Archiv für den Monat: März 2011

Die Wahrheit über den 27. Spieltag

Der Ton war ausgestellt und man konnte in der Sky-Vorberichterstattung den »Experten« Beckenbauer bei der »Annaliese« sehen und Gottseidank nicht auch noch hören. Tuchel sah wie immer aus wie der picklige Klassenprimus, mit seinem Seitenscheitel wie aus einem anderen Jahrhundert, nervös vor Ehrgeiz und Aufregung mit dem Mikro schwingend als wollte er prüfen, wie es in der Hand liegt, wenn er es jemandem überbrät, während Klopp ihm irgendwann ungeduldig ins Wort fiel. Aber da war alles noch freundschaftlich. Nach dem Spiel war es damit vorbei, denn die Mainzer hatten mit allen unerlaubten und unmoralischen Mitteln einen Punkt in Dortmund ergaunert. Zuerst rammte Wetklo dem Dortmunder Stürmer Barrios seine Knie in die Rippen, so daß der ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Dafür sah der Mann gelb. Im normalen Leben wäre er wegen gefährlicher Körperverletzung in den Bau gewandert. Den Strafstoß schoß wieder mal Sahin, der mit dem dritten hintereinander verschossenen Elfer gerade dabei ist, einen neuen Rekord aufzustellen. Es wäre das 2:0 gewesen, und davon hätte sich Mainz nicht wieder erholt. Stattdessen überließ man den Mainzern, die man die erste halbe Stunde an die Wand gespielt hatte, den Raum, um wieder ins Spiel zu kommen, so daß man sich ständig vor irgendeinen blöden Zufall fürchten mußte, der den Mainzern den Ausgleich beschert. Es war dann kein blöder Zufall, sondern miese Unsportlichkeit der Mainzer, die zum 1:1 führte, und das in den 89. Minute. Da lag Subotic am Boden, weil er aus drei Metern den Ball  in den Unterleib bekommen hatte, und krümmte sich. Diese Gelegenheit nutzten die Mainzer aus. »Ein Skandal«, sagte Watzke, und fügte den wunderbaren Satz hinzu: »Da wurde Fairplay mit den Füßen getreten.« Tuchel wiederum wehrte sich fast genauso gestelzt: »Es ist nicht haltbar, daß meinen Spielern unterstellt wird, sie hätten den verletzten Spieler gesehen und wissentlich weitergespielt.« Das aber haben sie getan, weil sie genau wußten, daß das ihre letzte Chance war. Scheiß aufs Fairplay, Hauptsache ein Punkt! Das war der Gedanke, der ihnen vom Klassenstreber Tuchel eingeimpft worden war. Des einen Pech ist des anderen Glück. In der gleichen späten Minute nämlich gelang den Bayern in Freiburg der Siegtreffer, wo sie 70 Minuten lang keine Schnitte gemacht hatten und die Freiburger Fans sich mit Hohngesängen schon lustig über die van-Gaal-Truppe machten: »FC Bayern spielt Champions-League, auf Playstation 2, die ganze Nacht, von Zwölf bis Acht.« Von dieser merkwürdigen Achterbahn hat sich nun auch Dortmund infizieren lassen, weshalb es jetzt nochmal spannend werden könnte. In diesem Auf und Ab verlor der Dortmund-Bezwinger Hoffenheim in Hannover. Die Hamburger, eine Woche zuvor in München mit 6:0 abgefertigt, schlagen die Kölner mit 6:2, die gerade eine  Siegesserie hingelegt hatten. Werder, die schon fast wie ein Absteiger spielten, gewinnen in Nürnberg, wo man zuletzt ebenfalls von Sieg zu Sieg eilte. Keine gute Zeit für Leute, die ihr Geld mit Wetten verdienen. Auch der »Experte« Beckenbauer oder so etwas ähnliches hatte 3:0 für Dortmund getippt. Da spätestens hätte man gewarnt sein müssen.

