Archiv für den Monat: April 2014

Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Angeblich ist nach einer eher durchwachsenen Spielphase der Knoten für den BVB geplatzt, als Klopp eine taktische Umstellung vornahm und Reus ins Zentrum stellte und Mkhitaryan nach links, also die beiden Positionen vertauschte. Ich weiß natürlich, dass außer Großkreutz jeder seine Lieblingsposition hat, aber ob es wirklich daran liegt, kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe mich in der 3. Jugend in der zentralen Mittelfeldposition am wohlsten gefühlt, aber das war kein Wunder, denn ich war vorher rechter Verteidiger, war also quasi Piszczek. Aber die Positionen von Reus und Mkhitaryan und wer auch sonst noch in dieser Dreierreihe mitspielt, die sind ja sowieso sehr variabel. Aber woran immer es liegen mag, Reus spielte auch gegen Leverkusen wie im Rausch, vergab allerdings allein vor Leno den Siegtreffer. Aber da Lewandowski einen schwarzen Tag erwischte und ihm so gar nichts gelang, und auch Mkhitaryan nicht mehr den Schwung aus den vergangenen Spielen mitbrachte, reichte es diesmal nur zu einem 2:2, und wenn man es übers gesamte Spiel betrachtet, muss man leider sagen, es war ein gerechtes Unentschieden, denn Leverkusen hat zwar ein Duseltor erzielt, hat aber rechtzeitig gegen Dortmund wieder zu seiner alten Form zurückgefunden. Schon im Hinspiel hat Leverkusen sein bestes Saisonspiel abgeliefert, und es scheint so, dass Leverkusen den BVB braucht, um auf Touren zu kommen, wie überhaupt der BVB auf viele Vereine inspirierend wirkt. Trotz der Klasseleistung der Dortmunder lohnt es allerdings, einen kritischen Blick auf die Spieler zu werfen. Großkreutz spielte diesmal auf der linken Außenbahn für die verletzten Durm und Schmelzer. Es wird immer seine Vielseitigkeit bewundert, aber man muss leider seine technische Limitiertheit erwähnen, die ihm keine Möglichkeit bietet, sich aus einer etwas schwierigeren Situation zu befreien. Sahin gelingen zwar immer noch geniale Pässe, aber er verliert zu häufig den Ball, wenn es eng wird, was ihm als defensiver Dreh- und Angelpunkt früher nicht passiert ist, als er von drei Gegenspielern bedrängt noch einen präzisen und öffnenden Pass spielte. Piszczek läuft immer noch seiner Form hinterher, wird zu häufig ausgespielt und schlägt auch keine guten Flanken mehr. Aber das ist ein Luxusproblem, wenn man in den Tabellenkeller sieht. Nürnberg hat trotz des Trainerwechsels in Mainz verloren, genauso wie es für Braunschweig in Berlin nichts zu holen gab. Immerhin konnte Stuttgart in Hannover ein Pünktchen ergattern und ist fast auf der sicheren Seite, so dass der Kampf um den Relegationsplatz zwischen Hamburg, Nürnberg und Braunschweig ausgetragen wird. In München trauerte der katalanische Nationalist Guardiola um seinen ehemaligen Co-Trainer und Nachfolger bei Barca Vilanova, der an Krebs gestorben war. Ein wenig scheinheilig, denn als Vilanova in New York im Krankenhaus lag, hat ihn Guardiola, der vor seiner Verpflichtung durch die Bayern dort wohnte, kein einziges Mal besucht. Und wenn nicht Vilanova selbst das erwähnt hätte, hätte ich das hier nicht geschrieben.

