstand nicht nur auf, sondern verwandelte ihn in einen Sieg, weil die Mannschaft sich einfach nicht aufgibt und immer an seine Möglichkeiten glaubt. Hier stimmt das Mannschaftsgefüge, das in Dortmund einen Knacks hat, weil man nicht mehr über die eigenen Möglichkeiten hinausgeht. Und plötzlich sieht man da eine ganz normale Mannschaft, die wie jede andere mittelmäßige Mannschaft ohne überraschende Momente die Bälle verwaltet, und der Wille, gewinnen zu wollen, zu eigenartigen Verkrampfungen führt. Bei Peter Bosh, deutete Guerreiro einmal an, hätte niemand mehr so genau gewusst, was er zu tun hatte. Ob Stöger einen Masterplan hat, der den Dortmundern den alten Schwung wieder zurückgibt und der ihnen soviel Fans zugeführt hat, mag man nicht glauben. Aber die Situation der Dortmunder ist auch nicht besonders einzigartig, auch Real Madrid leidet unter extremer Erfolgslosigkeit. Real liegt nun schon 16 Punkte hinter Barcelona und verlor das letzte Punktspiel zu Hause gegen Villarreal zwar etwas unglücklich, aber eben doch 1:0. Es hatte nichts genützt, dass Zidane versucht hatte, den ganzen Unwillen auf sich zu ziehen. Umso bitterer ist es, dass es trotz dieser Schwäche in der Liga gegen den BVB noch dicke reichte, und irgendwie ist das ziemlich deprimierend, weil das schon ein wenig über die Schwäche der deutschen Klubs auf internationaler Ebene aussagt. Aber es gibt natürlich auch kein Fairplay. ManU plant schon wieder eine »Transfer-Offensive«, Real Madrid hat angeblich 600 Millionen für Neymar geboten, Barcelona hat sich nun auch noch Liverpools Coutinho für 160 Millionen geholt. Und der BVB kriegt in diesem Konzert gerade noch einen Verteidiger aus Basel, den niemand kennt, für erstaunliche 21,6 Millionen, die damals nicht mal Reus gekostet hat.

Die Wahrheit über den 17. Spieltag

In Dortmund ist das Glück zurückgekehrt, aber nicht das Vermögen, richtig guten Fußball zu spielen, mit dem sie ihre Fans verzaubert haben. Zu Hause gegen Hoffenheim waren sie die schlechtere Mannschaft, die Gäste aus der Provinz spielten die genaueren Pässe, kombinierten geschickter und gewannen mehr Zweikämpfe, jedenfalls hatte man den Eindruck, denn laut Statistik war der BVB zweikampfstärker. Aber die Domäne der Dortmunder mit der Anzahl der gespielten Pässe war mit 493 gegenüber den 586 der Hoffenheimer verloren gegangen, was in den Niederungen der Liga immer mehr zu einem Zeichen der Niederlage wird, denn je mehr eine Mannschaft Pässe spielt, desto häufiger scheint sie zu verlieren, was in der Regel damit zusammenhängt, dass man sich den Ball in der eigenen Hälfte gegenseitig zuschiebt, weil nach vorne niemand anspielbar ist. Zudem waren die Hoffenheimer zielstrebiger und entschlossener und hatten mehr Ballbesitz. Und folgerichtig gingen sie mit einem präzisen Pass in die Tiefe in Führung, eine schöne Kombination, die man gerne auch mal von den Dortmundern gesehen hätte, aber bei denen blieb das Spiel nach vorne Stückwerk. Erst ein Elfer nach der ersten wirklich schnellen Kombination in der 2. Halbzeit brachte den Ausgleich durch den nervenstarken Aubameyang. Hoffenheim aber blieb überlegen, bis Kagawa, der einzige Dortmunder, der so etwas wie Spielwitz versprühte, mit einem präzisen Ball in die Tiefe Pulisic bediente, der den Ball genial am Torhüter vorbeihob und mit dem anderen Fuß direkt verwandelte. Das war bereits in der 89. Minute, eigentlich die Zeit, in der Dortmund sonst die Tore kassiert und nicht erzielt. Symptomatisch für die anhaltende Unsicherheit war Yarmolenko, der sich immer wieder verzettelte und beste Chancen vergab, dessen Körpersprache Enttäuschung und Frust ausdrückte und keinen Kampfgeist. So jedenfalls hat man keine Chance gegen die Bayern im anstehenden Pokalachtelfinale, obwohl die Bayern sogar noch mehr Glück hatten als Dortmund, weil Stuttgart in der