Archiv für den Monat: August 2010

Die Wahrheit über den 2. Spieltag

»Wenn man nur die beiden ersten Spiele berücksichtigt, dann kann man von einem Fehlstart sprechen«, sagte Magath. Vor allem, wenn man so große Ziele verfolgt wie Schalke, sollte man seine Heimspiele gegen potentielle Abstiegskandidaten wie Hannover gewinnen, aber stattdessen hätte sich Schalke nicht beschweren können, wenn Hannover noch zwei Tore mehr gemacht hätte. Die Chancen dazu hatte 96. Sogleich wurde denn auch die Saison 1987/88 beschworen, als Schalke ebenfalls gegen Hamburg und Hannover die ersten beiden Spiele verlor und dann abstieg. Das wird Schalke zwar leider nicht, aber es war klar, daß nach der völligen Umkrempelung des Kaders die Ruhrpottler so schnell nicht wieder in Tritt kommen. Dabei ist unklar, was Magath zu diesem gigantischen Experiment antreibt, eine funktionierende Viererkette völlig umzugestalten, was niemals funktionieren kann, und sich dann zu wundern, wenn Metzelder und Matip nicht harmonieren, wenn der bei Leverkusen ausgemusterte Altprofi Hans Sarpei überfordert ist und wenn Raùl mit 29 Ballkontakten offensichtlich keine Bindung zum Spiel hat. Aber der nächste Einkauf mit Huntelaar für 13 Millionen steht schon vor der Tür, womit dann eine eher zufällig zusammengewürfelte Mannschaft auf dem Platz steht, die nur eine Anhäufung mehr oder weniger klangvoller Namen ist, aber kein Team. Eigentlich wollte Magath Schalke für die Champions-League aufrüsten, aber ich glaube, die ganze Sache ist ihm aus dem Ruder gelaufen und es würde mich wundern, wenn Magath die Saison als Trainer überlebt, es sei denn er übernimmt auch noch den Posten des Vorstands Tönnies, des Platzwarts und des Aufsichtsrats. Oder hat er die schon? Diego ist wieder zurück. In Wolfsburg. Aus Turin von Juve. Das nenne ich einen bilderbuchmäßigen Abstieg. Das machen eigentlich sonst nur Fußballer, die ein Alkoholproblem haben und die dann jeden Verein nehmen müssen, den sie kriegen können. Wie damals Paul Gascoigne, aber Wolfsburg wäre selbst ihm zu hart gewesen, denn um sich Wolfsburg einigermaßen erträglich zu machen, braucht man mehr Alkohol, als einem gut tut. Nur eine halbe Stunde spielte Diego. Das reichte, um 3:0 gegen Mainz in Führung zu gehen. Dann hörte er auf, und seine Kollegen mit ihm, und am Ende hatte Wolfsburg 4:3 verloren. Immerhin ein Spiel von großem Unterhaltungswert, den man in Wolfsburg sonst nicht allzu oft geboten bekommt. Damit hat auch VW Wolfsburg einen Fehlstart hingelegt, aber das kommt eben davon, wenn ein Konkurrenz-Produkt wie McLaren verpflichtet und eine Pflaume wie Dieter Hoeneß, der nach der Niederlage von einem »ganz neuen Gefühl« sprach, das er doch eigentlich noch von Hertha ganz gut kennen müßte. Auch Bayern verlor, und das gegen den Aufsteiger Kaiserslautern, die außer Kampf nun wirklich nichts drauf haben. Aber gegen Bayern reichte es an diesem Tag aus, weil die Bayern in den entscheidenden Szenen patzten und ausnahmsweise mal Pech hatten, und das alles muß schon zusammenkommen, um gegen eine Mannschaft zu verlieren, die vor allem Furchen im Rasen hinterläßt, aber keinen besonderen Eindruck.

