Archiv für den Monat: September 2007

Maron, Monika

Sie ist ein triftiges Argument dafür, daß sich Schriftsteller besser nicht an der öffentlichen Debatte beteiligen sollten, denn in der Regel haben sie wenig mitzuteilen und das Wenige ist dabei noch von einer unangenehmen Beschaffenheit. Dem Tagesspiegel vertraute Frau Maron einmal an, daß sie »erlebt« habe, »daß Deutsche bei einem Fußballänderspiel im Fernsehen mit Leidenschaft gegen die deutsche Mannschaft waren«. Gemein, ja geradezu widerwärtig! Und dieses Erlebnis hat sie arg erschüttert, denn hier handelt es sich offensichtlich um einen »Minderwertigkeitskomplex«, bzw. um »eine bequeme Art, mit dem Konflikt umzugehen, den uns die Hinterlassenschaft des Nazismus beschert hat. Denn es ist ja auch das Ausscheren aus dem Konflikt: ›Ich bin das nicht. Ich gehöre nicht zu denen. Ich bin Kosmopolit. Ich bin Europäer.‹ Das bedeutet dann auch, die anderen mit dem Konflikt allein zu lassen.«

Und das sagt eine, die sich schon als Schülerin für die FDJ, später dann für die SED engagiert hat und die als Tochter des ehemaligen DDR-Innenministers Karl Maron sämtliche Privilegien der Nomenklatura genoß. Aber das ist ja auch schon immer das wirklich Üble am Sozialismus gewesen, daß er solche Opportunisten und Opportunistinnen hervorgebracht hat, die es sich einfach nicht abgewöhnen zu können, immer gleich hundertprozentige Identifikation mit Deutschland zu flaggen, und, was noch schlimmer ist, von allen anderen das gleiche zu verlangen. Die DDR war noch nicht unter der Erde, hielt sie bereits dem Sieger die Stange, denn sie weiß, wem sie sich anflanschen muß, um sich wichtig vorkommen zu dürfen. Dafür rührt sie auch gern die nationalistische Propagandatrommel, und zwar um so mehr, als sie die Erkenntnis plagt, daß der Verrat an der DDR vom Westen mit Argwohn betrachtet werden könnte, denn es ist offensichtlich, daß man sich in Krisensituationen bei solchen Leuten auf eines nicht verlassen kann, auf ihre Loyalität. Dabei trommelt Maron völlig umsonst, denn der Westen kann auf ihre Demutsbezeigungen auch verzichten, er muß sich nicht wie der SED-Staat durch Lobhudeleien seiner selbst versichern, er weiß, daß er auch ohne Monika Maron zurechtkommt. Manchmal ist es ja auch ganz schön: mit anzusehen, wie sie sich abstrampeln, um zu gefallen, wie sie selbst in der rechtsextremen Mülltonne wühlen, um kundzutun, daß man jedem Schwachsinn und jeder Idiotie noch eine Plausibilität abgewinnt, daß man nichts für Kosmopoliten übrig hat, denn die wollen sich nur aus der Pflicht stehlen, für Deutschland alles zu geben, und Pflicht ist, wieder deutsch und Verantwortung für seine Volksgenossen zu tragen. Insofern muß die letzte WM in Dtschl, wo schwarz-rot-gold geflaggt wurde, daß die Schwarte krachte, ein innerer Reichsparteitag für Maron gewesen sein. Aber zufrieden scheint sie dennoch nicht gewesen zu sein.

