Archiv für den Monat: August 2009

Die Wahrheit über den 4. Spieltag

Ein knappes Jahr ist es gerade mal her, da überrannte der BVB die Eintracht und landete mit 4:0 seinen höchsten Saisonsieg. Ein schöner Tag, vor allem, wenn man ihn im Stadion verbringen konnte. Vorbei! Irgendwie kommen die Dortmunder nicht aus dem Quark. War das 1:0 gegen Köln schon mühsam, die Niederlage in Hamburg eine Ohrfeige und das Unentschieden gegen Stuttgart ein Gewürge, so hatten die Dortmunder in Frankfurt ein Schweineglück. Amanaditis wurde ein regulärer Treffer aberkannt, einen eindeutigen Elfer kriegten die Frankfurter auch nicht, und zu diesem ganzen Unglück kam auch noch Pech dazu, als Maier in der 90. Minute an die Latte köpfte. Bei den Dortmundern hingegen durfte Klopps Liebling Zidan wieder Chancen versieben, eine Tätigkeit, in der er großes Talent besitzt, obwohl ihm durch Zufall der Führungstreffer gelungen ist. Nach der lächerlichen Leistung machten sich die Dortmunder Profis noch lächerlicher, als herauskam, daß sie gerade damit beschäftigt sind, eine Meisterschaftsprämie auszuhandeln, weil einige den Scherz von Beckenbauer offensichtlich für bare Münze genommen haben. »Anscheinend hat sich bei uns die Einstellung eingeschlichen, dass alles von alleine läuft«, sagte Zorc, verriet aber nicht, auf welche Annahme diese Einstellung beruht, denn keine der bislang gezeigten Leistungen kann jemanden dazu veranlassen zu glauben, alles liefe wie geschmiert. Was er mit dieser Platitüde verriet war, daß er selber gerne davon ausgegangen ist, daß alles so weiter läuft wie am Ende der letzten Saison. Kaum hat also die neue begonnen, steckt Dortmund auch schon im Mittelfeld fest ohne Aussicht, da so schnell wieder herauszukommen, denn als nächstes droht Bayern München, die ihre Minikrise dadurch gelöst haben, indem sie noch einmal shoppen gingen. Der von Real ausgemusterte Robben wurde denn auch gleich eingesetzt und nutzte die Räume, die ihm die Wolfsburger boten, zu einem Gala-Auftritt. Fast sah es so aus, als ob der Druck, den die Bayern nach der Niederlage in Mainz hatten, die Wolfsburger mehr belastete als die Münchner, denn es war jedem klar, daß die Bayern auftrumpfen würden. Wann, wenn nicht an diesem Tag, sollten sie sonst ihrer Favoritenrolle gerecht werden. Wenn jetzt auch noch Ribery bleibt, dann werden sich auch der HSV und Leverkusen, die sich beide in exzellenter Frühform befinden, schwer tun mitzuhalten. Erfreulich war da nur die Heimniederlage der Schalker gegen Freiburg. Nicht zum ersten Mal wird Magath es schwer bereut haben, den maroden Verein übernommen zu haben, der jetzt auch noch in erheblichen Finanznöten steckt und offenbar darauf angewiesen ist, daß Bayern 10 Millionen für Rafinha locker macht. Das ist fast so wie vor Bekanntwerden des von Niebaum gebuddelten Millionenlochs, als Dortmund Frings an die Bayern verkaufen mußte, um überhaupt noch die Spielergehälter bezahlen zu können. In München dagegen scheint die Millionenquelle trotz Grise zu sprudeln. 74,7 Millionen haben sie bislang für Spieler ausgegeben. Nicht billig, die Meisterschaft.