Rösler, Philipp; Hahne, Peter; de Maizière, Thomas

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hat sich im Zoo in Hannover Blut abnehmen lassen, um es zu spenden. Zunächst hieß es, Philipp Rösler wolle der seit einigen Monaten sich als sehr blutarm erweisenden FDP unter die Arme greifen, aber da er selber der FDP angehört, vermutete man, dass er mit dieser Bluttransfusion Guido Westerwelle Konkurrenz machen wollte, der die Traditionskutsche FDP, auf der schon Genscher und irgendwelche andere alten FDP-Kämpen irgendwelche komischen Lieder sangen, gründlich in den Dreck gefahren hat. Und das danach in Betrieb genommene „Guidomobil“ erwies sich als äußerst anfällig und befindet sich ständig in der Werkstatt. Als Prototyp hat es sich als völliger Flop erwiesen. Warum der Blutzellenspender Rösler allerdings im Zoo Hannover Blut spendete ist etwas rätselhaft. Vermutet wird, dass er eigentlich als Samenspender auftreten sollte, weil das aber nicht klappte, wurde er kurzerhand zur Blutspende gebeten. Vielleicht eröffnete die FDP im Orang-Utan-Käfig aber auch gerade ein neues Parteibüro, weil neueste Umfragen ergeben haben, dass die FDP bei den nächsten Wahlen höchstens noch im Zoo mit Zweitstimmen rechnen könne. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler ließ sich von Wiebke Rösler stechen. Sie ist Ärztin für innere Medizin, vermutlich Tiermedizin, und zufällig die Frau des Bundesgesundheitsministers. Sie behauptet, ihr Mann hätte für einen gewissen „Maxi“ Blut gespendet, der aber in der gesamten FDP unbekannt ist, weshalb „Maxi“ für ein Codewort gehalten wird, das ein ähnliches Projekt beinhalten könnte wie „Guido“, nur eben mit mehr beziehungsweise eben maximalem Spaß. Viele Kenner der Spaßpartei sehen die Sache allerdings eher skeptisch und bezweifeln, dass Rösler eine Chance hat, Westerwelle abzulösen.
Dass Handlungsbedarf besteht, daran zweifelt hingegen niemand, nicht einmal der Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin, der ein Ende der Volkspartei FDP an die Wand malt. Trittin sorgt sich darum, dass die FDP „die Zukunft unseres Landes verspielen“ könnte, weil sie vergessen hätte, „die Industrie zu verpflichten, modernere, schadstoffärmere Antriebe zu entwickeln“, lieber würde er das „Dienstwagenprivileg deckeln“, das „uns Steuerzahlern knapp eine Milliarde Euro einsparen würde“. Außerdem ist er für höhere Steuern und würde lieber auf die Spenden der Milliardäre verzichten, die in Amerika die Hälfte ihres Vermögens abgeben wollen, was sehr einfach ist, weil sich in Deutschland kein Milliardär finden würde, der das täte. Auch Peter Hahne, der sich jeden Sonntag „Gedanken zum Sonntag“ macht, hält die Spendenaktion von Bill Gates und den anderen 40 US-Milliardären für „Populismus pur“, denn Peter Hahne ist in Sachen Populismus einer der größten Experten in Deutschland. Im Gegensatz zu Trittin behauptet Peter Hahne, dass deutsche Milliardäre auf die Hälfte ihres Vermögens gar nicht verzichten könnten, weil sie schon Steuern zahlen, „und das nicht zu knapp“. Und weiter: „Das einkommensstärkste Zehntel unserer Bevölkerung bringt mehr als die Hälfte des Staatshaushaltes auf. Und davon können wir uns ein Sozialsystem leisten, von dem Amerika nur träumen kann.“ Da in Amerika die Reichen keine Steuern zahlen müssen, weil es dort ja auch kein Sozialsystem gibt, sind sie gezwungen, sich freiwillig von ihren Milliarden zu trennen, um sie den Armen aufzunötigen, außerdem würden die ja nur deshalb spenden, weil sie ein Drittel der Spende „als Steuerersparnis“ wieder zurückbekämen. Bei uns hingegen gibt es 17000 Stiftungen, in denen man sein Geld als Reicher viel eleganter verschwinden lassen kann, „ohne viel Gedöns darum zu veranstalten“, sagt Peter Hahne. Spenden sind in Deutschland seit den Parteispendenaffären in Verruf geraten. Niemand wusste nämlich vorher, dass es um die deutschen Parteien so schlecht steht und dass sie sich von Almosen aus der Wirtschaft ernähren müssen, der sie aus lauter Dankbarkeit im Gegenzug Aufträge von der Regierung zukommen lassen, wie zum Beispiel den neuen Körperscanner, der jetzt am Flughafen Hamburg probeweise zum Einsatz kommt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat den Apparat selber getestet. Der Scanner hat ihn zwei Sekunden lang durchleuchtet. Sofort danach verkündete Bundesinnenminister Thomas de Maizière, dass er überlebt habe und dass der Apparat auch für andere Personen ungefährlich sei, was von Kritikern bislang bezweifelt worden war. Hier steht er in der Tradition von CDU-Politikern, die sich selber als Versuchskaninchen andienen, wie zum Beispiel der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer, der 1988 den Rhein durchschwamm, um zu beweisen, dass die Verschmutzung des Wassers unter der CDU-Regierung viel besser geworden sei und der Rhein sogar von Politikern der damals noch in Bonn ansässigen Regierung als Bademöglichkeit genutzt werden könne. Experten haben festgestellt, meinte Thomas de Maizière, dass „von der Strahlung im Körperscanner keine gesundheitliche Gefährdung ausgeht“, was sich am besten an ihm beobachten ließe. Außerdem gäbe es keine echten Körperbilder, sondern nur schematische Personendarstellungen, die keine Rückschlüsse zuließen, ob die gescannte Person dick oder dünn sei, Lepra oder andere nässende Geschwüre habe. Sicherheitsbeamte, die den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen und den Körper nach verstecktem Sprengstoff abscannen müssen, haben bereits ihre Zustimmung signalisiert. Es wäre nun mal kein Spaß gewesen, so ein Sprecher der Flughafensicherheit, bei dem Nacktscanner stundenlang auf in der Regel ja nun mal eher unästhetische und deformierte Körper zu starren und womöglich verunreinigte Unterwäsche zu inspizieren. Da hätte man dann sicherlich eine Zulage für unzumutbare Arbeitsbedingungen verlangen müssen. Nun aber wird selbst die schematische Darstellung sofort gelöscht. Bei den im Körperscanner gescannten Menschen hingegen wird dies nicht der Fall sein, versprach der Minister. Aber kaum hatte Thomas de Maizière das verkündet, war er auch schon verschwunden. Bislang ist ungeklärt, wo Thomas de Maizière abgeblieben ist. Möglicherweise ist er doch ebenso wie seine schematische Darstellung gelöscht worden. Experten haben sich auf die Suche begeben. Einige vermuten allerdings, dass er lediglich in ein Sommerloch gefallen ist und nach den Ferien wieder auftauchen wird. Andere befürchten das selbe.

