Archiv für den Monat: Februar 2012

Die Wahrheit über den 23. Spieltag. Ein Nachtrag

Die Bayern hatten die inspirationslosen Schalkern mit einem 2:0 nach Hause geschickt. Nur zehn Minuten konnten die Blauweißen mithalten, dann begannen sie sich auf Schadensbegrenzung zu besinnen, mit der Folge, daß hinter ihnen mit nur noch sieben Punkten Anstand die flauen Leverkusener lauern, was nicht wirklich eine Gefahr ist, nach oben jedoch bereits acht Punkte Abstand zum BVB besteht, der sich durch den Münchner Sieg nicht verunsichern ließ und gegen Hannover in einem ziemlich heftig umkämpften 3:1 die Bayern auf eine 4-Punkte-Distanz hielt. Sieben Siege in Folge bereits und langsam wird die Sache unheimlich, vor allem, weil immer neue Verletzte und Verluste kompensiert werden müssen. Diesmal wurde Bender wieder krankenhausreif getreten, und Kehl kriegte die 5. Gelbe Karte, so daß nächstes Spiel gegen die Mainzer das komplette defensive Mittelfeld ausfällt. Aber Dortmund ließ gegen die taktisch durchaus gut aufgestellten Hannoveraner, die nicht umsonst ziemlich gut dastehen, nichts anbrennen. Nur die Chancenverwertung war wieder zum Haare ausraufen, und schließlich wurde den Dortmundern auch noch ein korrekter Treffer aberkannt, was das Spiel nochmal spannend machte, als Ya Konan mit einem Glücksschuß der Anschlußtreffer gelang und den Niedersachsen zur zweiten Luft verhalf. Aber soviel, daß es zum Ausgleich gereicht hätte, half das Tor dann doch nicht. Wozu es verhalf war ein spannendes Spiel. Eigentlich viel zu spannend für einen zartbesaiteten Menschen wie mich, aber schön war es trotzdem, vor allem Kuba und Lewandowski waren in einer Spiellaune, die ansteckend war. So wird es für Klopp sehr schwer, Kuba wieder auf die Bank zu setzen, wenn Götze wieder zurückkehrt.

Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Alle in Berlin scheinen daran zu glauben, daß Rehhagel mit seiner »Erfahrung« die Hertha vor dem Abstieg bewahren wird. Aber selbstverständlich wird er das genauso wenig tun wie der vor langer Zeit kurz vor Saisonende beim BVB verpflichtete Udo Lattek. Der BVB stieg zwar nicht ab, aber ob das ein Verdienst von Lattek war, läßt sich nicht nachweisen. Solche Notnagelverpflichtungen passieren immer, wenn im Verein die Verzweiflung groß ist. Dann werden Trainer reanimiert, die schon lange in Rente sind. Aber die Tatsache, daß Rehhagel mit seiner Zerstörungstaktik mit den Griechen einmal die EM gewann, ist noch lange keine Garantie, mit Hertha nicht abzusteigen. Trotz der großen »Erfahrung« setzte Rehhagel auf Offensive, weil er glaubte, den Augsburgern spielerisch überlegen zu sein. Und in der Tat hatten die Herthaner ja zuletzt gegen Dortmund überzeugt, hatten defensiv gut gestanden und verstanden offensiv, die Schwächen der Dortmunder aufzudecken, Gottseidank aber nicht zu nutzen. Darauf hätte sich aufbauen lassen, aber Rehhagel hat es in nur einer Woche seiner Regentschaft verstanden, alle positiven Ansätze zunichte zu machen. Die Abwehr wackelte plötzlich und vorne fiel dem formschwachen Raffael, der schon gegen Dortmund den Sieg hergeschenkt hatte, nichts ein. Aber genau auf ihn hatte Rehhagel gesetzt. Die Augsburger hingegen machten das, was sie können, nämlich rennen, kämpfen rackern und ackern, und so gut sind die spielerischen Mittel der Berliner auch nicht, um gegen eine solche Taktik zu bestehen, auf die man normalerweise selbst abonniert ist. Nach dem Spiel schob Rehhagel den schwarzen Peter seiner Mannschaft zu, die spätestens jetzt, wo man auf dem Relegationsplatz gelandet ist, wissen müßte, was die Glocke geschlagen hat. Für diese Erkenntnis hätte man keinen Trainer mit »Erfahrung« verpflichten müssen. Er verschwieg auch, daß er mit der offensiven Variante der Mannschaft offensichtlich ein falsches Signal gab. Das also war ein völliger Schlag ins Wasser, der dem Interimschef Rene Tretschock wahrscheinlich nicht passiert wäre. Aber deshalb gilt es Otto Rehhagel ja auch zu loben. Aber das ist nur ein erster Schritt. Erst wenn er Hertha mit seinen antiquierten Vorstellungen von »Ottokratie« und »Jeder kann sagen, was er will, aber gemacht wird, was ich sage« in die 2. Liga geführt hat, wird Preetz merken, daß es vielleicht keine so gute Idee war, einen »Erfolgstrainer« zu verpflichten, dem es mit 73 irgendwie zu langweilig geworden ist und der der Presse noch einmal seine abgestandenen Witzchen vorführen möchte, nach denen diese gierig und ausgehungert schnappt wie junge Hunde nach Knochen. Immer wieder wurde gezeigt, wie Rehhagel im langen Steppmantel im Schneegestöber steht und die Spieler ihre quälenden Runden drehen läßt. Kein Trainer, der noch alle Schweine im Rennen hat, würde das tun, denn inzwischen weiß jeder, daß man Kondition auch beim Spielen bekommt und deshalb nicht stundenlang im Kreis rennen muß. Und das Problem bei Hertha besteht nicht in mangelnder Kondition, sondern im Zusammenspiel.

