Archiv für den Monat: Juli 2014

Viertelfinale Costa Rica gegen Holland

Was für eine beschissene WM. Außer in der Vorrunde gab es keine einzige Überraschung mehr, und man brauchte den Fernseher eigentlich erst fünf Minuten vor Abpfiff einschalten, wenn endlich mal ein Tor fiel, bzw. wenn das einzige Tor des Spieles noch einmal gezeigt wurde, oder wenn die Verlängerung begann. Exemplarisch wurde das im Spiel der Holländer gegen Costa Rica offenbar. Costa Rica machte das, was sie konnten, nämlich keine Tore kassieren, und die Holländer waren unfähig, ein Tor zu schießen, vergaben großzügig die paar Möglichkeiten, die sie hatten. Das Schöne im Fußball besteht ja im Moment der Überraschung, z.B. wenn eine vollkommen überlegene Mannschaft eine Chance nach der anderen versiebt und durch ein Kontertor verliert. Aber nichts. Das holländische Beamtenfußballgeschiebe triumphierte gegen ein paar tapfere, sich zur Wehr setzende Costa Ricaner. Spannend ist das nicht. Alle Favoriten sind weitergekommen, und der Ausgang der WM war schon seit den Achtelfinals absehbar. Endspiel: Dtschl gegen Holland, und dann bestünde die einzig begrüßenswerte Abwechslung darin, wenn die Holländer wieder so spielten wie beim letzten WM-Finale gegen Spanien. Das würde die Stimmung ein wenig anheizen. Das schönste an diesem Abend war der Ort, in dem ich die öde Partie guckte, nämlich in der Pan Am Lounge in der Budapesterstraße, hoch über Berlin, in einem Ohrensessel neben dem Kamin. Und wenn es zu langweilig wurde, unterhielten wir uns über die Neueinkäufe der Dortmunder und warum wir Ramos für einen Fehleinkauf halten, oder Stewardessen servierten den nächsten Drink oder ich blickte von der Terrasse über das nächtliche Berlin, das von oben ganz nett aussieht, vor allem die Lichter. Aber immer, wenn van Gaal im Fernseher auftauchte, hörte man abfällige Bemerkungen. In England wird er die »Eiserne Tulpe« genannt und Spieler sagen, wenn man alles tut, was der autoritätsfixierte Analcharakter verlangt, dann ist man der beste Spieler. Und sowas kommt weiter. Es gibt eben keine Gerechtigkeit mehr.