Archiv für den Monat: Oktober 2009

Die Wahrheit über den 10. Spieltag

In der Pampa muß man manchmal zu kuriosen und technisch aufwendigen Mitteln greifen, um in der Liga auf dem Laufenden zu bleiben. Mittels einer geheimen Internetadresse, die für Eingeweihte und Computerfreaks gar nicht so geheim ist, konnte ich mir das BVB-Spiel gegen Leverkusen angucken. Angeboten wurde es von einem irakischen Sender mit einem englischen Kommentator. An den entscheidenden Szenen blieb das Bild stehen oder schaltete sich automatisch kleiner, so dass das Programm ständig neu aktiviert werden mußte. Typisch irakische Technik, einfach nicht ausgereift und in gewissem Maße auch ein bißchen terroristisch, denn man mußte immer auf dem Sprung sein, um die Bilder am Laufen zu halten, die durch eine eigenartige Zeitversetzung wie in den frühen Tagen des Films wirkten, fast ein wenig slapstickhaft. Immerhin ließ sich trotz dieser widrigen Umstände das Spiel ganz gut lesen. Es war ein typisches Dortmunder Spiel. Von Beginn an setzten sie den Gegner durch Engagement und Spielfreude in Erstaunen, und zwar so sehr, dass ihnen auch gleich bei der ersten Chance ein wunderschönes Tor gelang durch den Welttorjäger Barrios, und bei diesem Tor sah der so hochgelobte Finne Hyypiä gar nicht gut aus, genau genommen ging der Treffer auf seine Kappe. Es sollte allerdings die einzige Chance der Dortmunder bleiben, denn der Elan konnte nicht aufrechterhalten werden und die Leverkusener ließen auch nicht mehr zu. Die Dortmunder spielten was sie konnten, und das ist aufwendig und kräftezehrend, aber sie hielten durch. Sie hatten den Leverkusenern zwar nicht wirklich etwas entgegenzusetzen, aber Torchancen ließen sie nicht zu, auch wenn sie spielerisch unterlegen waren und selten über drei Ballkontakte hinauskamen, bevor der Ball wieder beim Gegner gelandet war, der mehr damit anzufangen wußte. Der Ausgleich war fast eine Kopie des Dortmunder Treffers, und insofern war das Spiel nicht besonders aufregend, aber einen Punkt nimmt man vom Spitzenreiter immer gerne mit, und man ist fast versucht, das als Fortschritt zu sehen, denn in der Begegnung mit einer Spitzenmannschaft hat Dortmund bislang noch keine Schnitte gemacht. Aber immer noch besser als der Champions-League-Teilnehmer Stuttgart, dem gar nichts mehr gelingen will. Sogar Hannover ließen sie alle Punkte, wenngleich mit Pech. Und schon wird der letzte Saison noch als Heilsbringer gefeierte Babbel von der Presse abserviert, während der Verein noch an ihm festhält, aber der Macht von “Bild” ist auch Held nicht gewachsen. Bayern hingegen zog seinen Kopf gerade mal so und in letzter Minute durch einen Trick van Gaals aus der Schlinge. Überlegen ohne Ende hatte Bayern große Mühe, eine nicht sonderlich engagierte Frankfurter Elf dazu zu bewegen, die Punkte in München zu lassen. Diese knappen Spiele gehen Hoeneß ziemlich an die Nieren, weil von der Bayern-Arroganz, die keinen Zweifel daran ließ, wer gewinnen würde, nicht mehr viel übrig geblieben ist. Und weil es so aussieht, als ob Bayern zwar oben mitspielen wird, aber viel mehr eben auch nicht Die Liga von oben herab zu kontrollieren, das war einmal.

Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Das muß man der Hertha erstmal nachmachen. Acht Spiele in Folge verlieren und auf den letzten Tabellenplatz abstürzen. „Kein Funkel Hoffnung mehr“, kalauerte die BamS, aber mit Funkel einen Abstiegsverhinderungsspezialisten zu holen machte allein schon deutlich, daß auch die Verantwortlichen der Mannschaft nicht viel zutrauen, weil ihnen vielleicht dämmert, daß es doch keine so gute Idee gewesen sein könnte, die besten Spieler zu verkaufen. Aber schon nach zwei Spielen unter Funkels Verantwortung, dem Spezialisten für unattraktiven Fußball, sieht der Mann schwarz: „Die Mannschaft hat nichts von dem umgesetzt, was ich ihr aufgetragen habe. Im Moment sieht es so aus, daß die Qualität nicht für die Liga reicht.“ Und auch die Identifikationsfigur Arne Friedrich zweifelt daran, daß Hertha in dieser Saison noch ein Spiel gewinnen könnte. Der Rest der Liga darf sich an Hertha aufrichten, wie der gute alte Club. Aber ganz so tragisch ist es ja auch nicht, denn zwischendrin hat Herta ohne h ja auch mal gewonnen, wenngleich in einer anderen Disziplin und völlig unverdient. Das alles stimmt mich sehr froh, auch wenn der nette, runde Hertha-Frosch der ersten Stunde, Ralf Sotscheck, sehr darunter leidet. Daß es auch anders geht, zeigen die Schalker, die Insolvenz anmelden müßten, wenn alles mit rechten Dingen zugönge bei immerhin 136,5 Millionen Schulden. Aber der dicke Tönnies hat ein dickes Fell und denkt gar nicht daran abzutreten, dabei hat Dortmund alles exakt schon einmal vorgemacht. Die letzte Meisterschaft Dortmunds dürfte die teuerste in der Geschichte der Bundesliga gewesen sein, danach kam nach und nach das dürftig kaschierte Finanzloch zum Vorschein und der unaufhaltsame Abstieg des Vereins begann. Genau das gleiche exerziert jetzt Schalke durch, nur mit dem Unterschied, daß Schalke nicht Meister wird, auch wenn sie in Stuttgart gewonnen haben und sich auf Platz drei vorgeschlichen haben, aber die Schwaben waren ein leichtes Opfer und Babbel wird der erste Trainer sein, der schon vor Erlangung einer Trainerlizenz bereits entlassen sein wird. Bremen hingegen kriegt so langsam wieder die Kurve, denn sie schafften immerhin ein 2:0 gegen Hoffenheim, die zu den Anwärtern auf den Meistertitel gehören. Bayern hingegen eher nicht, denn nur mühsam und mit Unterstützung durch ein Eigentor von Cha konnten sie in Freiburg drei Punkte holen. Der HSV und Leverkusen trennten sich torlos in einem faden Spiel, weil beiden Mannschaften bereits die Angst im Nacken sitzt zu versagen, und das ist der beste Hinweis darauf, daß es beide Mannschaften versieben.

Der Buchmessenreport – Teil 3

Es gibt noch Verlagsneugründungen. Das ist erstaunlich, weil Verlage ja immer weniger gebraucht werden, weil die Entwicklung dahin geht, daß jeder sich sein Buch selber schreibt und das dann auch noch selber druckt. Eingeladen hatte der Verlag Tolkemitt & Haffmans in eine Suite im 30. Stockwerk des Marriott-Hotels. Der alte Fuchs Haffmans hatte wieder mal alle Messe-Events getoppt. Ich war schwer beeindruckt. Es war dann aber nur der 29. Stock und in der Suite befanden sich zwei Doppelbetten, aber darin lagen leider nicht die beiden Verlagsneugründer in einem love-in, um den medialen Coup des Tages zu landen. Das war schade. Alle warteten auf Haffmans, aber der kam nicht, was ich ebenfalls für einen genialen Schachzug hielt. Dann sprang der fitte Herr Tolkemitt aufs Bett und hielt eine Verlagsneugründungsrede, in der er die vollständigen und auf neun Bände angelegten Tagebücher des Samuel Pepys angekündigt wurden. Wer immer das lesen wird, ich war noch schwerer beeindruckt. Aber dann machte Herr Tolkemitt alles zunichte, indem er bekannt gab, daß die Suite nur für zwei Stunden angemietet worden sei, weil auf der Messe kein Raum mehr zu bekommen war. Damit war der ganze schöne Mythos, auf dem ein neues Imperium hätte aufgebaut werden können, mit einem Schlag zunichte. Dann fotografierte ich Christian Y. Schmidt, der seit Buchmessenbeginn ununterbrochen seine eigenen Bücher lobt und zwar völlig zu Recht. Im Hintergrund guckte die Sonne zum Fenster herein und illuminierte seine Ohren in knalligem Rot.

Dann waren die zwei Stunden rum und wir pilgerten zu Beck, zu dem Verlag, bei dem es einige wenige Schnittchen für viele Leute gab. Bevor die Schnittchen von den Kellnern serviert werden konnten, deren Garderobe von der hungrigen Meute zerfetzt wurde, durfte man eine gefühlte Stunde lang an Herrn Becks Inhaltsangabe eines Buches von Richard von Weizsäcker knabbern. Danach reichte weitere gefühlte vier Stunden lang Richard von Weizsäcker eine Inhaltsangabe seines Buches nach, was man aber verstehen kann, weil Richard von Weizsäcker das Buch von einem Ghostwriter hat schreiben lassen, was mir aber niemand im Verlag glaubte. Frank Schirrmacher mischte ebenfalls mit und stellte zwischendrin Zwischenfragen zur Inhaltsangabe des Buches. Das ganze wurde als Gespräch ausgegeben, bei dem aber heikle Fragen ausgespart wurden, weshalb das ganze von einigen Mißgünstigen, die sich schon bald absentierten und hemmungslos zu trinken anfingen, als „servile Bauchpinselei“ bespöttelt wurde. Zudem verstand man kaum etwas, weil die Mägen der Anwesenden so laut knurrten.

Auf der Flucht zur Titanic-Fete traf ich wie letztes Jahr Harry Rowohlt vor der Tür, der auf ein richtiges Essen eingeladen war und mich glühend um meinen Rausch beneidete, weil ihn seine Neuropathie zur Abstinenz zwingt. Auf dem Titanic-Schiff konnte ich mich endlich satt essen. Es gab da sogar Fleisch, und weit und breit keine Schnittchen. Meine weißen Schuhe erregten so viel Aufmerksamkeit, daß sie es sogar in die tägliche Messebeilage der FAZ schafften. Damit hatte sich die Messe schon mal gelohnt.