Die Wahrheit über den 31. Spieltag

Nach dem grandiosen Halbfinalpokalsieg des BVB gegen Wolfsburg und den ganzen englischen Wochen, die die Mannschaft absolvieren musste, war damit zu rechnen, dass die Schwarzgelben gegen die Mainzer platt sein würden, und da die Mainzer noch Ambitionen auf Europa haben, konnte man nicht davon ausgehen, dass die Mainzer es ruhig angehen lassen würden. Es entwickelte sich dennoch ein hochklassiges Spiel, und das ist wirklich erstaunlich, denn der BVB ist wieder in der Verfassung wie in seinen Meisterjahren. Unglaublich schnelles Umschaltspiel, kaum dass sich die Mainzer in der engmaschigen Formation der Dortmunder einen Fehlpass leisteten. Die Mainzer machten sich Hoffnungen, der BVB könnte nach dem so gut wie sicheren CL-Platz vielleicht weniger auf die Tube drücken und war taktisch entsprechend eingestellt. Ihr Spiel war durchaus ansehnlich, weshalb auch insgesamt ein hochklassiges und sehenswertes Spiel zustande kam, in dem Reus wieder seine Hochform bestätigte, die ihn für jeden Trainer der Welt unersetzlich macht. Und schon richten sich begehrliche Blicke auf den Mann, der mit 29 Punkten nur einen Scorer-Punkt hinter Lewandowski liegt, und an 13 der letzten 16 Dortmunder Toren beteiligt war. Und auch Mkhitaryan ist nach einem leichten Hänger wieder da. Erik Durm auf der linken Seite dürfte es in dieser Form Schmelzer schwer machen, diese Position zurückzuerobern. Und auch von Sahin war wieder eine Vorlage zum 2:1 zu sehen, die einfach präzise und genial war. Jetzt kann Dortmund ein CL-Platz nicht mehr genommen werden. Es geht nur noch um den Kampf um Platz zwei gegen Schalke und da haben die Dortmunder die Nase vorne. Und es sieht auch nicht so aus, als ob Klopp die Saison jetzt für beendet erklärt. Das hat schon Guardiola bereut, denn selbst das Spiel gegen den Tabellenletzten Braunschweig geriet zum Holperfußball. Zwar gewannen die Bayern mit 2:0, aber Ribéry bekam gegen den Nobody Omar Elabdellaoui keine Schnitte und schien sich mit einer Laufleistung von gerade mal acht Kilometern für den nächsten Mittwoch gegen Real Madrid zu schonen. Bayern sind gegen Real klare Favoriten und werden voraussichtlich in Madrid auch ganz anders auftreten. Und wie Madrid zu schlagen ist, haben die Dortmunder vorgemacht, als nur das eine Törchen fehlte. Jedenfalls dürfte Real mit dem antiquierten 4-3-3 kaum eine Chance haben, an das Ancelotti durch Ronaldo, Benzema und Bale gebunden ist, denn er scheint es sich nicht erlauben zu können, einen von ihnen auf der Bank zu lassen. Mit Ronaldo und Bale hat er gleich zwei Spieler im Sturm, die versuchen, durch Einzelaktionen ihren Wert unter Beweis zu stellen. Mannschaftsdienlich ist nur Benzema. Das Mittelfeld hingegen ist da dünn besetzt und dürfte gegen die Übermacht von Bayern schlecht aussehen, vor allem, weil die Spitzen kaum nach hinten arbeiten. Kaum zu glauben, dass Real mit diesem Handicap auf den Platz geht, obwohl sie die stärkste Elf der Welt sein könnte. Und auch der Pokalsieg gegen Barca überdeckt diese Schwäche, denn sie gewannen nur durch eine Einzelaktion von Bale.

Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Seitdem Guardiola gesagt hat, dass die Bundesliga für ihn vorbei wäre, kriegen die Bayern es einfach nicht mehr hin, obwohl es sich diesmal gegen Dortmund um eine Prestige-Angelegenheit handelte. Das sah man schon daran, dass die Bayern den Eingang für die Spieler mit der Aufschrift geschmückt hatten: »Der Deutsche Meister begrüßt Borussia Dortmund.« Außerdem stand die nominell stärkste Mannschaft der Bayern auf dem Platz. Warum auch nicht. Bayern muß niemanden schonen, denn das Pokalhalbfinale gegen Kaiserslautern könnte man auch mit einer C-Elf bestreiten. Dortmund hingegen schonte Lewandowski, und da die Dortmunder mit Wolfsburg einen anderen Halbfinalgegner am nächsten Dienstag im Pokal vor sich haben, schwirrten vor dem Spiel Gerüchte umher, dass außerdem auch noch Hummels, Reus und Mkhitaryan geschont werden würden. Aber gerade die Stützen der Dortmunder Mannschaften haben, wie schon gegen Real gezeigt, einen großartigen Lauf. Weil die Bayern von der Obsession getrieben sind, die »dicksten Eier« zu haben, wollten sie gegen den BVB gewinnen, aber dafür waren die Dortmunder gedanklich einfach zu schnell für sie. Weiter Einwurf auf Aubameyang, Abpraller zu Reus, der quer auf den freistehenden Mkhitaryan schiebt, der einschießt, was schwieriger war, als gegen Real Madrid freistehend vor dem Tor den Pfosten zu treffen. Da kamen die Bayern einfach nicht mehr mit, die vor allem in der ersten Halbzeit bis zu 75 Prozent Ballbesitz hatten, aber die bestanden in einem wenig effektiven Ballgeschiebe. Erik Durm machte ein großartiges Spiel und ließ Robben immer wieder sehr alt aussehen, und auch Großkreutz, der für Piszczek spielte, stellte Ribery einfach zu, so daß die Flügelzange weitgehend lahm gelegt worden war. Gefahr ging nur von Götze aus, der zwei gute Möglichkeiten für die Bayern generierte, die Mandzukic beide versiebte. Götze mußte an diesem Tag einsehen, daß er zur schlechteren Mannschaft gewechselt war. Aber nicht nur der BVB hat sich warm gespielt, auch Wolfsburg hatte mit dem stark abstiegsbedrohten Club einen idealen Aufbaugegner gefunden, und deshalb wird es am Dienstag nicht so einfach wie gegen die Bayern. Leider hat De Bruyne rechtzeitig zum Pokal seine Form gefunden. Die Hamburger verloren im Nordderby gegen Hannover mit 2:1, und das völlig zu recht, weil sie einfach »unterirdisch« spielten und eine Torschußbilanz von 31:5 gegen sie sprach, während Stuttgart in Gladbach auftrumpfte und nur unglücklich sich mit einem 1:1 zufrieden geben mußte. Freiburg hat sich mit einem 2:0 gegen Braunschweig ein wenig Luft verschafft, so daß es so aussieht, als ob Braunschweig, Hamburg und Nürnberg die größten Chancen auf einen Abstieg hätten, vor allem, weil alle ein ungefähr gleich schweres Restprogramm haben, mit leichten Vorteilen für Braunschweig und Hamburg, weil beide noch gegen Bayern spielen müssen, während Nürnberg nicht auf diese drei sicheren Punkte zurückgreifen kann. Und sonst? Am 15. April jährt sich zum 25. Mal die Katastrophe von Hillsborough, als 96 Liverpool-Fans erdrückt und zerquetscht wurden, weil Fans damals noch in Käfigen gehalten wurden und für Polizei und Politik nur minderwertige Menschen waren. In »Ballfieber« von Nick Hornby kann man nachlesen, wie Verachtung und Inkompetenz zu diesem Verbrechen führten. Im Untersuchungsbericht von 2012 kam heraus, daß 1989 116 Aussagen, die die Polizei belasteten, verfälscht worden waren. Jetzt gibt es eine neue Anhörung. 25 Jahre danach wird die Wahrheit dann vielleicht endlich auch offiziell, genau dann, wenn niemand mehr belangt werden kann.

