Archiv für den Monat: März 2010

Die Wahrheit über den 28. Spieltag

Langsam zeichnet sich eine Katastrophe für den deutschen Fußball ab. Schalke ist auf dem besten Weg, doch noch einmal Deutscher Meister zu werden. Vielleicht ist das aber auch gar nicht schlecht, denn in der nächsten Saison geht es dann dem Gesetz der Serie zufolge gegen den Abstieg. Und die Gruppenphase der Champions-League wird für Schalke zur Blamage. Heynckes hingegen kann nicht mehr umhin, zuzugeben, daß Leverkusen Mühe haben wird, den dritten Platz zu verteidigen. In vier Spielen dreimal verloren, das leisten sich normalerweise Abstiegskandidaten. Schwach und uninspiriert traten die Leverkusener gegen Schalke auf. Und wem hat Schalke das zu verdanken? Ausgerechnet dem BVB, der mit seinem 3:0 eine Woche zuvor der Tablettenelf den Todeskuß gegeben hat.

Schalkes Chancen sind auch deshalb gut, weil Bayern ebenfalls von der Rolle ist. Van Gaal tut das Seine dazu, indem er ständig falsche Entscheidungen trifft, die auch von den eigenen Spielern nicht verstanden werden. »Man muß immer verstehen, was der Trainer entscheidet«, sagte Lahm und ließ damit durchblicken, was für ein autoritärer Sack van Gaal ist. Jetzt hat er für die nächsten und wichtigsten Spiele der Saison wahrscheinlich Robben verloren, den er auf dem Rasen verheizte, ohne die Niederlage gegen Stuttgart abwenden zu können. Van Gaal bedankte sich merkwürdigerweise »für die Mühe«, die sich seine Mannschaft gemacht habe, aber sich abzumühen, dürfte für einen Titel kaum reichen.

Nerlinger hingegen hat genau gewußt, warum Schalke große Chancen auf den Titel hat: Schalke begeht einfach die meisten taktischen Fouls und unterbindet dadurch jede vielversprechende Spielsituation des Gegners. Sogar Magath bestätigte diese Analyse, indem er Nerlinger, der selber ein Meister des taktischen Fouls gewesen sei, zum Experten erklärte, der es wissen muß. So erbärmlich und unattraktiv die Spielweise der Schalker ist, die alles für den Untergang des schönen Fußballs tun, so erbärmlich ist ihr wichtigster Spieler Kuranyi, der bei jeder Gelegenheit kund tut, Löw in den Arsch kriechen zu wollen. Vielleicht macht Löw ja deshalb Werbung für Nivea. Und wahrscheinlich will Kuranyi nur wieder an den Nutella-Topf, den es bei der Nationalmannschaft umsonst gibt.

Der BVB muß hingegen um einen internationalen Platz bangen. War schon das 3:0 gegen Leverkusen glücklich, hätten sich die Dortmunder nicht beschweren können, wenn sie in Berlin 1:0 verloren hätten, aber das einzige Tor in dieser Partie durch Gekas wurde durch den netten Herrn Wagner aus Hofheim wegen Abseits nicht gegeben, was ja auch richtig ist, denn Hertha soll endlich mit seinen bescheuerten Fans von der Bildfläche der 1. Liga verschwinden. Und wenn alle Welt darüber weint, daß die Hauptstadt keinen Erstligafußball mehr hätte, dann sollen sie doch mit ihrer Hauptstadt nach München oder Stuttgart ziehen. Von mir aus auch nach Wolfsburg. VW fände das bestimmt toll. Jedenfalls war mir klar, daß der BVB nur vom Tabellenplatz haushoch überlegen war und daß es schwer ist, gegen eine Mannschaft zu spielen, die nach dem letzten Strohhalm greift. Werder, Stuttgart, Frankfurt und sogar Wolfsburg drängen aus dem Mittelfeld mit Macht nach vorn, und ich bin ziemlich skeptisch, ob Dortmund diesem Druck standhalten wird. Gegen Bremen schlägt nächste Woche die Stunde der Wahrheit.

Die Wahrheit über den 27. Spieltag

Während Heynckes hölzern und unbeholfen versuchte zu erklären, warum Leverkusen in der 2. Halbzeit in Dortmund so eingebrochen war, starrte ich fasziniert auf sein linkes Ohr, das früher immer rot wurde, mittlerweile aber leicht geknickt wie das von einem Hasen absteht, während das rechte Ohr von Heynckes vorschriftsmäßig im graumelierten Haar eingebettet war. Heynckes versuchte, den weisen Fußballlehrer zu geben, aber das Schlappohr erinnerte daran, daß diese Rolle ihm überhaupt nicht steht, daß er weder mitreißende Euphorie ausstrahlt, noch Mourinhos Beckmesserei, mit der er die Journalisten gegen sich aufbringt, und daß vor allem seine Analysen banal sind, denn jedem völlig ahnungslosen Zuschauer war es nicht entgangen, daß dem 2. und 3. Treffer der Dortmunder richtig schöne Bilderbuchschnitzer der Leverkusener vorausgingen.