Der Buchmessenreport – Teil 2

Gestern konnte aufgrund eines alkoholischen Exzesses kein Buchmessenreport erscheinen. Aber ich hätte mich auch ohne diese Stimulanz schwer getan, etwas über die Buchmesse zu schreiben, weil ich in meiner zweiten Berufung als Verleger von der Buchmessenpest am Stand festgehalten wurde. Das sind Leute, die einem beide Ohren abkauen und alte Manuskripte andrehen, billige Anzeigen nachschmeißen und günstige Druckereien aufdrücken wollen. Ich flüchtete zu zu Klampen, weil ich endlich einmal „zu zu“ schreiben konnte, aber auch weil ich wußte, daß es dort eisgekühlten Cremant gab. Zu Klampen ist ein alter Verlagshase mit großen Ohren, der eine Flasche auf Ex leeren kann, ohne mit der Wimper zu zucken und ohne anschließend ausfällig zu werden. Er kann dann immer noch Hannoveranische Regionaldichter fehlerfrei deklamieren und macht mit seinen Idealmaßen von 120 mal 120 sowieso eine bella figura. Beschwingt von zu Klampens Cremant ging ich zum Österreichempfang, verpaßte aber die Rede der Frau Ministerin, und die Schnitzel waren auch schon aus, aber der Österreichempfang wird jedes Jahr von immer mehr mittellosen Verlegern und Autoren aufgesucht, um sich mal richtig satt zu essen. Man muß nur rechtzeitig aufbrechen, um liebenswerten Anzeigenaquisitören aus der Zone, die darauf wetten, einen spätestens in zwei Jahren weichgekocht zu haben, und den tumultartigen Szenen bei der Garderobe zu entkommen, die sich kurz nach dem Büffet ereignen, wenn seriöse Herren und aufgebrezelte Damen in einem riesigen Kleiderhaufen nach ihren Klamotten wühlen und sich gegenseitig auf österreichisch beschimpfen. „Jetzt gangas mir doch ausm Weg, Sie depperter Trottl Sie.“

Bei Rowohlt treffe ich wie jedes Jahr die vollständig versammelte Titanic- und Caricatura-Crew, die es sich wie jedes Jahr zur revolutionären Aufgabe gemacht haben, Rowohlt leer zu trinken, und obwohl sie absolute Profis in ihren Reihen haben, ist ihnen das noch nie gelungen. Der Chinesengünstling Christian Y. Schmidt versuchte, noch ein paar Leute für seine Lesung zu verpflichten, Heribert Lenz stand wie ein Fels in der Brandung am Tresen und ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen, nur Herr Zippert nippte vornehm an einem Glas Wasser. Als ich anfing, Sektgläser auf den Boden zu schmeißen, weil ich zu faul bin, sie zurück an den Tresen zu tragen, werde ich dezent in ein Taxi eines Philosophen mit Uniabschluß gezerrt, der noch bei Adorno studiert hat und der erzählte, daß Angela Merkel neue Maßstäbe der Gastfreundschaft gesetzt hat. Sie sagte zu den Chinesen: „Wir wissen, daß Sie genau studieren, was bei uns passiert – wir tun das auch bei Ihnen.“ Daran hielt auch ich mich. Heute morgen beobachtete ich einen ausgemergelten Chinesen, wie er einen Tisch über das Messegelände trug. Er verwendete ihn als Regenschirm. War das ein Dissident? Sah so ein zukünftiger Nobelpreisträger aus, der man ja leicht wird, wenn man in China ein bißchen dissidiert.

Der Buchmessenreport – Teil 1

Am Abend vor Buchmessenbeginn speiste ich mit einem meiner zahllosen Übersetzer, die mir zu Diensten sind. Er erzählte mir, daß er schon vier Bücher von Herta Müller gelesen habe. Ich erklärte ihn sofort zum Experten, denn ich hatte zuvor noch nie jemanden getroffen, der Herta Müller gelesen hatte, offenbar weil niemand wirklich Verfolgtenliteratur der Banater Schwaben aus dem letzten Jahrhundert für prickelnd hält. Vermutlich hat sie auch aus diesem Grund den deutschen Buchpreis nicht bekommen, sondern Kathrin Schmidt, und zwar nicht, wie in der Welt und das heißt überall sonst auch spekuliert wird, weil Frau Müller ja schon den Literaturnobelpreis bekommen hat, sondern weil Frau Schmidt das bessere Thema hatte.

