Archiv für den Monat: März 2015

Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Die Dortmunder knüpften nahtlos an ihre Leistung letzte Woche gegen Hamburg an. Niemand scheint mehr den Glauben oder den Willen zu haben, den Zehn-Punkte Vorsprung auf die internationalen Plätze einholen zu wollen. Dabei ist es nicht so, dass man den Spielern Lustlosigkeit vorwerfen könnte. Sie mühen sich und rackern, aber in der dichtgestaffelten Kölner Abwehr fanden sie einfach die Lücke nicht. Fehl-, Rück- und Sicherheitspässe und Missverständnisse prägten das Dortmunder Spiel und man wusste nicht so recht, warum das so ist nach vier gewonnenen Ligaspielen. Lag es an Juventus, das Mittwoch nach Dortmund kommt? Lag es an den Kölnern, die genauso spielten, wie es die Dortmunder nicht mögen und wogegen sie keine Mittel finden? Warum findet Mkhitaryan nicht zu seiner Form? Warum bleibt Kagawa immer noch unter seinen Möglichkeiten? Köln hatte die eindeutig besseren Chancen, auch wenn sie vielleicht nur 30 Prozent Ballbesitz hatten. Aber genau das kommt eben heraus, wenn man sich hauptsächlich hinten die Bälle hin- und herschiebt und nach jeder Balleroberung darauf wartet, bis sich die Kölner Abwehr wieder sortiert hat. Die Kölner mussten nur darauf warten, bis einem Dortmunder im Mittelfeld ein Fehlpass unterlief und schon ging es zügig zum Tor. Zum Glück verdaddelten die Kölner ihre drei Großchancen wie das sonst nur die Dortmunder machen. Für das Highlight des öden Ballgeschiebes sorgte Aubameyang, der sich als die Hand Gottes versuchte, aber im Unterschied zu Maradonna dabei erwischt wurde. Zu offensichtlich war der Versuch. Und Marcel Reif kam schon ganz früh auf die Pressetribüne, um dem Kontakt mit seinen Zuhörern zu entgehen, er wurde sogar von einem Bodyguard bewacht. Niemand in Dortmund mag ihn und trotzdem darf er die Zuhörer quälen. Eine eigenartige Taktik, die der Bezahlsender sky da verfolgt. Jedenfalls ist Reif ein gutes Argument dafür, um das Spiel im Stadion zu gucken, aber nicht, um mehr Abonnenten zu kriegen. Im Vorfeld des Spiels Bremen gegen Bayern wurde mal erwähnt, dass Bayern von den Schiedsrichtern bevorzugt wird, nachdem ihnen im letzten Spiel ein Elfer geschenkt wurde. Gegen Bremen wurde ein Elfer gegen Bayern nicht gegeben. Natürlich weiß man nicht, ob der das Spiel entscheidend beeinflusst hätte, nachdem es am Ende 4:0 für die Bayern stand, aber es ist schon lustig, dass dieser Tatbestand statistisch ohne Ergebnis untersucht wird, dabei reicht der Augenschein und in diesem Fall das Bekenntnis des Schiedsrichters, der das Foul von Boateng an Prödl im Strafraum übersehen hatte. Jedenfalls treffen die Bayern wie sie wollen, während man bei Schmelzer schon beim Ansatz eines Schusses lieber die Augen schließt. Die Schiedsrichter scheinen sich das üble Foul von Behrami an Mkhitaryan letzte Woche angesehen zu haben und haben jetzt im Spiel des HSV in Hoffenheim die Konsequenz gezogen. Bereits in der 19. Minute musste Drobny wegen einer Notbremse vom Platz. Am Ende stand es 3:0 und Zinnbauer beklagte wahrscheinlich die mangelnde Härte seiner Mannschaft. Der VfB geht sehenden Auges dem Abstieg entgegen, denn auch nach der 4:0-Klatsche in Leverkusen hält Dutt an Stevens fest, und niemand weiß warum. Und Hertha klaut Schalke beim 2:2 einen Punkt, weil Wellenreuther, der gegen den BVB noch so sensationell gehalten hat, zwei schwere Patzer unterliefen.

Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Eigentlich war es zu erwarten, dass es kein attraktives Spiel werden würde, denn der unter Druck stehende HSV-Trainer Zinnbauer würde für einen Punkt alles tun. Er baute einen Riegel um die Abwehr und sagte den Spielern, auf die Knochen zu gehen. Und das taten sie dann auch. Hummels sagte nach dem Spiel zwar, das Spiel wäre hart, aber nicht überhart gewesen, aber das ist wahrscheinlich der Perspektive auf dem Platz geschuldet, wo man nicht immer alles mitbekommt, aber am Schirm sah es aus, als würde Behrami unbedingt einen der Dortmunder als Invaliden vom Platz schicken wollen. Jedenfalls war das im Zweikampf gegen Mkhitaryan der Fall, dem er mit Vorsatz seinen Ellbogen in den Hals rammte. Eine klare rote Karte, die den Verlauf des Spiels völlig auf den Kopf gestellt hätte, denn die Hamburger hätten fast die gesamte Zeit über in Unterzahl spielen müssen. Gagelmann gab dem Treter aber nicht mal gelb, so dass die Hamburger das als Aufforderung verstehen konnten, in diesem Stil weiterzumachen. Es war dann auch nicht Gagelmann, der Behrami vom Platz nahm, obwohl er sich noch drei weitere ähnlich hässliche Fouls leistete, sondern Zinnbauer, der es selber nicht glauben konnte, dass Behrami noch nicht mit rot vom Feld geschickt worden war. Insofern war das positivste an diesem Spiel, dass keiner der Dortmunder ernsthaft verletzt wurde, ja es klingt fast wie ein Wunder, denn die Hamburger hatten es auf nichts anderes abgesehen, um das Spiel zu zerstören und die Dortmunder davon abzuhalten, ihr Spiel aufzuziehen. Diese Spielweise wird immer wieder mit Worten umschrieben, wie »sich Respekt verschaffen« oder »bissige Spielweise«, dabei handelt es sich einfach nur um üble Treterei. Und selbst van der Vaart, der später eingewechselt wurde und eigentlich als feiner Techniker gilt, wurde mit dem Auftrag auf den Platz geschickt, Subotic zu provozieren, was er auch gleich tat, indem er in ihn auf den herauslaufenden Weidenfeller schubste, sodaß beide zusammenprallten. Als Subotic  sich dann vor van der Vaart hinstellte, fiel der sofort wie vom Blitz getroffen um. Gagelmann gab beiden gelb und van der Vaart hatte seinen Auftrag erfüllt. Ein unansehnliches, zerfahrenes Spiel, in dem der HSV so gut wie nichts zustande brachte: 4 Torschüsse (12 der BVB) und auch in allen anderen statistischen Belangen war der HSV unterlegen, nur bei den Fouls führte der HSV mit 23:12. Ein Spiel ohne Tore und zum Vergessen, denn man sah mal wieder, dass Mannschaften, die spielen wollen, nicht dafür belohnt werden und nicht mal vom Schiedsrichter geschützt werden. Aber krasse Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern gab es auch in Augsburg, als in der 10. Minute ein Spieler von Augsburg im Strafraum klar von den Beinen geholt wurde, ohne dass es Strafstoß und eine rote Karte gegeben hätte. Immerhin ließ Gräfe dann die Augsburger schließlich doch gewinnen, indem er einen regulären Treffer der Wolfsburger einfach nicht anerkannte, aber daran sieht man, dass Spiele weniger durch das Auftreten der Mannschaften entschieden werden, sondern durch den Schiedsrichter. Klopp war schon froh, dass man den HSV auf Distanz gehalten hat, gegen den man leider eine desaströse Bilanz aufweist, aber gegenüber den Vereinen, die um die internationalen Plätze spielen hat Dortmund Punkte verloren, denn Schalke und Augsburg haben ihre Spiele gewonnen.

