Archiv für den Monat: Dezember 2014

Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Seit Wochen schon laufen ein paar Fans in der Respect-Bar mit Krücken herum. Ein Sinnbild für die Lage des BVB. Und Freund Wiglaf sagte seinen Besuch in der Bar ab, weil er kein gutes Gefühl hatte. Darauf ist zwar nicht immer Verlass, denn gegen Wolfsburg hatte er einen »Zwanni« auf den BVB gesetzt, war aber immerhin nah dran, wenn Kehl nicht diesen Aussetzer gehabt hätte und Naldo nicht kurz vor Schluss… Ich hatte auch kein gutes Gefühl, ging aber trotzdem, wahrscheinlich weil ich mir im Innersten meines Herzens trotzdem Hoffnungen auf die schlechteste Abwehr der Liga, nämlich Bremen, machte. Aber wenn Dortmunds Abwehr an diesem Tag so stabil gewesen wäre wie die von Bremen, dann hätte es vielleicht wenigstens ein Unentschieden gewesen, und in dieser Verfassung muss man bei Dortmund für jeden Punkt dankbar sein. Gegen Bremen bewahrheiteten sich jedenfalls die schlimmsten Befürchtungen. Dortmund spielte pomadigen Sicherheitsfußball, der schon in der 3. Minute ad absurdum geführt wurde, als Hummels durch einen Stellungsfehler den U19-Spieler Selke ziehen ließ, der mit einer Coolness verwandelte, die keiner der Dortmunder auch nur annähernd hinkriegen würde. Aber auch danach änderte sich nicht der Stil. Kein schnelles Umschalten, sondern langsames Sich-nach-vorne-tasten, bis man irgendwann im dichten Abwehrnetz der Bremer den Ball verlor, die den Dortmundern ein ums andere Mal vormachten, wie man schnell nach vorne spielt. Der BVB hatte in der ersten Halbzeit so gut wie keine Chance, nur einige Schüsse aus der zweiten Reihe, die meilenweit neben das Tor gingen. Niemand strahlte so etwas wie Gefahr aus. Kam der Ball auf die Flügel stoppten Piszczek und Schmelzer beim Gegner regelmäßig ab und spielten zurück. Es gab keine Kombinationen, schon gar keine überraschenden, nur ein Ballkreiseln, mit dem man sich bis zu 70 Prozent Ballbesitz erarbeitete, das mehr ein bräsiges Ballverwalten war. Auch beim 2:0 wurde Hummels im entscheidenden Moment von Selke ausgespielt, der dann eine sehenswerte und genaue Flanke spielte, bei der Bartels nur noch den Fuß hinhalten musste. Auch wenn Hummels seine Schnitzer mit einem Kopfballtor nach einer Ecke zumindest zur Hälfte wieder gutmachte, es war ein spielerischer Offenbarungseid, den der BVB da leistete. Und Hummels war es dann auch, der dann deprimiert bekannte: »Eine Garantie dafür, dass es besser wird, gibt es nicht.« Klopp setzt jetzt auf die Winterpause, in der ein paar Verletzte wieder zurückkommen könnten und in der danach, wie Klopp meinte, es wesentlich schwieriger wird, Dortmund zu schlagen. Die entscheidende Frage aber ist, wie bringt man wieder das Spielerische und das Leichte ins Spiel der Dortmunder zurück? Wie knackt man die Verunsicherung, die Ängstlichkeit, die Depression? Vier Punkte hat Dortmund in der Vorrunde auswärts geholt. So wenig wie noch nie. Und die Hälfte aller Mannschaften, die die Vorrunde mit 15 Punkten abgeschlossen haben, sind am Ende dann auch abgestiegen. Es besteht also eine 50-prozentige Wahrscheinlich, nicht abzusteigen. Dafür müssten sich einige Dinge ändern, von denen ich nicht weiß, wie sich das bewerkstelligen lässt. Klopp ist nicht zu beneiden, denn niemand weiß, wie Dortmund aus diesem Loch wieder herauskommen kann. Auch Klopp nicht, von ihm aber wird es erwartet.

Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Kaum spielt Dortmund gegen eine Mannschaft in der oberen Tabellenregion, sieht das Ganze schon wesentlich besser aus. Gegen den Zweiten Wolfsburg hatte man schon in den guten Zeiten manchmal schlecht ausgesehen, aber diesmal waren die Dortmunder nicht ängstlich und zögerlich wie in dem katastrophalen Spiel gegen Hertha, sondern setzten die Wolfsburger früh unter Druck, denen dann auch prompt Fehler unterliefen, die Immobile allerdings nicht zu nutzen wusste. Immobile allerdings machte diesmal sein bestes Spiel für Dortmund, war ein ständiger Unruheherd und gewann für einen Stürmer sensationelle 70 % seiner Zweikämpfe, es gelang ihm sein erster Assist, eine präzise Flanke auf Aubameyang, die der nur noch über die Linie zu drücken brauchte, und Immobile gelang durch einen Gewaltschuss in die Ecke auch das 2. Tor für die Dortmunder. Er hatte noch ein paar tolle Szenen mehr, scheiterte aber unglücklich am Wolfsburger Keeper. Den Wolfsburgern hingegen, die trotz des Pressings und vereinzelter Fehler ruhig blieben und mit De Bruyne einen Mann hatten, der durch kluges und präzises Passspiel die Dortmunder Abwehr in unangenehme Situationen brachte, reichten zwei Standardsituationen und zwei Fehler, um zu einem Unentschieden zu gelangen. Der erste Fehler unterlief dem Weidenfeller-Ersatz Langerak, der einen in die Torwartecke geschlagenen Freistoßball zu spät sah, was ihn nicht gut aussehen ließ. Beim späten Ausgleichstor (85. Minute) war es Kehl, der Naldo bei einer Ecke aus den Augen verlor, so dass der völlig unbedrängt einköpfen konnte. Diese Fehler sind den Dortmundern früher nicht unterlaufen, vielleicht wurden sie auch nicht immer so prompt bestraft wie zur Zeit, und umgekehrt gelingt es den Dortmundern nicht, die Fehler des Gegners so konsequent auszunutzen, wie es nötig wäre, um eine Mannschaft wie Wolfsburg zu bezwingen. Der nächste Gegner jedenfalls wird nicht so einfach sein. Der heißt Bremen, ist Tabellenletzter und wird durch eine kämpferische Mauertaktik den Dortmundern ein Spiel aufdrücken, mit dem sie nicht umgehen können. Und wenn alles so läuft wie bislang, können sich die Bremer darauf verlassen, dass die Dortmunder mindestens für ein Tor ins eigene Netz gut sind. Dann würden die Dortmunder möglicherweise auf dem letzten Tabellenplatz überwintern, wenn Freiburg zu Hause gegen Hannover gewinnt, was nicht ganz so unwahrscheinlich ist. Der Abstiegskampf hat jetzt richtig angefangen. Und dafür ist Immobile möglicherweise genau der richtige Mann, denn um aus dem Tabellenkeller zu kommen braucht man einen Wühler, der »mit dem Messer zwischen den Zähnen« (Immobile) in die Zweikämpfe geht. Und insofern war die Verpflichtung des Italieners gar nicht so schlecht wie ich bislang vermutet habe. Vielleicht braucht Dortmund dringend die Winterpause, um sich neu zu sortieren und ein paar Spielabläufe neu einzustudieren, die aus welchen Gründen auch immer verloren gegangen sind. Langsam gerät das spektakuläre Absacken der Dortmunder aus den Schlagzeilen und wird zur Meldung, die niemanden mehr verwundert. Dafür hat sich jetzt Reus wieder zurückgemeldet. Mit einem Strafbefehl von 540.000 Euro für Fahren ohne Führerschein mit einem Aston Martin bessert er die leere Kasse der Dortmunder Stadt nicht unerheblich auf. Der BVB ist einfach für alles zuständig.