Frau Schmidt hatte ein Aneurysma, und das ist das, was in Deutschland immer mehr Konjunktur kriegt. Der Spiegel-Reporter hatte mit seinem Krebs schon einen Hit gelandet, und Sarah Kuttner ist mit ihren Depressionen schon seit Wochen auf der Bestsellerliste. Krankheiten, möglichst mit tödlichem Ausgang, das ist der Stoff, aus dem hierzulande die wie geschnitten Brot sich verkaufende Literatur gestrickt ist, und das ist nichts für harmlose und wehleidige Hypochonder, da geht es ganz existentiell zur Sache. Nachdem der Atomschlag, die H-Bombe und wie die Weltuntergangsszenarien alle hießen, ausgeblieben sind, konzentriert man sich in Deutschland auf den Feind im Innern, auf die tödliche Krankheit, auf die Seuche, und am besten ist es, wenn einer durchkommt. Diese Literatur kann seine thematische Nähe zum Arzt-Roman nicht leugnen, und damit haben sich U- und E-Literatur endlich wiedervereinigt. Und das ist doch schön. Und prompt ist Frau Müller krank geworden. Sie mußte eine Lesung in der europäischen Kulturhauptstadt Essen absagen, wahrscheinlich weil sie für ihren nächsten Roman recherchiert, in der ein tödlicher Virus die Hauptrolle spielen wird.

Auch ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, einen Roman über meine vergrößerte Prostata zu schreiben, aber diese Krankheit ist einfach nicht tödlich genug. Mit der Schweinegrippe jedenfalls kann ich medial nicht mithalten, obwohl vermutlich mehr an der Prostata leiden als an Schweinegrippe. Von sowas ähnlichem wurde ich eben gestreift. Der ehemalige Umweltminister der Grünen, dessen Namen ich mir nicht merken kann, blieb an meinem Stand hängen und blätterte in „Vermeers Hut“ (besprochen in der jungen Welt vom Chef persönlich) und ignorierte dafür das neue Buch von Harry Rowohlt. Was immer das heißen mag, es ist hoffentlich keine neue Krankheit.

Müller, Herta und Sarrazin, Thilo

Ich stand gerade an einem Kneipentresen in Duisburg, wo ich zu einem Vortrag eingeladen worden war, und bestellte einen dreistöckigen Tullamore Dew, als mich die Nachricht von der Vergabe des Literaturnobelpreises an Herta Müller erreichte. Diese Stockholmer Jury hat schon Humor, dachte ich. Dann ging ich auf die Bühne und fragte das Publikum, ob schon mal jemand was von Herta Müller gelesen hätte und wenn ja, dass sich deshalb niemand zu schämen brauche. Aber niemand hatte was von Herta Müller gelesen. Warum auch sollte einen die Spartenliteratur einer Banater Schwäbin interessieren? Also führte ich an diesem Abend den Nachweis, dass Kinky Friedman, der Country-Sänger, Krimiautor und Kandidat für den Gouverneursposten in Texas den Literaturnobelpreis viel eher verdient hätte, z.B. für Sätze wie diesen: „Eines Abends stand ich neben meiner kaputten Stehlampe, rauchte eine Zigarre und hörte meinen Haaren beim Wachsen zu, als ich endgültig ins Hintertreffen geriet. Aber das machte nichts. Da hinten traf man die interessantesten Leute.“ Herta Müller eher nicht.

Am nächsten Tag studierte ich aus Mangel an Alternativen den Trierer Volksfreund, der von Herta Müller auch nichts gelesen hatte, denn der gesamte Artikel bestand in der unbeantwortet bleibenden Frage, wer eigentlich Herta Müller sei. Na gut, dachte ich, Trierer Volksfreund eben. Aber auch in der Welt erfuhr man lediglich, dass der Nobelpreis eine „Verbeugung vor der Literatur der deutschen Minderheit in Rumänien“ sei. Reich-Ranicki hat Herta Müller auch nicht gelesen, jedenfalls wollte er keinen Kommentar abgeben, und das will schon was heißen bei einem Mann, der sonst an keinem Mikrophon so ohne weiteres vorbeigeht. Und in der FAS beschrieb der Aufmacher im Kulturteil, dass die vor dem Haus von Herta Müller versammelte Journalistenmeute die schwedische Botschafterin mit der frisch gebackenen Literaturnobelreisträgerin verwechselt haben. „Wörter, die leuchten“ war der Artikel überschrieben, aber solche fielen mir in dem gesamten Artikel nicht auf. Das einzige, was leuchtet, sind die Augen der Kommentatoren, denn schon wieder wurde deutsche Literatur ausgezeichnet, die zwar im Unterschied zur amerikanischen kaum jemand liest, nicht mal die Deutschen selber, aber im Vergleich der Systeme hat man die anderen mal wieder abgehängt. Und das tut gut in Zeiten, wo man im Ausland auf das Bundesbankvorstandsmitglied und den ehemaligen Finanzsenator Berlins Thilo Sarrazin angesprochen wird, der sich in Lettre international über die geistige und materielle Verarmung in Berlin äußerte. „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ Und: „Die große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt (Berlin) hat keine produktive Funktion außer für den Obst- und Gemüsehandel.“ Aus Sarrazin spricht der Proll, der als Politiker seine „Verantwortung“ entdeckt hat und sich Sorgen um den Fortbestand Deutschlands macht. „Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben, durch eine höhere Geburtenrate.“ Wahrscheinlich deshalb also bieten die Deutschen in Berlin-Kreuzberg und Berlin-Mitte den Türken Paroli und werfen Kinder wie nix gutes, um ein Vordringen der Türken zu verhindern. Der türkischen Unterschicht die hohe Geburtenrate als Strategie zu unterstellen, um in Deutschland die Herrschaft an sich zu reißen, ist von großer nationaler Komik, wie es überhaupt lustig ist, einem Volk vorzuwerfen, dass es sich vermehrt. Es ist dann nur noch ein kleiner Schritt, um die Verwertbarkeit solcher Fremdkörper wie der Türken in Frage zu stellen, die die Politiker in Berlin erst angesiedelt haben und jetzt nicht mehr wissen, was sie mit ihnen anfangen sollen. Sie werden als unnütze Esser abgestempelt, die dem Staat auf der Tasche liegen.

