Archiv für den Monat: März 2014

Die Wahrheit über den 28. Spieltag

Ohne Spannung und Aufreger geht es bei Dortmund einfach nicht. Nicht mal gegen den Absteiger Stuttgart, der schon nach 20 Minuten 2:0 führte, in denen der BVB so schlecht spielte wie seit langem nicht mehr, und zwar einzeln genauso wie als Mannschaft. Der Steilpaß von Hofmann auf Reus war vielleicht der erste gelungene Spielzug. Aber dann kam Dortmund immer besser ins Spiel und drückte die Stuttgarter in die eigene Hälfte. Als Niedermeier dann gegen Lewandowski rot sah, fiel nicht nur der Ausgleich, es war auch nur noch eine Frage der Zeit, bis der Führungstreffer fallen würde. Und obwohl Reus nicht wirklich ein gutes Spiel machte, er schoß alle drei Tore.
Die Schiedsrichter standen an diesem Spieltag im Mittelpunkt. Weimer, der das Dortmundspiel pfiff und sich an der Achillessehne verletzte, fiel immer wieder auf Stuttgarter Schwalben herein, konnte den verdienten Sieg der Dortmunder aber nicht verhindern. Beim 2:1 der Frankfurter in Wolfsburg erkannte Gagelmann den regulären Frankfurter Treffer zur 2:0-Führung wegen Abseits nicht an, baute so die Wolfsburger auf, die durch einen Glücksschuß dann auch noch unverdient gewannen. Und auch die Braunschweiger hatten jede Menge Grund, sich beim Schiedsrichter Winkmann zu beschweren, denn der ahndete ein brutales Foul von Can an Vrancic nicht, sondern ließ weiter spielen. Vrancic mußte wegen Nasenbeinbruchs behandelt werden. In Unterzahl kassiert Braunschweig den Ausgleich zum 1:1. Und auch einen Stinkefinger von Spahic ließ Winkmann ungesühnt. Im Abstiegskampf zwischen Nürnberg und Freiburg, das Freiburg 3:2 für sich entschied, geriet der Schiedsrichter Drees ins Kreuzfeuer der Kritik von Verbeck, der sogar meinte, daß der nie wieder ein Spiel pfeifen dürfe.
Immer wieder wird darüber geschrieben, wie langweilig die Liga mit derart überlegenen Bayern geworden ist. Und in der Tat scheint trotz des 3:3 gegen Hoffenheim gegen sie kein Kraut gewachsen zu sein, aber ein Mittel, ihnen dabei den Spaß zu verderben gibt es dennoch. Man müßte sich in der Liga nur darauf einigen, daß alle ihre B-Elfs oder ihre Jugendmannschaften gegen Bayern auflaufen lassen. Wenn man gegen die Bayern sowieso keine Chance hat, kann man der ersten Elf auch mal eine Pause gönnen. Bayern hätte dann einen der bestbezahlten Kader der Welt und müßte sich ständig mit Mannschaften auf Zweitliganiveau herumschlagen. Ich nehme mal an, es wäre kein schönes Gefühl, gegen solche Mannschaften Meister zu werden, es wäre keine Herausforderung, und Spaß würde es auch keinen machen. Man würde sich dann fragen, warum man unbedingt einen so hochdotierten Kader benötigt für Spiele gegen B-Elfs. Vermutlich würde bei den Münchnern auch das Zuschauerinteresse abnehmen, denn langweilig werden würde es allemal. Die ganzen taktischen Einstellungen und Kniffs von Guardiola würden ins Leere laufen, denn gegen seine Gegner würde seine Mannschaft auch ohne spielerische Feineinstellung gewinnen. Er müßte sie nicht mal motivieren. Der Trainer wäre überflüssig und er würde es wissen und daran verzweifeln. Und die ganzen Titel, die man sich dann noch ins Vereinsheim hängen könnte, wären wie Muster ohne Wert. Darüber sollte die Liga im Ernst nachdenken. Wenn Bayern durch seine finanziellen Möglichkeiten alle anderen Vereine weit hinter sich läßt, dann kann man sie da oben an der Spitze auch verhungern lassen. Dort oben können sie dann ganz allein für sich ihre Kreise ziehen.