In der zauberhaften Welt des degenerierten Adels

Bislang habe ich jeden »Jeeves«-Band von P.G. Wodehouse gelesen, sobald er frisch aus der Druckerpresse herausgekommen ist, immer im feinen, kleinen Pappumschlag, ohne großes Layout-Brimborium, einfach, schlicht und vornehm, und nebeneinander gestellt sind es bereits über 20 cm Wodehouse, immer sorgfältig ediert von der Edition Epoca aus der Schweiz, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, diesen Schatz zu heben. Es ist ein Schatz wie im Märchen, er glänzt und glitzert und ist sagenumwoben, aber das wars dann auch schon, es ist ein Schatz um seiner selbst willen, er steht für sich und ist solitär. Anfangen kann man mit ihm nichts, außer ihn genießen. P.G. Wodehouse ist ein glänzender Stilist, der es allein durch seine sprachliche Eleganz geschafft hat, mich in eine Welt zu entführen, die mich eigentlich gar nicht interessiert: In die Welt des degenerierten Kleinadels im England des vorletzten Jahrhunderts, als die Damen noch eine Zofe hatten und die Herren einen Diener, zusammen Tee tranken und ausschließlich amouröse Verwicklungen bekakelten, die einem heute völlig am Arsch vorbeigehen, wo die Herren dumm wie Brot sind und die Diener alles irgendwie hinbiegen müssen. Aber was auf Tantenhaftigkeit programmiert zu sein scheint, ist hinreißende Literatur, witzig, absurd, verrückt, irrsinnig, und alles ist auf eine zauberhafte Weise leicht und plätschert vor sich hin. Man kann dabei sogar aufs angenehmste einschlafen, während der Protagonist Bertram Wooster sich noch um Kopf und Kragen redet und einen Stilbruch nach dem anderen begeht. Die Romanfiguren haben so wundersame Namen wie Catsmeat, Fink-Nottle und Winkworth und sie benutzen so schöne Worte wie »ausbüxen« und »Jungspund«. Dann sitzt man manchmal da und begafft, wie Wodehouse schreiben würde, das Geplauder, als wäre man ein Goldfisch. Wenn man also einmal im Jahr in eine beschwingt heitere Stimmung kommen will, dann hilft es, zum neuen P.G. Wodehouse zu greifen. Es ist immer wieder dasselbe, und man wird dennoch nie enttäuscht.

Der letzte Roman: P.G. Wodehouse »Jeeves wirkt Wunder«, Edition Epoca, aus dem Englischen von Thomas Schlachter, Zürich 2011