Wieder einmal bewies die Tablettenelf, daß sie einen Ausrutscher der Bayern nicht nutzen kann und schon längst Muffensausen hat. Aber okay, Dortmund hatte in der ersten Halbzeit Weidenfeller und soviel Glück wie sonst nur die Bayern, denn Leverkusen war auf deprimierende Weise überlegen und hätte locker 3:0 führen können. Erstaunlich war nur, wie schnell die Überlegenheit in Unsicherheit umkippte, wie anders plötzlich die Dortmunder auftraten, auf die ich keinen Pfifferling mehr gegeben hätte. Plötzlich stand da eine kompakte Mannschaft vor einem und setzte die Leverkusener unter Druck, die vorher souverän mit den Schwarzgelben Katz und Maus gespielt hatten. Für die Dortmunder war dieser Sieg auch deshalb wichtig, weil man ja auch mal gegen eine Mannschaft gewinnen muß, die tabellarisch vor einem steht.

Zudem konnte man die Bremer wieder hinter sich bringen, die sich nach einem Zittersieg gegen Bochum für zwei Stunden auf Platz vier vorgerobbt hatten. Jedenfalls war es wieder eines dieser geheimnisvollen Spiele, die so richtig nicht erklärt werden können und die zeigen, daß Fußball eine labile Angelegenheit ist, in dem Kleinigkeiten entscheidend sind. Und natürlich Glück. Denn daß Leverkusen Riesenchancen ungenutzt läßt, Dortmund aber aus der ersten halben gleich ein Tor macht, sind Dinge, die sich so richtig nicht erklären lassen. Beim Versuch, es dennoch zu tun, knickt einem dann das Ohr ab und versucht davonzufliegen.

Aber während bei Bayer krampfhaft versucht wird, sich bloß keine Krise einreden zu lassen, die man schon längst hat, hat Bayern diese Sorgen nicht, denn sie können sich bei ihrer Konkurrenz darauf verlassen, daß sie rechtzeitig einknickt, wenn man selber mal patzt wie in Frankfurt, wo man peinlicherweise in den letzten drei Minuten noch zwei Treffer zur verdienten 2:1-Niederlage kassierte, womit die Eintracht nach den letzten schmählichen Auftritten endlich mal wieder bewiesen hat, wozu sie da ist, nämlich dazu, mal den Richtigen, also den Unsympathen der Liga, die Punkte abzunehmen, und nicht den Netten, Sympathischen und Schönen wie dem BVB, der jetzt drei Punkte mehr haben könnte. Aber damit sei Skibbe erstmal alles wieder verziehen. Jedenfalls ein schöner Spieltag. So könnte es ruhig noch ein bißchen weitergehen.

Die Wahrheit über den 26. Spieltag

Eigentlich mochte ich Heiko Herrlich nie besonders, weil er seine Gläubischkeit etwas zu sehr raushängen ließ, und zudem erreichte er nie wieder die Spitzenleistungen, die er bei Gladbach gebracht hatte. Weil Dortmund damals nach der Devise »Hauptsache teuer« handelte, wurde er für sensationelle 11 Millionen gekauft, die er eindeutig nie wert gewesen ist. Damals war Herrlich, was Valdez heute für den BVB ist, ein Kämpfer, dessen technische Möglichkeiten, sagen wir mal, limitiert waren; ein Ballverstolperer de luxe, und der schnellste war er auch nicht. Aber das alles ist lange her, inzwischen macht er als Trainer von Bochum eine Bella figura, hat den Schalkern einen Punkt abgetrotzt, was nicht wenig ist, denn Magath eilt von Sieg zu Sieg, ohne daß jemand das richtig begreifen könnte. Nach dem 2: 1 gegen die Stuttgarter steht Schalke jetzt schon mal auf Platz zwei. Die Wochen der Wahrheit, wenn es gegen Bayern, HSV und Leverkusen geht, stehen zwar erst noch bevor, aber es ist nicht unvorstellbar, daß Schalke auch aus diesen Begegnungen einen guten Schnitt macht. Gegen die Bayern haben sie dann aber doch keine Chance.

Dortmund kann da zwar nicht mithalten, weil Siege gegen die direkte Konkurrenz fehlen, aber das Auftreten in Bochum war mehr als souverän. Bei dem kleinen Ruhrderby war die Hütte voll. Die Zuschauer sahen wenig von ihrer Mannschaft, die eine Klatsche einstecken mußte.

