Archiv für den Monat: August 2007

Die Wahrheit über den 3. Spieltag der Bundesliga

Es gibt viele Unterschiede zwischen Asamoah und Zidane, und sie reichen von Spielerintelligenz und Technik bis hin zu spielerischem Vermögen, aber der größte Unterschied ist der, daß Asamoah auch noch eine Petze ist. Während Zidane Beleidigungen auf dem Platz, und zwar bei wichtigeren Spielen als bloß bei einem Derby, mit einem Kopfstoß ahndete, heulte sich Asamoah in Deutschlands größtem Schmierenblatt aus, Weidenfeller habe ihn ganz ganz schlimm beschimpft. Buhuhu! Wer selber schon mal Fußball gespielt hat, weiß, daß das nichts besonderes ist. Das einzige bedauernswerte daran ist, daß die Beleidigungen nicht sonderlich originell sind. Sie passen sich den Sprechchören an, die überall in den Stadien zu hören sind, wenn die »schwarze Sau« von Schiedsrichter mal wieder Mist gepfiffen hat, also »Arschloch, Wichser, Hurensohn«. Ob Weidenfeller nach der Attacke Asamoahs nun »schwarzes« oder »schwules Schwein« gesagt hat, damit mögen sich von der BamS beauftragte Spitzel und Lippenleser beschäftigen, bedauerlich daran ist nur, daß die Beschimpfung so einfältig ist. Die Spieler sollten statt Gameboy zu spielen als Pflichtlektüre »Tim und Struppi« lesen. Von Käptn Haddock kann man sich in die Kunst des absurden Fluchens einführen lassen. »Antipoden, Teppichhändler, Kleptomanen!« Was hätte das gekostet? Noch besser: Die sinnlose Beleidigung. Hätte Weidenfeller Asamoah angebrüllt: »Du Kataphrakt!«, hätte der erstmal zu Hause im Duden nachgucken müssen, um festzustellen: »Scheiße, gibt es gar nicht!« Oder »Du Albaner!« Ist »Albaner« eine Beleidigung? Oder »Du Krefelder«? Wieviel steht auf »Krefelder«? 5000.-? 10.000.-? Als einer meiner Mitspieler im Tiergarten mal übel gefoult wurde, machte sich seine Wut explosionsartig in einem verballhornten »Saumösenarschkrapfen!« Luft. Auch das ein Kraftausdruck, den man vom DFB-Kontrollausschuß gerne bewertet gesehen hätte. Eine der wenigen Trainer, der verläßlich in die Beleidigungskasse des DFB einzahlte (was wird eigentlich mit dem Geld gemacht? Versoffen?), war die Krampfhenne Werner Lorant, der für ein immerhin noch ganz nettes »Du Flasche!« 8000 Mark berappen mußte. Eine zeitlang war »Sie Bratwurst!« en vogue. Ein Schiedsrichter fühlte sich durch diese Anrede beleidigt und der DFB nahm den Armen in Schutz, indem er von Lorant eine Gebühr von 12800 Euro einsackte. Und sonst? Mal wieder nur »Arschloch«, »Wichser«, »Idiot«. Feine Ironie jedenfalls kommt auf dem Platz nicht an. Damit ist schon »Ente« Lippens gescheitert, als er auf ein »Ich verwarne Ihnen!« des Schiedsrichters »Ich danke Sie« antwortete und dafür eine Karte kassierte. Und auch Zidane erntete auf seine witzige Bemerkung im WM-Endspiel von Matarazzi nur eine grobe Antwort. Nun weiß man, daß Weidenfeller nicht zu den hellsten gehört. Als extremen Ehrgeizling wurmte es ihn gewaltig, daß zwei Tore der Schalker auf seine Kappe gingen. Und insofern hat es auch wieder seine gute Seite, wenn er mal drei Spiele aussetzen muß. Gegen Cottbus jedenfalls hat ihn niemand vermißt. Die im Oranje-Orange auftretenden Cottbusser spielten schwach, so daß sogar ein Buckley eine kleine Wiederauferstehung mit zwei Torvorlagen feiern konnte, und Klimowicz mit zwei Toren eine Art Wiedergutmachung für seine Schnitzer aus dem letzten Spiel. Wenn die Schwarzgelben jetzt noch etwas erfinderischer in der Kunst der Beleidigung würden, dann könnte man schon etwas optimistischer in die Zukunft blicken.