Die Wahrheit über den 1. Spieltag

»Gigantentreffen in Hamburg« jubilierte Bild, weil van Nistelrooy und Raúl in Hamburg aufeinandertrafen. Man kann sich das Elend auch schönreden. Zwar gehören die beiden ehemaligen Real-Spieler immer noch zu den großen Spielern, aber ihre Karriere als Fußballer neigt sich dem Ende zu. In Deutschland dürfen sie noch ein wenig Glanz verbreiten, weil man hier dazu neigt, in ausländischen Stars das non plus ultra hineinzuprojizieren, hier wird die Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen, dem Bizarren, dem Unwahrscheinlichen, dem Sensationellen genährt, und weil das alles natürlich irgendwann enttäuscht wird, weil die Versprechen solcher Projektionen immer unerfüllt bleiben werden, läßt sich bereits die Häme erahnen, mit denen die »Giganten« überschüttet werden, die manchmal eben auch einen gebrauchten Tag erwischen, nicht ins Spielkonzept passen oder die deutsche Spielweise nicht verstehen. Die Deutschen hatten mit einer jungen Mannschaft bei der WM Erfolg (abgesehen vom Glück, daß Ballack rechtzeitig verletzt wurde). Mourinho ist klug genug, sich mit Özil und Khedira die besten zu holen, während Raúl aussortiert wurde und bei Schalke anheuerte, weil Magath gerade alles zusammenkauft, was nicht niet- und nagelfest ist. Das hört sich vielleicht pejorativ an, aber ich finde das gut, weil die Sehnsucht nach Größe und Glanz schließlich das einzige ist, was die Fans bei der Stange hält, ihnen eine gewisse Genugtuung gegenüber anderen Vereinen verschafft, deren größte Anschaffung ein Mann namens Lewandowsky ist, und Polen verbreiten nun mal kein Flair in Deutschland. Und dennoch, und darin bestehen die Unwägbarkeiten des fußballerischen Drumherums, verkaufte Dortmund über 51000 Dauerkarten, weit mehr als alle anderen Vereine. Klar, man macht sich Hoffnungen wie alle anderen Fans eben auch, aber Lewandowsky oder der aus der japanischen Zweitliga kommende und als »Schnäppchen« bezeichnete Kagawa haben nicht das Faszinationspotential, wie es Raúl oder die Dortmunder Einkäufe in den 90er Jahren hatten. Klüger ist es sicherlich, auf eine junge Mannschaft zu setzen, aber der Fußball wird dadurch noch kampfbetonter und zu einer Frage der Ausdauer und Fitness. Aber egal, wie sehr es gelingt, Mannschaften wie eine Maschine funktionieren zu lassen, der große Rest heißt Psyche, und die ist nicht wirklich steuerbar und sorgt immer wieder für Überraschungen. Warum z.B. ist Bremen in Hoffenheim mit 4:1 untergegangen? Weil sie sich auf die Qualifikationsspiele der Champions League konzentrieren? Weil sie sowieso immer das erste Bundesligaspiel verlieren, wie Tim Wiese vermutet? Weil der Weggang von Özil nicht kompensiert wurde? Nichts davon ist eine schlüssige Erklärung, genauso wenig wie die drei Tore St. Paulis in nur sechs Minuten in Freiburg nach einem 1:0-Rückstand. Dabei hatten sich die Paulianer eine Woche vorher im Pokal gegen einen Amateurverein blamiert. Und auch nicht schlecht: Der Transferspitzenreiter Wolfsburg vergeigt gegen das Transferschlußlicht Bayern. Die Konkurrenz um die ersten fünf Plätze jedenfalls ist groß. Neun Mannschaften balgen sich darum.