Archiv für den Monat: Januar 2012

Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Der BVB war genau wie in der Hinrunde gestartet und hatte den HSV in seine Einzelteile zerlegt. 5:1 hieß es am Ende, und schon lange vor dem Abpfiff wanderten die tollen HSV-Fans nach Hause oder zur nächsten Getränkebude, denn nach den ungefähr zwanzig dürftigen Unentschiedenspiele unter der Regie des als Retter geholten Thorsten Fink kriegte man jetzt von den Schwarzgelben auch noch ordentlich was aufs Haupt. In der Hinrunde war man mit einem 3:0 davongekommen und die Vorstellung des BVB war so beeindruckend und so wenig beeinflußt vom Fehlen Sahins, daß ich bereits hoffnungsvolle Prognosen stellte. Dann begann mit dem nächsten Gegner aus Hoffenheim bekanntlich ein Knick, der eine Zeitlang anhielt. Irgendwie ist man auf die Wiederholung eines Ereignisses fixiert und deshalb fürchtete ich mich vor dem Spiel, denn niemand konnte mir sagen, warum sich Dortmund ausgerechnet gegen Hoffenheim so schwer tut, die sonst noch mehr als letzte Saison vor sich hingurken und auf einen zweistelligen Tabellenplatz verdämmern werden. Aber diesmal war alles anders, diesmal wurde auch Hoffenheim völlig zerlegt von einer wie aufgedreht wirkenden Borussia, die dem Gegner nie die Zeit zum kontrollierten Paßspiel ließ. Und dabei ließ Lewandowski noch jede Meine Chancen aus, weshalb diesmal Kagawa und Großkreutz für ihn einspringen mußten, die auf wunderbare Weise miteinander harmonierten. Vor allem Kagawa war schnell und in seinen Laufwegen wie eine Flipperkugel, nie wirklich berechenbar. Und das alles ohne Götze, der wegen eines entzündeten Schambeins nur auf der Tribüne saß und von Klopp Urlaub verordnet bekam. Ich habe selbst schon alle Fußballverletzungen getestet wie Muskelfaserriß, Aduktoren, Bänderriß, Meniskus, Rücken, aber mein Schambein hat sich nie entzündet. Ich wüßte nicht mal, wo dieses ominöse Schambein eigentlich ist und wozu man das braucht. Viele Schriftsteller und Feuilletonisten schreiben ja immer wieder mal gern von der »großen Scham«. Vielleicht hat die ja jetzt Laufen gelernt. Aber warum mischt sie sich dann beim Fußball ein? Dieses Geheimnis muß noch genauer recherchiert werden. Überraschender als ein entzündetes Schambeim war die Tatsache, daß Dortmund sich immer wieder neu erfindet und Verluste von Weltklassespielern spielend wegstecken kann. Leider hat Bayern und Schalke auch gewonnen, gegen Luschenmannschaften wie Wolfsburg und Köln, so daß sich an den Tabellenspitze mit einem punktegleichen Trio nichts geändert hat. Die nunmehr schon neun bzw. zehn Punkte zurückliegenden »Verfolger« Bremen und Leverkusen trennten sich 1:1, geredet wurde aber nur über Ballack, der jetzt nicht mehr spielen darf und für sechs Millionen Jahresgehalt auf der Bank sitzt. Dafür würde ich mir sogar Leverkusen-Spiele angucken. Gerüchteweise geht er jetzt nach New York, der lukrativen Zufluchtsstätte für in Europa ausgemusterte Profis. So lange die dort aber nicht auf Nachwuchsspieler setzen, wird das auch nichts mit einer Fußballmacht USA, die sie sein müßte bei diesem großen Reservoir und Potential.

Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Die Bayern hatten »die beste Vorbereitung« ever absolviert, 68 Tore in 5 Testspielen geschossen oder noch mehr, dabei wurden 27 Elfmeter für die Bayern nicht gegeben, da war es nur noch Formsache mit einer kleinen Gurkentruppe aus Gladbach fertig zu werden, die in der Winterpause ihren besten Spieler Marcus Reus für 17 Millionen verkauft hatte. Auch wenn er erst zum Saisonende wechselt, er wechselt nicht zu den Bayern, obwohl die vermutlich mehr geboten haben, sondern zu Dortmund, wo gerüchteweise ein Verlagsmogul aus Kreuzberg die nötigen finanziellen Mittel für den Wechsel zur Verfügung gestellt hat, wie die junge Welt berichtete. Aber Reus ist klug und wechselt zu einem Verein mit Zukunft und nicht zum Verein mit der dicksten Gedbörse, um dann auf der Bank zu versauern oder seine besten Jahre beim Psychiater auf der Couch zu verbringen und dann mit Mitte zwanzig bereits ein Burnout zu haben. Diese Schmach, den Konkurrenten quasi in Grund und Boden zu bieten, ohne das es was nützte, und die Schmach, bereits das Hinspiel mit 1:0 verloren zu haben gegen eine Mannschaft, die sich mit Ach und Krach erst im Relegationsspiel gegen Bochum in die erste Lag gerettet hatte, das alles ließ den Verein und die Spieler davon reden, daß da noch eine Rechnung offen sei, die jetzt beglichen werden würde. Und dann stellte sich ausgerechnet der beste Torhüter der Welt depperter an als einer aus der Kreisliga und spielte Marcus Reus in die Füße, der den Ball annahm und dann allerdings sehr gekonnt ins leerstehende Tor beförderte, weil Neuner irgendwo weitab herumirrte. Wie schön das war, tausende von Wiederholungen zu sehen, von der Seite, von oben, in Zeitlupe, in Superslowmotion. Das war großes Kino, ebenso wie die beiden Konter zum 2:0 und 3:0, die glänzend herausgespielt waren. Den Rest des Spiels durften die Bayern sich den Ball hin und herschieben, engagiert über die Flügel spielen, es nützte alles nicht, die Gladbacher spielten mit einer Coolness und Abgeklärtheit, die mich wirklich überraschte, da gab es keine überhastete Aktion, keinen unnötigen Befreiungsschlag, sondern ein direktes und schnelles Paßspiel, manchmal so schön, wie man es sonst nur von der Mutter des schönen Paßspiels Barca sieht, und so genial wie das, das dem 3:0 vorausging, als Arango Reus bediente, der den tödlichen Paß auf Herrmann spielte. Reus und Herrmann wurden mit 1 benotet, während Arango nur eine 2 bekam, dabei war die Coolness von Arango eigentlich an diesem Abend eher die 17 Millionen wert als Reus, aber benotet wurde wieder mal die Effektivität und nicht die Schönheit. Die anderen Spiele waren langweilig und machten nur durch üble Verletzungen Schlagzeilen: Schalkes Höwedes erlitt beim Test, wer den härteren Schädel hat, einen dreifachen Jochbeinbruch, und Bremens Prödl bekam einen Fuß ins Gesicht. Folge: Oberkiefer- und Nasenbeinbruch. Ach ja, und Magath hat für 30 Millionen neue Spieler eingekauft und gegen Köln aber nur deshalb gewonnen, weil der Schiedsrichter zwei glasklare Elfer übersehen hat und die Kölner beste Chancen einfach links liegen ließen.