Gemeinheit als Gegengift

In der Anleitung zu dem ultimativen Berlin-Roman empfiehlt Harald Schmidt »einen gereizten Monolog über Gott und die Welt, … denn hier läßt sich alles unterbringen, was man als ökologisch interessierter Katholik im taumelnden Kapitalismus über die Jahre so alles zusammengelesen hat«. Als jemand, der im Hauptberuf Verleger ist, weiß ich, daß manchmal ganze Bücher aus diesem gereizten Monolog bestehen, den der Autor in spe mit einem Lektor »diskutieren« und »durcharbeiten« will. Das Buch wendet sich dabei nicht nur an »kritische Intellektuelle«, die »beißenden Humor« lieben, sondern auch an »eine breitere Bevölkerungsschicht«, die aber schon ziemlich breit sein müßte, um zu diesem Roman zu greifen. Für den definiven Berlin-Mitte-Roman hat Harald Schmidt ein feines Gespür, denn Harald Schmidt wäre nicht Harald Schmidt, wenn er nicht das genaue Gegenteil des Romans entwirft, der Erfolg verspricht, und in dem die Figuren Dirk, Sarah, Andreas und Doro heißen, was allein schon ein verläßlicher Abschreckungsfaktor ist. In dem Moment jedoch, wo Schmidt seine Idee ausgereizt hat, hört er dankenswerterweise auch wieder auf und wirft schnell noch ein schönes Bonmot hin, das mit allem nichts zu tun hat, aber ja mal erwähnt werden kann: »Betrachte abwechseln meinen Penis und den neuen Roman von Martin Mosebach. Auf beides habe ich mich den ganzen Tag gefreut.«
Diese Anleitung zum Berlin-Roman ist der einzige Originalbeitrag in einer Sammlung von Focus-Kolumnen, die in regelmäßigen Abständen als Buch erscheinen, aber weil ich niemand kenne, der das von einem Mops herausgegebene »Nachrichtenmagazin ohne Nachrichten« liest, ist diese Glossensammlung mit dem Titel »Fleischlos schwanger mit Pilates« sehr erfreulich, denn hier könnten die Abertausende von Autoren, die langatmige Abhandlungen über heiße Eisen verfassen, die unter den Fingernägeln brennen, und dabei vor Begeisterung über sich selbst ganz hingerissen sind, lernen, wie man sich kurz faßt und eine Idee nicht zu Tode reitet.
Vor allem aber mag ich Harald Schmidt, weil er die gleichen Vorurteile hat wie ich, die natürlich keine Vorurteile sind, sondern selbstverständlich begründete Aversionen, da bin ich ganz wie der moderne Zeitungsleser, der eine Zeitung nur liest, weil er in ihr sein Weltbild bestätigt bekommen will und sonst mit der Abokündigung droht. Schmidt macht sich lustig über die »Basics« der deutschen Frau, die nach der Geburt »Bequemtreter, Anorak und Fahrradhelm« trägt, über den modernen Vater als »Protagonisten der Generation Umhängetasche/ Rucksack«, für den »eine vierspurige Stadtautobahn für das Rad mit Kinderanhänger gerade breit genug ist« und über die Tatsache, daß »bei fast jedem Kind heute Hochbegabung oder das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) diagnostiziert wird«. Und