Archiv für den Monat: November 2015

Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Auf der Mitgliederversammlung des FC Bayern verkündete Rummenigge einen Rekordgewinn von 23,8 Millionen Euro. Er würde aber trotzdem am liebsten aus der Zentralvermarktung der TV-Rechte durch die DFL austreten, um die Spiele Bayern selbst zu verkaufen und mehr dafür zu kassieren. Der Neoliberalismus im Fußball in seiner reinsten Form heißt Bayern und trägt das Gesicht Rummenigges, Sammers und Hoeneß. Wenn Bayern also die sogenannte Ligasolidarität aufkündigt, kleinere Vereine ihrer Finanzmisere überlässt und ab und zu sich aus dem Pool der talentierten Spieler bedient, dann sollte Bayern auch in seiner eigenen Liga spielen. Sie haben ja jetzt schon faktisch zwei Mannschaften, die die Meisterschaft unter sich austragen würden, wenn beide Mannschaften in der Bundesliga spielen dürften. Wenn Bayern dann noch mehr Geld hat, kann Rummenigge noch mehr Spieler kaufen und dann auch bitte seine eigene Liga gründen. Das hätte den Vorteil, dass man nicht mehr weit reisen müsste. Jedenfalls müsste man den Großraum München nicht mehr verlassen. Nur noch, um Champions-League zu spielen. Bayern hat bislang nur einmal unentschieden gespielt, und dafür waren Pleiten, Pech und Pannen nötig. In den Neunzigern noch konnte man beobachten, dass die Möglichkeit, gute und teure Spieler zu verpflichten, nicht automatisch zum Gewinn von Titeln führte. Da gab es noch jede Menge Ausreißer, also Mannschaften und Vereine, die durch eine Spielidee und mit spielerischem Zusammenhalt es ganz nach oben schafften, wenngleich das auch in der Regel nur periphere Erscheinungen waren. Der BVB dürfte für lange Zeit die letzte Mannschaft gewesen sein, die Bayern für zwei Jahre vom 1. Tabellenplatz verdrängen konnte. Das ist vorbei. Und auch die Millionen eines russischen Oligarchen nutzen nicht immer etwas. Ein bisschen Fußballsachverstand ist auch nicht schlecht. Die Vorherrschaft der Bayern, von Barca, Real Madrid und Paris St. Germain ist einfach zu drückend, als dass es noch Spaß machen würde. Nur in England wurde durch den Geldregen einiges auf den Kopf gestellt. Besser wurde der Fußball dort allerdings auch nicht. Gerne wird auf den Sportseiten eine »Mannschaft des Tages« zusammengestellt mit Spielern, die durch Tore und besondere Leistungen aufgefallen sind. Man könnte auch gleich immer die Bayern-Aufstellung nehmen. Das würde den Zustand der Liga am besten abbilden. Und sonst? Die erfolgreichen Gladbacher ließen beim Schlußlicht Hoffenheim Punkte. Aber im Unterschied zum BVB, dem das auch passiert ist, holte Gladbach noch in letzter Minute einen Zwei-Tore-Rückstand auf. Nächste Woche geht es dann gegen die Bayern, wo der sympathische André Schubert seine erste Bundesliganiederlage kassieren wird. Bremen hingegen befindet sich im freien Fall. Gegen den HSV spielte jedoch nicht nur Unvermögen eine Rolle, sondern auch Benachteiligung und Pech, denn den Bremern wurde ein klarer Elfer nicht gegeben, während beim HSV sogar abgefälschte Freistöße ins Tor gingen. Wenigstens der Zufall macht die Liga manchmal noch attraktiv.