Wenn man von Unterschicht zu Unterschicht so übereinander herfällt, dann liegt das an der mangelnden geistigen Kompetenz, wenn Politiker so anfangen zu sprechen, dann zeigen sie, dass sie auch nicht viel mehr in der Birne haben wie die von ihnen kritisierte Unterschicht, nur bleiben ihre Ressentiments nicht so folgenlos wie die von irgendeinem Hirni. Zu diesen muss unbedingt auch Guido Westerwelle gezählt werden, der FDP-Sprechautomat, der nach der Wahl nichts zu sagen wusste außer, dass er von der Wählerschaft einen Auftrag bekommen habe und die anderen nicht. Wer hätte das gedacht. Überfordert war der zukünftige Außenminister dann auch gleich auf seiner ersten Pressekonferenz, als ihn ein BBC-Reporter fragte, ob er ihn auf Englisch etwas fragen und auf eine Antwort hoffen könne. „Wir sind ja hier in Deutschland“ wurde dem Mann mehrmals beschieden, als ob Westerwelle seinen Auftrag darin erkannte, dem Mann über diese Unklarheit hinwegzuhelfen. Seither ist dieser Clip das am häufigsten angeklickte Filmchen auf Youtube, denn jeder möchte sehen, welchen aufgeweckten Burschen man zum Außenminister gewählt hat.

Kinky Friedman wurde vom Spiegel einmal gefragt, warum man ihn zum Gouverneur in Texas wählen sollte: „Das frage ich mich auch. Keine Ahnung. Als ich die Bewerbung bekannt gab, sagte ich: ‚Ich brauche eine größere Kleiderkammer.‘ Jetzt muss ich mir eine bessere Begründung ausdenken.“ Keine Sorge, zu einer solch verantwortungslos fröhlichen Antwort wird Guido Westerwelle von der FDP-Spaßpartei nicht fähig sein, er wird sich verlässlich steif und national einen abbrechen: I am proud to be an Asshole from Krautland. Dann wollen die meisten anderen vielleicht keine mehr sein. Wäre ja nicht schlecht.

Geschichten aus dem Marzipan-Königreich

Ben Hecht in Chicago und Hollywood

Ekligen Journalismus, für den exemplarisch Bild steht, mit erlogenen Geschichten, übler Nachrede, Belästigung von Opfern und Veröffentlichungen von Paparazzi-Fotos, das alles gab es schon vor hundert Jahren. Darüber geschrieben hat einer, der es wissen muß, weil seine Karriere beim Chicago Daily Journal begonnen hat. Daß man bei der Lektüre dieser Geschichten jedoch nicht an die Bild-Kloake denkt, obwohl Ähnlichkeiten nicht zu bestreiten sind, liegt an dem großartigen Erzähler Ben Hecht, einem der bekanntesten Hollywood-Drehbuchautoren, der in seinen autobiographischen Geschichten »Von Chicago nach Hollywood« über sein Leben als Journalist so kurzweilig und lustig berichtet, daß man die wundervoll haarsträubenden und absurden Stories einfach nur genießerisch schlürft wie guten alten irischen Whiskey.

Ein Onkel hatte über seine Beziehungen als reisender Schnapshändler den jungen Ben Hecht in dem Chicagoer Blatt untergebracht. Nach zweiwöchigem Nichtstun wird er losgeschickt, um bei Vergewaltigung, Mord und Totschlag Bildmaterial zu besorgen. Da Kameras Anfang des letzten Jahrhunderts nicht sehr gebräuchlich waren und auch die Abbildung von Leichen verpönt war, ging es darum, den Hinterbliebenen ein Foto abzuluchsen. Und da entwickelt Ben Hecht einen völlig verrückten Einfallsreichtum. Um sein Ziel zu erreichen, klettert Ben Hecht auf das Haus einer unglücklichen Familie, die den Tod ihrer Tochter beklagt und jeden Kontakt mit der Presse verweigert. Dort legt er Bretter auf den Schornstein, bis der Qualm aus den Fenstern dringt und die Bewohner ins Freie treibt, für Hecht die Gelegenheit, in die Wohnung einzudringen und sich ein Foto der Toten zu besorgen. Das ist nicht die feine Art, und schon gar nicht ist das moralisch, aber unter einem sportlichen und erzählerischen Gesichtspunkt grandios.

