Archiv für den Monat: Mai 2013

Die Wahrheit über das CL-Finale in Wembley

Als da Spiel vorüber war, hörte ich im Festsaal Kreuzberg, wo fast ausschließlich Dortmund-Fans das Spiel guckten, eine Frau vor mir rohrspatzen: »Ich hasse diese Scheiß-Bayern, was für widerliche, ekelerregende Typen mit ihren weit aufgerissenen Fressen. Schau dir bloß diesen Müller an. Und dieser fette Hoeneß, der das Gemeinwesen bescheißt. Woher hat denn Bayern das ganze Geld? Natürlich von diesem Arschgesicht, weil der den Staat abgezockt hat. Und dafür gratuliert ihm die blöde Merkel auch noch. Kann sich denn Bayern nicht endlich mit Österreich vereinen, damit wir sie angreifen können. Für die Scheiß-Bayern sind wir hier in Berlin doch sowieso nur Abschaum.« Ich dachte, oh wie wunderbar. Da tat die Niederlage schon gleich nicht mehr ganz so weh. Ein paar chicks on the run, die aufgrund der Ungnade der frühen Geburt Bayern-Fans waren, verdrückten sich schnell und unauffällig. Ihren Sieg konnten sie nicht feiern. Neben ihnen skandierten ein paar BVB-Hardcore-Fans: »Steuerhinterzieher Hoeneß, ole ole le.« Und als ich dann durch den Regen über das Kottbusser Tor zum Falaffelladen ging, war nirgendwo Jubel oder Autohupen zu vernehmen. Die Stadt war still und stumm und traurig. Auch der Falaffelmann drückte mir sein Beileid aus und meinte, er hätte auch für Dortmund gehalten. Ich war gerührt.
Aber vorher hatte ich ein paar bittere Minuten erlebt, als in der 87. Minute das 2:1 durch Robben fiel und klar war, daß der BVB nicht mehr die Kraft und die Möglichkeit haben würde, den Rückstand noch einmal zu egalisieren. Sie würden nicht noch einmal ein Wunder wie gegen Malaga oder Madrid schaffen. Danach fanden alle das Spiel ganz großartig, spannend, eine Werbung für den Fußball, vor allem den deutschen Fußball. Aber wenn man sich die Analysen von Klopp und Rangnick anhörte, dann wurde auch gleichzeitig klar, daß das Spiel einem völlig absehbaren Szenario folgte, daß es kein überraschendes Moment und keine verrückte Wende gab, kein Abseitstor, das gegeben wurde, keinen Platzverweis, also nichts, von dem sich behaupten ließe, das wäre Dramatik auf höchsten Niveau gewesen. Nein, das Spiel verlief nach einem genauen Muster und wurde nicht durch Glück oder Pech beeinflußt, nur durch den Schiedsrichter, aber das ist ja nichts ungewöhnliches.
Es gab im Vorfeld viele kluge Analysen, und das einzig besondere an dem Spiel war, daß das Spiel letztlich genauso verlief, wie es hätte vorhergesagt werden können von Leuten, die die Spielsysteme analysieren, um eine Wahrscheinlichkeitsrechnung anzustellen. Demnach begann Dortmund mit großem Furor und Pressing, und fünfundzwanzig Minuten bekamen die Bayern nur wenig zustande. Das hat Dortmund schon häufig und beeindruckend bewiesen, und es gibt keine Mannschaft in Deutschland, der aufgrund ihrer Überfallstrategie zu Beginn des Spiels so viele Tore gelungen sind wie Dortmund. Aber auch wenn die Bayern kaum aus der eigenen Hälfte herauskamen, gelang dem BVB diesmal kein Tor. Da niemand diesen mit einem immensen Aufwand betriebenen Fußballstil über 90 Minuten durchhält, war auch gleichzeitig klar, daß Bayern kommen würde. Und die Bayern sind viel zu gut, um sich über die gesamte Spielzeit so dominieren zu lassen. Auch sie erspielten sich Chancen, und in der zweiten Halbzeit waren es die Bayern, die mehr vom Spiel hatten.
Danach sagten die Experten, die Bayern hätten um dieses eine Tor verdient gewonnen. Das stimmt sogar, aber es gab einige Vorfälle, die dem Spiel einen anderen Verlauf hätten geben können, aber der Schiedsrichter wollte offensichtlich auf keinen Fall eine gravierende Entscheidung treffen, aber indem er Ribery nach einer klaren Tätlichkeit nicht vom Platz stellte, beeinflußte er das Spiel natürlich trotzdem, auch wenn man nicht weiß, ob Dortmund die zahlenmäßige Überlegenheit hätte ausnutzen können. Und auch, daß der Schiedsrichter Dante die 2. gelbe Karte ersparte, die er ihm nach dem Regelwerk hätte zeigen müssen, als er Reus im Strafraum foulte, war eine Entscheidung für die Bayern. Und irgendwie ist es ja auch beruhigend zu wissen, daß man gegen eine bessere Mannschaft nicht gewinnen kann, die obendrein auch noch den Schiedsrichter auf seine Seite hat. Und auch daß Götze fehlte, war für die Münchner von Vorteil. Mit ihm hätten sie wahrscheinlich die erste halbe Stunde nicht unbeschadet überstanden. Dennoch stimmt, was Klopp schon vor dem Spiel sagte: Auch wenn wir gewinnen, sind wir nicht die besten Mannschaft der Welt. Das aber hätte der BVB werden können, wenn alle Spieler daran geglaubt hätten. Aber gerade die besten taten das nicht. Und das ist eigentlich viel schlimmer als das verlorene Finale.