Die Wahrheit über den 13. Spieltag

Lag es daran, dass es der 13. Spieltag war? Lag es daran, dass der BVB schon seit Jahren nicht mehr in Hamburg gewinnen konnte? Bei einer mittelmäßigen Mannschaft, die immer wieder mal in den Abstiegsstrudel gerät und dann vom BVB gerettet werden muss? Nichts erklärt aber, dass die Dortmunder von Beginn an am Spielgeschehen vollkommen desinteressiert waren. Sie liefen einfach nur neben dem Gegner her, gingen halbherzig in die Zweikämpfe, spielten erstaunlich unpräzise Pässe und die Abwehr ließ sich von einem Lasogga verunsichern, der einfach nur von einem zum anderen lief. Aber selbst das hätte noch für ein Unentschieden gereicht, wenn die Dortmunder nicht selbst für die Tore der Hamburger gesorgt hätten. Bürki glänzte wieder einmal mit einem ungeschickten Foul an Ilicevic im Strafraum, war dann gegen den Elfer machtlos. Dann war es Ginter, der einen sagenhaften Fehlpass spielte, den Müller dankbar annahm, wobei er mit dem Ball fast durch den gesamten gegnerischen Strafraum spazieren konnte, ohne von Sokratis oder Hummels oder Weigl angegriffen zu werden. Er konnte in aller Ruhe abwarten, bis Holtby in Position lief und das 2:0 erzielte. Das 3:0 köpfte Hummels gleich selbst. Erst in den letzten 5 Minuten nahm der BVB noch einmal Fahrt auf, traf aber nur den Pfosten oder aus Abseitsposition. Und Adler hielt dann noch ein paar etwas gefährlichere Schüsse. Bürki sagte nur einen Tag später, er würde so lange an die Meisterschale glauben, so lange es rechnerisch möglich sei. Vielleicht sollte ihm mal jemand flüstern, dass er dafür auch ab und zu einen Ball halten sollte.
Während die Dortmunder nur vergaßen, Fußball zu spielen, hatte Beckenbauer vergessen, was er die letzten zwanzig Jahre gemacht hatte. Sie werden doch nicht glauben, dass ich mich an irgendetwas erinnere, was ich unterschrieben habe. Ich habe nie etwas vorher gelesen, was ich unterschrieben habe. Da würde ich ja heute noch lesen, sagte er sinngemäß und erwies sich als großartiger Komiker, der es seinen Kollegen aus der Kabarettbranche sehr leicht macht, denn sie brauchen ihn nur zu zitieren. Aber natürlich hat er recht, denn wer liest schon das ganze Kleingedruckte in den Verträgen? Jeder versteht das, denn jedem geht es schließlich ähnlich. Korruption und Bestechung sind wahrscheinlich im Fußball, wo sowieso riesige Geldmengen hin- und hergeschoben werden, so normal, dass sich jeder darüber aufregt, wenn tatsächlich einmal etwas herauskommt.
In Spanien fand der Classico statt, der erstaunlich eindeutig mit 4:0 für die Katalanen entschieden wurde, die auch ohne den erst spät eingewechselten Messi, der lange Zeit verletzt war, souverän gewann, weil die Madrilenen außer Härte und Frust nichts zu bieten hatten. Sieht so aus, als ob der erst seit Beginn der Saison verpflichtete Rafael Benítez schnell wieder weg vom Fenster ist.
In Hamburg fing das Spiel aufgrund von Sicherheitskontrollen wegen der IS-Massaker von Paris erst mit 18 Minuten Verspätung an. Uwe Seeler hat das nicht gestört. Das ist doch mal eine erfreuliche Meldung.

Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Für Tipper ein ganz schlechter Spieltag, für Leute, die es gern etwas abwechslungsreicher haben hingegen ein Tag mit vielen überraschenden Ergebnissen. Und den roten Karten nach zu schließen, die verteilt wurden, liegen schon am 12. Spieltag die Nerven blank. Wolfsburg hat zwar in den letzten vier Jahren nicht mehr in Mainz gewinnen können, dennoch waren sie in der Karnevalsstadt die Favoriten, schließlich lag Mainz im unteren Tabellendrittel und sah auf eine ordentliche Serie schlimmer Niederlagen zurück. Aber schon nach dreizehn Minuten flog der von Schalke eingekaufte 36-Millionen-Mann Draxler wegen einer Kung-Fu-Einlage gegen Gonzalo Jara vom Platz und bewies, dass er jede einzelne Million wert ist, wenngleich auch nicht für seinen Verein. Wolfsburg Trainer Dieter Hecking plädierte in mürrisch-beckmesserischer Weise, diese Kampfsportart beim Fußball zuzulassen, und sagte, »was andere Leute darüber denken, interessiert mich nicht«. Den Rest der Niederlage besorgten Benaglio und Arnold, die den Mainzern jeweils einen Treffer zum 2:0 schenkten. Die andere Werkself, deren Fan zu sein sich immer wie ein Stigma ausgenommen hat und die den Chemiegeruch der Bayer AG nie abstreifen konnte, wird mir langsam durch den von Roger Schmidt verordneten spektakulären Fußball sympathisch. Viele Tore und Dramatik bis zum Schluss wie gegen den AS Rom in der Champions-League ist ja nicht das schlechteste, was man vom Fußball erwarten kann. Gegen Wolfsburg verloren sie zuletzt wegen eines ungerechtfertigten Elfmeters. Diesmal verloren sie auch noch zu Hause gegen den Reviernachbarn Köln. Die Niederlage hatte einen Namen, und der lautete: Papadopoulos. Ein Ex-Schalker, den man wie Draxler nicht ohne Folgen verpflichtet hat und zudem genau der Mann, der Leverkusen schon wieder weniger sympathisch erscheinen lässt. Auch er musste vom Platz gestellt werden, weil er den im übrigen wenig überzeugenden Kölner Modeste auf dem Weg zum Tor einfach festhielt und dabei nicht mal eine Chance verhinderte, weil Modeste sich den Ball zu weit vorgelegt hatte. Und im dritten Spiel mit rot war es Gladbachs Xhaka, der nach einem Foul in 86. vom Platz musste. Ausnahmsweise kein Ex-Schalker, aber auch kein sonderlich beherrschter Spieler, weshalb Ingolstadts Trainer Hasenhüttl offenbar die Anweisung an seine Spieler gab, Xhaka so lange zu provozieren, bis ihm die Pferde durchgehen würden. Und das scheint ihnen dann auch gelungen zu sein, wenngleich auch erst in der 86. Minute, was nicht mehr den Ingolstädtern nützte, sondern vielmehr dem nächsten Gegner Gladbachs nützen wird. Jedenfalls behauptete das Gladbachs Dominguez, der mit einigen Ingolstädtern Spielern gesprochen haben wollte, die ihm den Eindruck, den sowieso jeder im Stadion hatte, bestätigten. Ein unansehnliches, ständig von Fouls unterbrochenes Spiel, in dem jede Entscheidung des Schiedsrichters bemeckert wurde. Das ist die Methode, mit der Ingolstadt sich in der Bundesliga halten will, und das ist der Grund, weshalb man solche Vereine da nicht braucht.

