Archiv für den Monat: Dezember 2015

Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Seit drei Monaten hatten die Kölner kein Spiel mehr zu Hause gewinnen können. Da war es höchste Zeit, dass Dortmund kam und den Remis-Spezialisten einen Kick verpasste, denn plötzlich waren sie da, sieht man von der 1. Halbzeit ab als die Kölner sich ausschließlich auf die Errichtung einer Mauer vor dem eigenen Tor verlegten, liefen die langsam erlahmenden Dortmunder ständig an und zermürbten sie. Und in der Tat fehlte den Dortmundern die mentale und körperliche Frische nach dem intensiven Pokalfight gegen Augsburg am Mittwoch, als sich Köln ausruhen konnte. Das merkte man an solchen entscheidenden Figuren wie Gündogan, der nie richtig auffiel, oder auch an Aubameyang, der gegen das Kölner Bollwerk keine Schnitte machte. Dennoch waren genügend Spieler dabei, die eigentlich hätten frisch sein können, die noch nicht wirklich oft gespielt hatten, wie Hofmann und Park, der allerdings schon zur Pause als Risikofaktor ausgewechselt wurde, da sich seine Seite als Gefahrenherd herausstellte und Park sogar ein Foul im Strafraum verursachte, über das der Schiedsrichter großzügig hinwegsah. Nachdem die Dortmunder nach souveränen ersten zwanzig Minuten mit einem Kopfballtor durch Sokratis zu einer 1:0-Führung gelangt waren, schienen sie darauf zu vertrauen, den Vorsprung irgendwie über die Runden zu bringen. Im Unterschied zu den Bayern, denen das in der Regel gelingt und deren 1:0-Sieg in Hannover nie ernsthaft gefährdet war, schwingen sich die Dortmund-Gegner häufig zu ungeahnten Leistungen auf. Köln jedenfalls kämpfte, rackerte und grätschte wie die ganze Saison noch nicht. Und trotzdem musste ihnen Dortmunds Keeper Bürki zu Hilfe kommen, der den Ausgleich mit einem sensationellen Fehlpass zu Zoller erst möglich machte. Und auch das 2:1 in der 90. Minute kam kurios zustande, weil Schmelzer sich unnötig unter Druck setzen ließ und statt zu einem der freistehenden Kollegen zu spielen den Ball unkontrolliert nach vorne schlug, der postwendend per Kopf zurückkam, genau in den Lauf von Modeste, der direkt verwandelte. Ein Glückstor, das sich die Kölner erzwungen haben, weil sie gegen die zunehmend müder werdenden Dortmunder nicht nachließen. Ein unnötige Niederlage, aber mit 38 Punkten wären die Dortmunder in vielen anderen europäischen Ligen Spitzenreiter. Hierzulande haben sie das Pech, dass Bayern München mitspielen darf. Immer noch ist man zwölf Punkte besser als der CL spielende Wolfsburg, der gegen die abstiegsbedrohten Stuttgarter mit 3:1 unterging und seinen Ruf als schlechteste Auswärtsmannschaft unterstrich. Und auch in diesem Spiel wurde mal wieder unter Beweis gestellt, das 70 % Ballbesitz gar nichts bedeutet, wenn die andere Mannschaft alles in die Waagschale wirft und statt Ballkontrolle den Sieg sucht. Im Tabellenkeller trafen Bremen und Frankfurt aufeinander, die als direkte Konkurrenten sich etwas Luft verschaffen wollten. Das schaffte die Eintracht, weil sie unbedingt gewinnen wollte, obwohl Bremen sogar in Führung ging. Es war ein Triumph des Willens, aber allzu häufig wird ihnen das nicht gelingen.

Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Der Hamburger SV stellte mit seinem Wirf-dich-in-jeden-Zweikampf-egal-wie-Stürmer Lasogga mal wieder unter Beweis, was für eine exzellente Tretertruppe sie haben, die es mit dieser Methode schon auf Platz 9 geschafft haben. Lasogga jedenfalls rutschte an der Seitenauslinie mit den Stollen voraus den Wolfsburger Dante ins rechte Standbein und es war ein Wunder, dass Dante danach noch spielen konnte. Alle, die das Foul am Bildschirm sahen, waren sich einig, dass Lasogga dunkelrot verdient gehabt hätte. Aber nicht nur bekam er gelb, weil der Schiedsrichter zu feige war, den Schlägertyp vom Platz zu stellen, Lasogga verteidigte auch noch sein Knochenbrechertackling mit dem Hinweis, er würde kein Schach spielen, und wenn er für dieses Foul rot gesehen hätte, würden Bundesligapartien mit nur zwei Mann auf dem Feld enden. Fußball aber ist kein Kampfsport. Lasogga sollte Rugby spielen. Da wäre er besser aufgehoben. Dabei hatte Lasogga dem später niedergestreckten Dante sogar noch das 1:0 das HSV zu verdanken, denn der ließ sich als letzter Mann von ihm den Ball abluchsen, was zum Führungstreffer der Hamburger durch Müller führte. Erst in der 2. Halbzeit wachte Wolfsburg auf und schaffte schließlich noch den Ausgleich. Die Fans aber waren unzufrieden und pfiffen ihre Mannschaft aus. Klar, Werkself. Solche Vereine haben keine Fans, sondern Zuschauer, und die Hälfte dieser Zuschauer arbeiten bei VW und werden wahlweise zwangsverpflichtet oder geködert. Insofern passierte in Stadion nur das, was nicht anders zu erwarten war. Im Duell der Verfolger von Dortmund spielte Leverkusen gegen Gladbach. Die einen gebeutelt durch eine Serie von Pleiten in der Liga und durch das Verpassen des CL-Achtelfinales, zu dem ihnen nur ein Törchen fehlte, das gegen eine B-Elf von Barcelona nicht so ganz unmöglich gewesen wäre, die anderen nach zehn ungeschlagenen Spielen in der Liga und als einzige Bayern-Bezwinger hoch gelobt und mit Rückenwind. Das sah nach einer klaren Sache aus. Und es wurde auch eine, nur nicht für den, von dem man es erwartet hätte. Gladbach und Leverkusen spielten ein ähnliches System mit Pressing und überfallartigen Kontern, nur unterliefen Gladbach zu viele Fehler, während den Leverkusenern alles gelang. Und zwar mit einem seit sieben Wochen auf der Bank schmorenden Kießling, der beim 5:0 an allen Toren beteiligt war und zwei davon selber erzielte. Jetzt offenbarte er, dass er zur Winterpause den Verein wechseln wird. Der Verein scheint ihn nicht halten zu wollen. Währenddessen nutzte Hertha die Schwächen der Spitzenvereine aus und schleicht sich mit einem 4:0-Sieg in Darmstadt an allen vorbei auf den dritten Platz und darf sich jetzt als erster Verfolger des BVB fühlen. Sehr lustig. Fast so lustig wie Schmadtke, der in der 1:1 endenden Partie Bremen gegen Köln den Schiedsrichter als »Eierkopf« beschimpfte und deshalb auf die Tribüne geschickt wurde. Dabei ist »Eierkopf« gar keine Beleidigung, wie Schmadtke völlig richtig feststellte. Das sagt Fup (6 Jahre) mindestens zehn Mal am Tag zu mir. Wenn ich ihn deshalb jedesmal auf die Tribüne schicken würde…