Die Wahrheit über den 34. Spieltag

Das Schöne ist, dass es bei Dortmund nie ohne Dramatik und Spannung geht, selbst wenn es sich um völlig bedeutungslose Spiele handelt. Jedenfalls für den BVB, dem der 2. Platz nicht mehr genommen werden konnte. Dennoch schickte Klopp seine stärkste Elf auf den Platz, weil es darum ging, nicht aus dem Spielrhythmus zu kommen, wenn es nächsten Samstag um die Krone des Fußballs geht. Nicht mal bei Hoffenheim ging es um etwas, denn dort hatte man sich schon mit dem Abstieg abgefunden. Und so spielten die Hoffenheimer auch. Die Dortmunder kombinierten munter drauf los, schossen auch schnell das erste Tor und ließen ein paar Hundertprozentige liegen. Daran änderte sich auch in der 2. Halbzeit nichts, bis plötzlich Hummels in der 76. Minute im Strafraum statt den Ball nur Volland traf und damit nicht nur einen Elfer verursachte, sondern sich dabei auch noch verletzte. Mit Verdacht auf Bänderriss mußte er vom Platz. Und es wurde noch schlimmer. Dortmund ließ sich überrumpeln und Weidenfeller griff zur Notbremse. Rot für ihn. Er wurde von Großkreutz ersetzt, der den 2. Elfer allerdings auch nicht halten konnte. Die Dortmunder wollten jedoch nicht Schuld am Abstieg Düsseldorfs sein und warfen noch einmal alles nach vorne. Und Schmelzer traf tatsächlich in der allerletzten Minute noch einmal. Das Tor wurde zunächst gegeben, dann aber revidierte der Schiedsrichter seine Entscheidung, weil Lewandowski im Abseits stand, und auch wenn er den Ball nicht mehr berührte, so doch eine aktive Bewegung zum Ball machte. Eine mißglücktere Generalprobe kann es schlecht geben. Nicht nur sind die beiden wichtigsten Spieler verletzt und können, wenn überhaupt, dann wahrscheinlich nur angeschlagen in Wembley antreten, auch die Tatsache, daß die Dortmunder nicht in der Lage sind, eine Partie gegen einen Absteiger zu gewinnen, den sie fast während der gesamten Spielzeit dominieren, läßt die Hoffnung langsam schwinden, es könnte mit Glück zum 2. CL-Titel reichen. Jetzt muß man auch noch mit der Hypothek leben, die verhaßten Hoffenheimer gerettet zu haben, auch wenn ich nichts dagegen habe, daß es Campinos Düsseldorf erwischt hat. Hoffenheim muß jetzt gegen Kaiserslautern in die Relegation, und das ist ebenfalls keine schöne Alternative, für die ich Sympathie aufbringen könnte. Auch nicht schön an diesem schwarzen letzten Spieltag war es, daß Schalke trotz Unterlegenheit in Freiburg das direkte Duell um Platz 4 für sich entscheiden konnte. Das einzig Positive bestand in der Rettung von Augsburg, die allerdings mit einem Heimspiel gegen die bereits abgestiegenen Fürther die nominell leichteste Aufgabe hatten. Und sie erledigten sie mit Bravour. Die nächste Saison aber wird die schwerste für sie, so wie es auch für den BVB die schwerste Saison werden wird, denn gegen die durch Götze und wahrscheinlich Lewandowski zusätzlich verstärkten Bayern wird schwerlich etwas auszurichten sein, während es bei den Dortmundern mehr darum gehen wird, einen CL-Platz zu ergattern. Die Zeit des Triumphs und der Dramatik ist vorbei, eine neue Zeit der Ungewißheit ist angebrochen. Aber das ist ja das Schöne schon immer gewesen bei den Schwarzgelben.