Gott schütze mich vor meinen Freunden

Hemingway war einer der großen Vorbilder von Hunter S. Thompson. Schon allein deshalb ein Grund, ihn zu lesen. Aber irgendwie blieb ich bei jedem Anlauf stecken. Vielleicht liegts ja an der Übersetzung, dachte ich, und vielleicht stimmte das ja auch. Aber dann las ich »Paris. Ein Fest fürs Leben« und war schwer beeindruckt. Hemingway schreibt da in einer Geschichte »Ich erinnere mich an den Geruch der Kiefern«, was ja schon mal vorkommen kann, aber dann erinnert er sich in einem Absatz geschlagene viermal an irgendwas. Harry Rowohlt würde einen Anfall kriegen, denn daß man sich in einem Erinnerungsbuch an etwas erinnert, ist ja wohl das mindeste, das man erwarten darf. Schließlich erinnert er sich noch an seinen Freund Scott Fitzgerald, der mit »Der große Gatsby« ebenfalls laut Hunter S. Thompson das perfekte Buch geschrieben hat, weil darin kein Wort zuviel oder zu wenig stehen würde, also kein »Ich erinnere mich«, wofür ich jetzt aber meine Hand nicht ins Feuer legen würde. Hemingway bezeichnet Fitzgerald als seinen Freund. Nachdem man die Geschichte über ihn gelesen hat, weiß man wieder, wieviel Wahrheit der Spruch enthält, »Gott schütze mich vor meinen Freunden, mit meinen Feinden werde ich selber fertig«. Hemingway begleitet Fitzgerald auf eine Reise nach Lyon, um von dort dessen Auto nach Paris zu fahren. Fitzgerald entpuppt sich für Hemingway als Alkoholiker, Hypochonder, Irrer, als unzurechnungsfähig und bescheuert. Das ist manchmal hochkomisch, aber man nicht behaupten, daß Fitzgerald dabei gut wegkommt. Mit ihm empfindet Hemingway »jene Todeseinsamkeit, die am Ende jedes Tages kommt, den man in seinem Leben vergeudet hat«. Oder: Immerhin war Fitzgerald eloquent: »Beim Sprechen musste er nicht auf Rechtschreibung und Interpunktion achten, und du hattest nicht das Gefühl, es mit einem Analphabeten zu tun zu haben, wie es dir bei seinen unkorrigierten Briefen erging.« Ich Hätte damals auch gern in Paris gelebt, in den Cafés herumgehangen und ein bißchen geschrieben. Dafür hätte ich auch Hemingway und Fitzgerald in Kauf genommen.

Ernest Hemingway, »Paris. Ein Fest fürs Leben«, Rowohlt, Reinbeck 2011. Aus dem Englischen von Werner Schmitz

Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Kaum hatte ich geschrieben, daß Skippe ein Garant für den schnellen Abstieg sei, schon nahm sich Preetz das zu Herzen und entließ den ehemaligen Dortmunder. Wenn ich das gewußt hätte, hätte ich schön die Klappe gehalten. Aber jetzt kommt Otto Rehhagel, der jeder Innovation abhold ist und für den Disziplin das wichtigste im Leben ist, jedenfalls solange er das Sagen hat. Gut möglich, daß Hertha jetzt doch nicht absteigt, denn als Meister der oldfashioned school steht Rehhagel für Mauern, Bolzen, Grätschen, Dazwischenhauen und taktische Fouls, und er steht damit für alles, was den Fußball unattraktiv macht. Damit hat er sogar mal die EM gewonnen und alle waren entsetzt. Und insofern war es gut, daß Dortmund noch rechtzeitig vor dem Beginn der Ära Rehhagel in Berlin antreten mußte. Interimschef dort war ebenfalls ein ehemaliger Dortmunder, Rene Tretschock, der die große Zeit des BVB in den neunziger Jahren miterlebt hat. Aber das ist lange her und wenn einer zwischenzeitlich bei einem Verein wie Hertha Karriere machen muß, dann heißt das ja wohl irgendwas, und zwar nichts Gutes. Dennoch waren die Berliner nach der desaströsen 5:0-Schlappe in Stuttgart sehr motiviert. Und warum, so dürften sie gedacht haben, sollte es nicht wieder so eine dicke Überraschung hageln wie in der Hinrunde, als Hertha in Dortmund 2:1 gewann. Aber da war Raffael sensationell gut drauf, und während die drei Punkte vor einem halben Jahr ganz allein ihm zu verdanken waren, vergeigte er es diesmal. Hummels, der bislang verläßlichste im Dortmunder Spiel war nämlich völlig von der Rolle und gewährte Raffael zwei riesige Chancen, die er beide verstolperte. Und das war ja auch mal gerecht, denn Dortmund war einfach viel besser, ohne sich allerdings wirklich Chancen herauszuspielen, jedenfalls nicht viele, aber eine davon nutzte Großkreutz dann per Fallrückzieher. Der Rest des Spiels bestand im Zittern, womöglich sich noch ein krummes Ding einzufangen, was gegen einen Gegner wie Berlin immer mal passieren kann. Es zeigte sich, daß Dortmund gleich zwei seiner genialen Spieler nicht ersetzen kann, denn nach Götze fiel auch der zuletzt grandios aufgelegte Kagawa aus. Ein Spiel, das man am besten schnell vergißt, wenn es das dämliche Fußballgedächtnis zuließe. Gladbach hingegen zauberte wieder, als wollten sie Tore des Monats in Serie fabrizieren, und ließen Kaiserslautern schlecht aussehen, während die Bayern beim Tabellenletzten Freiburg nicht über ein torloses Remis hinauskamen. Jetzt schrillen in München die Alarmglocken, denn das Spiel war schlecht, obwohl sich die Chefs mit einem Schiedsrichterbashing, demzufolge die Männer in Schwarz die Bayern benachteiligten, arg ins Zeug legten. Eine Statistik belegte dann jedoch, daß Bayern der Verein ist, der ganz oben auf der Liste der von den Schiedsrichtern begünstigten Mannschaften steht. Man hatte versucht, vom Wurm abzulenken, der sich im Spiel der Bayern eingenistet hat. Jetzt sind sie vier Punkte hinter Dortmund, und lustig wäre es schon, wenn sich die Vision der Bayern bestätigte und die beiden Borussias die Meisterschaft untereinander ausspielen. Aber es ist leider noch ein bißchen zu früh, um sich darüber zu freuen.

Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Es gibt Mannschaften, bei denen scheitert jeder gute und innovative Trainer, der bei anderen Mannschaften viel Erfolg hatte. Stanislawski ist so einer, der jetzt von Hoffenheims Hopp entlassen wurde, weil die Spieler einen Trainer, der mit Begeisterung bei der Sache ist, nicht verstehen und deshalb Kraut und Rüben spielen. Dutt ist der andere, der in Leverkusen an der falschen Adresse ist. Seine Philosophie, mit der er in Freiburg noch Wunder bewirkt hatte, verpufft in einem Verein, bei dem Geld keine Rolle spielt und wo man glaubt, eine Meisterschaft kaufen zu können. Daß das nicht funktioniert, ist das Schöne am Fußball. Leverkusen wird es nie zu mehr bringen als zu Platz Zwei. Und selbst davon ist man in dieser Saison weit entfernt. Gegen Dortmund hätte es unterhaltsam werden können, aber Leverkusen tat alles, um das zu verhindern, indem man offensichtlich in Erwartung einer Niederlage auf dem Rasen das Konzept verfolgte, möglichst nicht allzu viele Tore zu kassieren. Dieser Plan schien in den ersten zehn Minuten nicht aufzugehen, denn da furiosten die Schwarzgelben wieder in Höchstgeschwindigkeit über den Rasen, daß man selbst als Zuschauer Mühe hatte, dem Spiel zu folgen. Danach griff Leverkusens Taktik des zähen Spiels, von dem die Leverkusener selbst dann nicht abrückten, als die Dortmunder mit einem Zaubertor von Kagawa, von allen als das Tor des Tages gekürt, in Führung gingen. Aber Leverkusen tat so, als ob nichts passiert wäre, spielte weiter, als ob man sich ein Unentschieden erwürgen wollte. Wie es diese Mannschaft durch die Gruppenphase der Champions-League geschafft hat, ist eines der großen Rätsel des Weltfußballs. Ein anderes großes Rätsel ist Gladbach, das den direkten Konkurrenten in der Viererspitzengruppe Schalke mit 3:0 völlig demontierte und zwar mit konterschnellem und zauberhaftem Kurzpaßspiel, dem man die Barca-Schule ansieht. Das Rätsel ist nicht, daß Gladbach diesen erfolgreichen Spielstil kopiert, sondern daß sie damit auch erfolgreich ist, d.h. daß Gladbach diesen Spielstil ziemlich gut umzusetzen in der Lage ist. Lucien Favre ist mit Sicherheit ein guter Trainer, aber öffentlich hat er nicht sehr viel mitzuteilen, immer nur das eine, daß nämlich in einer Woche das nächste wichtige Spiel bevorstehe, auf daß man sich vorbereiten müsse. Eine Philosophie steckt da nicht dahinter, aber auf dem Platz sieht das ganz anders aus. Das konnte man schon im Spiel gegen die Bayern bewundern, als der Gegner vor dem 3:0 durch ein perfektes Kurzpaßspiel außer Gefechte gesetzt wurde, bevor der tödliche Paß gespielt wurde. Erstaunlich ist, daß Gladbach das Niveau immer noch aufrechterhalten kann, und das mit so einer Flasche wie Hanke, der noch nie gut war und jetzt im Zusammenspiel mit Reus und Arrango plötzlich glänzt. Und sonst? Freiburg wird um einen Punkt betrogen, weil ein Schiedsrichter, der plötzlich mit einem VW der oberen Preisklasse herumfährt, Wolfsburg ein Abseitstor schenkte. Und Stuttgart, noch chancenlos im Pokal gegen Bayern, zerlegt Hertha mit einem grandiosen 5:0, der 5. Niederlage in Folge für Skippe, dem Garant für einen schnellen Abstieg.