Die Wahrheit über den 2. Spieltag

Daß der BVB in Hamburg verlieren würde, das hatte mir meine innere Stimme schon vorher verraten, und irgendwie war sie auch nicht durch die Gesänge in der Milchbar zu beruhigen, in denen man androhte, mit der Mannschaft bis zum letzten Mann zu kämpfen. Aber bereits nach den ersten Spielzügen war klar, der BVB würde an diesem Tag nicht mithalten können. Schon in der 3. Minute griff Weidenfeller bei einer Flanke daneben und verhalf dadurch Owomoyela zu einem Eigentor. Schon im Gegenzug gelang den Dortmundern der Ausgleich. In diesem Moment dachte ich, daß mich meine innere Stimme vielleicht doch getäuscht hat. Acht Minuten später dann war die Partie bereits entschieden, denn da hieß es schon 3:1. Und auch wenn der Schiedsrichter im Zweifel für den HSV entschied und das 2. Tor der Dortmunder nach Protesten Frank Rosts tatsächlich wieder aberkannte, weil der einfach mal behauptete, ein Dortmunder hätte ihm die Sicht versperrt, obwohl es an dem Schuß von Rangelov nichts zu halten gegeben hätte, und auch wenn Santana freistehend vor dem Hamburger Tor vergab, konnte man sich beim besten Willen nicht darüber hinwegtäuschen, daß es einen Klassenunterschied gab und der Beckenbauersche Titelaspirant gegen die wirkliche Konkurrenz keine Chance hat, wenn die die Leistung abruft, die in ihr steckt. Dortmund jedenfalls war in allen Belangen unterlegen, im Zweikampf, spielerisch und technisch. Nach zwei, höchstens drei Ballkontakten war der Ball weg, dann mußten die Schwarzgelben der Kugel wieder fünf Minuten hinterherhecheln, denn beim HSV war immer jemand anspielbar. Ich saß zusammengesunken in meinem Stuhl und faßte es nicht, denn ich hatte den starken Verdacht, daß Dortmund nicht nur einfach einen schlechten Tag erwischt hatte, sondern schlicht überfordert war. Weder Owomoyela noch Schmelzer hatten ihren Gegnern viel entgegenzusetzen. Zé Roberto zeigte den knapp Zwanzigjährigen mal, daß sie es mit der Dynamik eines 34-jährigen nicht aufnehmen konnten. Das einzig Positive an diesem Spiel war: Es war zumindest nicht langweilig. »Das Ergebnis ist genauso beschissen wie es sich anfühlt«, sagte der unrasierte Klopp anschließend. Er machte aus seiner Ratlosigkeit keinen Hehl. Ich schätze, daß die Dortmunder den HSV nach dessen desaströser Leistung in Freiburg einfach unterschätzt und ein bißchen zu sehr darauf vertraut haben, daß man an der Serie des letzten Jahres würde anknüpfen können. Aber da sich Dortmund im Gegensatz zu den anderen nicht verstärkt hat (Barrios bleibt bis jetzt jedenfalls den Beweis schuldig), wird Dortmund nicht mal in die Nähe eines internationalen Platzes kommen. »Damit kann man sich die Meisterschaft ja wohl abschminken«, sagte ich, aber der Witz kam nicht an. Der Schock verwandelte sich gerade in Depression. Wenigstens geht es den Bayern auch nicht besser. Nach dem mageren 1:1 zu Hause gegen Bremen haben sie gerade mal 2 Pünktchen auf dem Konto, aber im Gegensatz zum BVB ist für sie die Meisterschaft noch nicht vorbei. Obwohl ich mir das mit dem die Antispielkunst verkörpernden van Bommel nicht wirklich vorstellen kann.

The Master of Soul

Solomon Burke macht im Kesselhaus eine große Show

Nur zehn Minuten kam ich zu spät, da ließ Solomon Burkes Stimme das Kesselhaus bereits erzittern, denn die Alten aus dem Show-Biz fangen pünktlich an, da gibt es keine akademische Viertelstunde und schon gar nicht die Amy Winehouse‘schen zwei Stunden. Der Vier-Zentner-Mann Solomon Burke saß auf seinem Thron, geschmückt mit opulenten Schnitzereien und bezogen mit puffrotem Samt, und schwankte mit der Grazie einer Robbe hin und her. Seine barocke Gestalt steckte in einem grünen Glitzeranzug, er trug eine Krawatte, ein weißes Hemd und schweren Schmuck. Nur die Krone fehlte.

Er kann zwar nicht mehr über die Bühne fegen und mit dem Arsch wackeln, seine unvergleichliche Soulstimme jedoch hat eine Präsenz, die selbst acapella und ohne Mikroverstärkung den gesamten Raum erfüllt und auch penetrante Schwätzer verstummen lässt. Dieser Mann ist vielleicht übergewichtig, aber sein kleiner Finger strahlt mehr Sex aus als eine abgemagerte Kate Moss es je vermag. Und um diesen kleinen Finger wickelt er die Frauen, die seiner hingebungsvollen Gospelstimme, seinen süßen Versprechungen und schmalzigen Liebesbeteuerungen verfallen. Denn irgendwoher müssen die 21 Kinder ja auch kommen, die Solomon Burke in die Welt gesetzt hat. Von seinen Kindern stehen ein paar auf der Bühne. Sie singen und glitzern in ihren knappen Kostümchen. Ab und zu wischen sie ihrem Daddy den Schweiß von der Glatze, denn der mächtige alte Patriarch, der nächstes Jahr 70 wird, gibt alles.