Die Wahrheit über den 33. Spieltag

Nach den vielen Aufregungen, von denen ich weiße Haare bekommen hätte, wären sie das nicht schon lange, war es erholsam, mit der Gewißheit in die Respectbar zu gehen, daß es ein ruhiger Nachmittag werden würde, weil es weder für Dortmund noch für Wolfsburg um irgendetwas ging. Der BVB hätte zwar theoretisch von Leverkusen von Platz zwei verdrängt werden können, aber dazu hätte Leverkusen einen Zwölftorerückstand aufholen müssen, und das war alles andere als wahrscheinlich in zwei Spielen. Nach dem 3:3 in Wolfsburg waren das alles nur noch Zahlenspiele. Dortmund war nach einer Standardsituation schnell in Führung gegangen, aber das war schon häufiger in dieser Saison kein gutes Omen. Wolfsburg spielte mit einem genialen Diego trotz signifikanter Heimschwäche richtig gut auf und machte innerhalb von zwölf Minuten drei Tore. Man fühlte sich schon an das unselige Hinspiel in Dortmund erinnert, aber damals war es vor allem Pech, diesmal spielten die Dortmunder so schlecht, wie ich das schon seit Jahren nicht mehr erlebt habe, obwohl nur Subotic und Kuba geschont wurden, dessen Hereinnahme in der 2. Halbzeit sofort Schwung ins Spiel brachte. Santana hingegen war ein Unsicherheitsfaktor besonderer Art, der es sogar schaffte, völlig unbedrängt den eigenen Torpfosten zu treffen. Aber auch sonst klappte gar nichts und man fühlte sich wieder in dunkle Zeiten zurückversetzt, denn auch einem Reus, Sahin oder Lewandowski gelang nur wenig, schon gar kein Zusammenspiel. Immerhin versöhnte die zweite Halbzeit, weil sich die Dortmunder nun ins Zeug legten und Reus zwei schöne Treffer zum Ausgleich gelangen. Schalke hingegen brachte seinen 4. Platz durch eine Heimniederlage gegen Stuttgart in Gefahr. Das haben nicht viele Mannschaften in dieser Saison geschafft. Davon profitierte Freiburg, die jetzt bis auf einen Punkt an den CL-Qualifikationsplatz herangekommen sind. Freiburg hat es jetzt in der Hand, denn am letzten Spieltag empfangen sie zu Hause Schalke, d.h. es gibt ein direktes Duell um Platz vier. Freiburg in der Champions-League wäre in jedem Fall eine schöne Sache, und jeder der zahlreichen Abwanderer wird sich dann vielleicht in den Arsch beißen, weil sie bei Vereinen angeheuert haben, die nicht mal Euroleague spielen. Frankfurt hingegen war so nobel und ermöglichte mit einem Unentschieden in Bremen den Werderanern den Klassenerhalt, was dort wie eine Meisterschaft gefeiert wurde. Die Eintracht könnte bei dem Direktduell der lachende Dritte sein, aber dazu müssen sie allerdings erstmal gegen Wolfsburg gewinnen, die leider gerade richtig gut spielen. Egal jedenfalls, ob Freiburg oder Schalke gewinnt, hätte Frankfurt die Euroleague sicher. Aber auch für Hamburg ist noch was drin, wenn sie es zu Hause gegen Leverkusen schaffen, und da fängt es an, sehr witzig zu werden, denn die Hamburger haben eine so schlechte Saison gespielt, daß man schon dachte, sie würden absteigen, und dann stellt man plötzlich fest, daß so eine Mannschaft in Europa mitspielen darf. Das wird aller Voraussicht nach ein sehr kurzes Intermezzo.

Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Die Lust, die Dortmunder zu sehen, überwog dann doch die Abneigung, sich die Bayern anzugucken. Uns so begab ich mich trotz strahlender Sonne in die Respectbar, in der erstaunlich wenige Leute waren, jedenfalls für ein absolutes Spitzenspiel zwischen zwei CL-Finalisten. Aber weil der Drops schon gelutscht war, ging es in diesem Spiel nur noch, wenn man den Moderatoren der Bezahlsender glaubt, um die »goldene Ananas«, die dann aber doch nicht vergeben wurde, obwohl mich die schon interessiert hätte, schließlich hatte ich schon häufig von ihr gehört, mir aber nie einen Reim darauf machen können. Es gibt also trotz der überall herrschenden Transparenz doch noch mehr Geheimnisse im Fußball als die in der Schweiz geparkten Millionen von Hoeneß aus Spekulationsgewinnen. Hoeneß hatte der Zeit sein Herz ausgeschüttet und darüber geweint, daß er nicht mehr dazugehören würde und daß Börsenspekulation eine Krankheit sei. Ich überlegte mir schon, ob ich ein Konto eröffnen sollte, um Spenden für den armen, kranken, börsensüchtigen, abhängigen und nicht mehr dazugehörigen Mann zu sammeln. Aber dann guckte ich lieber ganz entspannt das Spiel, in dem zwei B-Mannschaften gegeneinander antraten. Nicht ganz, denn bei Dortmund war es nur eine halbe B-Mannschaft, weil man vorher gegen eine Tretergruppe aus Madrid angetreten war und viele Spieler noch ihre Blessuren auskurieren mußten, während es bei Bayern gar keine B-Mannschaft gibt, sondern nur eine weitere A-Mannschaft, in der man kleine Bullterrier züchtet, die auf den Namen Rafhina hören und aus Schalke kommen. Trotz der nominellen Überlegenheit wußten sich die Bayern nur mit ähnlichen Mitteln zur Wehr zu setzen wie die Spieler aus Madrid. Gleich sechs gelbe Karten mußte der Schiedsrichter an die Spieler in rot verteilen. Eine an den Dortmunder Kuba, nachdem er von Rafinha einen Ellbogen ins Gesicht gerammt bekommen hatte, wahrscheinlich um den Bayern das gelb-rot schmackhafter zu machen, was aber eine Milchmädchenrechnung war, denn die Bayern regten sich fürchterlich auf, als gehöre es in München zu den Menschenrechten eines Spieler, dem Konkurrenten das Nasenbein zu brechen. Rafhina empörte sich so, daß er Kuba noch am Spielfeldrand seinen Finger ins Gesicht bohrte, weil der sich beschwert und sich nicht still in sein Schicksal gefügt hatte, und nachdem Klopp den Giftzwerg verscheuchen wollte, plusterte sich plötzlich ein anderer Giftzwerg von der Bayernbank auf, einer mit Glatze. Es gab dann eine kurze Auseinandersetzung zwischen Sammer und Klopp, die der Dortmunder Trainer sehr souverän und mit einem maliziösen Lächeln zu Ende brachte, denn er befand sich an diesem Abend sowieso nicht »auf der Suche nach neuen Freunden«. Die Bayern machten es einem wieder einmal ganz leicht, sie nicht zu mögen. Es gab keine Veranlassung, an seinem alten Feindbild zu kratzen und seine Vorurteile zu revidieren. Die Fußballwelt ist also noch in Ordnung. Und ich dachte schon, wenn Götze zu den Bayern geht, könnte das schwierig werden. Aber da konnte ich mich selber beruhigen.