Die Wahrheit über den 27. Spieltag

Das Derby stand unter strenger Beobachtung. Seit es beim letzten Mal Ausschreitungen zwischen den Fans gab und wegen Pyrotechnik sogar mal ein Spiel unterbrochen werden musste, ließ man sich diesmal einiges einfallen, um die Vollidioten auf beiden Seiten auseinanderzuhalten. Dem BVB wurde auf Bewährung angedroht, dass die Südtribüne für ein Spiel geschlossen werden würde, und die Vereine kündigten an, bei den Derbys die gegnerischen Fans auszuschließen. Dennoch verließ man sich nicht auf die Drohungen, sondern auf die Polizei, die mit 3000 Mann anrückte, damit niemand auf dumme Gedanken kam. Dieser Plan klappte. Jetzt musste nur noch ein tolles Spiel her. Das aber kam nur in Maßen zustande. Jedenfalls war es nichts im Vergleich zum einzigen Derby, das noch berühmter ist als das zwischen BVB und Schalke, nämlich dem Classico. In diesem hatten sich Barcelona und Real nur zwei Tage zuvor 4:3 für die Katalanen getrennt, und die Welt erlebte die Wiederauferstehung von Messi und Iniesta. Das allerdings heißt nicht, daß sich die Dortmunder Hoffnungen machen könnten. Das zeigt nur, wie weit mit Ausnahme Bayerns die Spitzenteams der spanischen und der deutschen Liga auseinanderliegen. Mit Schalke, die von Real noch mit 6:1 abgekanzelt wurden, hatte der BVB seine liebe Mühe. Beide Teams mußten eine Menge Ausfälle kompensieren und insofern herrschte eine gewisse Parität im Pech. Die jüngste Bilanz allerdings sieht verheerend für den BVB aus, denn von den letzten sechs Partien im Westfalenstadion hatten die Dortmunder nur eine gewonnen. Und jetzt sind es sieben, denn diese Partie endete torlos. Sie war nicht hochklassig, denn dazu fehlten auf beiden Seiten die verletzten Stammkräfte, aber spannend. Zwar spielte Dortmund überlegen, phasenweise sogar drückend überlegen, aber man merkte auch, dass sie mit dem frühen Pressing des Gegners nicht zurecht kamen und viele Bälle hoch nach vorne schlugen, statt das flache Paßspiel zu nutzen. Piszczek läuft seiner Form immer noch hinterher und kam nicht nur mit Draxler nicht zurecht, auch seine früher gefährlichen Flanken landeten häufig im Toraus. Sokratis befand sich im Kampfmodus und schaltete Huntelaar aus. Hummels ist endlich wieder der Denker und Lenker aus dem Rückraum. Die Überraschung des Abends war Erik Durm, eigentlich Ersatz für Schmelzer, in dieser Form aber sogar besser als Schmelzer. Reus war wieder sehr präsent, vergab aber ebenso wie Lewandowski riesige Chancen. Hätte der BVB nur seine hundertprozentigen Chancen genutzt, hätte es am Ende 3:0 gestanden. So aber musste man bis zum Ende zittern, weil man ja immer damit rechnen mußte, dass irgendein krummes Ding einschlägt, aber bei den zwei einzigen Chancen der Schalker befand sich Weidenfeller auf dem Posten. Die Dortmunder Rumpfelf lieferte also ein gutes Spiel ab, ließ hinten kaum etwas zu und versiebte vorne seine Möglichkeiten. Wie häufig eben. Gegen Real Madrid wird das kaum reichen, und ob es in Stuttgart reichen wird, ist auch noch nicht sicher. Aber immerhin gibt es Lichtblicke.
Ach ja: Die Bayern wurden mit einem 3:1-Sieg in Berlin Meister. Die Bayern sind bekanntlich das Produkt eines kriminellen Wurstfabrikanten, der vor Gericht Angaben machte, die nicht der Wahrheit entsprachen. Weil die zu seinen Ungunsten gesprochen hätten, wurde in einem Schnellgerichtsverfahren ein schnelles Urteil gefällt, das sofort von allen Seiten (u.a. Seehofer und Merkel, die sofort von „Respekt für Hoeneß“ schwafelten) akzeptiert wurde, damit nicht noch mehr von Hoeneß schmutzigen Geschäften ans Tageslicht kommen würde. Erst das Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ wies darauf hin, dass Hoeneß mitnichten seine unversteuerten Devisentermingeschäfte seiner Bank überlassen hatte, sondern jedesmal einen konkreten Auftrag erteilt hatte. Hoeneß hatte geleugnet, bei Geschäften in Millionenhöhe mit der Bank gesprochen zu haben. Die Bank wiederum bestreitet das. Außerdem verfügte Hoeneß sehr viel früher über die 70000 Dokumente, die dem Gericht erst zwei Wochen vor dem Prozeß übergeben wurden. Hoeneß war am Zürcher Bankenplatz eine Zeitlang „der berühmteste deutsche Trader schlechthin“. Zudem betrieb er ein „lukratives Doppelspiel“, denn bei seinem legalen Konto in München tätigte er sogenannte „Backuped Deals“, d.h. in Zürich machte er unversteuerte Gewinne und zu Hause steuerlich absetzbare Verluste. Die Sache ist weit schlimmer als angenommen, aber das Urteil ist rechtskräftig und alle haben vor Hoeneß Respekt. Und der Verein dieses Mannes ist jetzt Meister.