Schlussminute einen Elfer verschoss und damit den Ausgleich vergab, und auch sonst hatten die Stuttgarter einige Chancen, die sie leichtfertig vergaben, und das unterscheidet eben die Bayern von den anderen Bundesligamannschaften, weil sie sich immer auf die schlechte Chancenverwertung des Gegners verlassen können. Und auch sonst war es der Tag der last-minute-Tore. Die Bremer, die trotz des Ausfalls ihres wichtigsten Mannes Kruse mit 2:0 gegen Mainz in Führung gingen, kassierten in der letzten Minute noch den Ausgleich und verpassten es, den Relegationsplatz zu verlassen. Die Frankfurter führten zu Hause gegen Schalke ebenfalls schon mit 2:0, als in der letzten Sekunde wie schon gegen den BVB Naldo noch der Ausgleich gelang. Und auch Freiburg lag schon mit 2 Toren in Augsburg vorne, als der Heimmannschaft in der Nachspielzeit noch zwei Treffer zum Ausgleich gelangen. Während man sich in der deutschen Liga abarbeitete, gelang es Real Madrid mit Standfußball gegen die argentinische Mannschaft Gremio mit einem 1:0-Sieg, Klub-Weltmeister zu werden. Wenn es schon in der Liga nicht klappt, wo man weit abgeschlagen hinter Barcelona steht.

Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Immerhin hat Stöger das Kunststück fertig gebracht, Köln vier Jahre lang in der Liga zu halten und am Ende sogar in die Euroleague zu befördern. Er konnte sich sogar einmal einen Sieg gegen den BVB auf die Fahnen schreiben. Jetzt feierte er seinen ersten Sieg in dieser Saison, denn mit Köln schaffte er gerade mal drei Remis, so dass die Rheinländer die schlechteste Punkteausbeute vorzuweisen haben, die jemals einer Mannschaft gelungen ist. Und auch gegen Bayern reichte es nur zu einer 1:0-Niederlage. Fast hätte man die Bayern mit der Defensive und zwei Kontern zermürbt, aber einer geht bei den Münchnern eben immer irgendwie rein. Der Sieg der Dortmunder war ebenso alles andere als glanzvoll, und wenn Mainz in seiner ersten besseren Halbzeit aus seinen Chancen ein Tor gemacht hätte, hätte auch das Elend des BVB seinen Lauf genommen. So kamen die Dortmunder, die auf ihr bewährtes System mit Viererkette umstellten, zum Führungstreffer durch einen Gewaltschuss von Sokratis. Die Mainzer mussten in die Offensive gehen, es ergaben sich Konterchancen und Räume, in denen Aubameyang und Kagawa ein bisschen so wie früher glänzen konnten. Es ist allerdings kaum anzunehmen, dass Dortmund schnell wieder zu alter Stärke zurückfindet, weshalb es am Samstag zu einer Zitterpartie gegen Hoffenheim kommen wird mit einem völlig offenen Ausgang, der davon abhängig sein wird, welchen Tag Hoffenheim mit seinen schwankenden Leistungen erwischt. Zwar reichte es gerade mal noch gegen Stuttgart zu einem 1:0, aber sehr überzeugend war es nicht, und wenn es am Ende 1:0 für den VfB gestanden hätte, hätte sich auch niemand beschweren können. Stöger, dessen größtes Problem sein wird, ob die Spieler sein österreichisches Genuschel überhaupt verstehen, wirkte durchaus sympathisch, denn er widmete den Sieg seinem Vorgänger Peter Bosz, wohl wissend, dass er in zwei Tagen natürlich keine Akzente setzen konnte. Man sah den Spielern die Erleichterung an. Endlich mal kein am Schuh klebendes Pech, kein Glücksschuss, keine abgefälschter Ball, keine Schiedsrichterfehlentscheidung, alles lief normal, und vielleicht deshalb war es dann auch ein Trauerspiel, denn es war ein Spiel ohne Inspiration. Immer noch ist Dortmund eine Mannschaft, an der sich der Gegner aufrichten kann, bei denen sich Selbstvertrauen tanken lässt. Dabei könnten sie glänzen, denn in der Liga gibt es außer Bayern keine Mannschaft, die konstant wirklich gut spielen würde, und auch Schalke, das nach einem schmeichelhaften Unentschieden der Leipziger in Wolfsburg auf Platz 2 steht, verdankte seinen Sieg gegen bessere Augsburger nur einem ungerechtfertigten Elfmeter.