Im Abstiegskampf wurden die Weichen gestellt. Hannover und der Club haben sich ein bißchen nach oben absetzen können, während bei Hertha nun endgültig das Licht auszugehen scheint. Nürnbergs Torhüter Schäfer brachte Berlins Stürmerstar Raffael zur Verzweiflung, und dann schoß der Club aus dem Nichts heraus den Ausgleich und in der allerletzten Minute auch noch das Siegtor. Die Hertha-Fans, die zunächst gefeiert wurden – »So sieht Liebe zum Verein aus«, schmalzte ein Reporter, obwohl da nur ein paar garstige Gestalten zu sehen waren –, hatten nach dem Spiel die Schnauze voll, sprangen über die Absperrungen (Foto) und randalierten ein bißchen auf dem Platz.

Das einzig Schlimme, das eine Kamera einfangen konnte, war eine umgestürzte Bank. Die Nürnberger flüchteten in den Presseraum, weil der heranstürmende Mob natürlich kein schöner Anblick ist. Preetz hatte Tränen in den Augen. Nicht nur das Spiel verloren, nun laufen auch noch die Fans aus dem Ruder. Auch wenn nichts passiert ist, werden wieder große Sonntagsreden geschwungen werden über Gewalt im Stadion und das alles. Dabei weiß man doch, daß die Hertha-Fans schon immer die unangenehmsten und besser in der 2. Liga aufgehoben sind. Also dann: Tschüs, Hertha, keiner vermißt dich!

Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Auch in Antalya gibt es Sportsbars, was schon mal mehr ist als die Sport’s-Bar’s eines schon immer im Kopf krausen Kruse’s in Berlin. Und es gibt sie sogar im Sheradon, wo es außerdem einen Schuhputzer, eine Panzersperre und jede Menge schwarzen Marmor gibt, wobei ich mich frage, wozu Panzersperre, denn außer prolligen Marathonläufern aus Neukölln, die statt sich am Meer zu erfreuen, ihr sinnloses Treiben auch noch mit viel Lärm in Szene setzten, gibt es hier nichts, was sich in die Luft zu sprengen gelohnt hätte. Gezeigt wird im Ausland leider immer nur Bayern, was allerdings ausnahmsweise gar nicht schlecht war, weil die Münchner in Köln von der Versagensangst gepackt wurden und nur ein mageres 1:1 herausholten, dabei hätten sie sogar verlieren können. Fast hätte ich gesungen »Ohne Ribery könnt ihr nach Hause gehen«, denn ohne den französischen Künstler und ohne den niederländischen Slalomläufer Robben sind die Bayern eben doch nur Mittelmaß. Lieber guckte ich Arsenal gegen Bromley und genoß das schöne Spiel einer schönen Mannschaft, sah mit Tränen der Rührung das Schnitzelchen Rosicky herumwieseln und ließ mir die elegant herausgespielten Tore schmecken.
Mit türkischer Freundlichkeit wurde mir versichert, daß das Samstagspätspiel des BVB gezeigt werden würde, aber dann hatte TRT3 das Spiel wieder aus seinem Repertoire gestrichen. Nun saß ich mit einem Gladbachfan im gemeinsamen Leid vereint in einer Sportsbar in Antalya und überlegte, wie man das Spiel doch noch gucken könnte. Irgendwann mußten wir aufgeben und der Gladbach-Fan meinte, dann würde er eben ein Buch lesen, was ihn mir sofort sympathisch machte, weil das von Fans, die sogar im Ausland zum Spiel ein Trikot ihrer Mannschaft überstreifen, nicht unbedingt zu erwarten ist, auch nicht, wenn er im Sheradon absteigt.
Wenn Sie heute also etwas über den BVB lesen, dann leider nur aus zweiter Hand, denn ich mußte auf die Berichterstattung im ZDF warten und Carmen Nebel über mich ergehen lassen, nicht ohne ständig daran zu denken, dass die doch ein lohnendes Anschlagsziel wäre, denn ihre unglaubliche Verdummungssendung ist ein wahres Verbrechen gegen die Menschheit. Na wenigstens hat der BVB dann souverän 3:0 gewonnen, die Gladbacher hatten keine Chance, weil sie von den Dortmundern keine Chance eingeräumt bekamen. Kehl war wieder von Anfang an dabei und bekam auch gleich einen Gladbacher Stollen ins Gesicht, aber der Mann ist hart im Nehmen. Nach dem 2:2 der Werderaner und der Stuttgarter hat sich Dortmund wieder etwas Luft verschafft. Nur dumm, daß Schalke schon wieder gewonnen hat, diesmal gegen die Frankfurter, die irgendwie immer bei den Falschen gewinnen und gegen die Falschen verlieren. Das gefällt mir gar nicht. Da muß Skibbe noch erheblich nachbessern, denn sonst geht meine Sympathie für die Eintracht langsam zur Neige.