Die Wahrheit über den 15. Spieltag

Langsam wird es gruselig. Hatte ich bisher die Einschätzung, die viele teilten, dass der BVB zwar in einer Krise steckt, aber viel zu gut ist, um ernsthaft gegen den Abstieg spielen zu müssen. Spätestens nach dem Spiel in Berlin kann man sich von diesem Glauben verabschieden. Denn wenn selbst Platz 1 in der CL-Gruppe und ein verdienter Sieg zuletzt gegen Hoffenheim nicht ausreicht, um wieder ein wenig Selbstbewusstsein zu tanken und wieder auf die Gewinnerspur zurückzufinden, dann sitzt der Knacks tatsächlich tiefer als angenommen. Vor allem, weil wieder der inzwischen vertraute Spielablauf stattfand mit einer Absehbarkeit, die zutiefst deprimierend war, denn inzwischen wissen alle Vereine, die gegen den Abstieg spielen, mit der gleichen Taktik gegen den BVB zu punkten. Und Hertha setzte diese aufopferungsvoll und kämpferisch um in einem ihrer besten Spiele. Und eigentlich müssten die Berliner wegen Wettbewerbsverzerrung belangt werden, denn gegen Bayern ergaben sie sich wehr- und kampflos ihrem Schicksal. Gegen den BVB aber sehen inzwischen alle Vereine ihre Chance und nutzen sie auch, weil sie wissen, dass der BVB vorne nicht trifft und hinten dem Gegner verlässlich ausreichend Chancen einräumt. Obwohl Hummels wieder dabei war, ebenso wie Gündogan, wirkte das Dortmunder Spiel ohne Inspiration und hilflos. Man fühlte die Angst, nicht in einen Konter zu laufen, das engmaschige Abwehrnetz der Herthaner verunsicherte die Dortmunder, und deshalb schob man sich in der Abwehr viel den Ball hin und her. Die alte Viererreihe aus den Erfolgsjahren stand wieder auf dem Platz, aber sie wirkte nicht sicher. Immer wieder sah man den ballführenden Dortmunder hilflos die Hände heben, weil er nicht wusste, wen er anspielen konnte. Und dann fiel auch noch frühzeitig Mhkitaryan wegen einer Muskelzerrung aus, immerhin einer der Kreativen, der gegen Anderlecht allein vier Großchancen vertat. Und als Subotic den eingewechselten Kuba aus reiner Verlegenheit anspielte, obwohl der von Berlinern umringt war, kam Hertha zum Konter und der Ex-Borusse Schieber zum Tor des Tages und zwar mit einer Souveränität, mit der er bei Dortmund nie aufgefallen ist. Das alles ist so absurd, dass man nur ungläubig staunen kann. Der BVB jedenfalls wirkt wie ein Schatten früherer Tage. Nichts mehr zu sehen von schnellen Kombinationen, überraschenden Tricks oder überfallartigen Attacken. Nur ängstliches Bemühen, den Ball nicht zu verlieren, was dann genau zum Gegenteil der Absicht führt. In der ersten Hälfte spielte Dortmund keine einzige Chance heraus, während Hertha auch ein zweites Tor hätte erzielen können, und als dann die Niederlage näher rückte, vergab Immobile gleich eine Hunderprozentige. Am Ende standen die Spieler und der Trainer minutenlang vor den Fans und ließen die Köpfe hängen, konsterniert und fassungslos ob ihrer eigenen Leistung, von der inzwischen auch die angesteckt werden, die bisher noch am konstantesten gespielt haben wie Aubameyang. Wie man aus diesem Loch wieder herauskommt, weiß niemand, denn das teuflische an dieser Abwärtsspirale ist, dass ein Erfolgserlebnis allein nichts hilft. Der Misserfolg steckt bei jedem Spieler offenbar so in den Knochen, dass sogar das einfachste nicht mehr klappt, und fassungslos muss man kuriose Fehlpässe, unerklärliches Stellungsspiel und lächerliche Schüsse mit ansehen.

Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Fup (5 Jahre) fragte mich, ob der BVB auf dem letzten Platz stünde, einer seiner Kita-Freunde hätte ihm das gesagt. Ich habe gesagt, dass der doch keine Ahnung hätte. Aber dann verlor der BVB in Frankfurt in einem hektischen Spiel, in dem der BVB kopflos anrannte und sich dann Gegentore aus dem »Kuriosentätenkabinett« leistete. Und gerade die Szene zum 2:0 sagte alles über den gegenwärtigen Verunsicherungszustand der Dortmunder, denn als ein Befreiungsschlag Richtung Dortmunder Tor ging, war der Ball lange in der Luft, und jeder konnte sehen, dass Ginter den Ball zuerst haben würde. Trotzdem lief Weidenfeller aus dem Tor, als wolle er selber klären. Ginter hingegen konzentrierte sich nur auf den Ball, ohne zu gucken, wo seine Mitspieler standen. Und das sind Dinge, die man schon ganz früh beigebracht bekommt. Aber auch die klappen nicht mehr beim BVB. Und deshalb standen die Vorzeichen gegen Hoffenheim nicht sehr gut, vor allem, weil man gegen Hoffenheim meistens schlecht aussah und man vor ein paar Jahren dafür verantwortlich war, dass Hoffenheim in letzter Sekunde doch noch den Verbleib in der Liga schaffte. Nun aber kehrte Hummels zurück, der der Abwehr wieder Stabilität verlieh, Weidenfeller wurde ersetzt, und für den blassen Kagawa spielte Gündogan, der prompt sein bestes Saisonspiel zeigte. Dennoch war es vor allem in der ersten Halbzeit ein Kampfspiel mit vielen harten Zweikämpfen, ein unsortiertes Hin und Her mit weiten Bällen. Nach einer tollen Flanke von Aubameyang flugköpfte Gündogan das 1:0 und das war verdient, denn die Hoffenheimer kamen nicht zu einer einzigen Chance. Nach der Pause kam dann nicht der befürchtete Einbruch, sondern Dortmund kombinierte immer besser und hatte einige Chancen. Eine davon führte zu einem regulären Kopfballtor durch Aubameyang, das der Schiedsrichter jedoch wegen Abseits nicht anerkannte, wobei das keine knappe Entscheidung war, sondern ein deutliches Nicht-Abseits. Das zweite Tor im dritten Spiel, das für die Dortmunder nicht gegeben wurde. Ein weiteres, sehr knappes Abseitstor wurde ebenfalls abgepfiffen, und wenn der Schiedsrichter da geirrt hätte, hätte niemand etwas sagen können. Als Elyounoussi in der 85. Minute von Subotic im Strafraum umgegrätscht wurde, erwartete jeder, dass schon wieder das Spiel auf den Kopf gestellt werden würde, aber der Pfiff blieb merkwürdigerweise aus. Jedenfalls machte Dortmund in der Tabelle einen gewaltigen Satz nach vorne und ich konnte Fup beruhigen. Nicht dass ich mit dieser Lüge ein Problem gehabt hätte, aber es fühlt sich auch für einen selbst besser an, wenn Dortmund sich nicht mit Mannschaften herumtreibt wie Hamburg oder Stuttgart, die Schalke Gelegenheit geben, ihr Torverhältnis aufzupolieren. Nur Favre macht gerade Spaß, der sich nach dem 3:2 gewonnenen Spiel gegen Hertha mit dem TV-Mann von Sky anlegte, der immer wie ein mutiges Eichhörchen aussieht und solche Fragen stellt wie »Warum wurde es am Ende eng?« Favre sagte: »Sie sind verrückt mit Ihren Fragen.« Und da lag Favre gar nicht so verkehrt. Er war allerdings vor allem deshalb so aufgebracht, weil Gladbach dreimal hintereinander verloren hatte und bereits gehörig unter Druck stand, während der bescheuerte Hecking meinte, Wolfsburg hätte vielleicht dann eine Chance auf die Meisterschaft, wenn Bayern nur noch zu siebt spielen dürfte.