Die Wahrheit über den 26. Spieltag

Vielleicht kam das Geraune auf den Rängen im Westfalenstadion im CL-Spiel gegen St. Petersburg, über das sich Großkreutz, Sahin und Kehl via TV beschwerten („Immer dieses Stöhnen, wenn mal was schief läuft“), genau zur rechten Zeit, um der Öffentlichkeit in der anschließenden Debatte noch einmal vor Augen zu führen, was eigentlich jeder weiß, aber nicht wirklich wahrhaben will. Als der BVB das grandiose 4:1 im CL-Halbfinale gegen Real Madrid spielte, war das eine der großen Sternstunden. Der BVB war als Mannschaft in Bestform und in bester Besetzung. Von der damaligen Elf fehlen verletzungsbedingt fünf Spieler, Lewandowski, der vierfache Torschütze ist gesperrt und Götze hat sich bei einem Verbrecher verdingt. Die Mannschaft, die übrig geblieben ist, spielt wahrscheinlich so gut sie kann, ist aber weit davon entfernt, das Pressing und das schnelle Umschaltspiel umzusetzen. Real Madrid hingegen ist stärker geworden und befindet sich gerade auf der Höhe seiner Möglichkeiten, während es vor einem Jahr unter Mourinho in den Mannschaft rumorte. Und schon damals war das Weiterkommen gegen Real eine äußerst hart umkämpfte Angelegenheit. Es ist schön, unter den besten acht Mannschaften zu sein, oder wie Klopp es ausdrückte, da sind die sieben besten Mannschaften … und wir (die wir eigentlich nicht dazugehören). Unter dieser Voraussetzung kann man das Viertelfinale gelassen auf sich zukommen lassen. Und wenn das auch die Spieler tun, dann könnten das zwei schöne Abende werden, auch wenn die Spannung gleich Null sein dürfte. Immerhin konnte sich Dortmunds Rumpfelf mit Kirch, Durm und Hofmann mit 3:0 gegen Hannover behaupten. U.a. mit einem sensationellen Sololauf Lewandowskis. Aber auch der eingewechselte Schieber hatte eine grandiose Szene, die mich mehr erstaunte als das schöne Lewandowski-Tor, weil man die fein herausgespielte Flanke auf den freistehenden Reus nicht erwartet hatte, während Reus nur wenige Meter vor dem Ziel den Ball übers Tor schoss, wie Reus überhaupt seiner Form hinterherhinkt. Wenn also gegen Schalke am kommenden Dienstag überhaupt was drin sein sollte, dann nur über den Kampf. Aber viel mehr als Kampf hat Schalke z.Z. auch nicht zu bieten, denn auch Schalke geht personell auf Reserve und muß auf seinen eigenen Nachwuchs vertrauen. Weil Dortmund und Schalke gewonnen haben, ist Bayern immer noch nicht Meister. Gegen gut aufgelegte Mainzer zeigten sie wieder, das ein Spiel, das den Bayern gefährlich werden könnte, nicht über 90 Minuten durchzuhalten ist, weshalb sie meistens in den letzten zehn Minuten eine Partie entscheiden. Im Abstiegsduell zwischen Stuttgart und dem HSV zog Hamburg den Kürzeren. Sieht so aus, als ob der Notgroschen, den Dortmund für die Hamburger gespendet hat, völlig umsonst war. Ich hätte nichts dagegen. Und Stuttgarts Manager Bobic muß schon sehr verzweifelt sein, daß er dem holländischen Proll van Stevens die Rettung seines Vereins anvertraut. Schlimm allerdings wäre es, wenn Dortmund in einer Woche auch dem VfB Schützenhilfe leistete.

