Archiv für den Monat: April 2011

Töten um des Tötens willen. Aus den Abhörprotokollen deutscher Soldaten

Die Frage, ob die Wehrmacht »anständig« oder auf ihrem Weg nach Osten an Kriegsgräueln und Massenerschießungen von Juden beteiligt gewesen sei oder zumindest davon gewusst habe, ist eigentlich schon lange beantwortet worden durch Christopher Brownings »Ganz normale Männer« und vor allem durch die Wehrmachtsausstellung, die noch einmal viel Staub aufgewirbelt hat, weil die letzten Überlebenden sich nicht den Ruf der sauber gebliebenen Wehrmacht zerstören lassen wollten und sich plötzlich mit Fotos konfrontiert sahen, die das Gegenteil dokumentierten.
Jetzt ist ein weiteres Mosaiksteinchen in der sowieso schon fast lückenlosen Beweisführung erschienen. In »Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben« legen Sönke Neitzel und Harald Welzer allerdings etwas vor, das tatsächlich in der ziemlich gut ausgeleuchteten Geschichte des Zweiten Weltkriegs als wirklich spektakulärer Fund gewertet werden kann, denn Neitzel entdeckte im britischen Nationalarchiv die Abhörprotokolle von deutschen Soldaten, die in Kriegsgefangenschaft geraten waren, meistens Marinesoldaten, aber auch Luftwaffen- und Heeressoldaten, die sich in der Gefängniszelle vertrauensvoll ihre Geschichte und ihre Geschichten erzählten, ohne zu wissen, dass ihre Gespräche mitgeschnitten wurden. Und auch in den National Archives in Washington stieß Neitzel auf ähnliche Abschriften.
Die Bedeutung dieser Quellen liegt auf der Hand, denn bislang musste sich die  Forschung auf Ermittlungsakten, Augenzeugenberichten und Memoiren stützen, die entweder einen bestimmten Adressaten hatten oder retrospektiv verfasst wurden. Hier, so Harald Welzer euphorisch, »sprachen Männer in Echtzeit über den Krieg und was sie darüber dachten – eine Quelle, die einen ganz einzigartigen und neuen Einblick in die Mentalitätsgeschichte der Wehrmacht, ja vielleicht des Militärs überhaupt eröffnete«. Und in der Tat tut sich in dem Buch von Neitzel und Welzer auf über 500 Seiten ein Panorama der Gewalt auf: Erschießungen, Vergewaltigungen, Rauben und Plündern gehören zum Alltag dieser Soldaten und sie berichten gleichmütig, aufschneiderisch, protzend, stolz, nur selten aber voller Ekel von ihren Erlebnissen.
»Straßen haben die gemacht, mordsschöne Mädels – da sind wir vorbeigefahren, haben sie einfach in den PKW hereingerissen, umgelegt und dann wieder rausgeschmissen. Mensch, was haben die geflucht!« Diese Vergewaltigungsgeschichte wird in einem Atemzug mit touristischen Attraktionen in Rußland und seinen »herrlichen Städten« erzählt und ruft beim Gesprächspartner nicht die geringste Empörung hervor. Sie gehört zum Alltag des Soldaten und wird als Teil eines »Männergesprächs« mit großer Selbstverständlichkeit hingenommen. Diese Brutalisierung durchläuft dabei eine sehr rasche und kaum nachzuvollziehende Entwicklung, die ein tierliebhabender Wehrmachtsflieger (quasi ein Vorläufer der Tierschützer) so beschreibt: »Am zweiten Tag des Polenkrieges musste ich auf einen Bahnhof von Posen Bomben werfen. Acht von den 16 Bomben fielen in die Stadt, mitten in die Häuser hinein. Da hatte ich keine Freude daran. Am dritten Tag war es mir gleichgültig und am vierten Tage hatte ich meine Lust  daran. Es war unser Vorfrühstücksvergnügen, einzelne Soldaten mit Maschinengewehren durch die Felder zu jagen und sie dort mit ein paar Kugeln im Kreuz liegen zu lassen … Die Pferde taten mir leid, die Menschen gar nicht. Aber die Pferde taten mir leid  bis zum letzten Tag.«
In unendlicher Mühe werden alle diese Aussagen analysiert, auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht, kommentiert und eingeordnet. Diese O-Töne lassen jedoch trotz aller Brutalität keine spezifischen Schlüsse über die Besonderheit der nationalsozialistischen Kriegführung zu, sondern ordnen sich dem allgemeinen Prinzip unter, dass die entfesselte Gewalt des Krieges nun einmal brutalisierte Soldaten hervorbringt, die Spaß dabei empfinden zu töten. Das ist das Wesen jeden Krieges, und insofern unterscheiden sich die Wehrmachtssoldaten nicht von den nicht minder brutal vorgehenden Rotarmisten oder von den amerikanischen GIs, die in Vietnam Kriegsverbrechen anrichteten, die wie das Massaker von My Lai in das kollektive Gedächtnis eingingen. Die Exzesshaftigkeit der Gewalt ist also kein Unterscheidungsmerkmal, sondern allen modernen Kriegen eingeschrieben. Und insofern ist der Krieg der Wehrmacht nicht »nationalsozialistischer« als andere Kriege auch, das Verdienst der Wehrmacht allerdings bestand mit der Ermordung der sowjetischen Kriegsgefangenen und der Juden in der Aufhebung aller zivilisatorischer Schranken.