Die Wahrheit über den 15. Spieltag

In der letzten Blutgrätsche schrieb ich noch, dass André Breitenreiter seine erste Niederlage gegen Bayern würde hinnehmen müssen. Jetzt war es Guardiola, dem das passierte. Angeblich wegen einer taktischen Finesse der Gladbacher, die nicht mit einer Vierer-, sondern mit einer Dreierkette operierten, um Überzahl im Mittelfeldzentrum zu haben. Das aber hätte genauso danebengehen können wie es schon beim BVB oder Wolfsburg daneben ging. Es hätte Müller nur seine Großchance nutzen müssen und Coman nicht nur Aluminium treffen. Nach der ersten Halbzeit war es mehr Glück als Taktik, dass es 0:0 stand. Und auch in der 2. Halbzeit war es vor allem die Tatsache, dass Gladbach seine Chancen konsequent nutzte. Dennoch spielt Bayern in seiner eigenen Liga und kann sich gelegentliche Ausrutscher leisten, die im Fußball nun mal nicht zu vermeiden sind, in dem Glück und Pech so nah nebeneinander liegen und der Zufall immer wieder Ergebnisse auf den Kopf stellt. Obwohl Dortmund in Wolfsburg die einmalige Gelegenheit nutzte, konnte man den Abstand zu Bayern nur auf fünf Punkte verkürzen, während man sich Wolfsburg mit zehn Punkten vom Hals hält. Sieht so aus, als ob die Hierarchie sich schon frühzeitig manifestiert, aber wenn man sieht, wie Gladbach in zehn Spielen vom letzten auf den dritten Platz vorgestoßen ist, relativiert sich die Sache wieder. Nur drei verlorene bzw. gewonnene Spiele und die beiden Borussias wären schon wieder punktgleich. Und in Wolfsburg stand das Spiel Spitz auf Knopf. Zunächst sah es so aus, als ob Dortmund die Grünweißen gegen die Wand spielen würde mit gleich zwei Lattentreffern und einigen Riesenchancen und man bekam schon das Gefühl, dass sich das rächen werde, als Mkhitaryan dem Wolfsburger Guilavogui den Ball vom Fuß spitzelte, der zur Vorlage für Reus geriet, für den es dann ein Leichtes war, das 1:0 zu erzielen. In der 2. Halbzeit jedoch kippte das Spiel. Die Dortmunder konnten nicht mehr ihr Kombinationsspiel aufziehen, es unterliefen ihnen ständig Fehlpässe. Der spektakulärste kam von Bürki, der direkt auf Bast Dost spielte, dem diese in den Schoß gefallene Möglichkeit offenbar zu einfach war. Man begann schon die Minuten zu zählen und als man es langsam geschafft zu haben glaubte, passierte es doch noch. Ein Zupfer von Piszczek, ein spektakulärer Fall von Schürrle und schon war der Schiedsrichter darauf hereingefallen und gab Elfmeter, den Rodriguez sicher verwandelte. Da war schon die Nachspielzeit angebrochen. Aber nur zwei Minuten später klappte plötzlich wieder eine wunderschöne Kombination wie am Anfang des Spiels mit Flankenwechsel und direkter Hereingabe zu dem im Strafraum alleingelassenen Kagawa. Endlich mal wieder ein in letzter Sekunde umgedrehtes Spiel. Das ist den Dortmundern schon seit Jahren nicht mehr gelungen, wahrscheinlich seit den großen Zeiten, als sie Meister wurden. Man könnte fast wieder anfangen zu träumen. Immerhin hat Sammer schon mal die Contenance verloren, als er die Journalisten anbelferte, Bayern würde seine Lektion schon lernen, jetzt sollten es auch die Journalisten tun, was immer das für eine Lektion sein sollte.