Solomon Burke hatte seine große Zeit in den Sechzigern, als Soul den Ton angab und ihm mehrere Hits gelangen, aber dann wurde es lange ruhig um ihn, bevor Joe Henry ihn aus der Versenkung holte und mit ihm 2002 »Don‘t give it up on me« produzierte. Joe Henry war für Burke das, was Rick Rubin für Johnny Cash war. Burke interpretierte Songs von Tom Waits, Bob Dylan, Van Morrison und Elvis Costello. 2006 folgte dann die Blues-Scheibe »Nashville«, die das Zeug hatte, zur Platte des Jahres zu werden. Schon allein in »That‘s how I go to Memphis«, wo Burke nur von einer Akkustik-Gitarre und einem Bass begleitet wird, oder in »Til I get it right« steckt soviel Liebe, Leidenschaft, Hingabe, wie sie kaum jemand so überzeugend darzubringen imstande ist.
Aber auch wenn ihm der Ausflug in ein anderes Musik-Genre in die Erfolgsspur zurück gebracht hat, bleibt Soul seine Wurzel und er vergisst nicht, James Brown, Ray Charles, Otis Redding zu preisen und Wilson Picketts »Mustang Sally« seine Stimme zu leihen. Aber je mehr Soulklassiker er singt, je mehr er das Publikum umschmeichelt mit »you are wonderful« und »I love you so much«, je mehr Glasperlenketten er ins Publikum wirft, als wollte er es übers Ohr hauen, und von seinen Töchtern rote Rosen verteilen läßt, je mehr Zuschauerinnen er auf die Bühne bittet, um sich von ihnen auf die Glatze küssen zu lassen, desto mehr wachsen die Zweifel an »the wonderful world«, die er wie ein Illusionskünstler in der schäbigen Halle auferstehen lässt. Da hilft auch das »I will survive« nicht, das Candy Burke zum Besten gibt.

Als er dann am Ende von seinem Thron in einen Rollstuhl gehievt wird, während die Glitzertöchter die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken versuchen, weil die Glitzerwelt durch nichts so sehr gestört wird wie durch ein Bild menschlicher Gebrechen, wird er wieder sympathisch, denn selbst in diesem Moment hat man nicht das Gefühl, dass er etwas verbergen müsste. Seine Stimme bleibt, auch wenn sich die Glitzerwelt verabschiedet.

Als ich beschwingt in die Nacht hinausgehe, sehe ich ein unauffälliges Mädchen zur U-Bahn eilen. Sie hat eine rote Rose in der Hand. Von Solomon Burke.

Hahne, Peter und Schalke

Peter Hahne sorgt sich um den Verfall der Werte. Das ist nichts neues, aber seit die Bundesliga wieder begonnen hat, sorgt er sich besonders, denn am Wochenende soll Papi der Familie gehören, aber wenn Papi ständig vor der Glotze hockt, dann ist der Fußball des Teufels.

Peter Hahne ist ein Tausendsassa. Er hält bei jeder Gelegenheit sein speckiges Gesicht in jede vorbeilaufende ZDF-Kamera, berichtet live und direkt aus Berlin über politische Nichtigkeiten aller Art, betätigt sich als Stichwortgeber für Politiker und nennt das dann anschließend Interview und investigativen Journalismus, schreibt am Fließband kleine Geschenkbüchelchen und moralische Erbauungsschriften mit Tips, auch mal früh in die Kirche zu gehen, zu beten und andere unnütze Dinge zu tun, und als ob das alles noch nicht deprimierend genug ist, hält er einer Million BamS-Lesern auch noch jeden Sonntag eine Gardinenpredigt. Der Mann – sollte man meinen – ist vollständig ausgebucht und eingespannt, wenn wir mal großzügig davon ausgehen, daß er sich keine kleinen Lohnschreiber als Sklaven im Keller hält, wie Guido Knopp das macht, eine Praxis, die er sich von Alexandre Dumas abgeguckt hat. Okay, seine »Gedanken am Sonntag« kann man selbst bei oberflächlicher Betrachtung kaum »Gedanken« nennen, und das Niederschreiben der altbackenen Empörungsglossen dauert vermutlich keine Zigarettenlänge, dennoch ist der Mann rund um die Uhr beschäftigt, mit Beten, mit Kommentieren, mit Grinsen, mit Politikern-am-Bauch-kraulen, so Zeug eben. Vermutlich auch Sonntags.