Die »autotelische« Gewalt, wie Jan Philipp Reemtsma das Töten um des Tötens willen nennt, steht im radikalen Widerspruch zum Selbstverständnis einer zivilisierten Gesellschaft, die in Friedenszeiten diese Art von Gewalt als »das Böse« ausgrenzt, obwohl es in Zeiten des Kriegs dieses Böse freisetzt und sogar sanktioniert. Und auch wenn es heute Bestrebungen gibt, Soldaten zur Rechenschaft zu ziehen, die Kriegsgräuel begehen, bietet der Krieg einen Rahmen, in dem diese Art von Gewalt blüht und gedeiht. Die Schwierigkeit, diese Gewalt zu erforschen, besteht laut Neitzel und Welzer im »unwissenschaftlichen Moralismus«, der jedoch durch das Material, das sie ausbreiten, jede Menge Nahrung erhält. Die Moral aber ist in der Regel der einzige Maßstab, der an solche Grausamkeiten angelegt wird, verhindert jedoch zugleich ein wirkliches Verständnis von menschlicher Gewalt, weil sich mit Moral nicht unterscheiden lässt zwischen Massaker und Völkermord, und diese Ineinssetzung spielte in der Begründung der Grünen bei Kriegseinsätzen die entscheidende Rolle. Fischers Auschwitz-Vergleich zur Legitimierung des Nato-Einsatzes in Jugoslawien ist dabei ein prominentes Beispiel.
In der planmäßigen und industriellen Vernichtung der Juden durch Vergasung in den KZs war das Exzessive eines Massakers eher kontraproduktiv, weshalb man sich in den Befehlsetagen der Wehrmacht und der SS durchaus Sorgen machte, denn die Zügellosigkeit des Gewaltgebrauchs war nicht im Sinne der Effizienz, mit der ein Adolf Eichmann arbeitete. Ständige Gewaltorgien untergruben nicht nur die Disziplin, auch die Tötungszahlen sind begrenzt, weil ein Erschießungskommando niemals schaffen kann, was in Auschwitz mit der Massenfertigung von Toten erreicht wurde. Nun war das deutsche Personal  in den Vernichtungs-KZs nicht sehr groß, denn als Aufsichtspersonal hatte man Ukrainer, Litauer, Letten, Polen u.a. (die übrigens von den Deutschen als Untermenschen verachtet werden, obwohl sie von ihnen für diese Arbeiten zwangsrekrutiert wurden), aber in den Abhörprotokollen wird deutlich, dass »viele Soldaten über den Prozess der Judenvernichtung en détail Bescheid wussten«.