Die Wahrheit über den 15. Spieltag

Ein Sieg »ohne Wenn und Aber« sei Pflicht, nahm Nuri Sahin seine Mannschaft in die Pflicht, aber schon nach kurzer Zeit wurde klar, dass es jede Menge Wenn und Abers gab, und zwar soviel wie Dortmunder auf dem Platz standen. Man konnte dem Offenbarungseid einer Mannschaft zugucken, die kein Konzept hatte, keinen Mut, keine Zweikampfstärke, kein Selbstvertrauen, weshalb das nach dem Trainerwechsel und der Rückkehr Kruses wiedererstarkte Werder völlig zu Recht gewann, denn sie verstanden es, die Schwächen der Dortmunder zu nutzen. Sie konnten sich die Bälle am Sechszehner zuspielen, ohne von einem Dortmunder in Bedrängnis gebracht zu werden. Die Bremer wussten genau, was sie taten. Sie hinderten beispielsweise den schnellen Pulisic daran, überhaupt erst Fahrt aufnehmen zu können, sie waren nah am Mann und nahmen die Zweikämpfe auf, denen die Dortmunder vornehm aus dem Weg zu gehen schienen. Es bot sich das gleiche Bild wie sonst auch: Am Ende hatte der BVB stolze 68 % Ballbesitz zu verzeichnen, 725 gespielte Pässe mit einer Quote von 84 %, die Bremer hingegen spielten 344 Pässe mit einer lausigen Quote von 66 %, am Ende aber stand es 2:1 für Bremen und niemand hegte Zweifel daran, dass der Sieg in Ordnung ging. Nur die ersten zehn Minuten nach der Pause baute der BVB etwas Druck auf. Es gelang ihnen sogar der Anschlusstreffer, der mehr erzwungen als erzielt wurde, was aber in einer solchen Situation keine Rolle spielt. Und dann kam das Erstaunliche. Für die Dortmunder war der Ausgleich nicht etwa ein Aufbruchssignal, sondern ein Grund, wieder in die alte Letharie zurückzufallen und den Bremern den Platz zu überlassen, die das Angebot dankend annahmen und nach einer Ecke erneut in Führung gingen, und das, obwohl nach Verletzung von Bartels und Junuzovic zwei wichtige Bremer ausfielen. Bislang haben die Fans den Spielern trotz mauer Leistungen den Rücken gestärkt, aber diesmal verfiel auch sie in Lethargie, um nach dem Schlusspfiff den Spielern ein Pfeifkonzert zu geben. Die Verunsicherung sitzt also sehr tief, und sie geht immer tiefer, je länger Bosz als Trainer weitermachen durfte. Das hat die Vereinsführung nicht wahrhaben wollen. Jetzt aber war sie gezwungen zu handeln. Nachdem sie aus den letzten beiden Spielen einen Sieg gefordert hatte, musste sie das auch. Bosz jedenfalls würde sich ja nicht um die Abfindung bringen wollen, weshalb er weitergemacht hätte, bis die Mannschaft auf dem letzten Platz gestanden wäre. Aber es war nicht nur das unglaubwürdige Mantra, mit dem er verkündete, die Mannschaft weiterhin erreichen zu können, es stand ihm auch die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben, die zeigte, dass er auch nicht mehr wusste, was er noch hätte machen können. Noch am Samstag hat sich die Vereinsführung beraten und den Mannschaftsrat (Sahin, Schmelzer und Reus) hinzugezogen. Heute um 12 Uhr verkündete man in einer kurzfristig einberaumten Pressekonferenz, dass Bosz entlassen worden war, und präsentierte gleichzeitig den neuen Trainer: Peter Stöger, der eilig aus Wien importiert worden war. Wer sich die Pressekonferenz allerdings angesehen hat, hatte anschließend nicht das Gefühl, es würde ein neuer Aufbruch stattfinden. Zu sehr wanden sich Watzke, Zorc und Stöger, dem ganzen eine positive Seite abzugewinnen, aus der Not eine Tugend zu machen. Aber klar, wie soll das auch gehen, jedenfalls kann sich niemand sicher sein, ob unter einem Trainer, der beim 1. FC Köln gerade mal drei Punkte gemacht hat, also bewiesen hat, dass auch er keinen Zugang zu seiner Mannschaft mehr herstellen konnte, wirklich alles besser wird, der also in der Lage ist, das Selbstvertrauen der Dortmunder wieder herzustellen. Auch Watzke und Zorc sind sich nicht sicher, weshalb Stöger erstmal nur bis Ende der Saison verpflichtet wird. Danach soll dann Nagelsmann verpflichtet werden. Alles keine schöne Aussichten.