Die Wahrheit über den 2. Spieltag der Bundesliga

Im letzten Spiel gegen Duisburg hatten sich die Schwarzgelben bis auf die Knochen blamiert, weil sie das erste Mal seit 30 oder noch mehr Jahren wieder gegen die Zebras zu Hause verloren, was umso schwerer wog, als eine ungeheure Erwartung durch die Luft flirrte. Volles Haus gegen die Zebras, denen man wohlwollend begegnete, wie einigen netten Fans, denen man freundlich auf die Schulter klopfte und sagte: kommt nach dem Spiel noch auf ein Bier vorbei, und bringt gute Laune mit, egal woher ihr die nehmt. Sie nahmen sie dann direkt aus dem Stadion mit, und das war natürlich alles andere als so geplant oder vorgesehen. Anschließend rätselten wir, ob den neuen Spielern, die allesamt aus kleinen Vereinen mit kleinen Stadien kamen, vielleicht von den etwas anderen Dimensionen und der riesigen Kulisse verwirrt worden sein könnten, und ob es vielleicht besser wäre, nächstes Mal zu Hause zu bleiben, aber sehr ernst war das nicht gemeint. Aber nicht nur die Fans dachten schon vor dem Spiel, daß das Spiel bereits gewonnen sei, auch die Spieler schienen davon auszugehen, weshalb sie dem kleinen Nachbarn aus dem Ruhrgebiet jede Menge Platz einräumten und sie zum lustigen Kombinieren einluden. Im nachhinein wußte man: Das konnte nicht gut gehen. Und nun stand Schalke vor der Tür, die noch eine Rechnung offen hatte. Dennoch klammerte ich mich an die Hoffnung, daß Dortmund in der letzten Saison gegen nominell starke Mannschaften oft gar nicht so schlecht ausgesehen hatte, während es gegen vermeintliche Tabellenkellerkinder regelmäßig schief ging. Aber die Hoffnung konnte man ziemlich zügig zu den Akten legen. Schalke brannte von der ersten Minute an auf Rache für die vermasselte Meisterschaft. Und sie gelang auf grandiose Weise gegen eine schwarzgelbe Mannschaft, die dem Schalker Sturmlauf nicht sehr viel entgegenzusetzen hatte. Die Verhältnisse waren von der ersten Minute an klar: Ihr holt ihr heute keinen Blumentopf. Asamoah spielte allein die Dortmunder Innenverteidigung schwindlig und sorgte dafür, daß fast die gesamte Dortmunder Hintermannschaft mit gelb belastet in die Kabine ging. Bereits nach zwei Spielen hat Dortmund Null Punkte und sieben Gegentore kassiert. Doll muß wieder von vorne anfangen, d.h. zunächst mal die Verteidigung stabilisieren, denn so ziemlich jeder leistete sich einen folgenreichen Schnitzer. Sogar Dede ließ sich anstecken, obwohl er wenigstens die Flanke zum Ehrentreffer schlug. Nein, da paßte noch nicht viel zusammen, und das einzige, das sich mit Gewißheit sagen läßt, daß der BVB sowohl gegen starke als auch gegen schwache Mannschaften nicht gut aussieht, und diese unangenehme Tatsache ließ auf Dolls Stirn die ersten bedenkenträgerischen Falten auftauchen, und Rauball meinte, das könne nicht ohne Konsequenzen bleiben. Sollte die Seuche wirklich nahtlos von der vergangenen Saison sich in die neue hinübergerettet haben? Aber es kann nicht nur eine Frage der Qualität der Spieler sein, denn ohne Frage gibt es beim BVB mehr Qualität als sich in den ersten beiden Spielen blicken ließ. Ganz anders bei den Bayern, die in Bremen souverän mit 4:0 gewannen und damit als einzige Mannschaft soviel Tore schossen wie der BVB kassiert hat. In München jedenfalls scheinen die Spieler aufzublühen, während sie in Dortmund nicht zur Entfaltung kommen. Okay, auch ManU hat seinen Saisonstart vergeigt, was viel schwerer wiegt, weil die englischer Meister wurden, aber das ist ein schwacher Trost.