da hat Schmidt nun mal recht. Ich muß es wissen, denn ich sitze mitten drin in einem Viertel, wo diese Beobachtungen täglich bestätigt werden und man mit Leuten zu tun hat, die sich fürchterlich über den Verlust ihres häßlichen Rollkoffers beim letzten Urlaub aufregen. Aber wie Harald Schmidt so schön hämisch fragt: »Was wird schon drin gewesen sein? Crocs, Trekkingsandalen, bedruckte T-Shirts, Fleece-Jacken, Piratenhosen, Halbarmhemden und weitere unzählige und potthässliche Outdoor-Klamotten. Alles Dinge, deren Verschwinden unsere Umwelt schöner machen«.
Sollte jetzt jemand denken, och ist doch bloß das übliche wertkonservative Linken- und Alternativenbashing, dann wird der für Fragen des Stils unempfindliche Leser Schmidt zumindest für seinen Spott auf Stuttgart 21 schätzen müssen, denn Schmidt preist die 28 Minuten, die der Zug künftig von Stuttgart nach Ulm braucht, als geradezu »traumhaft«, denn »in Stuttgart leben und in Ulm arbeiten – viele junge, hoch qualifizierte Paare sehen darin eines der vordringlichsten Ziele«. Und Schmidt läßt auch keinen Zweifel daran aufkommen, wie es um Deutschland bestellt ist, wenn bei einem wie zu Guttenberg »junge Frauen in Großstädten nichts als Glückshormone ausschütten« und sich die »Mehrheit der Deutschen ausgerechnet in der Krise von einem finanziell unabhängigen Adligen bestens repräsentiert sieht«. Trotz dieser deprimierenden Anzeichen gibt Schmidt nicht auf und entwirft ganz im Sinne großer Aufklärer »15 Warnzeichen«, an denen sich merken läßt, daß man an sich noch arbeiten muß, z.B. wenn man Richard David Precht für einen Philosophen hält.
Von solchen Stellen gibt es jede Menge, so daß man sie sich leider gar nicht alle merken kann. Schmidts schönste Anmerkung aber ist ihm zu Franz Josef Wagner gelungen. Die steht nicht in dem Buch, aber damals dachte ich, not bad! Dafür kann man auch mal in Bild schreiben. Dort nämlich verfaßte Schmidt »Post an Wagner« statt der »Post von Wagner«, weil der mit einem Bandscheibenvorfall im Krankenhaus lag. Schmidt übermittelte Wagner auf selten hinterhältige Weise Glückwünsche zum 60. Geburtstag und schrieb: »Manch einer wünscht sich für seinen Sechzigsten vielleicht einen festlicheren Rahmen. Aber Bettpfanne, Tropf und Schnabeltasse können Zeichen des Himmels sein… Mit operierter Bandscheibe wird sich Ihr Sexleben ändern müssen. Ich wünsche Ihnen heilende Hände.« Selten wurde jemandem an der genau richtigen Stelle zu verstehen gegeben, was für ein Volltrottel er ist, aber das auf so charmante und nonchalante, aber auch hinterhältige Art, die wehrlos macht. Schmidt ist auf wunderbare Weise gemein, und diese Gemeinheit ist genau das richtige Gegengift für die Zumutungen des Lebens. Harald Schmidts Kolumnen sind wie ein Martini bianco auf Eis, der vor dem Essen angenehm die Kehle hinabrollt.

