Archiv für den Monat: Mai 2011

Die Wahrheit über den 34. Spieltag

Seit  zwei Wochen wanzen sich alle an den neuen deutschen Meister an, indem man vorgeblich zur Meisterschaft gratuliert wie MAN, Seat und Bayern München, die in Wirklichkeit damit aber nur Werbung in eigener Sache betreiben, denn selbstverständlich ist das Augenmerk auf den gerichtet, der gratuliert, womit man sich einen Gutmenschenbonus abgreift. Aber eigentlich ist das egal, denn es wird Seat nichts nützen, wenn VW mit dem Spruch wirbt »Fahr, wofür dein Herz schlägt«, nicht mal mit einem »Plus Fan Paket«. Lustig war dabei nur, daß die in der BamS abgebildete Seat Meisteredition »Echte Liebe« in gelbschwarz ein Frankfurter Kennzeichen hat, also aus der Stadt des Absteigers kommt, was die Sache so aussehen läßt, als ob VW schnell noch seine Ladenhüter loswerden will. Dort muß man jetzt auch den Ladenhüter Daum loswerden, der seine Liebe zur 2. Liga entdeckt hat, weil nicht mal ein anderes Auslaufmodell namens Netzer für ihn noch eine Zukunft sieht. Daum ging nach der Niederlage in Dortmund wort- und grußlos in die Kabine und glänzte durch Stillosigkeit. Das einzig Gute an seinem Intermezzo in Frankfurt ist, daß er jetzt endgültig weg vom Fenster ist. Vielleicht nimmt ihn ja noch ein Verein aus der 2. Türkischen Liga. Die soll auch ganz gut sein. Das beste an Frankfurt sind seine Fans, denn manchmal genügt es zu wissen, wer die Feinde sind, um sicher zu sein, daß diese Leute nicht wirklich schlecht sind. Marcel Reif teufelte ergrimmt auf die »Idioten« ein, nur weil im Frankfurter Block ein bißchen mit Rauchbomben experimentiert wurde. Und die BamS fand das grandiose Transparent »Randalemeister 2011«, mit dem die Fans die Wut der Medien auf sie karikierten, »geschmacklos«. Vielleicht sollte dem Arbeitgeber Reifs mal jemand stecken, wie unbeliebt der Mann bei den Fußballfans ist und wie sehr sie unter seinem Gesülze zu leiden haben. »Du Arschoch«, brüllte ein Fußballfachmann im Intertank aus vollem Hals, weil Reif nach dem 1:0 der Frankfurter kurz nach der 2. Halbzeit den Dortmundern Wettbewerbsverzerrung vorwarf, dabei hatten die Dortmunder nur das gemacht, was sie schon in vielen anderen Spielen auch gemacht haben, nämlich jede Menge Chancen ungenutzt verstreichen lassen, und selbst einen Elfer verballerte Barrios, während die Frankfurter die einzige gut vorgetragene Offensivaktion verwerteten. Ich hätte mich sogar mit diesem Ergebnis abgefunden, wenn es beim 1:0 der Hoffenheimer gegen Wolfsburg geblieben wäre, die dann aber glücklich gegen einen durchaus gleichwertigen Gegner 3:1 gewannen, auch ohne Diego, der seine Nichtnominierung mit seinem wortlosen Abgang quittierte. Nicht daß mit solchen Egotrippern mehr als ein Blumentopf zu gewinnen wäre, aber immerhin hat da mal jemand gezeigt, daß er nicht bereit ist, jede Entscheidung eines Diktators, wie  Magath zweifellos einer ist, widerspruchslos hinzunehmen. Und die Gladbacher müssen nach einem 1:1 in die Relegation und haben laut Favre eine Fifty-Fifty-Chance, in der Liga zu bleiben, denn nach den drei Siegen in Folge lieferten sie in Hamburg eine eher erbärmliche Vorstellung ab, vielleicht weil ihnen das zwischenzeitliche 1:0 der Frankfurter dann doch in die Knochen gefahren ist. So aber hat Dortmund jetzt bei der Borussia aus Gladbach einen Stein im Brett, denn trotz der Tatsache, daß auch der sein Abschiedsspiel gebende Dede einen Elfer verschoß, offenbarten die Dortmunder, was es mit dem  Motivationskünstler Daum auf sich hat, der eine Trümmerelf zurückließ. Sogar der traurige Eintracht-Fan neben mir gab zu, daß der Abstieg bei dieser Leistung schon in Ordnung gehe. Einen Tag vor der Übergabe der Meisterschale starb Helmut Bracht, der bei den ersten drei Meisterschaften dabei war. Sahin wurde nach Madrid verabschiedet, wo ihn eine unsichere Zukunft erwartet und solche Vollidioten wie Ronaldo, und auch Dede wurde verabschiedet, der, wo immer er auch zukünftig spielen wird, sich in seinem Vertrag hineinschreiben läßt, daß er nicht gegen Dortmund antreten muß. Irgendwas ist schon an Dortmund dran, und das ist etwas Anderes und Sympathischeres als bei den Bayern. Für die würde keine knappe halbe Million auf die Straßen gehen.