Das ist nicht wirklich eine neue Erkenntnis, denn alle Indizien und Hinweise in der Forschung weisen darauf hin, dass trotz geheimer Kommandosache das Wissen um die Judenvernichtung allgemein war, was nur der ZDF-Historiker Guido Knopp nicht wahrhaben will, der allenfalls 10 % der 18 Millionen Wehrmachtssoldaten verstrickt sieht. Abgesehen von solchen Relativierungen bleibt etwas sehr Erstaunliches, und das drückte Hannah Arendt so aus: »Es gab im Dritten Reich nur wenige Menschen, die die späteren Verbrechen des Regimes aus vollem Herzen bejahten, dafür aber eine große Zahl, die absolut bereit waren, sie dennoch auszuführen.« Und dieses Geheimnis haben auch Neitzel und Welzer nicht entschlüsselt, auch wenn sie in einer »Referenzrahmenanalyse« versucht haben, »einen unmoralischen, nämlich nicht-normativen Blick auf die Gewalt zu werfen, die im Zweiten Weltkrieg ausgeübt wurde – um zu verstehen, was die Voraussetzungen dafür sind, dass psychisch ganz normale Menschen unter bestimmten Bedingungen Dinge tun, die sie unter anderen Bedingungen nie tun würden.« Trotz des Versuchs, aus dem Kontext heraus zu verstehen, was da vor sich ging, bleibt ein Rest, der sich nicht wirklich zu begreifen läßt, und dies ist die ideologische Zurichtung, die sich darin ausdrückt, dass deutsche Soldaten von Anbeginn sich ebenso selbstverständlich für zivilisiert hielten wie Juden und Russen für nicht lebenswerte Untermenschen, die zu töten nichts war, worüber man sich aufregen musste.

Sönke Neitzel & Harald Welzer, »Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben«, 521 Seiten, S. Fischer Verlag, Frankfurt 2011.

Die Wahrheit über den 31. Spieltag

Verlieren ist zwar nie schön, aber wenn, dann gegen Gladbach. Die haben die Punkte bitter nötig und dürfen jetzt noch etwas Mut schöpfen, denn schließlich geht es um einen Relegationsplatz, und Frankfurt ist auch noch nicht aus dem Schneider, nachdem Gekas ganz allein mit dem Ball einen Meter vor dem leeren Tor ein Luftloch schlug und damit den sicheren Sieg gegen die Bayern verdaddelte, die mit dem Remis wiederum ihren Vorsprung auf Hannover gleich wieder verspielten, denn die hatten mit einem souveränen 3:1 in Freiburg vorgelegt. Jetzt kommt Hoeneß ins Schwitzen, denn es droht die Euro-League, ein »Scheißgefühl«, wie Müller meinte, aber für viele Leute ganz lustig, denn Milchbubi Neuer wechselt zu Bayern mit dem erklärten Ziel, CL spielen zu wollen. Nachdem er lange herumgedruckst  hatte, obwohl es alle Spatzen von den Stadiendächern pfiffen, gab er jetzt immerhin gehörig betroffen zu, wie es neuerdings Mode geworden ist, daß er seinen Vertrag nicht verlängert. Anschließend war selber erstaunt, daß die Fans ihn nicht auspfiffen, was darauf schließen läßt, daß die Spieler von ihren Fans, aber auch die Fans von ihren Spielern nicht viel halten, ja sogar froh sind, daß eine Wurst weniger den Verein verunziert. Auch mit der Leverkusener »Fankultur« ist es nicht weit her, denn für den Fußball-Greis Heynckes hatte man nur Hohn und Spott übrig, weil seine Mannschaft grauenhaft öde spielte und nur deshalb gewann, weil Hoffenheim noch öder und belangloser zu Werke ging, was wirklich schwer war, weshalb der Bayer-Konzern tief in die Taschen gegriffen haben muß, denn negative Schwerstarbeit ist nicht billig. Aber ist die Schadenfreude nicht auch verständlich? Da hatte Heynckes mit der Klatsche in München alles getan, um den Bayern den 3. Platz und sich selber als künftiger Bayern-Trainer die CL im nächsten Jahr zu sichern, und dann droht den Bayern doch der »Cup der Verlierer«, wie Hoeneß die Euroleague genannt hat. Und der BVB? Nachdem die Dortmunder so souverän und leichtfüßig 3:0 gegen Freiburg gewonnen hatten, ist ihnen nach dem 5:1-Abgesang in München Leverkusen wieder mit 5 Punkten auf den Pelz gerückt. Irgendwie scheinen sich alle gegen Dortmund verschworen zu haben, denn kaum geht es gegen die Schwarzgelben rufen sogar die größten Ligaluschen wie Hoffenheim Höchstleistungen ab. In der Regel reicht denen dann eine Chance, ein guter Moment eine Glanztat, während gegen die Dortmunder der Tormann, die gesamte Restmannschaft und der Pfosten im Weg steht. Diesmal erhöhte der BVB die Treffer ans Gestänge auf 21. Höchstwert natürlich, wie fast alles, was der BVB in dieser Saison macht. Abgesehen davon allerdings, daß die Gladbacher zweikampfstark und taktisch diszipliniert auftraten, ließen die Dortmunder das schnelle Umschalten vermissen. Der Ersatzmann des verletzten Sahin da Silva verursachte nicht nur den Katastrophenpaß, der zum 1:0 führte, er verschleppte auch das Spiel so lange, bis sich die Gladbacher wieder sortiert hatten, aber abgesehen von diesem individuellen Fehler gelang einfach zu wenig. Jetzt muß man aus den verbliebenen drei Spielen gegen den Club, Bremen und Frankfurt noch vier Punkte holen. Beim Club geht es noch um die Euroleague, während es bei  Bremen um nichts mehr geht und gegen Frankfurt noch die Rache aus der Niederlage in der Vorrunde aussteht. Das müßte doch alles noch irgendwie hinzukriegen sein.

Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Holger Stanislawski hatte vor ein paar Tagen mit einer Träne im Auge und im Herzen leise Tschüs zu St. Pauli gesagt, um nächste Saison bei – man glaubt es nicht – Hoffenheim anzuheuern, bei einem Verein aus der Retorte, ohne Fans, ohne Leidenschaft, quasi mit gar nix, nur eben mit Hopp, dem Mann mit den Millionen, der aber in sein Spielzeug nicht länger nur investieren, sondern was daran verdienen will. Konsterniert frage ich mich: Was will er denn da? Irgendwo in der Einöde an einer Autobahn, an der das beste ist, daß sie nach Süden führt. Und nach Norden nach Hamburg. Jedenfalls kann man davon ausgehen, daß es sich hier um ein großes Mißverständnis handelt, das sich schnell erledigt haben wird. Aber vorher hat Stanislawski noch eine Mission zu erfüllen, und die heißt, St. Pauli auf einen Nichtabstiegsplatz zu führen, was aber einfach nicht gelingen will, denn nach einem furiosen Start in die Rückrunde, gab es in Dortmund einen Einbruch, dem sieben Niederlagen am Stück folgten. Seitdem stemmen sich die St. Paulianer tapfer gegen den Trend, der auch in Leverkusen nicht zu stoppen war, obwohl sie nah dran waren und sie die Niederlage nur einem Torwartfehler zu verdanken hatten. Diesmal aber ging es gegen den direkten Konkurrenten um den Relegationsplatz, und der heißt Wolfsburg und wird von Magath trainiert. St. Pauli war mit Leidenschaft dabei, ließ aber 100prozentige Chancen einfach links liegen, während die schlappe Wolfsburg-Truppe 1:0 in Führung ging, nachdem Diego den Ball mit der Hand zu dem ein paar Meter im Abseits stehenden Mandzukic weiterleitet. Da gibt es drei Schiedsrichter und noch ein paar Aufpasser am Seitenrand und niemand hatte was gesehen. Wonach sieht das denn aus? Nach VW würde ich sagen. Trotzdem läßt sich St. Pauli nicht beeindrucken und geht sogar in Führung, nur um in der allerletzten Minute nach einer Ecke den vollkommen unverdienten Ausgleich hinnehmen zu müssen. Aber diese späten Gegentore sind eine Spezialität St. Paulis. Schon 16 Zähler könnte man mehr auf dem Konto haben, wenn man sich ein paar Minuten länger konzentriert hätte. Auch das 1:0 der Mainzer gegen Gladbach riecht nach Verschwörung, denn den Fohlen wird ein eindeutiger Elfmeter im Strafraum verweigert und damit dürften sie die Mannschaft sein, die am meisten von den Schiedsrichtern benachteiligt wird. Der Club befindet sich weiter auf dem Vormarsch in die Europaleague. Auch durch Bierbecherwürfe der depperten Scheihauslauterer Fans ließen sie sich nicht beeindrucken und gewannen souverän 2:0. Auch die Frankfurter Eintracht schliddert durch eine Niederlage in Hoffenheim Richtung Abstiegsplätze, und das völlig zu Recht, denn wenn man einen Mann engagiert, der Christoph Daum heißt, hat man nichts besseres verdient. Daum gibt jetzt schon Churchill-Parolen aus, um irgendwie die Liga zu halten. »Never ever give up!« Aber da ging es gegen die Krauts, und den Kampf würden die Frankfurter nie gewinnen, nicht einmal wenn Daum noch auf die Schnelle eine V2 erfinden würde. Die  Eintracht war zwar besser, aber gegen Hoffenheim ist das z.Z. keine Kunst, denn außer gegen Dortmund machten die nie eine Bella Figura. Und die Schalker, die so hochgelobt wurden, nur weil sie eine Inter-Mannschaft besiegten, die völlig von der Rolle war, robbten sich zu einem unverdienten 2:2 gegen ersatzgeschwächte Bremer, die gerade auch nichts reißen.