Der Süddeutschen Zeitung verriet sie: »Alle Länder der Welt erlauben es sich, die Deutschen zu beleidigen, und ich frage mich manchmal, ob wir nicht völlig verrückt sind, daß wir uns nicht wehren.« Das hätte Julius Streicher gut gefallen. »Ich finde es unerträglich, daß die Nachbarländer uns gegenüber stets eine Haltung des Mißtrauens einnehmen. Wir erleben einen anti-deutschen Rassismus.« Wenn das die Bereicherung ist, die uns über 15 Jahre Wiedervereinigung eingetragen haben – eine Autorin mit revanchistischer Klatsche –, dann hat sich der ganze Aufwand nicht wirklich gelohnt. Da Monika Maron nun der Zone leider nicht mehr zurückgegeben werden kann und es auf die Frau nicht mal Flaschenpfand gibt, hätte man die schriftstellernde Schreckschraube in den Überresten der Wolfsschanze unterbringen sollen, damit sie aus dem Bunker weiterhin ihre S.O.S.-Funksprüche morsen kann, um die Bunzreplik vor den fiesen Nachbarländern zu retten.
Zwar hat sie das alles wirklich gesagt, aber als Beleidigung würde sie es empfinden, bezeichnete man sie als »Nationalistin«. »Wir sind so ähnlich wie alle anderen«, wünscht sie sich. Keine schöne Vorstellung von »Normalität« und wenn dieser Wunsch tatsächlich mal Wirklichkeit werden sollte, dann hat man am besten schon mal ein Ticket in der Tasche, damit man in eine Gegend abhauen kann, wo die Leute nicht diese Probleme haben und wo es selbstverständlich ist, wenn man nicht so sein will wie der andere.

Daran wollte ich mal erinnern, jetzt, wo das Feuilleton wieder stramm steht, kaum daß der neue Roman von Maron erschienen ist. »Ach Glück« heißt der und in ihm passiert wie schon in ihren anderen Romanen nicht allzu viel. In »Ach Glück« hadert eine Frau mit ihrem Mann, mit sich und mit ihrem Alter. Oder, um es mit den Worten der Schriftstellerin auszudrücken: »Sie dachte, sie ist nicht unzufrieden, aber eigentlich ist sie unzufrieden.« Mmmmh. Handlung ist da nicht viel. Man hört es schon vor Spannung knistern. Der Roman ist »B.« gewidmet, wahrscheinlich ihrem Hund Bruno, jedenfalls dementiert sie das auf Nachfrage des Spiegel nicht, und warum auch nicht, ist der Hund doch der beste Freund eines Menschen, der jemanden braucht, den er als seinen Fußabstreifer benutzen kann, den er anherrschen und niedermachen kann, dem er sein Herz ausschütten kann, ohne daß lästige Fragen gestellt werden. Ja, so ein Hund kann das Leben ganz schön verändern. Das sagt auch Frau Maron: »Aber natürlich verändert so ein Hund das Leben, weil er andere Ansprüche hat, auch weil er den Blick schärft. Die Frage, warum der Hund immer so glücklich ist und ich nicht, die habe ich mir schon gestellt.« Ob Bruno wirklich glücklich ist, wird man aus naheliegenden Gründen nie erfahren, aber die Projektion, die er auslöst, sagt eine Menge aus. Weniger über Bruno als über Monika, die mit ihrem Hund offenbar in einem harmonischen eheähnlichen Verhältnis lebt. »Der Hund ist ein Symbol für Leben, für Lebensfreude oder auch für den Zufall, der ins Leben tritt, den man annimmt oder nicht.« Tja, es sieht nicht gut aus mit Monika Maron, die für Glück hält, was der Volksmund aus guten Gründen als »auf den Hund gekommen« bezeichnet. Aber bitte schön, wenn Bruno als Therapeut hilft?
Komisch nur, warum sie ihren Hund Bruno genannt hat und nicht Blondi.

