Archiv für den Monat: September 2014

Die Wahrheit über den 6. Spieltag

Nur Werder hat in der Liga mehr Gegentore kassiert als Dortmund, und keine andere Mannschaft hat dem Gegner soviel Tore geschenkt. „Wer solche Gegentore kriegt, wird im Fußball selten gewinnen. Das hat das Spiel heute dramatisch beeinflusst. Die Tore haben wir ihnen heute geschenkt. Wir schießen uns selbst ins Bein“, sagte Klopp. Zwei Tore nach zwei Ecken. Bei der ersten Ecke kommt Matip frei zum Kopfball, weil Hummels ihn aus den Augen verliert. Das kann schon mal vorkommen, wenngleich die Häufigkeit, mit der das gerade passiert, phänomenal ist. Das zweite Tor jedoch ist schon fast kurios zu nennen, denn ein von Weidenfeller prima zur Seite gelenkter Ball kommt zu Ramos, der ganz allein ist. Er hat nun verschiedene Optionen. Die Option eines Klassespielers wäre es gewesen, den Ball anzunehmen und einen schnellen Konter einzuleiten. Die Option eines Kreisklassespielers wäre es, den Ball nach vorne zu dreschen. Die Option von Ramos war es, den Ball nach vorne dreschen zu wollen, ihn aber in die Füße eines Schalkers zu spielen, der mühelos zum 2:0 einschießen kann, nicht zuletzt auch deshalb, weil einige Dortmunder glaubten, die Situation sei bereits bereinigt. Und obwohl Ramos die Vorlage zum Anschlusstreffer lieferte, liegt hier auch das Problem. Zu viele nur mittelmäßige Spieler, denen das kreative Zentrum fehlte, denn alle Kreativen sind verletzt, obwohl man mit Mhkitaryan, Reus, Sahin, Gündogan und Kagawa genügend hat, aber Kagawa wurde geschont. Darüberhinaus sind die Dortmunder nicht eingespielt, die Automatismen in der Spitze fehlen, wenn Ramos und Immobile gleichzeitig auf dem Platz stehen, abgesehen davon, dass ihnen die Klasse fehlt. Viele Spieler laufen ihrer Form hinterher, wie z.B. Bender, der den verletzten Kehl ersetzte, oder Ginter, von dem aufgrund seiner Leistungen beim BVB niemand vermuten würde, dass er zum Nationalspielerkreis gehört. Und insofern war eigentlich eher das Spiel gegen Arsenal verwunderlich als die darauf folgenden Bundesligaspiele, in denen man zuverlässig zwei Gegentreffer kassierte. Diese Probleme waren schon vorher so offensichtlich, dass mir schon vor Spielbeginn nicht sehr wohl war. Und Schalke wandte das Rezept an, mit dem alle Mannschaften gegen Dortmund zum Erfolg kommen. Am Anfang Druck ausüben und die Dortmunder hinten zu Fehlern zwingen, die sie dann auch verlässlich tun, und wenn Dortmund sich dann wehrt und offensiv wird, hinten einen Riegel vorschieben und eben keine Fehler machen. Und Dortmund fehlen einfach die Möglichkeiten, klare Torchancen herauszuspielen. Obwohl der Dortmunder Druck in den 2. Halbzeit stieg, es kam nichts Verwertbares dabei heraus, gelungene Kombinationen waren selten, und je näher das Spielende kam, desto blinder wurde der Ball nach vorne in einen leidenschaftlich kämpfenden Schalker Verbund geschlagen, d.h. man hoffte auf einen Zufall, einen abgefälschten Ball, aber der stellt sich bei den Dortmundern z.Z. nicht ein, und schließlich gab es ja noch Herrn Gagelmann, der dafür sorgte, dass für Schalke nichts mehr anbrennen konnte, indem ein eindeutiges Foul als Schwalbe wertete, als Matip an der Strafraumgrenze Ramos schlicht und einfach abräumte und es einen Elfer hätte geben müssen. Bei solchen Schiedsrichtern und solchen Schnitzern in der Abwehr wird es gegen jeden Verein schwer, Punkte zu holen.