Damals beginnt seine Karriere als Autor. Sein größter Coup wird auf der Titelseite mit der Schlagzeile angekündigt »Erdbeben zerreißt Chicago« mit einem Foto von dem Erdspalt, den Ben Hecht höchstpersönlich gegraben hatte. Tanten, Onkel und Cousins des Autors sind die Zeugen dieser frei erfundenen Naturkatastrophe. Natürlich fliegt irgendwann einmal eine dieser kruden Lügengeschichten auf und beendet die vielversprechende Reporterlaufbahn, aber in dieser Zeit hat Ben Hecht die beste Ausbildung genossen, die man als Autor kriegen kann. Er hat auf seinen Streifzügen durch die Stadt eine Menge zwielichtiger Gestalten, Diebe und Betrüger kennengelernt, die ein schnell wachsender Wirtschaftsknotenpunkt wie Chicago hervorbringt, er kannte hunderte Geschichten, er war mitten drin, er saugte sie auf, und wenn später in Hollywood jemand gebraucht wurde, um einen verrutschten Plot zu reparieren oder um Gangster glaubwürdig auf die Leinwand zu bringen, dann wußte jeder, an wen er sich wenden mußte.

Ben Hecht schrieb die Drehbücher u.a. von Howard Hawks »Scarface«, Hitchcocks »Notorious« und Billy Wilders »Frontpage«. Er war dick im Geschäft, er konnte sich drei Hausmädchen leisten, einen Chauffeur und einen Masseur, und Hollywood, das »Marzipan-Königreich«, ermöglichte ihm den luxuriösen Lebensstil. Dennoch durchschaute er das System Hollywood, wo die Produzenten »jede Idee, jeden Plot, jedes Vorhaben, das ihnen vorgelegt wird, nur unter dem einzigen Gesichtspunkt prüfen, ob es trivial genug ist, um den Massen zu gefallen«. Und wirklich fähige Schriftsteller wie Raymond Chandler werden nur deshalb gut bezahlt, damit sie von ihren Fähigkeiten keinen Gebrauch machen. Ben Hecht war der schnellste und begehrteste Drehbuchautor. Er war selbstbewußt und skrupellos genug, um zu wissen, worauf es ankam, er lieferte, was gewünscht war, das aber für einen guten Preis, und er war auch klug genug, um sich nicht von Hollywood durch die Mangel drehen zu lassen.

1918 schickte ihn seine Zeitung für zwei Jahre nach Berlin, um über das Reich nach einem verlorenen Weltkrieg zu berichten. Seine Reportagen gehören zu dem Erhellendsten, was damals über Deutschland geschrieben wurde, weil sie frei von Ideologie und unbefangen über die Ereignisse aus der Sicht eines Ausländers berichten, und Ben Hecht hatte ein sehr gutes Gespür dafür, was die Deutschen damals quälte. Diese Zeit konfrontiert ihn mit einer Entwicklung, die in den Faschismus führen sollte. Ben Hecht ist eigentlich kein politischer Mensch, aber ihm ist sehr bald klar, was die Naziherrschaft bedeutet. Noch bevor darüber berichtet wird, schaltet er Anzeigen in allen großen amerikanischen Tageszeitungen über den Massenmord an den Juden, und im Juli 1943 bringt er in New York und anderen großen Städten ein erfolgreiches Theaterstück zur Aufführung, in dem ebenfalls die Nazi-Verbrechen thematisiert werden. Ben Hecht steckt sein gesamtes Hollywood-Honorar in diesen Kampf, der sich auf die Palästina-Politik der Briten ausweitet, die jüdischen Flüchtlingsschiffen die Einreise verweigern. Auf diese Kritik reagiert das Empire verschnupft und erläßt einen Boykott aller Filme, an denen Ben Hecht mitgewirkt hat, und das können nicht viele auf ihre Fahnen schreiben.

Der geniale Fabulierer Ben Hecht verläßt angewidert vom »Mief und der Feigheit der Stadt« 1952 Hollywood. Ein letztes Mal geht er durch die vertrauten Straßen. »Ich saß in einem modrigen, einst illustren Salon. Der schnurrbärtige Barkeeper döste zwischen seinen Flaschen. Die Tische waren staubig und verlassen. Die Schwingtür öffnete sich, Musik ertönte und eine Sirene kam herein und schielte mich lüstern an.« Madam Hollywood in »rotem Flitterkleid« und mit »blaulila geschminkten Wangen« kommt herein. »In ihren Augen lag kein Ärger. Sie waren müde und freundlich, denn einst war ich ein guter Freund wie viele.« Ein leicht melancholischer, aber auch heiterer Abschied ohne Bitterkeit, und das ist vielleicht genau die Haltung, die nötig ist, um die Geschichten so elegant und mit leichter Hand schreiben zu können, mit Witz und Verve und mit Dialogen, die aus dem Leben kommen und nicht einem Konversationshandbuch entnommen sind. Ben Hecht könnte zum New Journalism gezählt werden, wenn es den damals schon gegeben hätte, aber er gehört zweifellos zu den großen Journalisten und Autoren Amerikas, mit denen man hierzulande leider nur wenig anzufangen weiß. Umso erfreulicher ist es, daß nach den Versuchen des kleinen Wolke-Verlags 1989 und Insel 1992 jetzt Berenberg einen neuen Anlauf unternimmt, ihn bekannt zu machen.