Die Wahrheit über den 14. Spieltag

BVB-Boss Watzke forderte einen Tag nach der unerklärlichen 4:4-Niederlage der Dortmunder auf einer Mitgliederversammlung Bosz dazu auf, jeden Stein umzudrehen und »alles auf den Prüfstand« zu stellen. Leider konnte niemand in Erfahrung bringen, ob sich nun jemand erklären kann, wie die merkwürdige Serie von sieglosen Spielen zustande kommt. Ein Werbefilmchen für Opel gibt darüber vielleicht unfreiwillig Auskunft. Vier Dortmunder Spieler steigen in einen Opel, während sie auf ihren Handys daddeln und ihren Spaß haben, bis Schmelzer auffällt, dass niemand auf Steuer sitzt und alle zu schreien anfangen. Kein Steuermann an Bord, oder wie die SZ vermutet, lauter Indianer, aber kein Häuptling. Immerhin eine Erklärung, aber natürlich keine, die wirklich standhalten könnte, denn der BVB wurde im letzten Jahr trotz flacher Hierarchie und trotz Anschlag auf den Mannschaftsbus immerhin Pokalsieger und erreichte den 3. Platz. Das alles kann auch nicht mit dem Weggang von Dembélé erklärt werden. Als Grund des ganzen Desasters bleibt da nicht mehr viel übrig und kann eigentlich nur mit dem Trainer zu tun haben, der mit seiner ruhigen Art die Spieler eher einschläfert als aufrüttelt. Daran hat sich auch im Spiel gegen Leverkusen nichts geändert. Immer wieder versuchen die Dortmunder sich langsam nach vorne zu tasten, wo dann eine dicht- und gutgestaffelte Abwehr nur auf einen Fehler lauert, um die alle in der gegnerischen Hälfte herumstehenden Dortmunder auszukontern. Diesmal war es Subotic, dem im Zentrum mit einer verunglückten Kopfballabwehr der Fehler unterlief, so dass Volland steil geschickt werden konnte und das gesamte Dortmunder Halbfeld für sich allein hatte. Da hatten die Leverkusener  schon einige Großchancen vertan und einmal nur die Querlatte getroffen, während sich auf Dortmunder Seite schon früh Philipp schwer verletzte und auch Castro vom Platz humpelte, weil Wendell ihm kurz vor dem Pausenpfiff auf den Knöchel sprang. Dafür bekam der Leverkusener dann völlig zu recht die rote Karte. Der BVB konnte also die gesamte 2. Halbzeit mit einem Mann mehr spielen, was sich aber nur in optischer Überlegenheit ausdrückte. Die Chancen hatte weiterhin Leverkusen. Denn wieder konnte Volland allein auf Bürkis Tor zulaufen und hatte das 2:0 auf den Fuß, aber er traf nur den herauslaufenden Bürki. Stattdessen gelang Yarmolenko im Gegenzug der Ausgleich. Typisch für das Spiel sind folgende Statistikwerte: 744:266 gespielte Pässe und 88 Prozent Ballbesitz für den BVB, aber 15:9 Torschüsse für Leverkusen. Und dennoch bleibt Bosz aus Mangel an Alternativen im Amt. Wie groß die Not beim BVB ist, zeigt die Tatsache, dass offenbar auch Sammer als Trainer angefragt wurde, den in Dortmund niemand leiden kann. Jedenfalls kann man ausschließen, dass es mit Dortmund in diesem Jahr nochmal aufwärts geht, während Hoffenheim, die auch eine Flaute hatten, sich mit einem beeindruckenden 4:0 gegen Leipzig durchsetzten. Und selbst Köln schaffte mit einer starken Vorstellung auf Schalke ein 2:2. Das wird Stöger allerdings nicht retten. Und damit wird ein Mann arbeitslos, den Dortmund bei seiner Trainersuche im Sommer auf den Zettel hatte. Schön wäre das nicht, wenn Stöger als Bosz-Ersatz weiterwursteln dürfte, aber die Alternativen sind rar gesät. »Klopp muss wieder zurück«, sagt Guy. Er ist 8 Jahre alt.

