Archiv für den Monat: April 2016

No more heroes. Hummels geht

Mats Hummels hat sich immer von den meisten anderen Bundesligaspielern, die die Sprechblasenschule der Vereine absolviert hatten (»Ja gut, vorne hätten wir mehr draufgehen müssen«), wohltuend unterschieden, weil er als einer der wenigen Fußballer unfallfrei Sätze in die Kamera sagen konnte. Hummels war also nicht nur eloquent und intelligent, er sah auch noch ziemlich gut aus, und dann spielte er auch noch elegant und intelligent, er beherrschte den öffnenden Pass mit Außenrist, er traumwandelte durch die Reihen der Gegner und selten hatte man das Gefühl, er könnte in einer kritischen Situation mal keine Lösung finden. Natürlich gab es auch Phasen, wo ihm spektakuläre Böcke unterliefen, eine Kopfballrückgabe zur Vorlage für den gegnerischen Stürmer geriet, aber davor sind selbst große Spieler nicht gefeit. Mit seiner Ausstrahlung kann er es bereits locker mit Beckenbauer oder Johan Cruyff aufnehmen. Jetzt hat er sich nach langer Überlegung entschieden, zu Bayern zu wechseln, und damit gibt er das Projekt BVB auf, für das er sich lange Zeit stark gemacht hat, als er die Abgänge von Sahin, Kagawa, Götze und Lewandowski missbilligte. Und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem die Dortmunder zwar nur Zweiter wurden, das aber mit einer Rekordpunkteausbeute, und in dem sie, sieht man vom Ausrutscher in Liverpool ab, einen besseren, erfolgreicheren Fußball spielen als unter Klopp. Wenn da eben nicht die Bayern wären, die eben noch ein bisschen besser sind. In Deutschland sind die Zeiten für eine Überraschung im Fußball, anders als in England mit Leicester City, sehr schlecht. Die Bayern dominieren die Liga und nur Dortmund kann ein bisschen mithalten. Mit dem Wechsel von Hummels wird diese Dominanz noch weiter zementiert, denn Hummels ist ein Spieler, der in jeder Mannschaft eine tragende Rolle spielen würde. Warum nicht Barcelona oder Madrid? Das wäre ja zu verstehen, denn man will ja auch nicht sein gesamtes Spielerleben in einer der traurigsten Städte Deutschlands verbringen. Niemand weiß zwar, warum die Bayern Hummels brauchen, denn sie haben bereits Boateng, aber einen Spieler wie Hummels lässt man eben nicht links liegen. Dass man damit den Konkurrenten Dortmund schwächt, war in diesem Fall gar nicht mal die Strategie der Bayern, ist aber umso besser. Dem Spiel der Dortmunder wird es an Überraschendem fehlen. Selbst Gündogans Weggang zu Manchester City wird nicht die Lücke reißen wie sie Hummels reißt, denn der Mittelfeldmann ist leichter zu ersetzen. Hummels wird im Gegensatz zu all den anderen Spielern, die ihr Glück in der Fremde gesucht haben, wie Sahin, Kagawa und jetzt wahrscheinlich auch Götze, nicht zurückkehren. Und das ist auch gut so, denn den Fans ist die Veränderung von Hummels nicht entgangen. Es ist fast so wie mit Sammer damals, der erfolgreich, aber unbeliebt war. In Nahaufnahmen sieht man immer häufiger sein von Ehrgeiz verzerrtes Gesicht, man sieht ihm den Ärger über die Fehler seiner Mitspieler an, und seine Äußerungen in der Öffentlichkeit sind glatt und nichtssagend wie die eines BWLers. Viele behaupten, das kommt von seiner »bescheuerten Frau«, die ein Synonym für peinlich ist, wie das eben bei den meisten Spielerfrauen so ist, die sich die Spieler aus den Modekatalogen heraussuchen. Das Sympathische, das Leichte, die unschuldig-naive Freude, der Glamour eines Paradiesvogels wie Aubameyang das alles ausstrahlt, ist bei Hummels verloren gegangen. Ich glaube, er passt zu Bayern, wo der Sieg auch mit unfairen Mitteln erzwungen und »Siegergen« genannt wird und sich im Triumphgeheul ausdrückt, obwohl es keine große Kunst ist, in einer Liga die Meisterschaft zu gewinnen, wenn man mit den besten Spielern Dortmunds die nötige Frischzellenkur dafür bekommt. Dortmund hingegen wird sich neu erfinden müssen, was um einiges spannender ist als mit bereits fertigen Stars für die Vorhersehbarkeit des Fußballs und damit auch für seine sinkende Attraktivität zu sorgen. Schade, dass kein echter Konkurrenzkampf mehr stattfindet, denn es wäre spannend zu wissen, was gewesen wäre, wenn die »goldene Generation« bei Dortmund geblieben wäre, die wahrscheinlich alles hätte erreichen können. Oder eben auch nicht, denn Fußball ist manchmal eben doch unvorhersehbar, wie man an dem Absturz Dortmunds auf dem letzten Platz in der letzten Saison sehen konnte, was, wie man heute weiß, an dem abgenutzten Konzept Klopps lag, der jedoch genau mit diesem Konzept die Dortmunder aus der Euro-League warf. Mit Geld und den entsprechenden Spielern allerdings lässt sich dieses Risiko minimieren. Das Deprimierende: Bayern wird auch die nächsten vier Jahre Meister und die besten Spieler werden auch weiterhin von Bayern angezogen wie Fliegen von einem Misthaufen.

