Archiv für den Monat: Januar 2016

Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Wieder wird der Video-Beweis als Hilfsmittel für den Schiedsrichter heiß gehandelt, denn in Dortmund kam es zu einer kuriosen Situation. Dem wunderbaren Kopfballtreffer von Aubameyang nach Flanke von Piszczek ging eine Abseitsstellung von ein paar Zentimetern voraus. Niemand hatte sie erkennen können. Nicht die Schiedsrichter, nicht die Spieler und nicht das Publikum, nur die Kamera. Und während die Dortmunder jubelten, die Ingolstädter, die bis zur 77. Minute das Spiel mit einer für sie typischen unattraktiven Spielweise offen gehalten hatten, ließen die Köpfe hängen und die Fans jubelten, wurde das Tor über die Videoleinwand noch einmal gezeigt, und plötzlich waren für alle die paar Zentimeter zu sehen, die Aubameyang im Abseits stand. Die Firma »Stadion Live« ist für das verantwortlich, was auf der Videoleinwand gezeigt wird, und gezeigt werden soll nur das, was eindeutig ist, d.h. selbst dem Redakteur am Bildschirm ist die knappe Abseitsstellung offenbar entgangen. Nach dem Spiel musste der Arme beim BVB seinen Faux Pas erklären. Aber vielleicht ist er ja aus Bayern. Die Ingolstädter bestürmten daraufhin die Schiedsrichter, die jetzt natürlich in der Zwickmühle steckten, sich jedoch Gottseidank nicht beeinflussen ließen. Das wäre vermutlich anders gewesen, hätte der Gegner Bayern München geheißen. Für viele wieder ein Argument für die Notwendigkeit, den Videobeweis einzuführen. Immerhin könnte man dann auf die Schiedsrichter verzichten. Dummerweise ist aber manchmal selbst mit verschiedenen Kameraeinstellungen nicht zu klären, ob es Foul oder Schwalbe war. Auch die beiden kniffligen Situationen, in denen Hummels die Hauptperson war, als er im Zweikampf mit Lezcano vor dem leeren Tor zu Boden ging (Bürki irrte mal wieder irgendwo im Strafraum umher) und Piszczek im letzten Moment klärte, oder auch das kuriose Eigentor von Hummels, der von Lezcano von hinten getroffen wird, weshalb der Ball eine merkwürdige Flugbahn über Bürki hinweg beschrieb und im Tor landete, beide Situationen hätten auch anders bewertet werden können. Insofern hatte der BVB an diesem hässlichen Regentag einiges Glück, das sich ungefähr mit dem Pech, das sie in Köln hatten, vergleichen ließ. Immerhin erzielte Aubameyang noch einen zweiten, diesmal unumstrittenen Treffer, so dass der Sieg nicht allein an den paar Zentimetern hing. Aber Dortmund spielte nicht gut, und man konnte sehen, wie schwer Gündogan zu ersetzen sein wird. Bestimmt nicht durch Ginter, der es einfach nicht schaffte, Struktur ins Spiel zu bringen und die entscheidenden Pässe zu geben. Aber auch Kagawa blieb schwach, Ramos machte wieder einmal auf seine technische Limitiertheit aufmerksam, und nur der 17jährige Pulisic, ein Neuzugang aus der eigenen Jugend, brachte in den letzten zwanzig Minuten ein wenig Schwung in das statische Spiel der Dortmunder. Den würde ich gerne häufiger sehen. Wie auch Spiele wie das 3:3 der Bremer gegen Hertha, in dem Pizarro mit zwei Treffern zeigte, das Alter manchmal immer noch vor Jugend geht.

Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Diesmal würde es nicht wieder eine so klare Angelegenheit werden wie beim Auftaktspiel der Hinrunde, als der BVB die Borussen aus Mönchengladbach überrollte. Für den BVB war dies der Beginn einer sensationellen Siegesserie, für die Gladbacher der Beginn einer sensationellen Niederlagenserie, die sie schließlich auf den letzten Platz führte. Aber dann schmiss Favre die Brocken hin, und es begann eine wiederum sensationelle Siegesserie, die sie bis auf den 4. Platz katapultierte. Und auf diesem Weg konnten sie nicht einmal die Bayern stoppen, die ihre einzige Hinrundenniederlage durch die Gladbacher hinnehmen mussten. Die Karten waren also neu gemischt. Dass der BVB diese Partie mit 3:1 für sich entscheiden konnte, war nicht so eindeutig wie das Ergebnis vermuten lässt. Schon in der 6. Minute setzte Christensen einen Kopfball an die Dortmunder Latte, und wäre der Ball drin gewesen, hätte die Sache schon wieder anders ausgesehen, aber insgesamt gingen die Dortmunder ein höheres Tempo und hatten auch die bessere Spielanlage, aber es dauerte über 40 Minuten, bis Gündogan mit einem präzisen Pass Reus so in Position bringen konnte, dass dieser mit einem Schuss in die lange Ecke dem Gladbacher Keeper Sommer keine Chance ließ, ein Schuss, von dem Hummels sagte, dass er ihn nicht zustande gebracht hätte. Das 2:0 bereitete Reus mit einer genauen flachen Hereingabe auf Mkhitaryan vor. Und so wurde Reus gleich ein »Raketenstart« ins neue Jahr prognostiziert. Aber so grandios war Reus auch wieder nicht. Dass er einigermaßen glänzen konnte, lag nicht zuletzt daran, dass Gladbach eine ähnliche Spielweise wie der BVB pflegt, also hoch verteidigt, was die Gefahr mit sich bringt, ausgekontert zu werden, aber immerhin wurden dadurch die Voraussetzungen geschaffen für ein gutes, attraktives Spiel. Dortmund war aber auch deshalb im Vorteil, weil man mit der nominell stärksten Mannschaft auflaufen konnte, während bei Gladbach Xhaka eine Rotsperre absitzen musste und Dominguez, Jantschke, Hermann und Schulz verletzt fehlten. Das neue Jahr fängt also gut, denn auch Hertha auf Platz 3 patzte zu Hause gegen Augsburg mit einer unansehnlichen Nullnummer. Bayern hingegen konnte sich mit einem mühsamen 2:1 gegen die Kloppertruppe auf Hamburg durchsetzen und beklagt mit dem beim Spiel verletzten Boateng nun schon den 7. Spieler, der mit Muskelproblemen ausfällt. Hannover verliert trotz des neuen Trainers Schaaf zu Hause gegen Darmstadt mit 2:1, und Stuttgart gewinnt in Köln mit seinem Zugang aus Istanbul gleich 3:1, wobei dem Ex-Dortmunder Großkreutz nachgesagt wurde, dass er wie ein Pferd gelaufen sei, und dass nicht viele das von sich behaupten können, wenn sie ein halbes Jahr lang nicht spielen konnten. Und Leverkusen kommt nicht so richtig in Gang. Auch beim Tabellenletzten Hoffenheim bekamen sie nur ein mühsames 1:1 zustande. Alles in allem also ein prima Spieltag.