Die Wahrheit über den 25. Spieltag

In der Hinrunde war Gladbach zum Stolperstein geworden nach furiosen Auftaktspielen, bei denen es so aussah, als ob Dortmund vielleicht doch wieder an der Form in den Meistersaisons würde anknüpfen können. Und furios war auch das Spiel. Mit drückender Überlegenheit und zahlreichen Chancen. Nur am Ende hatte Gladbach gewonnen und niemand konnte sagen, wie das zustande gekommen war. Diesmal gewann Gladbach nicht zu unrecht, denn mit den Dortmunder Mitteln des frühen Pressings setzten sie die Dortmunder schon früh unter Druck, und das zeigte bei den Dortmundern Wirkung. Sie hatten nur wenig Ballsicherheit, und wenn sich Chancen auftaten gegen defensive Gladbacher, wurden sie vergeben. Daß die Dortmunder am besten mit ihren eigenen Spielstil zu schlagen sind, hat sich inzwischen herumgesprochen, und wenn man defensiv dicht gestaffelt ist, in die Zweikämpfe geht und auf Konter setzt, dann sind das drei taktische Punkte, die gegen den BVB in der Regel Wirkung zeigen, vor allem, weil viele Dortmunder einfach nicht die Form aufweisen, die nötig wäre, um gegen eine solche Taktik zu bestehen. Ohne die üblichen Langzeitverletzten fehlten nun auch Mhkitaryan wegen der 5. gelbe Karte und Reus, weshalb die Offensivformation Aubameyang, Hoffmann und Großkreutz hieß, die einfach kein großes kreatives Potential besitzt, und da auch Sahin nicht mehr der ordnende und gestaltende Faktor ist, ist Dortmund noch nie so einfach zu schlagen gewesen wie jetzt. Zudem hat der BVB offenbar eine soziale Ader, Mannschaften, die in der Krise stecken und schon seit zehn Spielen keinen Sieg mehr landen konnten, unter die Arme zu greifen. Das war gegen Hamburg so und jetzt auch gegen Gladbach. Häufig wurde Hamburg als Ausrutscher angesehen, weil Dortmund inzwischen ein paar Spiele gewinnen konnte, aber schon das zuletzt dürftige 1:0 gegen Freiburg war kein Argument mehr gegen die schwache Verfassung, in der sich Dortmund befindet. So jedenfalls hat Dortmund keine Chance gegen Schalke, und auch gegen Peterburg am kommenden Mittwoch wird es noch einmal sehr spannend mit offenem Ausgang. Es sieht so aus, als ob die Dortmunder Spielweise nicht mehr greift, vor allem, weil dem BVB das Personal dazu fehlt. Bayern München hat gegen Bayer eine Taktik angewandt, gegen die noch niemand ein Mittel gefunden zu haben scheint. Und diese Taktik heißt hohe Ball- und Paßsicherheit, den Gegner möglichst erst gar nicht in Ballbesitz kommen zu lassen. Diese Taktik ist der Fußballphilosophie von Barcelona nicht unähnlich, aber um so etwas spielen zu können, muss man auch das Peronal haben, das so etwas spielen kann. Gegen eine engmaschige Leverkusener Verteidigung hatten die Bayern bis zu 80 Prozent Ballbesitz, mit unendlichen Ballstafetten ließen sie die Leverkusener laufen und warteten auf den sich irgendwann öffnenden Raum oder auf den Fehler des Gegners. Das ist keine attraktive, aber eine sehr effektive Spielweise, die niemand so gut beherrscht wie Bayern, wahrscheinlich auch nicht Barcelona, wo man sich zu sehr von Messi abhängig gemacht hat.

Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Die Vereine würden nicht genug und fleißig trainieren, sagte Sammer. Aber die Bayern würden immer trainieren als ob es kein Morgen gäbe. Wenn es aber kein Morgen gäbe, warum sollte man dann trainieren? Außer der verbissene Sammer natürlich. Sammer versuchte den 20-Punkte-Vorsprung der Bayern zu erklären. Aber dieser Ansatz ist natürlich ein bisschen schwachsinnig. Viele empören sich darüber, aber es ist nichts zum Empören, sondern man muss mit Sammer höchstens Mitleid haben, dessen Intelligenz durch Ehrgeiz ersetzt wird. Und Ehrgeiz ist dumm. Dummheit aber kommt überall voran. Natürlich ist es nicht das Training, dass den 20-Punkte-Vorsprung erklärt, sondern das Geld, mit dem man sich alles für den Erfolg Nötige zusammenkaufen kann. Und deshalb kann man sich über Sammer nur lustig machen und ihm mit feiner Ironie antworten, die Sammer aber sowieso nicht versteht. Klopp sagte: »Ich glaube nicht, dass Bayern ohne Sammer einen Punkt weniger hätte.«
In Wolfsburg gewannen die Bayern wieder 6:1. Aber erst nach einer Stunde fielen die Tore der Bayern, als die Wolfsburger Kräfte nachließen. Totales Pressing ist also auch nicht der Schlüssel zum Erfolg, wenn man es nicht bis zum Schluss durchhalten kann. Dann ist die Ballsicherheit entscheidend, und zwar die Ballsicherheit jedes einzelnen Spielers. Und das ist ja auch das Credo von Guardiola. Es sieht also nicht so aus, als ob die Bayern irgendetwas aufhalten könnte zum neuerlichen Triple. Höchstens die Tatsache, dass bis auf Badstuber alle Spieler wieder einsatzfähig sind, während andere Vereine eine lange Ausfallliste vorweisen können. Aber gerade die Tatsache, dass viele Spieler nur noch sporadisch eingesetzt werden, würde in allen anderen Vereinen zu Missstimmungen führen. Bei Bayern kriegen die Spieler zu viel Geld, um sich dafür nicht auch klaglos auf die Bank zu setzen. Die Sache sieht also sehr aussichtslos aus, und deshalb hilft nur Ignorieren, wenn man den Fußball noch genießen will, dessen Reiz ja in der Überraschung liegt.
Und überraschend war an diesem Spieltag der 2:0-Erfolg der Bremer in Nürnberg, und das in einem attraktiven Kampfspiel, in dem Aron Hunt zuerst einen Elfer schindete und danach beim Schiedsrichter zugab, dass es keiner war. Eine nette Geste, die sicherlich etwas leichter fiel, da Bremen sowieso 2:0 führte. Und mit der Niederlage der Gladbacher zu Hause gegen Augsburg setzte sich nicht nur die Negativserie der Gladbacher fort, sondern auch der Aufschwung der Augsburger, die jetzt auf einem der internationalen Plätze stehen. Und Stuttgart gab einen sicheren Sieg gegen Braunschweig in der 82. Minute aus der Hand. Danach kochte die Stuttgarter Volksseele und wünschte alle zum Teufel. Und man sah Bobic sehr sehr nachdenklich vor den Kameras stehen. Inzwischen hat er schon Kontakt mit seinem alten Kumpel Balakow aufgenommen, aber der wird den Karren auch nicht aus dem Dreck ziehen können. Stuttgart hat nur das Glück, dass es mit Hamburg eine noch schlechtere Mannschaft gibt, die gegen Hannover nur ein 1:1 schafften.

Und der BVB? Hat mit Müh und Not ein dreckiges 1:0 gegen Freiburg erreicht und damit die Steilvorlage der Leverkusener genutzt und nun einen 4-Punkte-Vorsprung als Tabellenzweiter. Klopp sagte, wer solche Spiele gewinnt, wird normalerweise Meister. Der BVB war überraschend schlecht, aber ohne Reus und den vom Länderspiel verletzten Lewandowski war vielleicht auch gar nicht mehr drin. Schon gar nicht mit Schieber, der einfach nicht das Format hat, um gegen eine konsequente Bundesligahintermannschaft zu bestehen. Aber auch Mhkitaryan verlor auf merkwürdig einfache Art häufig den Ball und wahrscheinlich tut ihm die Pause im nächsten Spiel nach der fünften gelben Karte mal ganz gut. Immerhin Hummels spielte überragend, während man sich bei den Freiburgern fragt, wieso die eigentlich auf Platz 17 stehen. Auch wenn sie vielleicht keine großen Chancen hatten, spielerisch und kämpferisch waren sie den Dortmundern durchaus ebenbürtig. Und als sie die letzten zehn Minuten aufmachten und alles nach vorne warfen, hatten die Dortmunder einige Riesenchancen durch Konter, die sie allesamt kläglich versiebten. Am Ende waren die Dortmunder ziemlich froh durch einen eleganten Heber, der für Kehl nicht unbedingt typisch ist, gewonnen zu haben. Nur der ausgewechselte Sahin wurde da gerade von Klopp an der Seitenauslinie zusammengefaltet. Aber die Kamera befand sich hinter Klopp, sonst hätte Bild wieder einen Lippenleser engagiert.

Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Zählte man nur die Rückrunde, dann stand der Club vor Dortmund, denn sie hatten bis auf das Spiel gegen Bayern alle Spiele gewonnen. Und bei Dortmund muss man auf alles gefasst sein. Starke Gegner können ihnen genauso gefährlich werden wie abstiegsgefährdete. Das Vertrauen in die eigene Mannschaft hat seit der 3:0-Pleite in Hamburg einen echten Knacks wegbekommen, denn noch immer wird gerätselt, wie der Leistungseinbruch zustande gekommen war. Und die Nürnberger bewiesen in der 1. Halbzeit, dass sie gefestigt waren. Sie hatten mehr Ballbesitz als die Dortmunder und gingen weite Weg, um ständig zu stören. Die Dortmunder hatten zwar Chancen, aber keine hochkarätigen, die sie sonst immer auslassen. Und wäre bei Sokrates‘ missglücktem Zuspiel auf Hummels für die Nürnberger mehr herausgekommen als nur ein Pfostenschuss, dann hätten nicht wenige geglaubt, dass das Unglück wieder seinen krummen Verlauf nimmt. Mit dem zurückgekehrten Hummels machten die Dortmunder aber diesmal nicht den Eindruck als würden sie an den Hamburger Krankheit leiden. Nach der Pause nahm der Druck der Schwarzgelben zu, dem die Nürnberger irgendwann nicht mehr standhielten. Und nach dem 2:0 fingen die Dortmunder auch noch an zu zaubern. Das 3:0 war hohe Fußballkunst. Eine präzise Vorlage Sahins auf Hofmann in den Strafraum, der den Ball elegant annimmt und durch die Beine von Pogatetz eine perfekte Vorlage auf Mkhitaryan spielt. Es waren diesmal aber vor allem die Außen Schmelzer und Piszczek, die die Nürnberger durch ständige Vorstöße in die Geflügelzange nahmen. Und Lewandowski spielte wieder so grandios, dass niemand die leiseste Ahnung hat, wer diesen Mann jemals ersetzen kann. Da Leverkusen zu Hause gegen Mainz verlor, steht Dortmund wieder auf Platz 2. Und wenn man die schwarze Serie Bayers von fünf Pflichtpielniederlagen in Folge betrachtet, dann lässt sich die Hamburger Pleite schon gleich besser verschmerzen. Auch wenn die jetzt im 100. Nordderby in Bremen wieder auf ihre Normalform zurechtgestutzt wurden und 1:0 verloren. Der Sieg gegen Dortmund bleibt also ein Ausrutscher, die Pleite in Bremen, einem direkten Abstiegskonkurrenten, wurde von den Dortmunder Fans ausgiebig beklatscht, die nichts dagegen hätten, wenn das 3:0 in Hamburg die Ausnahme bleibt. Schalkes kleines Zwischenhoch hat ein abruptes Ende genommen. In der CL gegen Real Madrid machten sie vor, wie man gegen eine Mannschaft auf diesem Niveau nicht spielen sollte. Die Schalke dachten ernsthaft, sie könnten mithalten und ließen den Real-Spielern jede Menge Platz, den diese dankbar ausnutzten, um zu zeigen, was sie alles können. Die Schalke Verteidiger Matip und Santana wurden bei dem 6:1-Desaster auf nicht besonders nette Weise gegen Bale, Ronaldo und Benzema allein gelassen, eine Strategie, die sich Jens Keller ankreiden lassen muss. Aber er hat keine Konsequenzen gezogen. Gegen Bayern war es dann zwar nur ein 5:1, aber das lag nur daran, weil Mandzukic in einer Glanzrolle als Chancentod auftrat. Ein perfekter Spieltag.