Umso befremdlicher ist es, daß er den Fußballfans den Fußball am Wochenende neidet. Leute, die nicht scharf darauf sind, Peter Hahne im Fernsehen zu ertragen, sondern lieber einem spannenden Spiel zusehen, erinnert er an die zehn Gebote des Schöpfers: »Am siebten Tag sollst du ruhen und keinen Fußball gucken«. Hahne ahnt Schlimmes, aber »ob der herzlose Hardcore-Fan seiner Familie dann nur noch auf dem Weg zwischen Badezimmer und Bierkühlschrank begegnet, wird sich zeigen.« Aber wem wird sich das zeigen? Gott? Peter Hahne? Hängt er etwa immer noch dem Irrglauben aus den Fünfzigern an, als die Leute tatsächlich dachten, der Nachrichtensprecher könne ihnen in die gute Stube gucken, weshalb sie vorher das Wohnzimmer aufräumten und sich in Schale warfen? Und ist er erbittert darüber, daß die Leute, kaum daß sie ihn sehen, umschalten oder sich in der Zwischenzeit lieber noch eine Dose Bier aus dem Kühlschrank holen?


Gut möglich, aber wirklich toll wird es erst, wenn man sieht, wie Peter Hahne auf einer Schleimspur angeschliddert kommt, denn in der BamS, der Fachzeitschrift für den »herzlosen Hardcore-Fan«, ist seine »Kritik« nicht etwa kontraproduktiv, und es ist auch nicht so, daß diese Zeitung der richtige Ort wäre, um jemandem mitten ins Mark zu treffen, sondern Hahnes Kolumne enthält tatsächlich eine detaillierte Aufzählung aller Fußballsendungen unter der Woche und am Wochenende, die sich auch für einen »herzlosen Hardcore-Fan« zu lesen lohnt. Und das muß man Hahne lassen, er versteht es hervorragend, selbst mit dem dauererigierten Zeigefinger Werbung zu machen. »Jedem ist natürlich der Spaß im heimischen Adiletten-Stadion zu gönnen, doch das neue Rundum-Fußball-Sorglospaket ist ein Sturmangriff aufs Wochenende für die Familie.« Hahne ist die personifizierte Nervensäge, der Mann, der auf jedes Stichwort seinen belanglosen Senf dazugeben muß. Eis? Aber nicht zuviel, sonst wird dir schlecht. Sex? Oh Gott! Aber beklecker nicht das Sofa, wie Frank Zappa einmal sogar auf deutsch und extra für Peter Hahne gesungen hat.

Mit Schalke müßte sich Peter Hahne eigentlich prima verstehen, denn in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen präsentieren sich die »herzlosen Hardcore-Fans« mal ganz anders, nämlich mit einem Transparent, auf dem steht: »Mit Gott auf Schalke«. Und wo Gott ist, da ist Hahne nicht weit. Wieso sich Gott allerdings ausgerechnet auf Schalke herumtreiben soll, bleibt unklar. Geholfen hat er ihnen jedenfalls schon seit über 50 Jahren nicht mehr, Meister zu werden. Aber nicht nur Gott ist auf Schalke, auch Mohammed. Aber damit ist jetzt Schluß. Im neuen Vereinslied von Schalke heißt es: Mohammed war ein Prophet, der vom Fußball nichts versteht.« Das paßte einem Online-Ratgeber aus Delmenhorst mit dem Namen »Muslim-Markt«, der von zwei fundamentalistischen Brüdern betrieben wird, nicht in den Kram. Sie riefen zum Boykott von Schalke auf. Aber statt sich die Hände zu reiben, daß man diese Deppen endlich vom Hals hat, klingelten die Alarmglocken bei den Schalke-Verantwortlichen, die sofort Kontakt mit der Polizei und dem Staatsschutz aufnahmen. Und der Schalke-Sprecher kündigte an, man werde das Lied von einem Experten prüfen lassen. Einen Experten? Franz Beckenbauer etwa? Der ist allerdings tatsächlich in der Lage, noch auf jeder Glatze Locken zu drehen.
Und was gibt es da zu prüfen? Ob Mohammed vielleicht doch was von Fußball versteht? Hat Mohammed in seiner Freizeit vielleicht sogar gekickt? Und welcher Ausstatter hat ihm die Fußballschuhe gezahlt? Adidas? Puma? Auf welcher Position spielte er? Ausputzer? Linksaußen? Das wahrscheinlich weniger. Eher rechtsaußen. Man weiß es nicht, außer vielleicht Franz Beckenbauer und Peter Hahne, aber nachdem sich ein muslimischer Experte bei Schalke gemeldet und verkündet hat, daß er in dem Lied nichts Böses entdecken konnte, gibt sich auch der Clubsprecher unbeugsam: »Wir werden es nicht zurückziehen. Es ist bewußt falsch verstanden, bewußt falsch interpretiert worden.«
Während man auf Schalke tapfer dem Fundamentalismus aus Delmenhorst entgegentritt, gibt der Spiegel das Forum für einen anderen Fundamentalismus ab. Der Bestsellerautor Richard David Precht zieht gegen den »verlogenen Menschenrechts-Bellizismus« zu Felde und schreibt unbeanstandet: »Mehr als Drei Viertel der Welt hat man inzwischen erfolgreich mit dieser Kultur (Kaugummi, Jeans, Hollywood und Coca-Cola) unterwandert. Aber erst wenn die Soldaten (aus Afghanistan) verschwinden, wird der American Way of Life, die erfolgreichste Massenvernichtungswaffe des 20. Jahrhunderts, auch in den Hochburgen der Fundamentalisten erfolgreich zünden.« Das hätten die islamistischen Brüder aus Delmenhorst nicht besser sagen können. Allerdings wären sie vermutlich vom Staatsschutz scharf ins Visier genommen worden.

