Archiv für den Monat: Mai 2014

Die Wahrheit über den 34. Spieltag

Das Saisonfinale war merkwürdig unspektakulär. Die Bayern standen schon lange als Meister fest. Den Dortmundern konnte auch niemand mehr Platz 2 nehmen. Nur Schalke mußte noch gewinnen, um den 3. Platz und damit die direkte CL-Qualifikation sicher zu haben. Und da hatten sie mit entmutigten und stark ersatzgeschwächten Nürnbergern leichtes Spiel. Der Club machte seinen achten Abstieg perfekt. Für einen Club, der neunmal deutscher Meister war, ist das eine beachtliche Leistung. Man kann aber davon ausgehen, daß der Club bald wieder in der Bundesliga mitspielen wird, es sei denn, irgendein Industrieller mit zuviel Geld und Ambitionen investiert wieder in irgendeine Popelstadt wie Hoffenheim und puscht einen weiteren Popelverein wie Hoffenheim oder Leipzig in die erste Liga. Dann könnte es eng werden, weil die Franken einfach ein wenig zu langsam sind, um solche Mechanismen zu begreifen, geschweige denn zu verstehen, wie man dagegen ankommt. Und auch Braunschweig ist wieder abgestiegen. Sie waren einfach zu limitiert und hatten außer Engagement und Eifer nicht sehr viel zu bieten. Und auch wenn es für die armen Braunschweiger hart klingt: Sie gehören nun mal nicht in die Bundesliga und sollten sich mit ihrer ruhmreichen Vergangenheit abfinden, als sie mit Jägermeister einmal deutscher Meister wurden. Das reicht doch und ist zudem mehr, als viele andere Mannschaften aus bedeutenderen Städten von sich behaupten können. Braunschweig und Nürnberg haben es also verpaßt, den HSV in die 2. Liga zu schicken und ihn als einzigen deutschen Verein, der in der 51jährigen Geschichte der Bundesliga immer dabei war, zu entthronen. Und das ist unverzeihlich, denn der »Tennisverein mit Fußballabteilung«, wie Harry Rowohlt immer zu sagen pflegt, hätte es wie kein anderer Verein verdient, in den Niederungen der 2. Liga Demut zu lernen. Unnötig zu erwähnen, daß auch Hamburg verlor, und zwar in Mainz, einer Stadt, von der die meisten Hamburger wahrscheinlich gar nicht wissen, wo sie liegt. Jetzt dürfen sie in die Relegation voraussichtlich gegen Fürth. Und während Hamburg dann gegen ein 100.000-Seelen-Dorf um den Erhalt seiner Pfründe und seiner Lizenz zittert, zieht Paderborn als Aufsteiger ins Oberhaus. Paderborn? Es dürfte nicht viele Menschen in der Bundesrepublik geben, die schon mal in Paderborn waren. Warum auch? Es gibt einfach keinen Grund. Auch nicht, wenn sie eine Saison lang erstklassig spielen dürfen. Dortmunds Lewandowski hat mit 2 Toren zum souveränen 4:0-Sieg der Dortmunder in Berlin beigetragen und vom Kicker-Chefredakteur die Torjägerkanone überreicht bekommen hat, ein häßliches Gebilde, daß jeder vernünftige Mensch daheim in den Abfall werfen würde. Leverkusens Lewandowski hat durch einen Sieg gegen Bremen leider doch noch Platz 4 und damit die Relegation zur CL geschafft. Und wenn Leverkusen es nicht geschafft hätte, hätte es ein anderer Werksverein geschafft, nämlich VW Wolfsburg, und deshalb hielt sich die Spannung, wer am Ende die Nase vorn hat, doch in sehr engen Grenzen. In München quälten sich die Bayern gegen Stuttgart zu einem mühsamen 1:0 in der allerletzten Minute. Dann nahm das Paulaner Weißbierritual seinen Lauf, in dessen Verlauf in Reihe gestellte junge Frauen in Dirndl gefüllte Weißbiergläser für die Spieler bereit halten, die sie dann in Empfang nehmen, um sie ihrem Trainer und ihren Mitspielern über den Kopf zu schütten. Für die Betroffenen ist es kein Vergnügen. Aber genau daraus beziehen die anderen ihren Spaß. Und deshalb ist dieses Ritual in München gut aufgehoben.

