Archiv für den Monat: Februar 2011

Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Hoeneß selbst hatte für die schöne Begleitmusik gesorgt, die den Sieg der Dortmunder noch süßer machte als er sowieso schon war, denn bei jedem Tor sah ich nicht nur einen noch ein Stückchen weiter in sich zusammensackenden Trauerkloß auf der Münchner Tribüne, umrahmt von einigen weiteren Trauerklößen, sondern ich hatte auch seine Worte im Ohr, mit denen Hoeneß die Sache nochmal spannend machen wollte und denen zufolge die Bayern auf jeder Position stärker besetzt seien und die Dortmunder mit zwei Toren Unterschied verlieren würden. Ein typischer Rohrkrepierer. Und vor allem war der Sieg der Dortmunder ganz einfach verdient, mehr als der 2:0-Sieg der Dortmunder in der Vorrunde, wie überhaupt die Münchner den Dortmundern zu liegen scheinen. In der BamS wird der BVB jetzt sogar schon als »unser Barca« gefeiert. Wenn es in der BamS steht mag man es zwar nicht glauben, aber es war ein tolles, rasantes, schnelles, unglaublich attraktives Spiel mit vielen Torraumszenen, das sogar besser anzusehen war als das Spiel Barca gegen Arsenal, in dem zwei ähnliche Spielsysteme aufeinandertrafen, die dem jeweils anderen nicht so viel Möglichkeiten boten wie die Bayern den Dortmundern. Aber auch die Bayern hatten Chancen, aber die Dortmunder waren taktisch hervorragend auf die Offensive der Bayern eingestellt. Robben wurde der Weg nach innen versperrt und war mit diesem einfachen Kunstgriff völlig kaltgestellt, er war in der Tat so blaß wie der Niederländer ja auch aussieht. Und auch Ribéry konnte sich gegen Pisczek nur selten wirklich in Szene setzen, womit die gefürchtete Flügelzange nur noch die Wirkung einer Geflügelzange hatte. Und dann spielte Deutschlands Schweini so, daß er in Dortmund höchstens in der 2. Mannschaft hätte auflaufen dürfen. Die Dortmunder hingegen waren sensationell cool, nie aufgeregt oder hektisch, aber dennoch mit grenzenloser Leidenschaft dabei, den Gegner unter Druck setzend und dann mit einer Paßgenauigkeit, die ihnen bei den diversen Remis fehlte, wie der präzise Steilpaß von Großkreutz auf Barrios oder das wunderbare Tor von Sahin, alles zauberhafte Ergebnisse feiner Kombinationen, für die man den Fußball liebt. 16 Punkte sind es jetzt schon, die die Bayern von den Dortmundern trennen und 30 Punkte sind noch im Topf, d.h. Bayern müßte alle zehn Spiele gewinnen, Dortmund maximal vier und ein Remis, die restlichen fünf müßten sie verlieren. Niemand kann sich das vorstellen, nicht mal die Bayern, nicht mal der autoritäre Sack van Gaal, dessen Interviews den wirren Reden Gaddafis gleichen und aus dem gleichen Geist geboren sind. Nur ein Problem könnte Dortmund noch kriegen, und dieses Problem heißt Kehl, und es ist das gleiche Problem, das Leverkusen hat, nur daß es dort Ballack heißt. Kehl durfte die letzten zehn Minuten mitmachen und ich erinnerte mich an Spiele, als die Rückkehr Kehls nach einer der vielen längeren Verletzungspausen verlorene Spiele bedeuteten. Aber die Mannschaft steckte es weg und ließ die letzten Minuten nichts mehr anbrennen. Kehl könnte zum Fremdkörper geworden sein, weshalb mit ihm nicht anders verfahren werden sollte als mit Dede. Alles andere wäre ungerecht.

Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Immerhin ging es gegen Mannschaft, die in der Rückrunde schon 11 Punkte eingesackt hatte, also immerhin zwei mehr als Dortmund, und die am Mittwoch im HSV-Wohnzimmer mit einem 1:0 ein bißchen Schmutz hinterlassen hatte, so daß der HSV-Geschäftsführer hätte »kotzen können«, als er die feiernden St. Pauli-Fans sah. Viermal im Jahr darf Harry Rowohlt gegen seine Alkohol-Karenz verstoßen. Wenn das mal keine Grund gewesen ist, an diesem Tag die Karte zu  ziehen und auf die erste Niederlage der schnöseligen HSVler im eigenen Stadion seit über 30 Jahren mit ein paar Whiskey anzustoßen. Aber diesmal ging es gegen Sahin und Co., und die spielen gerade Fußball von einem anderen Stern, wo es um Schönheit geht und nicht um profane Tore, weshalb man schon dreimal unentschieden gespielt hat. Nicht daß ich St. Pauli den Untergang gewünscht hätte, aber die Millerntorjungs waren ziemlich chancenlos und der Trainer saß nach dem Schlußpfiff noch minutenlang konsterniert auf der Bank und starrte deprimiert auf den frisch verlegten Rasen, auf dem das Kombinationsspiel der Dortmunder nochmal um einiges besser aussah. 25:3 Torschüsse hieß am Ende ein anderes statistisches Ergebnis, das immer noch in einem krassen Mißverhältnis zum Endstand steht. Götze, Großkreutz, Barrios und Lewandowski gingen wie immer verschwenderisch mit den Chancen um, als ob es ihnen lediglich darauf ankäme, Chancen zu generieren. Neben mir im Intertank saß der Stuttgarter-Kickers-Fan Joe Bauer, der in Stuttgart einen eigenen Taxifahrer hat und schon große Reden vor großen Massen geschwungen hat, die gegen Stuttgart 21 sind. Er ist Valdano-Anhänger wegen der Poesie. Er schwärmt immer noch von der magischen Nacht, als die Kickers den BVB aus dem Pokal kickten. Joe Bauer nehme ich das nicht übel, und das nicht nur, weil er den Boss der Stuttgarter Hells Angels kennt, weshalb es selbstverständlich besser ist, etwas zurückhaltend zu sein. »Dortmund isch no net durch«, sagt er. »Vier Spiele sinn schnell verlore.« Er spricht aus Erfahrung. Und er hat recht. Und deshalb grenzt jeder neue begeisternde Auftritt der Dortmunder an ein Wunder, auch wenn es, das muß jeder konzedieren, der Barcelona gegen Arsenal gesehen hat, noch ein weiter Weg ist, um dahin zu kommen, wo z.Z. der ultimative Fußball gespielt wird. Für die Bundesliga reicht es. Dort sind sogar die Bayern so schlau anzuerkennen, daß es für sie nur  noch um Platz 2 geht. Die Bayern gewannen gegen Mainz 3:1, was allerdings so wenig zwingend war wie die 2:0-Heimniederlage in der Vorrunde. Und Bremen geht so kläglich in Hamburg unter, daß man gar nicht hingucken mochte. Vorbei die  Zeiten, als der HSV an den Bremern verzweifelte, weil sie von den Weserhelden aus allen Wettbewerben rausgekickt wurden. Bremen aber darf nicht absteigen. Dann schon eher Wolfsburg! Das wäre ein großartiger Gag. Kaum wurstelt Dieter Hoeneß in einem Verein herum und darf Millionen zum Fenster rauswerfen, schon geht der Verein baden. Auch gegen Freiburg gabs was auf die Nuß. Jetzt stehen sie mit nur drei Törchen Unterschied mit einem Bein auf einem Relegationsplatz. Da müßte doch eigentlich was zu machen sein.

Literatur eines Pausenclowns – Horst Evers’ grandiose Geschichten

Horst Evers ist ein ziemlich durchtriebener Bursche. In seinem nunmehr vierten Geschichten-Band »Für Eile fehlt mir die Zeit« vermittelt er, wie auch schon in den drei vorangegangenen Büchern, den Eindruck, als könne er kein Wässerchen trüben, als würde er am liebsten auf der faulen Haut liegen, wäre extrem entscheidungsunfähig und trantütig und meistens sowieso so müde, daß er eigentlich gar nichts mitbekommt, vom Leben und überhaupt von allem. Die meisten glauben das, wenn sie Horst Evers auf Lesungen sehen, und schon sind sie ihm auf den Leim gegangen, denn in Wirklichkeit ist er das alles nicht, denn jemand, der so grandiose und lustige Texte schreibt, der ist natürlich nicht faul, sondern ungeheuer fleißig. Gerade weil die Geschichten so unglaublich luftig, locker und wie mit leichter Hand hingeworfen aussehen, und gerade weil sie sich wie Moselsekt aus bester Lage wegschlürfen lassen, weiß der Fachmann, daß da eine Menge Arbeit drin steckt. Und wenn einer denkt, och, das krieg ich aber auch irgendwie hin, dem kann man dann schön beim Scheitern zuschauen, denn Horst Evers‘ Prosa ist alles andere als einfach.