Harald Schmidt »Fleischlos schwanger mit Pilates«, Kiwi Köln 2011, 224 Seiten, 8,95 Euro

Armut als Charakterdefizit

Als Thilo Sarrazin als Sparmaßnahme den Armen empfahl, häufiger mal kalt zu duschen, weil dies »eh viel gesünder« und »ein Warmduscher im Leben noch nie weit gekommen« sei, da trat er im Selbstversuch den Beweis an, daß auch Deutschlands Elite unter der nur noch rudimentär zu vererbenden Intelligenz zu leiden hat, die Sarrazin bei den Hartz-IV-Empfängern diagnostiziert hatte. Der ehemalige Vorstand der Deutschen Bank hält dabei soziales Scheitern und Absturz für eine Sache des Charakters und der Mentalität. Sarrazin steht hier in einer jahrhundertealten Tradition, denn schon 1786 erschien ein Pamphlet »Über die Armengesetze«.
Wie für Sarrazin war auch für den zunächst anonymen Verfasser der Schrift Joseph Townsend Armut selbstverschuldet und ein charakterlicher Mangel. Und auch Joseph Townsend unterscheidet zwischen den »Fleißigen«, die hart arbeiten und kärglich leben, und den »unwürdigsten Subjekten«, denen »die üppigste Unterstützung« gewährt wird. Schon Karl Marx fiel dieses Pamphlet auf und zog im 1.  Band des »Kapitals« ein wenig über den »hochkirchlichen protestantischen Pfaffen« her, der »die Armut als notwendige Bedingung des Reichtums« in »ganz grober Weise verherrlichte«.
In der Argumentation von Townsend liegt nur ein geringes Begreifen vom Funktionieren einer Gesellschaft zugrunde, also ein Verständnis dafür, wie Armut entsteht und generiert wird und welche notwendige Rolle sie in der Politik spielt, und deshalb muß alles auf der Ebene der Moral verhandelt werden. »Wo man Brot ohne Last und Mühe erwerben kann, führt der Weg über Müßiggang und Faulheit zur Armut«, behauptet Townsend, und weiter: »Im Allgemeinen kann nur der Hunger sie anspornen und zur Arbeit treiben; doch unsere Gesetze diktieren: Hungern sollen sie nicht.« Hier ist bereits die Transformation ausformuliert, die ein rein auf Moral gestütztes Argument durchläuft, denn es wird genau der zivilisatorische Fortschritt einer Gesellschaft mit dem Anspruch, den Hunger abzuschaffen, als deren Schwäche interpretiert. Man muß seine Phantasie nicht übermäßig strapazieren, um sich denken zu können, worauf die Ideologie Townsends hinausläuft, nämlich auf Barbarei im Namen des Humanismus, in der das Umerziehungslager den besseren Menschen hervorbringen soll, ein Modell, auf das in der Geschichte ja häufig genug zurückgegriffen wurde, und wie Philipp Lepenies, der Herausgeber und Autor eines umfangreichen Nachworts, schreibt, nimmt Townsend in seiner »Streitschrift« folgende »drei Schlüsselgedanken der kommenden Epoche vorweg: das Bevölkerungsprinzip von Thomas Robert Malthus, die Idee der natürlichen Selektion von Carles Darwin und vor allem den Glauben, dass sich selbst regulierende Märkte ein universelles Organisationsprinzip in Natur und Gesellschaft sind.«
Ob ein Buch, daß schon in der damaligen Zeit so geringen Erkenntniswert zu bieten hatte wie heute das Buch von Sarrazin, außer für Historiker von Interesse ist, läßt sich ziemlich leicht beantworten, und wenn Suhrkamp glaubte, mit diesem Titel vom Sarrazin-Hype profitieren zu können, dann ist das nur ein weiteres kleines Mosaik für den Niedergang eines Verlags, den viele Zeitungen bereits von den Dächern pfeifen. 1729, ein gutes halbes Jahrhundert früher, erschien bereits eine treffende Kritik an Townsend. Jonathan Swift machte damals einen »Bescheidenen Vorschlag«, wie sich mit dem Problem der Armen umgehen ließe. Die 120000 Kinder armer Eltern sollten ein Jahr lang gesäugt werden, um dann »geschmort, gebraten, gebacken oder gekocht« als »nahrhafte und bekömmliche Speise« für die Allgemeinheit nutzbar gemacht zu werden. Eine grandiose Satire, die nicht nur zu drastischen Mitteln greift, sondern auch den gelehrten Ton solcher Abhandlungen wie die von Townsend auf wunderbare Weise die Schippe nimmt. Und die Wiederlektüre von Swift war der eigentliche Gewinn der »Survival of the fittest«-Broschüre von Townsend.