Die Wahrheit über den 7. Spieltag der Bundesliga

Ein Abend, den ich mir gerne erspart hätte. Allen, mit denen ich danach über das Spiel sprach, fiel nur ein Wort ein, um das Desaster wenngleich auch nur unzureichend zu beschreiben: »Grauenvoll!« Dabei dachte ich, nach der nicht gerade berauschenden Leistung gegen Hertha, könnte eine Art Wiedergutmachung angesagt sein. Immerhin verleitete mich das dazu, auf einen 3:1 Heimsieg zu setzen, was allerdings daran lag, daß ich von zwei Bayern-Fans umgeben war, und da will man sich ja nicht so gerne eine Blöße geben, außerdem bin ich eben nur ein Amateur-Wetter, der sich von seiner Sympathie leiten läßt, was, wie ich seit den »Blutsportkolumnen« von Hunter S. Thompson weiß, absolut tödlich ist, aber mich dennoch nicht hinderte, auf das Unwahrscheinliche zu setzen. Lieber ein paar Euro in den Sand gesetzt als dem Verein in den Rücken zu fallen. Aber was ich dann zu sehen bekam, ließ mich um mindestens 20 Zentimeter auf meinen Barhocker zusammenschrumpfen. Okay, der HSV zeigte aus welchen Gründen auch immer eine großartige Leistung, spiel-, zweikampf- und kombinationsstark, lauffreudig, ballsicher. Vielleicht wollte man dem alten Trainer mal so zeigen, was man wirklich drauf hat. Und im Zentrum stand van der Vaart und zog die Fäden, und weder Tinga, der immerhin Diego ausgeschaltet hatte, noch irgendeiner seiner indisponierten Kollegen waren in der Lage, seine Kreise zu stören, wie überhaupt die große Unsicherheit über die Schwarzgelben gekommen zu sein schien. Weidenfeller machte damit den Anfang, indem er zuerst den Ball querschlägerte und anschließend direkt zum Gegner spielte. Nach dieser grandiosen Tat war klar, es wäre besser gewesen, man hätte Ziegler im Tor gelassen. Vor dem 2:0 ließ Wörns sich von Guerrero überlaufen. Der alte Mann kam nicht mehr hinterher. Sicher, der BVB hat noch Kovac, dummerweise ist der aber auch nicht schneller. Und beim 3:0 zeigte Brzenska seine ganze Klasse, indem er sich als letzter Mann von dem aus ungefähr 20 Meter heransprintenden Olic den Ball abnehmen ließ. Das war der Höhepunkt einer peinlichen Vorstellung, wenngleich nicht der entscheidende. Entscheidend war nicht mal die gelb-rote Karte für den einzigen etwas engagierter zu Werke gehenden Dortmunder Kringe nach 51 Minuten. Entscheidend war, daß der BVB auf die starke Leistung des HSV völlig verunsichert reagierte, ohne daß es einen einleuchtenden Grund dafür gibt. Aber wie es aussieht, haben die Schwarzgelben noch lange nicht zueinander gefunden, denn da liegt so ziemlich alles im Argen, was an Argem so herumliegen kann. Das Spiel gegen Bremen war eine merkwürdige Ausnahme, die vielleicht aus dem Ehrgeiz zustande kam, der immer eine Rolle spielt, wenn es mal gegen eine international bedeutende Mannschaft geht, was beim BVB in den letzten Jahren ja nicht mehr so häufig vorkommt. Und die beiden anderen Siege? Cottbus war unterirdisch und gegen Rostock hatte man Glück. Die Fans waren bedient. Sarkastisch feuerten sie die Hamburger an. Und aus wirklicher Zuneigung feierten sie den in der 2. Halbzeit eingewechselten Otto Addo, dem nach diversen Verletzungen von Zorc ein unanständiges Vertragsangebot gemacht und der jetzt vom HSV verpflichtet wurde. Niemand in Dortmund hat vergessen, daß Otto Addo mit einem Kreuzbandriß noch ein Tor für den BVB erzielte, bevor er dann vom Spielfeld getragen werden mußte. Nachdem die grauenvollen 90 Minuten endlich vorbei waren, konnte ich mich nicht mal mehr über die Heimpleite Herthas gegen Rostock freuen, und das sagt ja wohl alles.