Die Wahrheit über den 13. Spieltag

4:1 tippte ich für Schalke vor dem Spiel, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass der BVB nach den letzten Auftritten auch nur eine leise Chance haben würde. Aber dann sah man ein Schalke, dass durch übermotivierte Härte die Dortmunder verunsichern wollte, stattdessen aber selbst den Faden verlor, wobei die Schalker Glück hatten, dass Schiedsrichter Aytekin Kehrer nach zwei üblen Fouls nicht vom Platz stellte. Das holte er dann später bei Aubameyang nach, der für einen normalen Zweikampf und ein harmloses Foul gelbrot bekam. Aber das war gar nicht mal spielentscheidend in einem Match, das in zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten auseinanderfiel. Dem BVB nämlich gelang in der ersten Halbzeit alles. Jeder Schuss ein Treffer, und wenn dei Dortmunder nicht trafen, dann halfen die Schalker mit einem Eigentor aus. Nach dem wunderbaren 4:0 durch Guerreiro in der 25. Minute, der einen geblockten Schuss volley in die lange Torecke wuchtete, war für alle das Spiel entschieden, derartig dominant spielte Dortmund, während Schalke nur durch die Großmut Aytekins weiterhin zu elft auf dem Platz stand. Bereits in der 34. Minute korrigierte der Schalker Trainer Tedesco mit zwei Auswechslungen die Spielweise seiner Mannschaft und schaffte es damit zumindest, dass es nicht noch schlimmer kam. In der zweiten Hälfte begann das Spiel zu kippen. Die Schalker spielten jetzt überlegter und geordneter und kamen in der 53. Minute durch Naldo zum Anschlusstreffer, der jedoch wegen einer leichten Abseitsstellung nicht zählte. Drei Minuten später hatte Aubameyang das 5:0 auf dem Fuß, als er dem Schalker Torhüter Fährmann den Ball wegnahm, aber gleich darauf wieder vertändelte. Die große Chance war vertan. Stattdessen schlichen sich wieder die bekannten merkwürdigen Aussetzer in der Abwehr ein, als Burgstaller einen langen Ball über Weidenfeller hinweg ins Tor köpfte, während Toprak und Sokratis zusahen und Weidenfeller viel zu weit vor dem Tor stand. Dann ging es Schlag auf Schlag: Nur fünf Minuten später viel das 2. Schalker Tor und Bosz bekam plötzlich Angst, wechselte Bartra für Yarmolenko ein, und als Aubameyang kurz darauf den Platz verlassen musste, stand Dortmund ohne Sturm da. Bosz setzte weiter auf totale Defensive und wechselte einen der besten Dortmunder Guerreiro gegen Zagadou ein, der kurz darauf sich von Caligiuri gleich zweimal austanzen ließ, während fünf andere Dortmunder im Strafraum interessiert dabei zusahen, wie der Schalker in der 86. Minute den Anschlusstreffer erzielte. Die Dortmunder waren nun vollkommen von der Rolle und schlugen die Bälle nur noch blindlings nach vorne, wo niemand mehr stand, so dass die Schalker einen Angriff nach dem anderen setzen konnten. In der 4. Minute der Nachspielzeit verlor wieder Zagadou die Orientierung und ließ Naldo frei zum Kopfball und zum Ausgleich kommen. Danach hatte niemand mehr eine Erklärung parat. Das, was da passiert ist, hätte nicht passieren dürfen, analysierte Bosz präzise die Lage und drückte damit nur aus, was jeder wusste, aber sich deshalb noch lange nicht erklären konnte. Die große Verunsicherung geht also weiter, und zwar verschärft, weil man es erstmal schaffen muss, einen 4:0-Vorsprung sich wieder abnehmen zu lassen. Das geht noch mehr in die Knochen und die Psyche als eine vermurkste knappe 2:1-Niederlage. Bosz hat einfach kein Konzept und keine Vorstellung, wie der Hebel wieder umzulegen ist. Als er zielsicher Spieler einwechselte, die zur endgültigen und faktischen Niederlage beitrugen, machte er deutlich, dass er kein Händchen besitzt und seiner Mannschaft nichts mehr zutraut. Er hat damit das falsche Zeichen gesetzt und es ist nicht das erste Mal, dass der BVB nach der Halbzeit die Luft ausgeht, eine weitere rätselhafte Seuche, geht man davon aus, dass, wie Bosz behauptet, die Mannschaft fit ist. Am Sonntag nach Redaktionsschluss gibt es eine Mitgliederversammlung, auf der Watzke und Zorc erklären müssen, was sie zu tun gedenken, um aus der Krise wieder herauszukommen. Es würde mich nicht wundern, wenn Bosz entlassen wird. Ein Bekenntnis zu ihm wie noch vor zwei Wochen gab es diesmal nach dem Spiel nicht, stattdessen verschwanden die Verantwortlich schnell und heimlich durch die Hintertür.

Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Es macht keinen Spaß mehr, sich die Spiele der Dortmunder anzusehen. Da ist keine Spielfreude mehr, kein blindes Verstehen, keine schnellen Kombinationen, nur noch eine große Verunsicherung, die sich auch gleich in der 5. Minute zeigte, als Bartra und Bürki slapstickhaft dem Stuttgarter Akolo den Ball vor die Füße legten, damit der nur noch einzuschieben brauchte. Bartra schoss den Ball viel zu scharf zurück auf Bürki, der völlig unmotiviert aus dem Tor gelaufen war, so dass der Ball von ihm abprallte. Den zweiten Treffer der Stuttgarter ließ Bürki durch seine Beine passieren. Wieder zwei dicke Patzer in einem Spiel. Und man fragt sich verwundert, wie lange Dortmund noch mit einem solchen Sicherheitsrisiko dem Gegner die Punkte schenken will, wie lange man noch zusehen will, wie sich die Aktie, die nach Bürkis Patzer im Nikosia-Spiel um 36 Millionen absackte, im Sinkflug befindet. Warum investieren sie nicht mal ein paar Millionen in einen guten Torhüter wie Kevin Trapp, der bei Paris nur auf der Bank sitzt? Stattdessen streichen sie Aubameyang aus Disziplinargründen aus dem Kader, damit er mal sehen kann, dass er unersetzlich ist, denn der Millionenflop Schürrle, der statt Aubameyang stürmen durfte, war eine einzige Blamage, der nicht mal imstande war, einen Elfer zu verwandeln, und niemand kann sich heute mehr vorstellen, dass für diesen Mann einmal an die 30 Millionen verschleudert wurden, der in der 2. Liga wahrscheinlich Schwierigkeiten hätte, einen Stammplatz auf der Bank zu ergattern. Der einzige Dortmunder Unruheherd Pulisic hatte sich verletzt. Die Offensive mit Yarmolenko und Philipp trat eher bieder auf und strahlte keine Gefahr für die Stuttgarter Verteidigung aus. Der einzige Aktivposten auf BVB-Seite war Götze, bei dem es jedoch immer nur für eine Halbzeit reicht. In der 2. Halbzeit jedenfalls war er kaum mehr zu sehen und die Stuttgarter konnten das Heft in die Hand nehmen. Und wieder musste der Gegner den Ball einfach in die verwaiste Dortmunder Hälfte schlagen, um sie auszukontern. Es war so einfach und absehbar, dass man nur ungläubig den Kopf schütteln konnte. Es ist immer wieder das gleiche Vorgehen, mit dem sich die hoch aufgerückte Abwehr der Dortmunder aushebeln lässt. Das alles sind Probleme, die der Trainer offensichtlich nicht in den Griff kriegt. Weder scheint er in der Lage zu sein, die Mentalität der Spieler zu heben, noch kann er ihnen eine Spielweise verständlich machen, mit denen sie umgehen können. Stattdessen schlagen die Abwehrspieler die Bälle blind ins Aus wie in der Kreisliga, wenn ihnen einen Gegner im Nacken sitzt, weil sie Angst haben, einen Fehler zu machen, und genau deshalb machen sie dann auch solche Fehler, wie er Bartra und Bürki unterlief. Wie lange will sich der Verein diesen Trainer noch leisten? Sehen Watzke und Zorc nicht, wie dramatisch die Situation ist? Dass sie den Absturz der Mannschaft in Kauf nehmen? Wie viele Spiele darf eine verunsicherte Mannschaft unter Bosc noch verlieren? Am Dienstag gegen Tottenham? Und dann am Samstag gegen Schalke? Muss der BVB erst wieder auf einen Abstiegsplatz stehen, bis dem Verein vielleicht mal dämmert, dass es vielleicht keine gute Idee ist, den Trainer weiterwursteln zu lassen und den Kader auseinanderfliegen zu lassen? Denn nach einer solchen Saison werden die letzten guten Spieler die Flucht ergreifen.