Die Wahrheit über den 29. Spieltag

Ist schon großartig, daß es Dortmund immer spannend macht, egal, ob es gegen einen guten oder schlechten Gegner geht. Diesmal war es der Werksverein VW-Wolfsburg, also ein Verein, den niemand braucht, der aber CL-Ambitionen hat, und es wäre unverzeihlich gewesen, diese zu unterstützen. Dortmund spielte seine schlechteste 1. Halbzeit der Saison mit sensationellen 32 % Fehlpässen und gerade mal zwei Torschüssen. Dazu tendiert Dortmund in letzter Zeit häufiger. Jetzt endlich kam heraus, woran es liegt. Nach CL-Spielen muß die Müdigkeit erst rausgelaufen werden, bevor die Spieler in der 2. Halbzeit wieder auf Touren kommen. Hört sich paradox an, aber auch Zorc kennt dieses Phänomen aus seiner eigenen CL-Zeit. In der 2. Hälfte kamen dann Jojic und Durm für Sahin und Aubameyang, die beide wie ihre eigenen Schatten herumliefen, und schon lief es besser. Der BVB war kaum wiederzuerkennen, und auch Lewandowski drehte wieder auf und bereitete den Wolfsburgern eine Menge Probleme. Am Ende stand es dann 2:1, und das war durchaus gerecht, auch wenn beide Tore glücklich und nicht ohne Mithilfe des Gegners zustande kamen. Nach drei hintereinander verlorenen Liga-Spielen gegen Wolfsburg wurde es langsam mal wieder Zeit, den überflüssigen Werksverein zu deckeln. Der andere Werksverein hat jetzt seinen Trainer entlassen, weil er nur einen Sieg in den letzten zwölf Pflichtspielen zustande brachte. Dabei war der wortkarge Sami Hyypiä noch das Sympathischste an Leverkusen. Der Absturz zudem eine Tat, die ihm hoch anzurechnen ist. Die Bayern haben mit drei Spielern, von denen noch nie jemand etwas gehört hat, in Augsburg nach 53 Bundesligaspielen das erste Mal wieder verloren. Guardiola schickte eine C-Elf auf das Feld, um seine Spieler gegen Manchester zu schonen. Und wenn das Bayern macht, warum nicht auch die ganze Liga gegen Bayern? Warum schickt man gegen Bayern nicht einfach die B-Elf auf den Platz, wenn sie sowieso wieder Meister werden? Und da Lewandowski nächstes Jahr bei den Bayern spielt, werden sie wahrscheinlich noch früher Meister als in diesem Jahr und der Punkteabstand zum Zweitplatzierten wird noch größer sein. Die Liga sollte einmal solidarisch gegen Bayern sein und nicht nur immer artig und devot Glückwünsche nach München senden oder sich ein Ei darauf braten, wenn ein Verein mal eine C-Elf der Bayern mit 1:0 besiegt hat. Bayern tut es auch, wenn es ihnen notwendig erscheint. Allerdings nicht gegen den BVB, der nächste Woche in München antreten wird, und das aus Gründen der Rache, weil man zweimal hintereinander gegen dem BVB das Nachsehen hatte, aber vermutlich in den restlichen vier Spielen. Die freiwillige Unterwerfung gegen die Macht des Geldes ist schon seltsam. Dabei werden Argumente ins Feld geführt wie Wettbewerbsverzerrung, dabei ist die Finanzkraft der Bayern wohl die größte Wettbewerbsverzerrung, die man sich vorstellen kann. Und wenn alle Vereine der Liga sich darauf einigten, wäre es nicht mal mehr eine Wettbewerbsverzerrung. Dennoch würden die ganzen Reporter dagegen Amok laufen und Klopp müßte noch häufiger das Mikrophon hinschmeißen wie er das so großartig nach dem verlorenen 3:0 gegen Real Madrid auf die bescheuerten Fragen von Jochen Breyer getan hat.