Archiv für den Monat: Mai 2015

Die Wahrheit über den 34. Spieltag

In der FAZ stellte man Gedanken darüber an, dass die mangelnde Spannung an der Spitze, an der die entscheidenden vier ersten Positionen schon einige Spieltage vorher entschieden waren, sich nun mangels besserer Alternative auf den Tabellenkeller verlagert, wo sich noch sechs Mannschaften in Abstiegsgefahr befanden. Wenn eine Liga aber ihren Unterhaltungswert daraus bezieht, wer absteigt, dann sagt das einiges über die strukturellen Veränderungen aus, die die Liga durchläuft. Mit Hannover, Stuttgart, Berlin und Hamburg befanden sich gleich vier Traditionsmannschaften aus großen Städten im Abstiegsstrudel. Mit Freiburg und dem Aufsteiger Paderborn erwischte es dann zwei Vereine aus kleinen Städten. Dafür aber steigen mit Darmstadt und Ingolstadt ebenfalls schon wieder ehrgeizige Kleinstvereine aus Städten auf mit 150000 bzw. 132000 Einwohnern. In Dortmund gehen mit 86000 mehr als die Hälfte der Einwohner dieser Städte jeden Spieltag ins Stadion. Die Liga wird dadurch nicht attraktiver, denn auch die Werksmannschaften wie Wolfsburg, Hoffenheim und Leverkusen haben ja kaum Anhänger, weil sie die Ausstrahlung von Schlaftabletten haben. Wenn Wolfsburg auswärts spielt, gehen von den dem Verein zugeteilten Tickets jede Menge zurück, weil nur eine überschauliche Zahl von Fans aus der Autostadt des Führers Lust hat, den Verein in die Fremde zu folgen, während sich Vereine wie der Club, Union Berlin und St. Pauli im unteren Mittelfeld der 2. Liga tummeln, und 1860 München, in den Sechzigern der ehemalige Konkurrent von Borussia Dortmund und 1966 sogar Meister, sich ganz knapp auf einen Relegationsplatz retten konnte. Und mit dem von Red Bull gepamperten Leipzig drängt nun schon die vierte künstliche Elf in die erste Liga. Nun wäre es um den HSV nicht schade gewesen, und er hätte es von allen Vereinen am meisten verdient gehabt, abzusteigen, und vermutlich werden sie sich wie im letzten Jahr durch zwei überharte und unattraktive torlose Remis gegen den KSC durchsetzen. Der Trend geht in eine Richtung, die den meisten sogenannten Laber-Experten gegen den Strich geht, auch wenn es nur sentimentale Gründe sind wie bei Beckenbauer, der beim HSV mal gespielt hat, oder beim Verkäufer von Fußballschuhen Uwe Seeler. Weil aber immer mehr Geld generiert wird, das in den Betrieb gepumpt wird, bleibt es nicht aus, dass Missmanagement und Überheblichkeit sofort bestraft wird sich und stattdessen ehrgeizige, kleine Vereine nach oben schleichen wie der FC Augsburg, die sich in der nächsten Saison in Europa blamieren dürfen und dann wahrscheinlich auch gleich abstürzen, wie es die Dramaturgie für solche Vereine vorsieht, denn es bedarf für solche Vereine immer auch Glück, was Einkäufe und Spielerverletzungen angeht, und nicht nur ein kluges Management. Und wenn dieses Glück abhanden kommt, dann passiert eben das, was mit Dortmund passiert ist. Absturz auf den letzten Platz. Auch wenn sich der BVB wieder berappelte und in seinem letzten Saisonspiel ein hinreißendes Spiel gegen den direkten Konkurrenten um die Europaleague Werder Bremen ablieferte, das an frühere Zeiten erinnerte, hatte man nach dem Weggang Lewandowskis das glückliche Händchen bei Einkäufen vermissen lassen. Jetzt kommt der 27jährige Leverkusener Mittelfeldspieler Castro nach Dortmund, der nach de Bruyne und Robben die besten Ligawerte hat. Das hört sich gut an, nach kluger Einkaufspolitik, nach Sicherung einer der Plätze oben, aber nicht nach Glanz und nicht nach Titel. Und auch Tuchel traue ich Titel nicht zu. Immerhin scheint er den zuletzt wieder glänzend aufgelegten Mkhitaryan und auch Hummels überredet zu haben zu bleiben. Das ist schon mal ein großes Verdienst. Aber da die Titel mehr oder weniger schon alle für Bayern reserviert sind, kann es um solche gar nicht gehen, sondern darum, schönen und aufregenden Fußball zu spielen. Letztes Jahr habe ich den Vorschlag gemacht, dass kein Erstligaverein mehr gegen die Bayern antreten sollte. Diese Spiele würden dann mit einem 2:0 für Bayern gewertet. Sie würden Meister, was sie sowieso werden, aber ohne ein einziges Mal zu spielen. Der teure Kader könnte dann ein bisschen auf dem Trainingsplatz Elfmeterschießen üben. Eine nach wie vor schöne Idee, um der Macht des Geldes ein wenig etwas entgegenzusetzen. Jetzt ist diese Idee tatsächlich umgesetzt worden. Irgendwo in der 5. oder 6. Liga. Aus anderen Gründen, aber dennoch mit Wirkung, und sei es nur deshalb, um die Aufmerksamkeit auf einen Missstand zu lenken, wie der FC Bayern zweifellos einer ist.

Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Auch wenn der BVB gegen die Hertha souverän 2:0 gewonnen hat, läßt sich nicht behaupten, daß der BVB auch so souverän gespielt hätte. Es war kein mitreißendes Spiel, kein Spiel, nach dem man anderen hätte sagen können, sie hätten was verpaßt, wenn sie es nicht gesehen haben. Das alles lag vor allem an der Hertha, die überhaupt nicht spielte wie eine Mannschaft, die noch nicht alle Punkte zusammen hat, um nicht abzusteigen, also engagiert und willensstark wie die anderen Mannschaften unten im Keller. Die übliche Taktik, erstmal hinten drin zu stehen und die Dortmunder am Tore schießen hindern und sie dadurch vielleicht zu entnerven, hatte sich bereits in der 8. Minute erledigt, aber die Hertha wechselte nicht ihren Spielmodus. Erst als kurz nach der Halbzeit auch noch das 2:0 fiel, versuchten die Herthaner mit etwas mehr Leidenschaft nach vorne zu spielen, aber es blieb beim Versuch. Eine wirkliche Chance brachten sie nicht zustande. Aber auch der BVB war nicht wirklich auf der Höhe und hätte an diesem Tag gegen einen stärkeren Gegner wahrscheinlich nicht gut ausgesehen, weil kaum etwas über die Flügel lief. Kein einziges Mal gelang es Durm, bis zur Grundlinie durchzulaufen, immer wieder brach er vorher ab und spielte den Ball zurück. Immerhin ist das Mittelfeld mit dem erstarkten Mkhitaryan wieder stabil, und auch Kagawa scheint wieder ins Spiel zu finden, so dass man sogar ohne Reus auskommt. Aber es ist vor allem der Schwäche der Konkurrenz zu verdanken, daß der BVB jetzt wieder auf Platz 7 steht, der selbst bei einem verlorenen Pokalfinale zur Teilnahme an der Euroleague berechtigen würde. Aber es sind ja noch sechs Punkte zu vergeben, und so wird es bis zum Schluß spannend bleiben und voraussichtlich wird es am letzten Tag gegen Bremen zu einem Endspiel kommen. Bremen schaffte gerade noch ein Unentschieden gegen Hannover, während der andere Konkurrent im Europageschäft Hoffenheim in Frankfurt mit 3:1 unterging. Und wenn man sich einmal auf die Bayern hätte verlassen können, dann wäre der BVB sogar auf Platz 6 vorgerutscht, punktgleich mit Augsburg, aber Bayern verlor das vierte Pflichtspiel in Folge. Jetzt sogar zu Hause gegen Augsburg. Viel jammert man über die Verletztenmisere, aber wenn man einen Blick auf die Aufstellung wirft, sieht man nur Leute, die so gut wie in jeder Mannschaft in allen Top-Ligen der Welt einen Stammplatz hätten. In Barcelona konnte sich Bayern sogar den Luxus erlauben, auf Götze zu verzichten und ihn erst spät einzuwechseln. Allerdings sah man ihn nicht, obwohl er nachweislich eine Grätsche gemacht hat. Jetzt stellen sich alle schützend vor Götze, weil niemand im Verein zugeben will, daß er vielleicht eine Fehlinvestition gewesen ist und sein Gehalt von 12 Millionen möglicherweise etwas überzogen. In dieser Verfassung muß man sich keine Sorgen machen, daß Bayern ins CL-Endspiel kommt. Guardiola steht angeblich schon in direkten Verhandlungen mit Manchester City, und möglicherweise ist das ein Gerücht, daß Rummenigge selbst in die Welt gesetzt hat, denn nur die Meisterschaft statt des anvisierten Triples ist im zweiten Guardiola-Jahr ein Rückschritt, denn der gesamte Fußballsachverstand war sich einig, daß Bayern die beste Mannschaft ever hat. Viermal in Folge zu verlieren ist Guardiola aus seinen Zeiten in Barcelona jedenfalls nicht gewöhnt. Und es könnte durchaus sein, daß am Dienstag eine fünfte Niederlage folgt.