Die Wahrheit über den 5. Spieltag

Bobic, der Meister des smarten Gestammels, ist plötzlich wegen anhaltenden sportlichen Misserfolgs entlassen worden, nur wenige Tage, nachdem der Vorstand volles Vertrauen in seine Tätigkeit gesetzt hat. Bobic war schon als Spieler überschätzt und ist in einer dunklen Phase des BVB, an die ich mich nur ungern erinnere, auf dem Rasen herumgestolpert. Und weil er das ganz vorne tat, nannte man ihn Stürmer. Aber man muss sich keine Sorgen um ihn machen, denn er wird, wie Armin Veh richtig vermutet, irgendwo in der Bundesliga wieder auftauchen, denn einer wie Bobic fällt immer auf die Füße, eine Kunst, die man ja auch erst einmal beherrschen muss. Die Stuttgarter haben sich von der Entlassung nicht beeindrucken lassen. Armin Veh hat sie in Dortmund hervorragend defensiv eingestellt und aus dem Kader, dem er mangelnde Qualität bescheinigt hat (ein Verdienst von Bobic), alles herausgeholt. Und vorne kann sich z.Z. jede Mannschaft auf die Böcke verlassen, die die Dortmunder Abwehr verlässlich schießt. Gleich dreimal luden die Dortmunder die Stuttgarter zu hundertprozentigen Chancen ein, zweimal nutzten die Stuttgarter die Angebote. Nach vorne fehlte es den Dortmundern an Kreativität, nachdem nun auch noch Mhkitaryan für vier Wochen verletzt ausfällt. Nur wenige Male blitzte etwas vom Können der Dortmunder auf, wie die wunderbare Vorlage von Piszczek auf Kagawa, der den Ball herrlich annahm und über den Keeper hob, aber nur die Latte traf. Als es dann 2:0 stand war Dortmund gezwungen, mit der Brechstange vorzugehen. Aubameyang wurstelte sich in einer feinen Einzelleistung an den Keeper vorbei und erzielte den Anschlusstreffer, während den Ausgleich kurz vor Schluss zwar Immobile machte, aber auf ein Blackout des Stuttgarter Keepers zurückging, der in einer plötzlichen Eingebung die Hand zurückzog, statt den Ball einfach wegzuboxen. Wenigstens ist Hummels wieder zurück im Kader und absolvierte seine ersten 15 Minuten nach dem Endspiel in Brasilien. Aber auch er wird einige Zeit brauchen, um wieder in den Spielrhythmus zu kommen, wie alle anderen auch, die lange Zeit verletzt waren. Und das ist das Problem der Dortmunder Mannschaft, dass sie nicht nur viele Verletzte hat, sondern auch viele, die einfach noch nicht bei ihrer vollen Leistungsfähigkeit angelangt sind. Da wird es am Samstag gegen Schalke schwer, auch wenn die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Und dennoch: Es war wieder ein Spiel mit hohem Aufregungsfaktor, kein drei-Punkte-eingefahren-Mund-abputzen-Spiel. Stuttgart ist aus unerfindlichen Gründen ein Angstgegner Dortmunds, selbst in Phasen, in denen der VfB für jeden anderen Verein ein Selbstbedienungsladen ist. Gegen Dortmund sind die Schwaben immer punktgenau da und hellwach. Warum auch immer, denn sie sind keine Konkurrenz oder überhaupt ein Gegner, über den sich Gutes berichten ließe. Beim VfB hat man eine Werbeagentur mit der Erfindung eines neuen Slogans beauftragt, um dem Verein ein neues Image zu geben. Heraus kam »Furchtlos und treu«. Warum muss man eine Agentur damit beauftragen, wenn dann nur etwas nazimäßiges dabei herauskommt? Furchtlos, so spötteln die etwas aufgeklärteren Anhänger der »Kickers«, müssen die VfB-Fans in der Tat sein, nämlich gegenüber der Leistung ihrer Mannschaft.