Die Wahrheit über den 20. Spieltag

Die Vorstellung von Dortmund in Nürnberg war beeindruckend, vielleicht ja sogar beängstigend, jedenfalls für die drei Konkurrenten an der Spitze, die daraufhin nur noch ein Unentschieden zustande brachten, wie bei einer unerlaubten Absprache, wenn die denn einen Sinn ergeben hätte. Aber es gab durchaus Gründe für die Unentschieden von Bayern, Gladbach und Schalke. Bei Schalke scheint der Alzheimer von Assauer ansteckend gewesen zu sein, denn die Blauweißen hatten vergessen, wo das Tor von Mainz steht, weshalb sie ein wenig indifferent spielten. Außerdem hatten Kehl und Owomoyela dem zum 3. Mal nach Mainz gewechselten Zidan das Versprechen abgenommen, gegen Schalke zu treffen. Und das tat der dann auch. Leider schaffte Schalke den Ausgleich, weil der vom Hoffenheimer Wurm geflüchtete Obasi sich noch nicht von Assauer hatte anstecken können. Behilflich war ihm dabei der Mainzer Torhüter Wetklo, der dem Schützen bereitwillig eine Ecke zum Reinschießen öffnete, was seiner alten Liebe zu Schalke geschuldet war, denn dort durfte er als Jugendlicher mal zwischen den Pfosten stehen. Reus hingegen versiebte eine 250-prozentige Chance in Wolfsburg, wo Magath inzwischen schon 36 Spieler eingesetzt hat, d.h. drei Spiele hintereinander spielt eine komplett andere Elf, bzw. eigentlich Zwölf, aber das merkt niemand. Reus schämte sich offiziell für den Fehlschuß, aber schließlich hat der BVB für ihn 17 Millionen hingeblättert, und dafür kann man schon mal ein kleines Entgegenkommen erwarten. Am schwierigsten läßt sich das Versagen der Bayern erklären, die in Hamburg nur ein glückliches 1:1 hinkriegten, und das auch nur, weil der möglicherweise nach dem Spiel um einen Plasmaflachbildfernseher reichere Schiedsrichter den Hamburgern einen korrekten Treffer aberkannte. Wäre eine Erklärung. Aber es lag auch an Olic, der mal beim HSV spielte und da noch eine Rechnung offen hatte. Robben sagte: »Es fehlt am Ende ein Tick.« Aber es fehlt bei den Bayern z.Z. mehr als nur ein Tick. Was alles fehlt, konnte man im Spiel der Dortmunder beobachten, denn in Nürnberg ging es immer wieder munter rauf und runter, mit vielen Chancen auf beiden Seiten. Dann mußte Sven Bender mit Verdacht auf Bänderriß raus, und dennoch ging kein Benderriß durch die Mannschaft, denn für ihn kam Moritz Leitner auf den Platz, der einen so genialen Paß spielte wie es ihn in der Geschichte des Bundesliga noch nie gegeben hat, und daraus folgte quasi zwangsläufig das 1:0 durch Kehl, der nach Rückpaß von Piszczek kühl in die Ecke schoß. Da wird der zweitwichtigste Mann nach Götze ausgeschaltet und schon ist ein neuer Spieler nachgewachsen, der es Klopp schwer machen wird, ihn künftig nicht zu berücksichtigen. Die letzten 20 Minuten kam Barrios aufs Feld und markierte nur zehn Minuten später das entscheidende 2:0, sein erster Treffer in dieser Saison. Dabei hatte niemand mehr mit Barrios gerechnet, denn der Verein war sich mit Fulham bereits einig. Er hätte nur noch der Unterschrift von Barrios bedurft, aber dann hat er auf sein Herz gehört und blieb. Ist das nicht herzzerreißend? Fast hätte ich ein bißchen geweint.