Ben Hecht, »Von Hollywood nach Chicago. Erinnerungen an den amerikanischen Traum«, Berenberg, Aus dem Amerikanischen von Helga Herborth, Berlin 2009.

Das Leben in der Notaufnahme

Über tausend Dinge, die schöner sind als ein Orgasmus

Im Kulturbetrieb und bei den dazugehörigen Kulturbetriebsintriganten und -lieferanten wie Martin Walser und Günter Grass gelten die Bücher von Simon Borowiak höchstens als humoristische Unterhaltungsliteratur, weil Literatur in der immer noch vorherrschenden Meinung erlitten werden muß, was den deutschen Großschriftstellern entgegenkommt, denn was sie schreiben ist zäh und langweilig und deshalb besonders für einen Vorabdruck in der FAZ geeignet, und wenn ein neuer Roman erscheint, steht das Feuilleton stramm. Warum eigentlich? Gibt es doch selbst in Deutschland genug Autoren, die die beiden locker an die Wand schreiben. Ohne Simon Borowiak mit den beiden vergleichen und damit beleidigen zu wollen, er ist zweifellos einer, der schreiben kann, und zwar verdammt gut, und bei dem man nicht das Gefühl hat, auf einem Kaffeekränzchen von Untoten zu sein.

»Schade um den schönen Sex« heißt sein neues Buch, aber keine Sorge, es geht darin nicht wirklich um Sex, denn es gibt »tausend Dinge, die einen Orgasmus locker auf Platz tausendundeins verweisen würden«, zum Beispiel »die Bibel ins Hessische übersetzen«. Abgesehen davon also, daß es um Sex gar nicht geht, auch sonst passiert nicht viel in diesem Roman. Der Ich-Erzähler wird von seinem Freund Cromwell über Weihnachten auf eine Reise in den Süden eingeladen, die dieser mit seiner Freundin antreten wollte, aber dann kracht die Beziehung auseinander, weil die Frau aus der Eifel stammt, »ein heikles Pflaster, mit zwar schöner Pflanzenwelt, aber schlimmen Menschen; es wimmelt dort von Spermakranken, die ihre Hosen mit der Kneifzange anziehen«. Wusch, da kriegt jemand die volle Dröhnung ab, weil eine Frau sich gefälligst nicht in eine Männerfreundschaft zu mischen hat, die in schlechten Zeiten gewachsen ist, »als wir die Blüte unserer Jahre der Psychiatrie schenken mussten und nicht klar war, ob jeder von uns seine Hölle überleben würde«, weshalb die beiden ihre Zeit gerne in einer Notaufnahme verbringen, wenn sie sich einen besonderen »Kick« geben wollen.

Die Existenz als Bodensatz der Gesellschaft ist kein schmückendes Apercu. Nein, der Autor weiß, wovon er schreibt, aber er geht damit nicht hausieren, er zerfließt deshalb nicht vor Selbstmitleid, sondern ganz unten gewesen zu sein gehört zu seiner Biographie, und das hat ihn aus der Welt der Normalität hinauskatapultiert. Sein Schreiben ist dadurch existentiell geworden, es ist kein netter Zeitvertreib, keine belanglose Sache, die man ebensogut lassen kann. Er nimmt die Wirklichkeit mit anderen Augen wahr, er kommentiert sie anders, glasklar, sarkastisch, mit Poesie und Witz, denn der Witz gewinnt unter solchen Voraussetzungen an schöner Schärfe, die in jeder Zeitung sofort den empörten Leserbriefschreiber scharenweise in die Leserbriefspalten treiben würde.

»Ich hasse Jugendliche«, läßt Borowiak an einer Stelle wissen, »vor allem, weil ich selbst nie einer war. In meiner Jugend war ich viel zu beschäftigt, um mich einem süßen Teenagerleben hingeben zu können. Da musste Klavier geübt, der Bibliotheksausweis verlängert und der nächste Selbstmordversuch geplant werden – in meiner Jugend kam man ja praktisch zu nix. Allein die vielen Testamente, die angefertigt und alle drei Tage wieder storniert werden wollten!« Und außerdem sehen die Jugendlichen »alle so gleich aus«. Solche Stellen finden sich mindestens eine pro Seite, und es ist gut, daß es nicht mehr sind, denn so hat man länger was von ihnen.

In Ventimiglia angekommen, werden die beiden von einem Blinden in einen häßlichen Betonbau mit Meeresblick abgeschleppt, finden dort eine Unterkunft und im Blinden einen Freund und Führer. Mit ihm zusammen kann der Ich-Erzähler sogar seine Liebesblockade lösen, die sich vor langer Zeit durch eine wilde Romanze mit seiner Lehrerin aufgebaut hatte. Aber während er noch daran zu knappern hat, stürzt sich der in Liebesdingen labile Cromwell in ein Tête-à-tête mit Gesa, der minderjährigen und vernachlässigten Tochter eines Ehepaares mit künstlerischen Ambitionen, das aber nur Ramsch an Touristen verhökert. Dieses Paar mit der »Intelligenz eines Tiefseeschwamms und dem Gespür eines Fensterleders« kriegt die volle Verachtung des Autors ab, obwohl die beiden eigentlich auch Gescheiterte und Strandgut sind. Und deshalb wage ich mal die Vermutung, daß ihm vor allem ein Gräuel ist, was die beiden repräsentieren, nämlich Kunst und Elternschaft, wobei sie in beiden Disziplinen vollkommen versagt haben. Vielleicht aber sind sie aber auch nur zwei Pappnasen, an denen sich der Autor ein wenig abreagiert.