Die Wahrheit über den 1. Spieltag der Bundesliga

Endlich fängt der Fußball wieder an, seufz. Das jedenfalls kriegt man überall zu hören, und in der BamS wird Fußball jetzt sogar als familientherapeutisch wertvolle Sache gefeiert. Ein Dr. Küch. Psych. meint, daß sich Paare und Familien, die das komplette Wochenende zusammen sind, nach einem Tag bereits auf die Nerven gehen. Fußball als Flucht vor der Ehefrau würde zumindest erklären, warum immer mehr Leute ins Stadion gehen, oder in eine Kneipe mit Arena-Anschluß. Demzufolge muß es in Dortmund um Paarverhältnisse extrem schlecht stehen, denn der BVB hat gerade wieder einen neuen Rekord aufgestellt mit 50.500 verkauften Dauerkarten. Da geben die Bayern 70 Millionen für ein komplett neues Starensemble aus, aber in Dortmund wird weiter der Dauerkartenrekord aufgestellt. Der letzte Rekord, der in Dortmund in den letzten Jahren gebrochen wurde, und das, obwohl die letzte Saison so grauenhaft war. Zweimal hintereinander zu gewinnen fiel den Dortmundern schon sehr schwer. Hier reichen ebenso unbekannte wie unaussprechliche Namen wie Blaszcykowski aus, um einen Run auszulösen, der sogar die Verantwortlichen des Vereins überraschte. Immerhin gibt es beim Revierverein da eine gewisse Tradition, denn schon immer spielten da viele Leute, die mit »kowski« endeten. Damals, als noch Kohle abgebaut und gegessen wurde und mein Jugendidol Tilkowski mit selbstgestrickten Wollhandschuhe aufs Spielfeld lief. Leider wurden auch solche kroatischen Treter und Oldies wie Kovac verpflichtet, so daß Dortmund jetzt die älteste Innenverteidigung der Liga hat. Aber der alte Fuchs, Herr Jupp, tröstete mich über den Einkauf des Unsympathen Kovac hinweg mit den Worten: »Du mußt ihn ja nicht lieben, Hauptsache er spielt gut.« Auch Mladen Petric kommt aus dieser Gegend, und wird jetzt gefeiert als der »Beckham der Bundesliga«. Beckhams Glamour hat er jedenfalls nicht, und spielerisch weiß man nicht so recht, ob man froh oder traurig über den Vergleich sein soll. Wie auch immer. In der Liga hat man sich bereits auf den neuen Meister in seltener Einmütigkeit geeinigt, weil jeder weiß, daß Geld eben doch den Meister macht. Nicht unbedingt, wenn man es sinnlos verballert, wie Dortmund es gemacht hat (auch in dieser Hinsicht ist der BVB Spitzenreiter). Aber wie es aussieht, hat Bayern in gute Spieler investiert. Ribery, Luca Toni, Klose, Ze Roberto und Jansen. Mit denen müßte eine Meisterschaft gewinnen lassen. Aufsteiger Rostock ist zwar höchstens ein Sparringspartner gewesen, aber auch die können manchmal unangenehm werden, wie die Pokalschlacht eine Woche zuvor zeigte. Und es werden auch Durchhänger kommen, aber Bayern ist selbst mit seiner 2. Mannschaft besser besetzt als beispielsweise Dortmund mit seiner 1. Nach dem starken Auftritt der Stuttgarter gegen Schalke, als die Blauweißen nur mit Glück einen Punkt ergatterten, würde auch der VfB zum Kreis der Meisterschaftsaspiranten gehören, aber wahrscheinlicher ist es, daß es ihnen ergehen wird wie dem HSV, als der einmal in der Champions-League reinschnuppern durfte und anschließend mit dem Abstieg zu kämpfen hatte. Und Schalke mit seiner Abgebrühtheit, die sie in Stuttgart zeigten, wird vielleicht wieder 3. oder 5., aber eben nicht Meister. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß die Liga ein abgekartetes Spiel ist. Bayern wird Meister und drei oder vier Mannschaften dürfen sich um die internationalen Plätze streiten. Spannend wird es nur im unteren Tabellendrittel. Unterhaltsam könnte auch die Sache mit Magath in Wolfsburg werden, aber sorry… ich muß jetzt los nach Dortmund zum Spiel.