Vor allem ist es Horst Evers gelungen, einen ganz eigenen Stil und einen ganz eigenen Ton zu finden, und man weiß spätestens nach drei, vier Geschichten, ah, ein echter Evers. Und wenn jetzt jemand denkt, daß es spätestens dann ja auch langweilig wird, der irrt, und zwar gründlich, denn es gibt kaum Geschichten, die lustiger sind als die Evers-Geschichten, die er im übrigen auch in einer Weise vorträgt, die selbst dem abgebrühtesten und zutiefst humorlosen Menschen ein Lächeln abringen dürfte, da wette ich drauf. Der Witz von Evers beruht oft auf der Affirmation eines ganz ordinären Mainstreamgedankens, der weitergedacht sich auf völlig abstruse Weise zerfasert und bloßgestellt wird, wobei das ganze plötzlich in ein Fahrwasser gerät, das so einfach nicht zu erraten war. Dabei klammert sich Evers an diesen Mainstreamgedanken, auch wenn er ihn selber ad absurdum geführt hat.
Ganz hinreißend gelingt das Evers in einer Geschichte, in der er über Fluch und Segen einer Saftpresse schreibt und uns sanft hinführt zum Rauchen, bzw. zur klugen Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören, bzw.: »Anfangs war ich ja nicht sicher, ob es eine kluge Entscheidung ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Diese ganze Welt der Nichtraucher, ich wusste wirklich nicht, ob ich da reinpasse, ob das überhaupt was für mich ist. Man weiß ja so wenig über die Nichtraucher, wie die so leben, was die den ganzen Tag über machen, ob die es auch manchmal schön haben. Ich war da eher skeptisch. Doch jetzt, wo ich schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr rauche, kann ich guten Gewissens sagen, es hat nicht nur Nachteile, das Nichtrauchen.« Wie man sieht besteht Evers Witz nicht in der kurzen Sottise, nicht in einer ausgefuchsten Formulierungskunst, sondern in ganz einfachen, harmlosen Sätzen, die einen zielgerichtet aufs Glatteis führen, und deshalb muß ich jetzt mal ein bißchen ausführlicher zitieren, denn viel besser als ich, kann Horst Evers selber beschreiben, worin seine Originalität besteht.
»Einer der wesentlichen Gründe beispielsweise, derentwegen ich immer überzeugt war, ich müsse rauchen, war, weil ich dachte, ich könne mich mit Zigarette viel besser konzentrieren. Eigentlich könne ich mich nur mit Zigarette konzentrieren. Denn die Zigarette hilft mir total, die Gedanken zu fokussieren, zu ordnen und so weiter. Daher war es für mich sehr überraschend zu bemerken, dass ich, seit ich nicht mehr rauche, eine völlig andere, viel größere Klarheit in meinen Gedanken habe. Dort, wo vorher immer so ein Riesenwust war, wo ich an tausend Sachen gleichzeitig gedacht habe und permanent Angst hatte, ich könnte etwas vergessen, da habe ich mittlerweile nur noch einen ganz einfachen, ganz klaren Gedanken. Eben den Gedanken: ›Ich würde gern rauchen!‹«
Ich finde diese Pointe großartig, und von diesen Pointen finden sich in jeder Geschichte einige, mehr jedenfalls als sich vertragen lassen, wollte man das Buch in einem Zug durchlesen, also in einem Zug schon, aber eben nicht am Stück hintereinander weg. Und wenn Evers in seiner leisen, unauffälligen und völlig unspektakulären Art über einen wie Günter Grass schreibt, der mit anderen im Rahmen der Frankfurter Buchmesse in einer öffentlichen Radiosendung interviewt wurde, in der Evers den »Pausenclown«, wie seine  Freundin sagte, bzw. den »Auflockerer«, wie die Veranstalter sagten, geben sollte, dann kann das schon ziemlich vernichtend sein: »Ich denke noch: ›Boah, ey, mein Stuhl sieht aus wie Günter Grass‹, aber dann begreife ich, dass mein Stuhl der echte Günter Grass ist.«
Ich finde das toll. Daß Günter Grass viel Murks schreibt, weiß man ja, aber daß er ein Stuhl ist, das ist mal was neues, und in diesem Licht besehen, wird Grass direkt mal sympathisch, so als Stuhl. Also, wenn Sie Horst Evers nicht lesen, entgeht Ihnen im Leben etwas, das kaum mehr wieder gutzumachen ist. Sie können ihn auch anhören, denn Horst  Evers gibt auch regelmäßig CDs heraus. Und angucken können Sie ihn auch. Ein echter Luxus also, auf den zu verzichten, eine ziemlich große Dummheit wäre.