Die Wahrheit über den 6. Spieltag der Bundesliga

Bei der Borussia gibt es ein Naturgesetz, und das heißt: Nach der Euphorie kommt die Ernüchterung, oder: nach einem überraschenden Sieg folgt die Pleite auf dem Fuß. Nach einem so grandiosen 3:0 wie dem gegen Bremen hatten nicht wenige diesen Grundsatz des empirisch bestätigten Skeptizismus wieder vergessen und nichts eiligeres zu tun, als ins nur unmerklich relaunchte Berliner Nazi-Stadion zu gehen, um weiter auf der Euphoriewelle zu surfen. Nachdem ich zwei Stunden vorher selber von einem Berliner (wahrscheinlich Hertha-Fan) auf einem Bolzplatz im Tiergarten umgetreten wurde und mit einer Schwellung in Elefantenfußgröße vorzeitig den Acker verlassen mußte, ahnte ich bereits Böses, denn ein Unglück kommt selten allein. Während draußen die Sonne angenehme Wärme verstrahlte begab ich mich in die Milchbar, in der nur wenige Leute gelangweilt auf ihren Hockern herumrutschten und die deshalb noch deprimierender wirkte als sonst. Keine guten Vorzeichen also, und das wurde auch gleich mit dem Beginn des Spiels bestätigt. Hertha und allen Blauweißen voran der Blödmann Pantelic gaben den Ton an, während Dortmund auf merkwürdige Weise gebremst, ja träge wirkte. Die sogenannte Laufbereitschaft war mäßig und deshalb die Möglichkeiten, jemanden anzuspielen, ziemlich gering. Hertha war spielfreudiger und aggressiver, während die Dortmunder den Berlinern immer wieder höflich Platz machten. Die Entschlossenheit, mit der die Schwarzgelben noch gegen Bremen zu Werke gegangen waren, war wie weggeblasen, wie überhaupt so etwas wie Spielverständnis. Und als dann Petric mit einem schönen Sonntagsschuß die Dortmunder in Führung brachte, war das Spiel tatsächlich auf den Kopf gestellt. Dieses 1:0 jedoch war Gift, denn danach wiegten sich die Dortmunder noch mehr in Sicherheit und sahen keinen Grund, ihre pomadige Spielweise aufzugeben. Pantelic stand manchmal derart erschreckend frei, daß ich mir mehr Haare hätte raufen müssen als überhaupt noch da sind. Ich sehnte die Halbzeit herbei in der Hoffnung, Doll würde die Spieler mal ein wenig zusammenfalten. Aber was immer er ihnen erzählt hatte, mit seinem rostroten Kapuzenshirt scheint er sie nicht sonderlich beeindruckt zu haben, denn erst als Hertha das dritte Tor erzielt hatte, wachten die Schwarzgelben auf und kamen mit einem sehenwerten direkt abgenommenen Heber von Petric noch einmal heran. Aber da war es bereits zu spät. Ja, wenn Klimowicz nicht mal wieder den Ball verstolpert hätte, hätte es sogar noch ein Unentschieden gegeben, aber das wäre nicht sonderlich gerecht gewesen, auch wenn mich Gerechtigkeit gegenüber Hertha nicht sonderlich interessiert. Immerhin hat sie mit Lucien Fabre einen korrekt gekleideten Trainer, der auf seine Mannschaft mehr Einfluß zu haben scheint als Doll. Weidenfeller war nach drei Spielen Sperre wieder zurückgekehrt, nur um das 10. Gegentor in drei Spielen zu kassieren, während seine Vertretung Marc Ziegler keinen Treffer zugelassen hatte. Das sagt zwar nichts über die Qualitäten der Torhüter aus, vielleicht aber über das schlechte Karma, das Weidenfeller auf seine Vorderleute ausübt. Wenigstens hat Bremen die Stuttgarter mit einem 4:1 sehenswert in Grund und Boden gespielt. Ach, und die erste Trainerentlassung gibt es auch zu verzeichnen. Petric Sander von den sieglosen Cottbussern hat es erwischt, aber wen interessiert das schon, wenn man den Heiß- und Kaltduschen der Schwarzgelben ausgesetzt ist.

