Archiv für den Monat: Februar 2008

Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Es war wieder mal eins dieser zähen Spiele. Aber etwas anderes kann man gegen Rostock auch nicht erwarten, die immer noch gefährlich nahe an der Abstiegszone herumkreppeln. Es waren jedoch nicht nur die Rostocker, die den Dortmundern eine unattraktive Spielweise abnötigten, sondern der BVB selbst schafft es einfach nicht, aus sich selbst heraus mal einen Fußball zu bieten, den man sich ansehen möchte. Wie dieser beschaffen ist, konnte man im Spiel Arsenal gegen Milan beobachten. Während der als Dede-Ersatz spielende Buckley, wenn sich denn mal vor ihm der Raum öffnete, die Kugel nach vorne schleppte, beim ersten Hindernis abbremste, um anschließend den Ball wieder zurückzupassen, und ansonsten im Gedränge und Gewühle der Zufall regierte, konnte man im Viertelfinale der Champions-League beobachten, wie die Kugel präzise hin und her flipperte und zielstrebig nach vorne gespielt wurde. Für diesen One-Touch-Football braucht man allerdings auch das entsprechende Personal. Außer Dede, Petric und der z.Z. herausragende Tinga lässt sich nicht behaupten, dass Dortmund dieses Personal hat, was u.a. daran liegt, dass Manager Zorc immer viele Ersatzleute kauft, einen von etwas außergewöhnlicher Klasse allerdings auch nicht kriegt. Nein, beim BVB werden die Bälle ebenso hilf- wie planlos nach vorne gedroschen, in der Hoffnung, dort vorne irgendeinen Abnehmer zu finden. Aber das ist auch schon das einzige, was one-touch-football-mäßig aussieht. Der Rest ist Gestochere, manchmal auch mit einer Ahnung verbunden, was der eine oder andere Spieler eventuell vorgehabt haben könnte. Das hat jedoch nicht nur mit dem Personal zu tun, sondern mit der Ausbildung von Fußballern, und die ist richtungsweisend in Frankreich, wo dieser Stil gepflegt und praktiziert wird, bevor die Spieler dann in die drei starken Ligen Europas ziehen. Es ist schon deprimierend zu sehen, wie der Abstand zwischen dem ehemaligen Champions-League-Gewinner Dortmund und Vereinen wie Arsenal immer weiter wächst, und das, obwohl der BVB immer noch zu den Vereinen mit der höchsten Anhängerzahl gehört, also die beste Voraussetzung hat, in der europäischen Liga mitzuhalten. Aber noch ein anderer Unterschied wurde deutlich: Im Spiel Arsenal gegen Milan gab es kaum Fouls, und wenn mal jemand nach einem Zweikampf liegen blieb, entschuldigte sich der Spieler beim Schiedsrichter und dem Gefoulten. Es gab kein theatralisches Fallen und Sich-am-Boden-Winden, was in der Bundesliga zum selbstverständlichen Repertoire eines jeden Spielers gehört. Diego flog im Spiel gegen Frankfurt, das Bremen dann trotz Überlegenheit 1:0 verlor, vom Platz, weil er vom üblen Griechen Kiriagos nicht nur gefoult, sondern auch noch beschimpft wurde (eine Taktik, die sich bei Otto Rehhagel großer Beliebtheit erfreut, unter dem Kiriagos Europameister wurde). Kiriagos hatte vor dem Spiel nachgeguckt, was „Fick deine Mutter“ auf Portugiesisch heißt, woraufhin Diego für einem harmlosen Rempler mit der Brust die rote Karte erhielt, die Kiriagos für sein waidwundes Wälzen auf Gras hätte erhalten müssen. Aber auch dieses hinterhältige Verhalten hat sein Gutes, denn im nächsten Spiel gegen Dortmund ist Diego gesperrt. Die Chancen für Dortmund sind dennoch mies.