Die Wahrheit über den 33. Spieltag

Dafür, dass es im letzten Heimspiel des BVB um nichts mehr ging, weder für Dortmund, die Platz zwei sicher haben, noch für Hoffenheim, war es ein rasantes, schnelles und attraktives Spiel. Gut, die Dortmunder hatten noch etwas gutzumachen, weil sie im letzten Spiel der letzten Saison durch eine Niederlage gegen die Hoffenheimer deren Verbleib in der Bundesliga zu verantworten hatten. Ein dunkler Fleck auf der ansonsten so sauberen Weste des BVB. Und auch kein schöner Saisonausklang. Diesmal allerdings entzauberte nach der frühen Führung durch Firmino der BVB innerhalb von 15 Minuten die Hoffenheimer durch gleich drei Treffer. Dortmund lässt also nicht locker und versucht, für das Pokalfinale im Spielmodus zu bleiben. Spannend war es auf den unteren drei Plätzen, wo Braunschweig, Nürnberg und Hamburg um den Relegationsplatz kämpfen. Hamburg hatte gegen Bayern, die sich für die Schlappe gegen Real Madrid rehabilitieren mussten, keine Chance. Jedenfalls nicht über 90 Minuten. Nur in der ersten Hälfte spielte Hamburg noch fleißig mit, vergab aber seine Chancen so großzügig als würden sie ganz oben stehen. Götze durfte bei diesem unwichtigen Spiel auch mal wieder mitmachen und schoß gleich drei Tore. Er wollte vor einem Jahr nach München, um unter Guardiola zu trainieren. Von ihm hat er vor allem gelernt, bei den wichtigen Spielen auf der Bank zu sitzen und vielleicht die letzten zehn Minuten eingewechselt zu werden in einem System, dem das schnelle, fintenreiche und schöne Spiel verloren geht. Und schon wieder einer, der woanders nicht glücklich wurde. Nürnberg hatte die große Chance auf den Relegationsplatz. Zu Hause gegen Hannover 96 war das eine durchaus lösbare Aufgabe, aber die Abstiegsangst sitzt tief in den Knochen der Nürnberger. Jetzt sind sie weg vom Fenster, denn am letzten Spieltag geht es nach Gelsenkirchen, und auch wenn die Fans beider Mannschaften befreundet sind, die Schalker müssen punkten, weil ihnen Leverkusen im Nacken sitzt, die sich auch lieber direkt für die Champions-League qualifizieren würden. Braunschweig hätte nach Aussage des Trainers Lieberknecht Platz 16 am meisten verdient gehabt, verlor aber in der 94. Minute durch einen Lupfer 1:0 gegen Ausburg. Die letzte Chance der Braunschweiger heißt jetzt Hoffenheim, und die sind in der Tat für alles gut, während der HSV in Mainz antreten muß, die zwar 3:1 gegen Gladbach verloren haben, denen aber Augsburg im Kampf um Platz 7 im Nacken sitzt und die gewinnen müssen, um in der Europa-League mitmachen zu dürfen. Und sonst: Hoeneß hat angekündigt, nach seiner Haftstrafe wieder mitmischen zu wollen. Ob dann Guardiola noch da ist? Über seine Spielidee wird viel diskutiert. Vielleicht hat er ja gar nicht die richtigen Spieler dafür? Vielleicht reicht sein System für die Bundesliga, aber nicht für die CL? Jedenfalls deckten Dortmund und Real Madrid die Schwächen der bloß auf Ballbesitz fixierten Bayern auf, die Künstlern wie Götze nur hin und wieder eine Chance einräumt und sich abhängig macht von Ribery und Robben.