Horst Evers, »Für Eile fehlt mir die Zeit«, Rowohlt Berlin, 2011, 222 Seiten

Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Herr Meyer aus Burgdorf, angeblich der beste Schiedsrichter der Liga, versucht die Meisterschaft noch einmal spannend zu machen, indem er den Dortmundern mit zwei krassen Fehlentscheidungen ebensoviel Punkte kostet. Erst wird Petsos von Götze im Strafraum ausgespielt, dann hechtet er wie im Rugby dem Ball hinterher und schlägt ihn mit der Hand weg, während er Götze nebenbei noch zu  Boden reißt, so daß sogar der Scheißhauslautern-Fan Marcel Reif zugeben muß, daß diese Aktion mehr nach Ringkampf als nach Fußball ausgesehen hätte, ohne jedoch zugeben zu wollen, daß allein schon der Einsatz gegen Götze elfmeterwürdig gewesen war, auf jeden Fall aber das Handspiel, weshalb es eigentlich zwei Elfmeter hätte geben müssen. Auch die gelb-rote Karte für Subotic erwies sich bei näherem Hinsehen als Witz, über den sich die Lautern-Fans großartig amüsiert haben dürften, denn Lakic rempelt Subotic an, um sich dann fallen zu lassen. Und wie kommentiert Marcel Reif diese Szene? »Da hat Lakic aber alles rausgeholt, was drin war.« Interessant, aber ist ja auch egal, weil jeder, der sehen wollte, es sehen konnte, daß schwalbengelb für Lakic berechtigter gewesen wäre. Und dann kommt das als Fußballgott firmierende ungerechte Schicksal auch noch auf die blöde Idee und schenkt den Lauterern einen Glückstreffer in der letzten Minute. Gegen diese Übermacht ist auch für Dortmund schlecht anzukommen, aber dennoch muß  man konzedieren, daß nicht nur Lautern wahrscheinlich das beste Spiel der Saison ablieferte, während sie vor einer Woche gegen Mainz ziemlich unterirdisch auftraten, auch der BVB ließ mal wieder große Chancen links liegen und machte aus seiner Überlegenheit nichts. Klopp ging sogar so weit zu behaupten, den Sieg nicht verdient zu haben, weil die Spieler zu wenig gebracht hätten. Vielleicht liegt das ja an dem Tapetenkleister, für den Klopp sich ins Zeug legt. Keine Ahnung, wer der PR-Berater von Klopp ist, aber der Mann hat keine Ahnung vom Geschäft, denn Glanz und Glamour strahlt der Kleister bestimmt nicht aus, und davon könnten die Dortmunder schon was vertragen, wenn sie der Strähne aus Pech (Kleister) und Unvermögen entkommen wollen. In Wolfsburg hat es sich nun bis zu den Fans herumgesprochen, daß Hoeneß die allerletzte Pflaume ist, denn egal, was er anfaßt, es kommt nur eine Niederlage wie das 1:0 gegen den HSV heraus, denn wie der gefeuerte McLaren der Times erzählte, mischt sich Hoeneß überall ein, sitzt bei allen Spielen in der Halbzeitpause mit auf der Bank und geht den Spielern sogar auf Mannschaftssitzungen auf den Senkel. Da hilft der beste Trainer nichts, wenn Hoeneß überall seinen Senf dazugibt. Gladbach kann nach der Niederlage gegen St. Pauli schon mal für die 2. Liga planen. Schon gegen Stuttgart aufs schwerste benachteiligt, fiel der Schiedsrichter auch in diesem Spiel auf einen Hamburger Schauspieler herein und zeigte de Camargo rot, und auch die noch im internationalen Geschäft steckenden Stuttgarter sind der 2. Liga nach der Niederlage gegen den Club wieder ein Stück näher gekommen, während sie den Dortmundern einen Punkt klauten. Irgendwie ist auf nichts mehr Verlaß.

Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Das ist große Kunst: Mit einem lumpigen Unentschieden den Abstand zu den Verfolgern auf einen Punkt erhöhen. Rummenigge ging sogar davon aus, daß sich die Dortmunder nach dem Derby-Remis über die Münchner kaputtlachen würden. Warum aber sollten sich die Dortmunder über eine Mannschaft auf Platz 5 totlachen? Das würden vielleicht die Bayern tun, Dortmund aber trauert. Und zwar über seine vergebenen Chancen, die von Manuel Neuer vereitelt wurden, weshalb er mit dem Attribut »Weltklasse« belegt wurde, dabei waren es nicht die »Großtaten« Neuers, die das Spiel entschieden, sondern die Versagensangst der Dortmunder vor dem eigenen Publikum, und am Ende kam mit einem Pfostenschuß auch noch Pech dazu. Der BVB hatte ein gutes halbes Dutzend Großchancen kläglich vergeben. Jeder Bundesligatorwart hätte da gut ausgesehen. Wenn ich vor dem Spiel darüber grübelte, daß Schalke vielleicht einen guten Tag erwischen könnte, so hatten sich meine Befürchtungen nach fünf Minuten erledigt, denn da hatten die Dortmunder bereits zwei riesige Möglichkeiten mit derartigem Furor herausgespielt und die Schalker so alt aussehen lassen, daß sehr schnell klar wurde, dies würde eine sehr einseitige Angelegenheit werden. Als »peinlich« wurde der Auftritt Schalkes bezeichnet, als »Klassenunterschied« auch. Mit diesen Urteilen gehen Journalisten oft ein wenig leichtfertig um, nur weil ein Sieg ein bißchen deutlich ausfällt, in diesem Spiel aber ließ sich zumindest der Unterschied zwischen einer eingespielten und einer zusammengewürfelten Mannschaft beobachten, die zudem nichts miteinander verbindet, in der Leute wie Farfan ihren Weggang durch Arbeitsverweigerung erzwingen wollen und die deshalb in Bild als »Abgreifer« verhöhnt werden. Bei Dortmund habe ich nicht den Eindruck, daß die vergebenen Chancen aus den Spielen gegen Stuttgart und Schalke, die normalerweise für zehn Spiele reichen, um sie zu gewinnen, die Mannschaft aus dem Tritt bringen werden. Die Dominanz, der Spielwitz, die Schnelligkeit, das Pressing, darauf scheint z.Z. keine andere Mannschaft eine Antwort zu haben, und auch nicht auf die Leichtigkeit des Spiels, das fast ohne Fouls auskommt. Wie man sich blamiert, das zeigten die Münchner in Köln, die schon gegen Bremen nur mit Ach und Krach und nur wegen eines nicht gegebenen Elfers gewonnen hatten (wobei es sogenannte Experten gibt, die das vielleicht anders gesehen haben, von denen ich aber Gottseidank keiner bin). Das muß man erst mal schaffen, einen 2:0-Vorsprung verspielen. Van Gaal war »böse, enttäuscht, erstarrt«, Overath weinte, Rummenigge war auch böse und Müller sprach bereits vom »Abstiegskampf«, auf den sich die Bayern einstellen  müßten, wenn sie weiter so spielten. Auch Bayer Vizekusen versagte, wenngleich gegen überhart einsteigende Nürnberger, wobei dies nicht der einzige Grund war. Ein anderer hieß Ballack, der wie ein mittelmäßiger Mitläufer spielte und frühzeitig ausgewechselt werden mußte. Und am Tabellenende? Da wird Gladbach gerade aus der Liga gemobbt. Zwei krasse Fehlentscheidungen des Schiedsrichters brachten die Gladbacher um den Sieg gegen Stuttgart.