Die Wahrheit über den 11. Spieltag

Der beim FC Liverpool als neuer Messias begrüßte, aber nach zwei Unentschieden schnell zum »Normal One« geschrumpfte Klopp traf in der Premiere League auf den »Special One« Mourinho und sorgte mit einem verdienten 3:1 dafür, dass Mourinho nach dem 11. Spieltag mit 11 Punkten nur auf Platz 15 steht, was ein bisschen wenig ist für den Meister der vergangenen Saison, weshalb Mourinho wieder einmal den Beweis antreten wird, dass die Rückkehr zu einer alten Erfolgsstätte in den wenigsten Fällen klug ist. Nach seinen Erfolgen mit Chelsea, Inter Mailand und Real Madrid hat er sich offenbar in seinen ständigen Reibereien mit allen nun selbst aufgearbeitet, und Abramowitsch geht es um Erfolg und nicht um nostalgische Gefühle, gerade in dieser Saison, wo große Summen an Fernsehgeldern auf die Gewinner warten.
Der Trainer der Stunde deutschen Liga ist ein gewisser Andre Schubert, der nach dem plötzlichen Hinschmeißen von Favre in Gladbach das Ruder übernommen hat und nun alle sechs bislang unter seiner Regie stattfindenden Ligaspiele gewonnen hat und damit bestimmt irgendeinen Rekord aufgestellt, jedenfalls sich vom letzten Platz auf Platz 5 vorgearbeitet hat. Diesmal musste Hertha dran glauben, die zu Hause keine Chance hatte. Gladbachs Spieler haben offenbar ihre Spielfreude wiedergefunden und machen sich nun dafür stark, dass Andre Schubert nicht nur eine Interimslösung bleibt. Überhaupt war der Spieltag eine reine Freude, denn Bayern büßte in Frankfurt nach einem torlosen Unentschieden die ersten zwei Punkte ein. Auch Bayern hat also ein Problem mit tiefstehenden Mannschaften, vor allem, wenn man die wenigen Chancen nicht nutzt, wie Lewandowski, der mit 13 Treffern zusammen mit Aubameyang die Torjägerliste anführt. Aber auch Aubameyang ließ seine Chancen in Bremen aus, bei denen es schwieriger war, nicht zu treffen als zu treffen. Dafür aber traf Reus gleich zweimal. 3:1 konnte der BVB die Partie für sich entscheiden, und das letztlich hochverdient, und dennoch hatte man über lange Zeit trotzdem das Gefühl, es könnte noch was schiefgehen, denn nachdem Dortmund Bremens Beton ziemlich früh gesprengt hatte, mussten sie den Ausgleich hinnehmen, obwohl sich durch die offensivere Spielweise der Grünen mehr Räume boten, was dem Spiel der Schwarzgelben hätte entgegenkommen müssen. Aber vor allem in der ersten Halbzeit ließ die Dortmunder Hintermannschaft den Bremer Stürmern zu viel Raum und störte nicht früh genug, was die Heimmannschaft in einer ziemlich schwungvoll vorgetragenen Kombination für sich zu nutzen wusste. Schalke büßte nach den Pleiten gegen Gladbach jetzt auch noch gegen Ingolstadt zu Hause einen Punkt ein und wurde von Wolfsburg vom 3. Platz abgelöst, die unverdient und durch einen Abseitstor gegen Leverkusen gewannen. Und Huub Stevens grantelt wieder in der Liga. Von Hoffenheim als Nichtabstiegsspezialist geholt, sackte er auch gleich mit einem unansehnlichen 0:0 in Köln den ersten Punkt ein. Aber ihn bereits nach dem 10. Spieltag für den Nichtabstieg zu verpflichten, ist vermutlich keine gute Idee.