Die Wahrheit über den 5. Spieltag der Bundesliga

In der letzten Kolumne habe ich Kleingläubiger und Verzagter noch über den mangelnden Glamour der Schwarzgelben philosophiert, wenn nicht sogar schwadroniert, und darüber, daß sie im Mittelmaß feststecken. Und dann strafen sie einen ratzfatz der Schwarzseherei. Es war eine dieser magischen Nächte, die es in der Milchbar nicht häufig gibt, denn normalerweise kauern einige Unbelehrbare am Tresen und versuchen vergeblich, mehr Biere zu trinken als die Dortmunder Fehlpässe spielen. Diesmal war alles anders. Nicht nur war die Kneipe schon eine halbe Stunde vor Anpfiff voll, was weniger an der Faszination schwarzgelber Spielkünste lag, sondern am attraktiven Gegner Werder Bremen und daran, daß man als Fußballfan Freitag abends sowieso nichts besseres mit seiner Zeit anzufangen weiß, als sich gepflegt die Kante zu geben. »Mit einem Pünktchen wär ich sofort einverstanden«, meinte einer der Unbeirrbaren, und er drückte damit die Sehnsucht aller Dortmund-Fans aus, die sich desillusioniert schon über die kleinen Dinge im Leben freuen und nur noch heimlich träumen. Dennoch fing die Erwartung auf eine dicke Überraschung kurz vor Anpfiff an zu knistern und zu dampfen. Biere wurden schnell weggeputzt. Und als jeder ungläubig sah, wie aggressiv und fleißig und kombinationsschnell die Dortmunder agierten, gab auch das Milchbarpublikum alles. Vor allem Dede schien davon angefeuert zu werden, denn sein präziser Diagonalpaß über das gesamte Feld, die perfekte Annahme durch Kuba und die Grätsche von Petric in den leicht verzogenen Schuß, das hatte man in Dortmund lange nicht mehr gesehen, jedenfalls nicht von der eigenen Mannschaft. Auch einen Zauberpaß auf Klimowicz, den der mit dem Außenrist in den Torwinkel beförderte, und der wieder von Dede weit in die Spitze geschlagene Ball genau auf Petric zum 3:0, und das alles nur innerhalb von zehn Minuten, damit hatte niemand gerechnet. Klar war, daß die Bremer in den 2. Halbzeit noch einmal alles versuchen würden, und das taten sie dann auch. Aber die Dortmunder ließen sich dabei keineswegs in die eigene Hälfte drücken und hielten in einer immer hektischer und härter geführten Partie dagegen, in der die Bremer reichlich Frust aufbauten, den sie hier und da auch herausließen, was schließlich zum Platzverweis Andreasens führte. Auch Kuba hätte rot sehen müssen, nachdem er im Kungfu-Stil wie eine Rakete angeflogen kam und mit den Füßen voraus in der Leistengegend seines Gegners landete. Für die Bremer jedenfalls gab es kein Durchkommen. »No pasaran!«, rief eine für Milchbarverhältnisse ebenso ungewöhnlich gut gekleidete wie gut aussehende Dame, in der einen Hand ein Glas Rum, in der anderen zur Faust geballten Hand eine Zigarette. So muß die Revolution aussehen. Trinkend, rauchend, BVB-Fan und perfekt spanisch parlierend. Und großzügig. Denn von allen Seiten wurde der Bremen-Fan, Buchhändler und Berufstrinker Jürgen, den ich in die Milchbar eingeladen hatte, schulterklopfend getröstet. Man gönnte den Bremern sogar noch ein Tor, als Trostpflaster für den Gast. Gegen Madrid wird alles besser. Glückselig wurde »Wir sind die ersten im Revier!« angestimmt. Was dann ja auch stimmte, nachdem Schalke im Olympiastadion das 4. Remis herausspielte. <!–[if !vml]–><!–[endif]–>
Niemand fragte mehr danach, daß der einzige Dreier der Schalker gegen Dortmund gelungen war, denn man hat nun zwei Punkte mehr als die Blauen auf dem Konto und steht nur zwei hinter dem Spitzenreiter Bayern.