Die Wahrheit über den 1. Spieltag

Wenn Beckenbauer nicht wäre, müßte man ihn erfinden, denn er ist der einzige, der den Bayern bei der Erlangung der Meisterschale noch im Weg stehen könnte, weil er sich immer wieder als Heckenschütze betätigt. Ribery solle halt abhauen, wenn es ihn nach Madrid ziehe, er würde schon sehen, was er davon hätte, und bei der Analyse des 1:1 in Hoffenheim analysierte der Analytiker Beckenbauer hämisch »schülerhaftes Abwehrverhalten«. Dabei hatten die Bayern mal wieder Glück, denn der Schiedsrichter Rafati war mit ihnen, als er großzügig ein Tor für die Hoffenheimer und ein übles Foul von van Bommel übersah. Da kann man eigentlich nicht meckern, sondern sollte dankbar sein, aber Beckenbauer macht die Schmach noch schmachvoller, indem er sie öffentlich macht. Nun hat sein Spott auch die Dortmunder getroffen. Die kürte er zum Geheimfavoriten, und das ist ein schlechtes Omen, nicht nur, weil nichts Geheimes mehr dran ist, seit Beckenbauer es ausgesprochen hat, womit der »Geheimfavorit« auch sofort zum Gespött der Liga wurde, sondern auch, weil an der Geheimfavoritenrolle leider gar nichts dran ist. Mühsam war denn auch der Geheimsieg zu Hause gegen die stark ersatzgeschwächten Kölner, die sich mit zwölf Mann hinten auf die Torlinie stellten. Das Spiel fand ausschließlich in der Hälfte der Kölner ab, aber trotz des neuen Toptorjägers Barrios und trotz bester Chancen wäre die Geschichte torlos verlaufen, wenn sich die Kölner nicht erbarmt und mit einem Eigentor für einen einigermaßen gerechten Spielverlauf gesorgt hätten. »Scheiß drauf, Hauptsache gewonnen«, da war sich der geballte Sachverstand in der überfüllten Milchbar einig. Interessanter wird es da schon nächste Woche gegen den HSV, die den Dortmundern auch was entgegenzusetzen haben. Aber auch die Revier-Konkurrenz Schalke hat gepunktet. Leider, aber beim Aufsteiger Nänbärch (wie die Nürnberger ihre Stadt nennen) auch wieder keine sooo große Überraschung, vor allem, wenn Magath innerhalb von vier Jahren den Meistertitel verspricht. Überraschend am Sieg war höchstens, daß Kuranyi gleich zweimal getroffen hat. Kuranyi hat seine Trefferquote darauf zurückgeführt, daß er »mehr in Bewegung« ist. Das ist eine originelle Begründung, aber auf Schalke ist sowieso viel in Bewegung. Der »Muslim-Markt«, ein Online-Ratgeber aus Delmenhorst, hat Schalke wegen eines Liedes gerügt, das die Wächter islamischer Kultur auf der Schalke-Homepage entdeckt hatten und in dem es u.a. heißt: »Mohammed war ein Prophet, der vom Fußball nichts versteht.« Nach einem Aufruf, Schalke zu boykottieren, befinden sich die Verantwortlichen in heller Aufregung, dabei könnte man doch froh sein, wenigstens diese Deppen vom Hals zu haben. »Mit Gott auf Schalke« heißt es auf einem Transparent. Wenn es einen gäbe, bei den doofen Schalkern wäre er am besten aufgehoben. Jetzt hat der Schalke-Sprecher angekündigt, das Lied von einem Experten überprüfen zu lassen. Ich könnte den Schalkern einen Experten empfehlen: den Analytiker Franz Beckenbauer.