Die Wahrheit über den 4. Spieltag

Der schlechteste Saisonstart in der Ära Klopp ist perfekt. Nur war die Niederlage gegen Mainz ziemlich unnötig, denn der BVB war phasenweise hoch überlegen, obwohl Mainz sehr diszipliniert spielte und vor allem hinten die Räume geschickt zustellte. Dennoch hatte Dortmund klare Chancen, aber Ramos vergab oder traf nur den Pfosten. Es hätte Dortmunds erstes Unentschieden werden können, aber kurz nach der Einwechslung von Mhkitaryan für Kagawa und Immobile für Ramos fiel nach einer ganzen Serie von Fehlern des BVB und nach der ersten nennenswerten Chance von Mainz das 1:0. Zuerst lassen Durm und Großkreutz einen Mainzer laufen, dann lässt sich der sonst so zuverlässige Sokratis an der Torauslinie ausspielen und Ginter steht zu weit weg von Okazaki. Überhaupt erwischt Ginter einen gebrauchten Tag, denn er erhöht kurze Zeit später mit einem Eigentor zum 2:0 für Mainz, während auf der anderen Seite nach einem Schuss von Mhkitaryan der Pfosten ein zweites Mal retten muss und Immobile als Krönung auch noch einen allerdings etwas zweifelhaften Elfmeter verschießt. Eigentlich wollte Aubameyang schießen, aber Immobile drängte sich vor. Der Italiener hat noch lange nicht das System Klopp begriffen. Er glaubt immer noch, durch Einzelleistungen wie sein grandioses Tor gegen Arsenal, wo ihm allerdings ein verstolperter Ball vor die Füße fiel, Spiele entscheiden zu können. Er hält den Ball zu lange und ist zu eigensinnig. Er begreift nicht, dass es nicht darauf ankommt, ob man selbst Tore schießt, solange die Mannschaft gewinnt. Lewandowski hat zwei Jahre gebraucht, um das zu begreifen. Der Italiener hat nicht so viel Zeit, und da Ramos nun mal ein eher mittelmäßiger Stürmer ist, geht die Torgefahr z.Z. nur von Aubameyang aus. Wieder einmal bestätigt sich, dass Dortmund nach einem glänzenden CL-Auftritt das Ligaspiel verrutscht. Aber auch Bayern kommt über ein torloses Remis in Hamburg nicht hinaus. Dort gibt es einen neuen Trainer: Joe Zinnbauer. Und manchmal wirkt das. Wie letzte Saison, als Slomka ans Ruder kam und Dortmund verlor. Danach aber ging es mit dem HSV weiter bergab. Ob es diesmal anders sein wird? Schalke hat nach seinem überraschenden 1:1 bei Chelsea gegen Frankfurt ebenfalls einen Einbruch. 2:2 hieß es am Ende. Und Platzverweise für Draxler und Boateng gab es dazu. Seit sechs Pflichtspielen ist Schalke nun ohne Sieg und hat den schlechtesten Saisonstart seit 47 Jahren. Und dabei kam Herr Schmidt (Schiedsrichter) den Schalkern sogar noch zu Hilfe, denn er verweigerte der Eintracht nicht nur einen klaren Elfmeter, sondern schenkte Schalke einen. Da würde sich selbst ein FC Bayern schwer tun, Spiele zu gewinnen. Aber Bayern wird sowieso bevorzugt behandelt. Wenn alle Punkte liegen lassen, gewinnt eben Paderborn, und zwar gegen Hannover, und setzte sich damit zumindest für eine Nacht an die Tabellenspitze. Immerhin glaubt die Mannschaft an sich, und dann gelingt auch alles, sogar ein Jahrhundert-Tor aus 82 Metern in der 93. Minute als Hannovers Keeper im Sturm mit aushelfen wollte. Und Stuttgarts Manager Bobic fliegt nach einer erneuten Niederlage (2:0 gegen Hoffenheim) seine Unfähigkeit um die Ohren. »Ach wissen Sie, es gibt im Sport, und gerade im Fußball immer Up und Downs. Nach jedem Up kommt eben ein Down … äh, ein Up natürlich.« Und genauso spielt Stuttgart ja auch.