Die Wahrheit über den 20. Spieltag

Eigentlich dachte ich, der BVB würde es wieder vergeigen. Aber da war Frau Merkel vor, die vor dem Spiel zum Ehrenmitglied gekürt wurde. Sie bekam einen häßlichen, silbernen Erinnerungsteller überreicht, einen häßlichen Riesenblumenstrauß und ein häßliches Trikot mit der Nummer 10. Und dann spielten die Cottbusser tatsächlich so als wäre das Burgfräulein von der traurigen Gestalt Spielführer, ohne Plan, ohne Engagement, zerfahren, ohne Ideen. Aber ich will mich nicht lustig machen, denn auch Dortmund hat mit Gerhard Schröder ein Ehrenmitglied, das einem sogar noch weniger zur Ehre gereicht. Vielleicht paßten die beiden Mannschaften deshalb so gut zueinander, denn das Spiel war schrecklich, sieht man von den beiden tollen Treffern von Petric ab. »Wir waren nach vorne nicht konkret genug«, sagte der Trainer von Cottbus Prasnikar auf sehr nette Art, während Doll ziemlich realitätsfern keine Unsicherheiten in der Abwehr mehr gesehen haben wollte, die sich schon im Spiel gegen Schalke auf so sensationelle Art gezeigt hatten, daß man auch als neutraler Beobachter gar nicht mehr den Mund zubekam. Aber am Torso der aus Verletzungsgründen wieder umgestellten Abwehr hatte sich nichts geändert, außer daß die Cottbusser nicht in der Lage waren, Nutzen daraus zu ziehen. Dennoch ließen sich die Dortmunder von ihnen im Laufe der 2. Halbzeit noch einmal in Bedrängnis bringen, und fast wäre den Lausitzern sogar noch der Ausgleich gelungen. Ein Sieg am seidenen Faden also. Nur Doll log sich in die Tasche und hatte mal wieder positive Ansätze entdeckt. Vielleicht sollte er sich einmal ein Spiel der Karlsruher ansehen, die sich gegen Leverkusen ein chancenreiches und aufregendes Spiel lieferten und noch einen 2:0-Rückstand egalisierten. Danach wurde Leverkusens Torhüter Adler über den grünen Klee gelobt und von allen als neuer Stern am Torwarthimmel gefeiert, aber wenn man sich die entscheidenden Szenen mal genauer anguckt, dann muß man konzedieren, daß Adler in der Regel einfach angeschossen wurde. Vielleicht war ihm das selber am klarsten, denn er hatte sympathischerweise anschließend keine Lust, auf die immer wieder gleichen Reporterfragen das gleiche zu antworten. Nun aber zu den unschönen Dingen des Spieltags: Hertha gewann gegen Bielefeld absolut unverdient mit einem Treffer, der quasi erst nach Ablauf der Nachspielzeit erzielt wurde, also irregulär war. Und Frankfurt verlor in Rostock, ausgerechnet gegen »die Nazis«, wie mir meine Guerilla-Freundin aus Wien simste. Solche Vorwürfe muß man sich nun mal gefallen lassen, wenn im Stadion immer wieder schwarze Spieler wie Asamoah mit Bananen beworfen werden. Die 1:0-Niederlage allerdings hatte weniger damit zu tun als mit Funkels Strategie, sich ein torloses Remis zu erwursteln. Und da gab es ja auch noch den Schatten von 1992, als Rostock unter freundlicher Mithilfe des Schiedsrichters den Frankfurtern die bereits sicher geglaubte Meisterschaft versalzte. Dieses Spiel hätte Funkel mal seinen Spielern zeigen sollen. Dann wäre bestimmt ein anderes Ergebnis herausgekommen als ein tröges 0:0.

Die Wahrheit über den 19. Spieltag

In drei Jahren, so lange wurde Dolls Vertrag verlängert, will Watzke den BVB wieder »auf Augenhöhe« mit Bayern, Schalke und Bremen sehen. Doll hat »ein gutes Gefühl«, das zu schaffen. Ein schöner Plan, nichts jedoch spricht dafür, daß er klappen könnte, denn trotz finanziellen und wirtschaftlichen Aufschwungs beim Verein, die Mannschaft bleibt Stückwerk, ein Torso, obwohl jeder weiß, daß das spielerische Potential überdurchschnittlich ist. Vielleicht schreibe ich mich ja um Kopf und Kragen, aber wenn ich mal kurz im Kaffeesatz der Zukunft rühren dürfte, liebe Leser, dann wird der BVB zu Hause mal wieder gegen Schalke untergegangen sein. Danach kommen die erstarkten Ostvereine, die man traditionellerweise gerne unterschätzt, so daß die Dortmunder in die Abstiegszone rutschen werden. Dort befinden sie sich in guter Gesellschaft, denn auch die »Clubberer« tummeln sich da. Gegen Rostock schafften sie zu Hause nur ein 1:1, obwohl der Riese Koller dem Nürnberger Angriff mehr Wucht verleiht, dessen Abgang nach Monaco die Dortmunder damals in eine echte Krise stürzte. Im Gegensatz zu Dortmund hat der Club einen Trainer, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt und der sich nicht in chinesischer Freundlichkeit übt. »Sie können doch einfach weiter die Scheiße schreiben, die sie immer schreiben«, beschied er einen Reporter, der die originelle Frage stellte, ob er nach der schwachen Vorstellung seiner Mannschaft demnächst seinen Posten verlassen müsse. Der weißhaarige Club-Präsidenten-Zwerg Roth meinte zwar, Meyer sei unkündbar, aber seine Versicherung dürfte ungefähr soviel wert sein wie das einschmeichelnde »Vertrau mir!« der Schlange Ka aus dem Dschungelbuch. Ebenfalls tief in der Krise steckt der VfB Stuttgart, immerhin Meister, weshalb die Fallhöhe um einiges größer ist, vor allem, wenn man zu Hause gegen zuletzt grottenschlecht kickende Berliner verliert. Zuvor hatte man einen selten hilflosen und verzweifelten Hertha-Trainer Favre gesehen, der nach der vorangegangenen Pleite gegen Bochum ankündigte, daß man jetzt gegen den Abstieg kämpfe. Gegen Stuttgart allerdings reichte es, und nun scheint auch Armin Veh am Ende seines Lateins zu sein. Ob eine »rauhere Gangart«, wie sie Stuttgarts Manager Horst Held ankündigte, allerdings helfen wird? Noch rauher womöglich als im letzten Pokalendspiel, als Meira Nürnbergs Phantom Mintal zusammentrat? Will man das noch sehen? Nicht wirklich, wie überhaupt sämtliche Partien eher mittelmäßiges Gegurke waren bis auf das Duell um Platz 3 Leverkusen gegen Hamburg. 1:1 endete es, und es hätte auch 5:5 ausgehen können, »eine Werbung für den Fußball«, sagte Michael Skibbe, und man hätte gern hinzugefügt, »eine Werbung für den Fußball, die gar nicht mehr wieder gut zu machen ist.« Aber das hätte Skibbe nicht verstanden, weil der Mann nicht nur humor-, sondern auch talentlos ist, was die Frage aufwirft, warum spielt Leverkusen auf so hohem Niveau, während Skibbe in Dortmund gehen mußte, weil niemand mehr die öde Spielweise des BVB ertrug? Tja, gute Frage.

Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Ein Bild, an das man sich vermutlich die nächsten zwei Jahre wird gewöhnen müssen: Doll, der fassungslos seinen Kopf in den Händen vergräbt, verzweifelt über die Darbietung seiner Mannschaft, zu der er doch ein so gutes Verhältnis hat und die ihn regelmäßig hängen lässt, was sich für ihn wie ein Affront anfühlt. Er begreift nicht, dass ein Trainer mehr sein muß als ein guter Kumpel, dass Distanz gegenüber den Spielern notwendig ist, damit sie einem nicht auf der Nase herumtanzen. „Wenn die Jungs in den Puff gingen, wäre Doll der erste in der Reihe“, meinte Diethard, ein alter BVB-Fan und Tiergartenfußballer, der verzweifelt über die Vertragsverlängerung war. Und er hat allen Grund dazu, denn die Vorstellung, die Dortmund sowohl im Pokal gegen Bremen gab als auch in Duisburg ließ nichts von einer Handschrift Dolls erkennen. Die Tatsache, dass Dortmund gegen Bremen gewonnen hatte, veranlasste die Kommentatoren dazu ständig zu wiederholen, wie groß die Leistungsschwankungen der Mannschaft seien. Aber gegen Bremen haben die Schwarzgelben einfach nur mit Glück gewonnen und nur wer aufgrund des Sieges optimistisch für das Spiel gegen Duisburg war, musste enttäuscht werden. Der einzige Lichtblick bestand darin, dass die Dortmunder nach der 2:0-Pausenführung der Gäste noch einmal alles auf eine Karte setzten und sich auch durch einen ungerechtfertigten Elfer für die Zebras nicht von ihren Offensivbemühungen abbringen ließen. Es gab ihn also, den Willen, noch etwas zu drehen, und als schon niemand mehr daran glaubte, und ich als allerletzter, da geschah dann doch noch das Wunder, das wie schon gegen Bremen Diego hieß und aus Argentinien kommt. Es war zwar nur ein 3:3, das heraussprang, und das etwas wenig ist gegen den Punktelieferanten der Liga, vor allem, wenn man Ambitionen hat auf die oberen Tabellenplätze, aber man ist ja schon mit Kleinigkeiten zufrieden, und immerhin noch besser als eine 3:1-Niederlage wie im Eröffnungsspiel, das mir schon frühzeitig alle Illusionen raubte. Jetzt steht jedenfalls fest, dass schon ein mittleres Wunder geschehen muss, wenn Dortmund mit diesem Trainer nochmal an den Uefa-Cup-Rängen schnuppern sollte. Dazu sein Scherflein beitragen wird auch Zorc, der in der Winterpause öffentlich machte, wen Dortmund alles nicht verpflichten kann. Gern wird eine vernünftige Einkaufspolitik vorgeschoben, in Wirklichkeit aber hat es damit zu tun, dass Dortmund für die meisten einfach nicht mehr attraktiv ist, weshalb man sich aus dem Fundus von noch klammeren Vereinen wie dem KSC bedient, ohne zu sehen, dass Federico oder Hajnal, der im Sommer kommen wird, in dem vollkommen anderen Umfeld der Dortmunder vielleicht gar nicht zurecht kommen, jedenfalls nicht den Anforderungen genügen, die man bei gewissen Ambitionen haben sollte. Aber was solls: Ein schönes Ergebnis zumindest versöhnte mit dem eher öden Spieltag, und das war die 3:0-Klatsche, die die Frankfurter den Herthanern in Berlin verpasst haben.