Die Wahrheit über den 29. Spieltag

Ausgerechnet Kuba, der mit seinen krummen Füßen noch allein und nur ein paar Meter vor dem Tor den Ball daneben haut, ohne daß ein Tormann zwischen den Pfosten steht wie im Spiel in Freiburg, ausgerechnet Kuba also haute den Ball volley unter die Latte zum hochverdienten 1:1-Ausgleich in der 93. Minute. Vorher hatte der BVB Chancen im Minutentakt vergeben, vor allem Barrios und Götze klebte das Abschlußpech an den Füßen. Es war kaum auszuhalten, die Dramaturgie hätte sich von niemandem besser inszenieren lassen. In der ersten Halbzeit waren die Hamburger durchaus ebenbürtig, ohne allerdings eine echte Chance zu haben, dann aber hatte sich der Ex-Dortmunder Petric durchgetankt und wurde von Hummels ein bißchen angerempelt, genug für Mister Gagelmann, um auf den Elfmeterpunkt zu zeigen, wobei in anderen Spielen weit schlimmere Rempler nicht geahndet wurden, aber bei den Dortmunder scheinen es die Schiris besonders genau zu nehmen, weil die sich am wenigsten beschweren, was viele Schiedsrichter leider so auslegen, als könnten sie sich alles erlauben. Nach der Pause dann drehten die Dortmunder richtig auf und zeigten, warum sie als Übermannschaft gelten, die sogar schon in Spanien als die Mannschaft gilt, die den deutschen Fußball revolutioniert hat und von der man glaubt, daß sie selbst mit Barcelona mithalten könnte. Dafür allerdings dürfte sie mit ihren Chancen nicht so verschwenderisch umgehen, und auch Latte und Pfosten, die mal wieder den Spielverderber gaben, dürften nicht so  häufig im Weg stehen. Bereits 19 Mal wurde das Torgehäuse in Mitleidenschaft gezogen. Keine andere  Mannschaft hat das geschafft. Und die Bayern, die sich am letzten Spieltag mühsam auf Platz drei vorgekämpft haben, nachdem ihnen Dortmund mit einem Sieg über Hannover den Weg dafür geebnet hat, erlebten in Nürnberg ein Debakel, bei dem sie von Glück sagen konnten, nicht verloren zu haben, denn den Nürnbergern wurde ein regulärer Treffer aberkannt (wie übrigens auch den Dortmundern von einem Linienrichter, der sich offensichtlich unterfordert fühlte und deshalb ständig mit der Fahne herumwedelte). Aber auch ohne diese Szene war es ein sehenswertes Spiel, weil Kraft außerhalb des Strafraums Eigler den Ball zuspielte, der ihn direkt in den leeren Kasten lupfte. Und am Ende beschimpfte Robben auch noch den Schiedsrichter und sah dafür die rote Karte, der z.Z. einzige, der bei den Bayern noch was reißt. Jetzt also sind sie wieder auf Platz vier abgerutscht, weil Hannover ziemlich souverän gegen Mainz gewonnen hat. Wenn jemand vor der Saison gesagt hätte, daß sich Bayern mit Hannover ein Duell um Platz 3 liefert, hätte das noch unwahrscheinlicher geklungen wie auf Dortmund als Meister zu tippen. Aber diese Saison ist sowieso von absurden Turbulenzen geprägt, denn wer hätte gedacht, daß Wolfsburg ganz dick im Abstieg steckt und auf dem vorletzten Platz steht. Und jetzt hat Magath auch noch bei seinem Ex-Verein Schalke 1:0 verloren, weil alle Schalker bis in die Haarspitzen motiviert waren, um den Quälgeist von früher ein bißchen zu ärgern, der bei den Spielern unbeliebter ist als bei den Fans, aber die Schalke-Fans haben sowieso einen an der Waffel, wenn Sie mich fragen.