Die Wahrheit über den 3. Spieltag

So schöne Inszenierungen gibt es nur in Dortmund. Nur wenige Tage nach der Rückholung des Lieblings aller Fans Kagawa von Manchester United wurde der Japaner sofort eingesetzt, weil Reus sich bei einem überflüssigen Länderspiel wieder verletzt hat. Aber das System Klopp hat sich in den zwei Jahren seiner Abwesenheit nicht verändert, und die meisten kennt Kagawa noch aus seiner Zeit, als er den BVB zur Meisterschaft führte. »Kevin hat mich am herzlichsten empfangen«, sagte er, und man mag von Großkreutz halten, was man will, aber in solchen Dingen ist er für den Verein unschätzbar wertvoll, denn er ist eben nicht nur ein hochdotierter Profi, der nur darauf guckt, wo er das meiste Geld bekommt, sondern der auch für ein gutes Betriebsklima sorgt. Und sofort war Kagawa wieder der Mittelpunkt des Dortmunder Spiels, war ständig anspielbar, gab den feinen Pass auf Großkreutz, der in der Mitte für Ramos auflegte. Und dieses 1:0 in der 34. Minuten war »der Dosenöffner« (Oliver Kirch). Danach fingen die Dortmunder, die sich eine halbe Stunde lang gegen tiefstehende Freiburger schwer taten, an zu zaubern. Man konnte ihnen die Spielfreude ansehen. Und Großkreutz überraschte als ständiger Unruheherd, denn an fast allen torgefährlichen Aktionen war er beteiligt. Das 2:0 besorgte dann Kagawa selbst, als nach flacher Ballhereingabe durch Ramos zunächst Mkhitaryan verpasste. Die Südtribüne, die fast komplett mit rotem Punkt auf weißen Stirnband angetreten war, feierte ihren neuen alten Liebling, und der Japaner breitete glücklich die Arme aus. Nach 64 Minuten plagten ihn nach 8,4 km Krämpfe und musste durch Immobile ersetzt werden. Das wunderte mich etwas, denn andere Dortmunder laufen 12 km, ohne Krämpfe zu kriegen. Ist das ein Hinweis darauf, warum es mit ManU bergab geht? Kagawa kann von Glück sagen, rechtzeitig davongekommen zu sein. Van Gaal ist gerade dabei, den Verein richtig vor die Wand zu fahren. Kagawa, der den Verein liebte, für 8 Millionen rauszuschmeißen, um stattdessen Di Maria, der lieber woanders spielen würde, für 75 Millionen zu holen, ist ein 67 Millionen teurer Irrtum. Denn Kagawa ist bestimmt nicht um diesen Betrag schlechter. Dafür kann er bei Dortmund CL spielen, während Di Maria ein Jahr lang international unsichtbar bleiben wird, und es sieht nicht so aus, als ob ManU nächste Saison wieder dabei ist. In Dortmund freut man sich bereits auf das neue Traumduo Reus-Kagawa. Wäre natürlich nicht schlecht. Und warum nicht das neue magische Dreieck ergänzt durch Mkhitaryan. Aber Freiburg ist nicht nur der Lieblingsgegner des BVB, ein richtiger Prüfstein war Freiburg nur die erste halbe Stunde. Immer noch geht es hauptsächlich darum, ohne Hummels, Reus, Sahin, Gündogan, Kuba, Schmelzer in den nächsten spielreichen Wochen einigermaßen über die Runden zu kommen. Die Bayern gewannen in Stuttgart durch ein Tor von Götze und durch eine Vorlage von Lewandowski. Eine mit Hahn und Kruse antretende Gladbach-Elf spielte lahme Schalke wie in alten Fohlenzeiten völlig an die Wand. Mit 4:1 war Schalke gut bedient und Manager Heldt redete bereits wie ein Roboter, bei dem eine Schraube locker sitzt, immer dasselbe: Intern aufarbeiten. Na dann. Ach ja: Müller, dessen Vorname mir gerade nicht einfällt, aber ich meine den von Bayern, rasiert sich unter den Achseln und Bild zeigt das auf einer ganzen Seite.