In einem rasanten Finale bringt der Ich-Erzähler seinen Freund Cromwell dazu, seine Pfoten von dem Mädchen zu lassen, das von der Welt kaum mehr gesehen hat als den »Schulatlas«. Mit vereinten Kräften und einer randvollen Flasche Grappa schießen sich die beiden »gelernten Alkoholiker« zuerst in die Kiste, um anschließend zu flüchten. Noch einmal kriegen sie die Kurve, aber wer weiß, vielleicht schon beim nächsten Mal landen sie wieder beim Psychiater, dem sie dann mit dem Witz kommen können, wie um die Zumutungen des Daseins etwas erträglicher zu machen: »Bitte analysieren Sie mich. Nur: Lassen Sie meine Frau Mutter aus dem Spiel.«

Simon Borowiak, »Schade um den schönen Sex«, Eichborn, Frankfurt 2009, 16,95 Euro

Die Wahrheit über den 8. Spieltag

»Welttorjäger schießt Klopp aus der Krise« titelte die BamS, und obwohl man dort gar nicht weiß, was Ironie ist, finde ich die Schlagzeile ziemlich gemein, denn es ist Barrios erstes Tor am 8. Spieltag. Er küßte seinen linken Unterarm, weil er dort den Namen seines Sohnes tätowiert hat. »Tore schieße ich nur für ihn«, sagte Barrios, weshalb man sich fragt, ob das vielleicht eine etwas zu schwache Motivation ist, wenn so wenig dabei herausspringt. Immerhin war es tatsächlich ein wichtiges Tor, denn es war das einzige in der Begegnung mit der Borussia aus Gladbach, d.h. der BVB hat seinen 2. Saisonsieg eingefahren in einem vorgezogenen Abstiegsduell, jedenfalls spielten beide Mannschaften so, als würde morgen bereits die zweite Liga blühen, d.h. mit viel Einsatz und wenig Inspiration, mit viel langen Bällen und wenig Übersicht, mit viel Grätschen und wenig präzisen Pässen. Aber Dortmund macht z.Z. sowieso keine Bella Figura. Inzwischen stellte sich heraus, daß Großkreutz geflunkert hat, als er behauptete, von Schalkes Babyface Neuer auf die Nase geschlagen worden zu sein, was – verständlicherweise – eine heftige Kritik von Magath zur Folge hatte, der sich auch seine eigenen Spieler zur Brust nahm, als die vor der Südtribüne ein bißchen zu ausgelassen ihren Torerfolg feierten, wie ich leider insgesamt konzedieren muß, daß Magath sich nach außen sehr korrekt verhält im Gegensatz zu Watzke, der in einem Interview das Kunststück fertig brachte, voll hinter Großkreutz zu stehen, der außer seinem Vokuhila und Eifer noch nichts zeigte. Im Vergleich zu anderen Mannschaften jedoch geht es Dortmund noch Gold. Bayern schafft es trotz der vielen schönen Millionen einfach nicht, den Riegel des von mir favorisierten Absteigers Köln zu knacken, wozu man schon in der Lage sein sollte, wenn man in Europa zur Spitze gehören will. Allzuviel große Auftritte hatte Bayern bislang nicht, nur natürlich wieder mal gegen Dortmund. Ebenfalls bitter ist die Niederlage der Hoffenheimer in Mainz, und dieses 2:1 zeigt, wie zufällig das ganze Gekicke oftmals ist, weil auf der einen Seite zwei Sonntagsschüsse gelangen, für die Hoffenheimern hingegen das gegnerische Tor wie vernagelt war, weshalb es natürlich schwachsinnig ist, davon zu reden, daß der Mainzer Trainer Tuchel seinen ehemaligen Lehrer Rangnick ausgetrickst hätte. Auch nicht gut geht es Wolfsburg, die nach einem Fast-Erfolg gegen Manchester in Bochum nur ein Remis schafften. Ich kann nur hoffen, daß Bochum seinen Vorrat an Dusel jetzt erstmal aufgebracht hat, denn dann müssen sie nach Dortmund, wo man bekanntlich jeden Punkt für einen gesicherten Platz im Mittelfeld benötigt. Auch bei der Frankfurter Eintracht, die so furios begonnen hat, was mir unter einem Skibbe schon mehr als merkwürdig vorkam, ist inzwischen der Alltag eingekehrt und damit der Wurm drin. Auf Schalke spielte die Eintracht gegen vollkommen indisponierte Schalker noch indisponierter und verlor 2:0. Und das ist wirklich erstaunlich: Keine andere Mannschaft spielt so schlecht und unattraktiv wie Schalke und steht dennoch auf Platz 3.