Die Wahrheit über den 28. Spieltag

Hannovers Kapitän Cherundolo meinte, 96 hätte die Chance gehabt in Dortmund zu gewinnen. Mit dieser Meinung stand er ziemlich allein auf weiter Flur da, denn es waren nicht nur die Patzer, die den Hannoveranern unterlaufen sind, die zu dem dann letztlich souveränen Sieg geführt haben, sondern vor allem Götze und Co., die die Hannoveraner zu den Fehlern zwangen, weil sie mit feinen Kombinationen unberechenbar spielten, vor allem der inzwischen Götzinho genannte Jungstar, der mit einem sensationellen Solo den zwischenzeitlichen Rückstand von Hannover egalisierte. Und die Eleganz und die Wucht und die Effektivität, die sich da Bahn brach, die bringt auch ein Messi nicht immer zustande. Der Vergleich drängt sich einfach auf und deshalb beeilte sich Klopp, doch bitte den Ball flach zu halten und Vergleiche mit Messi zu unterlassen. Aber why the hell not, wenn er solche Kunststücke vollbringt, auch wenn Götze ein anderer Spieltertypus ist und auch nicht mit Muskelaufbaupräparaten großgezogen werden mußte. Noch schöner aber als das Tor war der anschließende Jubel und die Hommage an Dede, als Götze sein Trikot hochzog und darunter die Nummer 17 und der Name Dede zum Vorschein kam, mit dem er sich dann auch in den Armen lag, Dede, der auch in dunklen Zeiten Dortmund nicht im Stich ließ und dem es der BVB wahrscheinlich zu verdanken hat, daß der Verein nicht in die 2. Liga abgerutscht ist, Dede, der als einer der besten Linksverteidiger der Liga das Pech hatte, nach einer schweren Verletzung einen Mann vor der Nase zu haben, den er selbst gefördert hatte und der vielleicht noch einen Tick besser ist, Dede, der sich nie darüber beschwert hat, der sogar einmal ein Angebot vom AS Rom sausen ließ, um seinen Vertrag zu erfüllen, Dede, der von den ganzen Jungen, die jetzt der Meisterschaft entgegeneilen, wegen seiner artistischen Einlagen und seines Einsatzes wegen bewundert wurde, als sie alle noch auf der Südtribüne standen. Aber auch die anderen Tore zum 4:1 waren grandios herausgespielt, und auch wenn man nach der torlosen 1. Halbzeit wußte, warum Hannover auf Platz drei stand, in der 2. jedoch hatte Slomkas Truppe dem schwarzgelben Ansturm nichts entgegenzusetzen, weshalb Dortmund schon wieder wie schon die ganze Zeit als Meister gefeiert wurde. Dabei hat sich an der Ausgangslage nichts geändert, denn auch Leverkusen und Bayern gewannen ihre Spiele, wenn auch nur knapp und mit Mühe. In Kaiserslautern war es ein Glücksschuß, der Leverkusen drei Punkte einbrachte, und die Gladbacher brachten sich um einen verdienten Punkt durch einen Fehler, den die Bayern auszunutzen wußten. Obwohl man durch die Schützenhilfe Dortmunds (wie peinlich) an Hannover vorbei auf Platz drei gezogen ist, herrscht in München schlechte Stimmung, denn die Münchner Fans machen gegen die Alleinherrschaft von Hoeneß mobil, der gegen den Willen der Zuschauer den Schwachkopf Neuer verpflichten möchte. Sieht so aus, als ob Hoeneß sein Fingerspitzengefühl verläßt, wenn er glaubt, auf die in „Bild“ so genannten „Wut-Fans“ keine Rücksicht nehmen zu müssen, und wohin das führt ließ sich ja gerade in Stuttgart beobachten, wo der „Wut-Bürger“ der CDU den Gar aus gemacht hat, aber auch ein „Wut-Hoeneß“ ist sehr lustig, und von mir aus dürfen sich die „Wut-Heinis“ ruhig austoben, denn es wird sie keinen Millimeter voranbringen.