Die Wahrheit über den 4. Spieltag der Bundesliga

Immer wieder frage ich mich, weshalb ich eigentlich noch Fan von Borussia Dortmund bin. Vielleicht ist es die vage Hoffnung auf bessere Zeiten. Das hielt auch Nick Hornby bei der Stange. In »Fever Pitch« blickt er immer wieder zurück auf glorreiche Siege und tragische Niederlagen, an Ereignisse, die sich in der Erinnerung festsaugten. Zumindest von diesen Erinnerungen läßt sich zehren, wenn der Verein in der Flaute steckt, wie Arsenal in den Achtzigern. Aber das Warten hat sich für Hornby gelohnt, denn seit Wenger ist Arsenal bis auf den einen oder anderen Rückschlag nicht mehr wegzudenken aus dem Kreis der großen europäischen Vereine. Daß Dortmund da jemals zurückkehren wird, wird mit jedem Jahr unwahrscheinlicher. Der BVB ist inzwischen fester Bestandteil des zähen Bundesligamittelfeldes geworden. Die Hoffnungen, die man sich jeden Saisonbeginn macht, verfliegen schneller als das erste Spiel dauert. Danach weiß man wieder, daß die Chancen Dortmunds, gegen jeden beliebigen Gegner in der Liga zu verlieren, im Schnitt bei fünfzig Prozent liegen. Und aus irgendwelchen undurchschaubaren Gründen schafft es Manager Zorc einfach nicht, Spieler zu verpflichten, die die Erwartungen erfüllen. Kuba verzettelt sich und Petric ist schon nach dem dritten Spiel nur noch Einwechselspieler, obwohl einige Stammspieler verletzt sind. Nur der 26-jährige Federico, der aus der 2. Liga von Karlsruhe kam, scheint seine Fähigkeiten entfalten zu können. Federico, dem das entscheidende Tor beim glücklichen Sieg in Rostock gelang, ist in Hagen geboren und BVB-Fan schon seit der Schulzeit. Jetzt ist er dort angekommen, wo er immer hinwollte. Das ist eine nette kleine Geschichte, die die Herzen der Ruhris höher schlagen läßt, eine schöne Schmonzette, die für die Medien der Beweis ist, daß die Welt noch in Ordnung ist. Und vielleicht ist sie das ja auch, dort, wo noch ehrlich Geld verdient wird und kleine Einfamilienhäuser mit netten Vorgärten ein ruhiges und beschauliches Dasein versprechen. Wenn man darin sein Glück findet, ist das schön und nicht verwerflich, nur die Geschichte des großen, tollen, spannenden Fußballs wird woanders geschrieben. Federico würde nie auf die Idee kommen, mit fünf Prostituierten und ein paar Kumpels am heimischen Swimming-Pool den ersten Sieg seiner Mannschaft zu feiern, wie Christiano Ronaldo das nach dem ersten Dreier ManUs getan hat. Es geht dabei nicht um eine moralische Bewertung der Geschichte, auch nicht darum, daß Christiano Ronaldo dumm wie Brot ist, was bei Vollprofis ja aus guten Gründen nicht selten vorkommt, sondern um diese Melange aus Anrüchigem, Zwielichtigem, Verpöntem, Abgründigem, moralisch Verwerflichem, die den Glamour eines Vereins erst ausmacht und die Yellow Press mit Futter versorgt, denn erst aus dem Wechsel von Faszination und Ekel entsteht so etwas wie der Glanz, den ein Verein hat oder eben auch nicht. Vergeblich wird man ihn suchen, wo die Philosophie der ehrlichen Arbeit gepredigt wird, wo die Trainer partnerlookmäßig in den gleichen häßlichen Kapuzenshirts herumlaufen wie Thomas Doll und Co. Nein, die Genialität, die zuletzt der kleine Rosicky ausgestrahlt hat, ist in Dortmund verloren gegangen. BamS hätte sie gerne in Petric entdeckt und bildete ihn als »Beckham der Liga« mit nacktem Oberkörper ab, aber auch das half nicht. Also werde ich weiterhin auf Konservenspiele zurückgreifen und mir das Video mit dem irren CL-Halbfinal in Manchester angucken, als Ricken den Siegtreffer schoß.