Die Wahrheit über den 11. Spieltag

Immerhin waren die Dortmunder besser als man erwarten konnte nach den zuletzt eher erbärmlichen Auftritten. Aber bei einem Gegner wie Bayern hat man es natürlich auch nicht mit einer Mannschaft zu tun, die sich hinten einigelt und auf Konter lauert, d.h. die Dortmunder waren selbst defensiv gefordert, aber obwohl sie versuchten forsch aufzutreten, gaben sie den Bayern einfach zuviel Räume, und das ist bei diesem Gegner tödlich, wie sich gleich beim ersten Treffer zeigte, als Robben von seiner Lieblingsposition innerhalb des Sechszehners in aller Ruhe seine Ecke anvisieren konnte. Danach war es eigentlich schon vorbei, denn das sowieso schon angeknackste Selbstbewusstsein löste sich dadurch noch mehr auf und spätestens in der 37. Minute, als Lewandowski ein abgefälschter Hackentrick gelang, war klar, dass die Glücksgöttin auf seiten der Bayern stand. Dortmund hingegen hatte durchaus Chancen, und zwar ziemlich klare, aber sie ließen sich ablaufen wie Aubameyang oder schossen den Torhüter an wie Yarmolenko, oder sie standen sich beim Abschluss gegenseitig im Weg. Mit Glück hätte der BVB sogar gewinnen können, wenn sie diese Chancen konsequent genutzt hätten und Bayern ihre Chancen nicht, weil dann vielleicht ein anderes Spiel entstanden wäre, vielleicht hätten die Bayern dann aber auch den Druck erhöht, dem die Dortmunder wahrscheinlich nicht standgehalten hätten, aber das sind alles Spekulationen. Sicher ist nur, dass der BVB verdient verloren hat, nicht nur weil die Bayern mit dem Rückenwind von sechs Siegen in Folge antraten, während der BVB nur auf einen Sieg gegen einen Drittligisten zurückblicken konnte, sondern weil Bayern auch die besseren Einzelspieler hat, die sich obendrein in besserer Form befinden. Die Ausnahme war wieder einmal nur Pulisic. Der BVB hätte nur dann eine Chance gehabt, wenn sie als Mannschaft aufgetreten wäre, die sich spielerisch blind versteht, wie z.B. der SC Neapel, der ohne Neuzugänge und Stars sogar Manchester City Paroli geboten hat und auf Platz 1 der Serie A steht. Aber davon ist der BVB weit entfernt. Und das liegt auch am Trainer, wenn er im Training so wenig so bieten hat wie in den Interviews. »Das war nicht gut«, »wir waren nicht aggressiv genug« oder »wir standen zu weit weg« ist eine magere Bestandsaufnahme, aber keine Analyse. Und irgendwie verhält sich die Mannschaft gerade wie Bosz am Spielfeldrand: Unbeweglich und irgendwie unbeteiligt, ohne Regung. Die Krise kam schleichend und verdeckt durch die anfänglichen Erfolge gegen mittelmäßige Mannschaften. Da hätte Bosz bereits sehen müssen, dass etwas nicht stimmt, dass es im Mannschaftsgefüge nicht stimmt, dass sich die Dortmunder selbst einlullten mit ihrer Siegesserie, mit dem Gefühl, alles würde von allein gehen, weshalb die Anspannung verloren ging. Bosz aber ist nicht in der Lage, der Mannschaft das Gefühl zu geben, sie könnte das ändern, wie auch, sieht Bosz doch selbst nicht so aus, als könne er Spannung und Leidenschaft erzeugen. Fußball ist aber keine technokratische Angelegenheit, wo man an bestimmten Stellen ein Schräubchen dreht, damit das Ganze wieder funktioniert. Hinzu kommt allerdings auch, und das muss man fairerweise sagen, dass Dortmund von großem Verletzungspech geplagt ist, vor allem in der Verteidigung. So richtig deutet nichts darauf hin, dass der BVB so schnell wieder aus der Krise kommt.