Die Wahrheit des 31. Spieltgs

Solche Spiele wie das Pokalhalbfinale des BVB gegen Bayern werden immer seltener stattfinden, aber nie ganz auszuschließen sein. Das Ausscheiden der Bayern, die vier Elfmeter hintereinander nicht in der Lage waren, den Ball zu versenken, wurde versüßt durch neue Sponsorengelder, die es ihnen noch mehr als bisher möglich machen, die Liga zu kontrollieren. Adidas stockt seine Zahlungen auf über das Doppelte auf, und zwar von bislang 25 Millionen auf über 70 Millionen jährlich ab 2020. Immerhin nicht soviel wie Manchester United, die ab nächstes Jahr mit 100 Millionen von Adidas rechnen können, die in einem rasanten Bieterwettkampf Nike ausgebootet haben, und man fragt sich, woher Adidas bei den schlechten Schuhen das Geld her hat. Meine jedenfalls sind nach einem Jahr am kleinen Zeh aufgeplatzt. Vielleicht ja genau daher, indem man die Haltbarkeitsdauer der Schuhe verringert. Dortmund kann da nicht mithalten, denn dort will und kann man nicht die Gehälter zahlen, die Bayern zahlt, weshalb jetzt auch Gündogan gehen wird, dem 6,5 Millionen an Gehalt nicht reichen, die der BVB geboten hat. So wenig wie der BVB auf der Ebene der Gehälter wird mithalten können, so sehr war der Ausflug in die Spitze des internationalen Fußballs eine Episode, denn die wirklich guten Spieler sind vom Verein nicht zu halten. Auch wenn man es ihnen nicht übelnehmen kann, hätte man nach der langen Verletzungszeit Gündogans, in der sich der Verein sehr korrekt verhalten hat, mit einer Vertragsverlängerung zumindest um ein weiteres Jahr ein Entgegenkommen erwarten können, damit der Marktwert für den Verein gestiegen wäre. So rechnet man mit 20 Millionen, und das ist weniger als Adidas im Jahr an die Bayern zahlt. Und Gündogan fehlte nicht nur über ein Jahr, er brauchte auch fast noch ein weiteres, um an seiner alten Form wieder anknüpfen zu können, um wenigstens ein paar entscheidende Pässe zu spielen wie in Hoffenheim. Dort ging es gegen einen direkten Konkurrenten um die Euroleague, denn Hoffenheim hat einen Punkt mehr auf dem Konto. Und wie immer war es zunächst ein unangenehmes Spiel, weil Hoffenheim versuchte, durch Härte und Einsatz den möglichen Nachteil durch das kräftezehrende Spiel gegen die Bayern unter der Woche zu nutzen. Und tatsächlich waren die Hoffenheimer in der ersten Hälfte überlegen. Das legte sich in der zweiten Halbzeit, in der beide Mannschaften auf Sieg spielten und wunderbare Chancen herausspielten, aber keine verwerten konnten. Die größte hatte Immobile, der noch einmal hätte zeigen können, dass er doch ein paar der Millionen wert ist, die für ihn zum Fenster hinausgeschmissen wurden. Aber es blieb beim letztlich gerechten 1:1, und da Schalke leider in letzter Minute zu Hause gegen Stuttgart gewonnen hat und auch Bremen in Frankfurt sich mit 1:0 durchzusetzen wusste, steht der BVB jetzt wieder auf Platz 9. In den drei verbleibenden Spielen gegen Hertha, Wolfsburg und Bremen muss man das Maximum an Punkten herausholen, wenn man sicher auf einem Euroleague-Platz landen will. Beim VfB hingegen dürfte kaum mehr etwas zu machen sein, den die Tore, die man in Schalke kassierte, erinnerten an die Slapsticktore, die der BVB in der Hinrunde kassierte. Und trotzdem drängten sie Schalke an die Wand, was z.Z. aber kein Wunder ist, denn Schalke hat die Krise und der VfB war der Verein, der sie rechtzeitig wieder aufbaute.