Die Wahrheit über den 23. Spieltag – Das 146. Derby

Als in der 78. Minute das 1:0 im Revierderby BVB gegen Schalke fiel nachdem ein vom Gegner abgeprallter Ball Aubameyang vor die Füße fiel, der ihn am Torwart vorbei in die Ecke spitzelte, da fiel allen eine Zentnerlast von den Schultern. Diesmal aber machte Aubameyang keinen Salto, sondern er lief hinter das Schalker Tor, wo er vorher unbemerkt eine Batman-Maske versteckt hatte. Aubameyang als Batman und Reus mit einer Augen-Maske als Robin. Damit lagen sie sich in den Armen und jubelten und diese ganz und gar kindische Freude war entzückend anzusehen, und diese Aktion spricht vom Selbstbewusstsein des Gabuners, weil er offenbar schon vor dem Spiel davon überzeugt war zu treffen. Allerdings, wer sollte in Dortmund sonst treffen? Bei der Ladehemmung, die die gesamte Mannschaft befallen hat. Diesmal aber sah alles ganz anders aus, auch wenn bis zum erlösenden ersten Tor fast achtzig Minuten vergehen mussten. Und ausgerechnet Aubameyang erwies sich als der größte Chancentod, immerhin versiebte er drei Hundertprozentige. 31 zu 3 Torschüsse standen am Ende zu Buche, und die drei Schüsse von Schalke trafen dabei nicht mal das Tor, während gute zehn riesige Tormöglichkeiten für den BVB sprachen. Oder eben auch nicht, denn am Ende des Spiels beschlich mich langsam das Gefühl, dass trotz der aberwitzigen Überlegenheit es ein Tag werden könnte, an dem das gegnerische Tor einfach vernagelt war. Aber das Erstaunliche war, dass die Dortmunder zu keiner Phase des Spiels nachließen, dass sie Schalke ständig unter Druck setzten oder in den Ruhephasen laufen ließen, indem sie den Ball cool in den eigenen Reihen hielten. Fast alle Spieler traten wie entfesselt auf, als hätte es nie eine Krise gegeben, in der fast alle weit unter ihren Möglichkeiten spielten. Gündogan spielte grandios und bereitete in einer sensationellen Energieleistung mit einer Flanke das 2:0 durch Mhkitaryan vor. Und der wurde dann von allen besonders gefeiert, weil ihm seit gefühlten fünf Jahren endlich wieder ein Treffer gelungen war. Alle umarmten ihn und man sah sein glückliches Gesicht aus der Masse seiner Mitspieler hervorlugen. Wie lange schon hatte ich ihm diesen Treffer schon gewünscht, weil man den Knoten förmlich spürte, der sich bei ihm in Unsicherheit und Verzagtheit niederschlug. Aber wie fast alle seine Kollegen schien er seinen verpassten Möglichkeiten nicht lange nachzutrauern, sondern er machte weiter. Und das war das Besondere. Der BVB hielt das Niveau hoch, während Schalke wahrscheinlich vollkommen überrascht war, dass es diesmal mit der defensiven Taktik Di Matteos und dem Hoffen auf gelegentliche Konter, mit denen so viele limitierte Mannschaften in Dortmund gepunktet hatten, diesmal nicht klappte. Schalkes Auftritt war unterirdisch und nicht wirklich erklärlich, denn mit ihrem Catenaccio hatten sie bislang ja durchaus Erfolg, jedenfalls mussten sie im Unterschied zum BVB nur wenige Gegentore hinnehmen. In diesem Spiel allerdings hätten es auf einmal auch acht oder sogar noch mehr Tore sein können. Wenn der BVB so weitermacht, wovon man allerdings nicht ausgehen kann, dann könnte man tatsächlich noch an den internationalen Plätzen schnuppern. So aber ist es einfach nur schön, dass man wieder weiß, wie schön sie spielen können, denn mit Kagawa, Sahin, Gündogan, Hummels, Reus, Mhkitaryan und Aubameyang hat man ein unglaublich technisches Potential.