Die Wahrheit über den 33. Spieltag

Das hätte ich mir denken können. Und viele waren klüger als ich und haben es sich gedacht und gingen erst gar nicht mehr in den Intertank, in dem es an diesem nachmittag erfreulich übersichtlich war. Man konnte sich sogar bewegen und mußte nicht mal stehen. Aber davon hatte ich dann auch nichts, denn das Spiel in Bremen war die schlechteste Saisonleistung der Dortmunder. Für Dortmund geht es nur noch darum, irgendwelche Statistikrekorde zu knacken, und auch wenn man das als Fan gerne hätte, weil man dann immer damit angeben kann, war es eigentlich ganz sympathisch, daß den Spielern dieser Ehrgeiz offensichtlich abging. Sie wirkten nicht besonders spritzig, auch wenn sie über weite Strecken des Spiels überlegen waren, aber effektiver waren die Bremer, bei denen es ja noch um etwas ging, auch wenn ich es ein wenig ärgerlich fand, daß sie sich die nötigen Punkte nicht bereits gegen Wolfsburg geholt hatten, gegen die sie ein schwaches Spiel abgeliefert hatten. Aber auch ohne Bremen steht Wolfsburg dick im Abstiegskampf, weil die Werkstruppe es zu Hause gegen Kaiserslautern vergeigte, obwohl Magath vor dem Spiel apodiktisch verkündet hatte: »Wir müssen gewinnen und wir werden auch gewinnen.« Die Spieler sahen das offensichtlich anders, und ich finde, man sollte ihnen Respekt zollen, weil sie gerade daran arbeiten, einen überflüssigen Club aus der Liga zu befördern. Dazu trug auch der Lauterer Lakic bei, der ein Tor gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber schoß, der sich mit etwas Glück dann in der 2. Liga befindet. Von allen wird das als professionelle Einstellung gelobt, ich aber glaube eher, daß der Mann nicht ganz helle  ist. Gladbach hingegen landete gegen Freiburg seinen dritten Punch in Folge, hat nun die gleiche Punktzahl wie Wolfsburg und hat Frankfurt hinter sich gelassen. Ein kleines Wunder, denn lange sah Gladbach wie ein sicherer Absteiger aus. Hilfreich dabei war Daum, der die Eintracht richtig in die Scheiße geritten hat. Niemand hat etwas gegen die Eintracht, aber jeder findet, daß der Abstieg die angemessene Bestrafung für die Verpflichtung von Daum ist, der immer viel Wirbel macht und den man deshalb irrigerweise für einen befähigten Trainer hält. Jeder vernünftige Mensch weiß nach nur einem Kontakt mit ihm, daß er einen verscheißert, und nur Präsidenten und Sportdirektoren sind von Daums Motivationsbrammbramm beeindruckt. Die Fans quittierten die schwache Leistung ihrer Elf zunächst mit einer halbstündigen Schweigestunde, die die Eintrachtspieler nicht gerade aufgebaut haben dürfte. Nach dem Spiel stürmten sie den Rasen und demolierten eine 600000-Euro-Kamera der ARD. Podolski war verbittert darüber, weil die Kölner schnell die Flucht ergreifen mußten und ihre Nichtsabstiegsparty ins Wasser fiel. Aber es ist nicht schwer zu verstehen, daß es in Frankfurt wichtigere Dinge gab als den Nichtabstieg Kölns. Nach Heynckes, der in den Neunzigern eine der besten europäischen Vereinsmannschaften ruiniert hat, führt nun ein anderer Schwachkopf die Eintracht in die 2. Liga, die vorher zwar keine überragend gute, aber immerhin eine solide Mannschaft war. Dank Daum hat sie jetzt abgewirtschaftet. Und den Fans wird nun alles in die Schuhe geschoben. »Schande!« letterte die BamS fett, aber für das Desaster sind nicht die Fans verantwortlich, sondern Präsident Bruchhagen, der Daum engagiert hat und nun eine Bruchlandung hingelegt hat.

Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Es ist vollbracht. Der BVB ist zum 7. Mal Deutscher Meister, und das zwei komfortable Spieltage vor Saisonende, weil gleichzeitig Vizemeister Leverkusen, die den Dortmundern bis auf 5 Punkte auf die Pelle gerückt sind, ihrem Namen wieder mal alle Ehre machten und im Derby gegen Köln eine Schlappe einstecken mußten. Die Clubberer aus Nänbärch hatten gegen den BVB nie eine reelle Chance, was mir eigentlich leid tut, denn jetzt ist der Euroleague-Zug für die Franken wahrscheinlich abgefahren, weil die Mainzer Konkurrenz in Frankfurt mit einem souveränen 3:0 gezeigt hat, welche Schnapsidee es war, einen Volldeppen wie Daum zu verpflichten, dessen Motivationsnummer sich als Flop erwiesen hat. Jedenfalls bei den Spielern. Die Fans hingegen zeigten sich reichlich übermotiviert, so daß die Polizei sogar Warnschüsse in die Luft abgeben mußte, um sie in Schach zu halten. 25000 Euro kassiert Daum für einen Vortrag vor Managern, die sich von ihm in Motivation unterrichten lassen wollen, und irgendwie ist es grandios zu sehen, wie sich Deutschlands Elite von einem Schaumschläger einseifen und in die geheime Welt banaler Erkenntnisse einweihen läßt. Und da die Borussia aus Gladbach gerade zu einer erstaunlichen Siegesserie ansetzt und nicht nur den BVB, sondern auch Hannover geschlagen hat, sieht es ganz so aus, als ob die Eintracht, die sich noch Mitte der Saison Hoffnung auf einen Euroleague-Platz machte, zusammen mit St. Pauli absteigt, während sich Gladbach dann gegen  Bochum um den letzten Platz in der Liga balgen muß.
Die Meisterschaft war überfällig, denn schon seit dem 10. Spieltag führte der BVB die Tabelle an. Daß es in der Rückrunde nicht mehr ganz so lief, war ein paar wichtigen Ausfällen geschuldet, ohne die Dortmund ein paar Wochen früher hätte zu trinken anfangen können. Am Tag des Aufstiegs von Hertha mußte man hier im Internet nachgucken. Das kann einem in Dortmund nicht passieren, denn da steht eine ganze Stadt Kopf. Die Tattoo-Studios haben eine Menge zu tun. Sogar Klopps verzerrtes Gesicht zusammen mit der Schale bedecken großflächig den Rücken eines Fans. Und wenn den Fans sonst gar nichts einfällt, dann brüllen sie einfach in die Mikrophone, von denen ihnen in diesen Tagen reichlich hingehalten werden. Die Fans haben sich die Meisterschaft hart erarbeitet, und selbst im Intertank war das kein Honigschlecken, nichts für Leute mit Platzangst oder Hardrockallergie. Vom Spiel kriegte man auch nicht soviel mit, statt dessen konnte man viele Hinterköpfe von Menschen bewundern, die im Bild standen. Und deshalb ist der Gewinn der Schale vor allem Leiden und Anstrengung, jedenfalls für „Geezer“ wie mich. Wenn man sich schon die Beine in den Bauch steht, dann doch lieber auf der Südtribüne, aber da ist es noch schwieriger, einen Platz zu ergattern als im Intertank. Es sei denn, Kevin Großkreuz würde einem seine Karte zur Verfügung stellen, die er immer noch hat. Großkreuz kennt dort jeden mit Vornamen. Noch auf dem Platz ließ er sich von Santana die Haare rasieren, wie er es versprochen hatte. Die Vermutung, daß die Meisterschaft nicht schon früher eingefahren wurde, weil viele diesen Anblick fürchteten, ist selbstverständlich völlig aus der Luft gegriffen, obwohl Großkreuz wie eine mit der chemischen Keule behandelte Ratte aussah, also sehr nett. Jedenfalls hätte ich nie gedacht, daß ich einen Kevin so sympathisch finden würde wie ihn. Aber auch die anderen Jungs sind einfach hinreißend und nicht nur gut auf dem Platz, sondern auch auf der Playstation, weshalb ich mich manchmal frage, weshalb die eigentlich eine Freundin brauchen. Jedenfalls wäre ich gerne dabei, wenn Kevin Großkreuz sich zusammen mit Kagawa betrinkt und es mit jedem Glas immer lustiger wird.