Genialer Dilettant. Ein Nachruf auf Bernd Kramer

Bernd Kramer war einer der liebenswürdigsten Dilettanten, die ich kannte. Und als Anarchist muss man Dilettant sein, sonst wäre man ja kein Anarchist. Wäre er ein hochprofessioneller Anarchist gewesen, hätten wir uns nie kennengelernt. Bernd hat u.a. als Schriftsetzer gearbeitet. Seinen Büchern hat man das nie angesehen. Aber wer achtet schon auf Ästhetik, wenn er ein anarchistisches Buch in der Hand hält? Neben den anarchistischen Klassikern, die in seinem Verlag erschienen sind und die den nicht dogmatischen Teil der Linken über die Jahre hinweg begleitet haben und die in den linken Buchläden ein eigenes Regal einnahmen, wo sie mit der Zeit Staub ansetzten, hat Bernd Kramer Autoren entdeckt, die dann bei anderen Verlagen bekannt wurden, u.a. Funny van Dannen und Thomas Kapielski. Von dem von Hans Peter Duerr herausgegebenen legendären Periodikum »Unter dem Pflaster liegt der Strand« habe ich alle 14 Nummern. Natürlich folgte diese Zeitschrift auch dem linken Zeitgeist wie z.B. den Hexen, weil die mal eine verfolgte Minderheit waren und weil man auf deren Geheimwissen scharf war. Wenn man z.B. den ganzen Körper mit einer aus bestimmten Kredenzien zusammengerührten Salbe einschmierte, konnte man tatsächlich fliegen. Wurde da jedenfalls behauptet. Gleich in der Nummer 2 kam ein Daniel Giraud zu Wort: »Es steht fest, daß es Anarchos gibt, die sind so klein, daß sie in die Luft springen müssen, um auf dem Boden spucken zu können. Und was hat die Anarchie damit zu tun? Das heißt, die geniale Unordnung eines Herzens in voller Auflösung? Sie wird im Namen der Hierarchie der pseudolibertären Werte mit Etiketten versehen. Das heißt, daß ich wissen möchte, wie man nach dem gewaltsamen Tode des Anarcho-Pißpotts in den Wänden der sozialen Vernunft, die das Museum der Ideen leitet, die allesamt mit dem Stroh von Opas Anarchismus ausgestopfte alte Ärsche sind, libertär sein kann und dabei sozial(istisch)en Realitätssinn haben.« Dieses wirre Zitat gefiel mir so gut, dass ich heute noch genau weiß, wo es zu finden ist. Für all das war Bernd Kramer verantwortlich, dem keine Buchidee zu abseitig war, um sie nicht zu verwirklichen. Sein letztes Buch »Mit dem Flachmann auf Tuchfühlung. Tagebuchnotizen eines Tresenphilosophen« erschien dann bei Tiamat. Absurde und schräge Geschichten, die man nur in Kneipen erleben und sich auch nur dort ausdenken kann. Viel zu schräg, als dass sich viele Leute der Lektüre aussetzen wollten. Am besten gefielen mir seine Postkarten, die er mir schickte, wenn er sein Kommen ankündigte, um Bücher abzuholen, Postkarten, die mit viel Liebe hergestellte großartige Kunstwerke waren. Zuletzt traf ich ihn im »Goldenen Hahn«, wo ich anlässlich der Premiere und als Beiträger der von ihm herausgegebenen Anthologie »Schwarzbuch Kreuzberg« zwei kurze Stücke vortrug. Er saß an einem Tisch auf der »Bühne« und wunderte sich, wenn Leute das Buch kaufen wollten. Das fand ich so hinreißend, dass ich es eine schreiende Ungerechtigkeit finde, wenn solche liebenswürdigen und schrulligen Leute schon mit 74 abtreten müssen.