Die Wahrheit über das CL-Halbfinalrückspiel gegen Real Madrid

Das rauschhafte 4:1 Hinspiel, als der BVB Real Madrid an die Wand spielte, war nur für Leute ein sicheres Polster, die keine Ahnung haben vom Fußball, denn so desorientiert die Madrilenen im Westfalenstadion auftraten, so wäre es bestimmt nicht das erste Mal gewesen, daß ein Gegner mit 3:0 nach Hause geschickt worden wäre. Und Mourinho und seine Spieler wußten, was auf dem Spiel stand. Mourinho hätte gerne an seinem Mythos weitergestrickt, der größte und beste zu sein, und sich mit dem 3. Champions-League-Titel mit einer anderen Mannschaft zu Abramowitsch‘ Chelsea verabschiedet, aber jetzt ist er gegen einen Newcomer ausgeschieden, der sich nicht vor einer Truppe aus großen zusammengekauften Stars versteckt, sondern ihr System spielt, das jetzt immer mehr Nachahmer findet. Und es war klar, daß auch die Realspieler Rache nehmen wollten für eine der höchsten Niederlagen in ihrer glorreichen Geschichte. Und das taten sie dann auch. Allen voran Sergio Ramos, der Lewandowski gleich mehrmals mit dem Ellbogen voraus wegrammte, ohne dafür auch nur einmal gelb zu kriegen. Überhaupt verteilte der bullige und sehr souverän wirkende Schiedsrichter nach einem sehr undurchsichtigen System die Karten. Ramos hätte schon lange nicht mehr auf dem Feld stehen dürfen, als er in der 88. Minute das 2:0 mit einem Gewaltschuß erzielte und es noch einmal auf unerträgliche Weise spannend wurde, denn die Madrilenen warfen die sechs Nachspielminuten alles nach vorne, was Beine hatte, während die Dortmunder nur noch den Ball nach vorne schlugen, wo niemand mehr stand, der sie hätte in Empfang nehmen können, denn Lewandowski war bereits zugunsten einer stabileren Abwehr rausgenommen worden. Und niemand hätte es für möglich gehalten, wie lange sich sechs Minuten hinziehen können. Watzke verließ zehn Minuten vor Schluß seinen Logenplatz neben dem spanischen König und sperrte sich auf dem Klo ein, weil sein Herz die Aufregung nicht mehr verkraftete. Das allerdings machte in der Respectbar, wo ein harter Kern von Dortmund-Fans das Spiel guckte, niemand. Aber hier mußte auch niemand neben einen spanischen König sitzen, weshalb die meisten die Kontrolle über sich verloren und nach dem Schlußpfiff sich wild um den Hals fielen, während Mourinho sich darüber beschwerte, daß Hummels wegen seines unabsichtlichen Handspiels kurz vor dem Strafraum keine rote Karte erhalten hätte, für ihn die Schlüsselszene des Spiels, denn ohne Hummels hätte Madrid gewonnen. Und das stimmt selbstverständlich, denn Hummels war nach dem frühen Ausscheiden von Götze wegen einer Oberschenkelzerrung die zentrale Figur, der die Madrilenen zur Verzweiflung brachte. Und das mußte er sein, denn nach seinem Torgeschenk in Dortmund, als er sich selber als den schlechtesten Spieler in Schwarzgelb bezeichnete, hatte er einiges wieder gutzumachen. Das Spiel war so unglaublich und verrückt, weil es alle möglichen Drehungen und Wendungen hätte nehmen können. Hätten die Mannschaften ihre Großchancen alle genutzt, hätte es auch 5:5 stehen können, aber Weidenfeller war ein weiterer Dortmunder, der sensationell spielte und an dem die Madrilenen verzweifelten. Aber man könnte auch alle anderen Spieler an diesem Abend hervorheben, und da machte es nichts, daß es nicht das größte Spiel der Dortmunder war. Das konnte es auch gar nicht sein, denn die Madrilenen gingen vor allem die ersten zwanzig Minuten wie ein Überfallkommando vor. Da hätte Dortmund schon 3:0 hinten liegen können. Später behalfen sie sich dann mit übergroßer Härte und ständigen Fouls, um den Spielfluß der Dortmunder zu unterbrechen, und deshalb ist es mehr als verdient, daß diese Spanier nicht ins Finale gekommen sind. Das haben auch die Ultras nicht verdient, die jetzt darüber wütend sind, daß Deutschland Europa nicht nur politisch und wirtschaftlich dominiert, sondern auch noch fußballerisch. Zumindest letzteres ist allerdings selbstverschuldet.