Joseph Townsend, »Über die Armengesetze. Streitschrift eines Menschenfreundes«, aus dem Englischen von Christa Krüger, herausgegeben und mit einem Nachwort von Philipp Lepenies, Suhrkamp taschenbuch wissenschaft, Frankfurt 2011, 123 Seiten, 10,00 Euro

Die Wahrheit über den 26. Spieltag

Im Intertank, wo alle Spiele der Dortmunder übertragen werden, auch die unwichtigen, wurde ich Zeuge folgenden Dialogs: »Bist du schon aufgeregt?« »Nö wieso? Ist doch nur Hoffenheim.« Und da schwante mir bereits, daß es diesmal schief gehen könnte, denn es ist immer irgendein mittelmäßiger Gegner, an dem eine Serie von immerhin acht ungeschlagenen Partien zu Ende geht. Dabei hat der BVB mit dem Phänomen zu tun, daß ihr der Ruf der »Übermannschaft« vorauseilt, die zu schlagen den Ehrgeiz aller anderen Mannschaft herausfordert. Fast alle Vereine liefern trotz mäßiger Leistungen in anderen Spielen ihre besten Saisonspiele gegen Dortmund ab. Und so war es auch mit Hoffenheim, die eine Woche zuvor gegen den ziemlich sicheren Absteiger Gladbach sang- und klanglos untergingen. Aber gegen Dortmund gingen sie mehr als aggressiv zu  Werke. Sowieso schon mit über 500 Fouls die unfairste Mannschaft der Liga, stockten sie ihr Konto gegen Dortmund nicht unbeträchtlich auf. Erstaunlich war nur, wie nachsichtig der Schiedsrichter darauf reagierte und wie sensibel er sich zeigte, wenn ein Blauer bei der kleinsten Berührung sich sofort auf den holprigen Rasen legte. Aber es waren nicht nur die Hoffenheimer, die mit ihrem Vorchecking die Dortmunder zu kopieren versuchten und sogar vor altmodischer Manndeckung nicht zurückschreckten, es waren auch die Schwarzgelben selbst, die in der letzten Zeit dazu tendieren, den Ball ins Tor tragen zu wollen. Bei dieser Methode jedoch waren die Hoffenheimer nicht nur viel zu aufmerksam, bei den Dortmundern fehlte auch die Konzentration beim letzten Paß auf den freistehenden Mann, und wenn sich eine der gar nicht mal seltenen Chancen ergaben, dann verstolperte Santana, verschoß Barrios oder scheiterte Schmelzer, oder es war der Ball selber, der auf dem Acker versprang. Es war zwar nicht wirklich wichtig, daß Dortmund gewann, und vielleicht gibt ihnen die Niederlage neue Motivation, die sie nächsten Samstag gegen Mainz brauchen werden, aber wer verliert schon gerne gegen das Spielzeug eines Milliardärs. Jedenfalls war ich bedient, denn man hat ja auch einen gewissen sportlichen Ehrgeiz, und der besteht darin, daß man sich die letzten vier oder fünf Spiel gerne in Ruhe ansehen möchte, wenn der BVB bereits als Meister feststeht. So aber wird das nichts, denn die anderen Ergebnisse waren auch nicht dazu angetan, die Trauer über die verpaßten drei Punkte zu dämpfen, die laut Bild deshalb verloren gingen, weil Klopp sich rasiert hatte, was vor allem zeigte, daß es keine Grenzen auf der Skala der Blödheit gibt, wenn ein Journalist mal so richtig originell sein will. Die Bayern besannen sich darauf, daß sie noch Fußball spielen können und fanden mit dem HSV auch einen dankbaren Gegner für eine ziemlich heftige Schlappe von 6:0, Magath bringt mit einem weiteren glücklichen Sieg ausgerechnet durch die Nullnummer Charisteas gegen die Pechvögel aus Frankfurt den Vorstand in die Bredouille, der ihn lieber heute als morgen vor die  Tür setzen würde, Scheißhauslautern erwürgt sich ein 2:1 gegen Freiburg. Nur der späte und glückliche Sieg der Clubberer in Wolfsburg und der damit verbundene Absturz der Hoeneß-Truppe auf einen Abstiegsplatz war ein kleines Trostpflaster.

Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Hätte Bayer Leverkusen gegen Wolfsburg Federn gelassen, der Spieltag wäre perfekt gewesen, wenngleich ich selbst dem souveränen 3:0-Sieg der einen Werkself über die andere noch durchaus etwas positives abgewinnen kann, denn jetzt steht Wolfsburg nur noch einen Punkt vor einem Relegationsplatz, während Stuttgart und Gladbach gerade fleißig Punkte sammeln und die Liga von hinten aufrollen. Wolfsburg als Absteiger wäre ein wirklich gelungener Scherz desjenigen, der dafür verantwortlich ist, nämlich von Dieter Hoeneß und dem VW-Vorstand, der hinsichtlich des Fußballgeschäfts auf so wunderbare Weise ahnungslos ist, daß er mit viel Geld den eigenen Untergang eingekauft hat. Und gegen eine Werkself weniger in der Liga kann man nicht wirklich etwas haben. Aber abgesehen von diesem positiven Nebeneffekt konnte der Abstand von Dortmund auf Leverkusen nicht, wie ich hoffte, noch um ein paar Punkte vermehrt werden. Es sind immer noch zwölf Punkte, nur der Abstand zu Bayern erhöhte sich auf sagenhafte 19 Punkte, weil die Bayern ausgerechnet in der entscheidenden Phase plötzlich schwächeln, und zwar obwohl die Stars alle mit an Bord sind, deren Fehlen gerne als Entschuldigung für die schwache Hinrunde herhalten mußte. Jetzt ist van Gaal fällig. Eigentlich schade, denn schließlich haben es die anderen Mannschaften ihm zu verdanken, daß Bayern auf diese grandiose Weise abschmierte, und die wirren und absurden Kommentare eines alten autoritären Sacks waren auf gewisse Weise ja auch sehr komisch. Jedenfalls sah man in Hannover bereits, wie die Bayern-Bosse die Köpfe zusammensteckten und tuschelten, und Uli Hoeneß‘ in Fett gemeißelte Skulptur verhieß nichts gutes. Aber wovon rede ich hier eigentlich? Schließlich geht es in dieser Kolumne doch ausschließlich darum, den BVB zu preisen und zu loben, und dazu gab es auch diesmal wieder jede Menge Grund, denn die gerade von einer kleinen Siegesserie zehrenden Kölner waren in Dortmund vollkommen chancenlos, weshalb das größte Wunder an diesem Abend darin bestand, daß es am Ende nur 1:0 für die Schwarzgelben stand. Alle drei Minuten gaben die Dortmunder einen Schuß aufs Tor der Kölner ab oder kreierten eine Chance, zweimal stand Latte und Pfosten, sechsmal Rensing im Weg, mit dem Rest der Möglichkeiten wurde sehr verschwenderisch umgegangen, als wollte man die Spannung halten, zu der die Kölner nichts  beizutragen hatten, bis auf ein einziges Mal, als Novakovic plötzlich allein vor Weidenfeller auftauchte. Aber Novakovic nahm sich auf vorbildliche Weise ein Beispiel an Großkreutz und Barrios und setzte den Ball kurz entschlossen neben den Pfosten. Kölns Trainer Schäfer verkündete nach dem Spiel mit einem verklärten Blick, er habe den deutschen Meister gesehen, gegen den zu verlieren keine Schande sei, denn Dortmund würde Fußball von einem anderen Stern spielen. Für einen Augenblick mochte ich den kleinen dicken Mann, der so wahre Worte sprach, auch wenn er für einen Verein arbeitet, der sehr sehr weit unten auf der von mir exklusiv erstellten Rangskala für Mannschaften angesiedelt ist, die ich gerne in der Bundesliga sehen möchte.