Die Wahrheit über den 31. Spieltag

Noch nie war die Liga so wenig spannend. Und dennoch steigt die Attraktivität der Marke Fußball. Allerdings lässt sich auch beobachten, dass die Aufmerksamkeit doch erheblich nach sinkt. In der Respect-Bar, die normalerweise voll ist mit BVB-Fans, war es am Spieltag sehr übersichtlich. Nur noch die Hardcore-Fans waren gekommen und diejenigen, die wie ich das Spiel aus Gründen der Entspannung ansehen und weil der Spieltag mit dem BVB wie ein wöchentlich fixer Termin ist, der dem Leben eine Struktur verleiht. Und weil man natürlich den BVB trotzdem gewinnen sehen will, auch wenn es um absolut nichts mehr geht. Nicht um die Meisterschaft und nicht um die Verteidigung des 2. Platzes. Man sieht die Souveränität, mit der der BVB die Stuttgarter beherrschte, gern, aber prickelnd ist ein solches Spiel nicht mehr wirklich. Jetzt geht es viel mehr darum, dass Hummels statt zu schlafen, sich eine halbe Stunde lang mit seiner Zukunft beschäftigt. Viele würden verstehen, wenn er zu einem anderen Verein wechselte, denn Dortmund ist als Stadt nicht unbedingt ein Ort, der ein besonderes Flair verbreitet. Manchester allerdings auch nicht. Barcelona, Paris, London oder Madrid hingegen schon. Man weint ihm jedoch auch deshalb nicht so richtig eine Träne hinterher, weil er vielen Leuten inzwischen mit seinen Kommentaren auf den Wecker fällt und weil man ihm immer häufiger den Ärger über seine Mitspieler ansieht, wenn denen etwas misslingt. Viele führen diesen unangenehmen Ehrgeiz auf seine bescheuerte Freundin zurück. Aber es hilft nicht, er ist trotzdem unersetzlich, denn niemand antizipiert so schnell, niemand schlägt solche öffnenden und präzisen Pässe und niemand strahlt eine solche Aura aus, dass man manchmal schon den Eindruck hat, seine Gegenspieler würden sich mit einer gewissen Ehrfurcht von ihm fernhalten, fast so wie damals bei Beckenbauer. Lange Zeit hat er das Projekt Dortmund hochgehalten und gegenüber Spielern, die den Verein verließen, Unverständnis geäußert. Jetzt geht er in einem Moment, wo das Projekt mehr als unter Klopp Gestalt annimmt, denn der BVB hat noch nie so viele Punkte in einer Saison geholt wie in dieser. Dortmund gehört inzwischen zu den zehn besten europäischen Mannschaften und hätte, wenn der Ausrutscher in Liverpool nicht gewesen wäre, mit großer Wahrscheinlichkeit den Euroleague-Wettbewerb gewonnen. Aber vielleicht muss sich Dortmund auch neu erfinden, um weiterhin erfolgreich zu sein, auch wenn es ein wenig schade ist, denn kaum hat man sich ein wenig an die Spieler gewöhnt und schon gedacht, man könne mit ihnen alt werden, gehen sie auch schon wieder. Wenigstens ist Dortmund nicht in das Loch gefallen, in dem Barcelona steckte, als man mit vier hintereinander verlorenen Spielen in der CL ausschied und die Meisterschaft wieder spannend machte, und sich alles um das Rätsel Messi drehte, der gar kein Rätsel ist, denn es sieht so aus, als ob er wegen seines gierigen Vaters bereits mit einem Bein im Knast steht. Und sonst? Schalke versucht sich an einer Wiederaufführung des Dramas (diesmal für Arme), das der BVB in Liverpool gegeben hat, und verlor zu Hause nach einer 2:0-Führung noch 2:3 gegen Leverkusen, womit man nun endgültig nichts mehr mit den internationalen Plätzen zu tun haben dürfte. Ebenso wie Wolfsburg, die zu Hause gegen den potentiellen Absteiger Ausburg eine schwache Leistung boten und 2:0 verloren, weshalb sich sogar die Wolfsburger Fans, von denen es ja nun wahrlich nicht viel gibt und die nicht wirklich an dem Verein oder Fußball interessiert sind, zu Schmähgesängen hinreißen ließen. Bayern spielte extrem schlecht, aber immer noch zu gut für die Hertha, und Bremen hat seine vorletzte Chance, den Relegationsplatz zu verlassen, in Hamburg versiebt, was eigentlich das traurigste Ergebnis an diesem Tag war, denn in diesem 6-Punkte-Spiel hätte man den HSV nochmal richtig in die Bredouille bringen können.

Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Nach dem letzten Donnerstag abend ist nichts mehr wie es einmal war in der Fußballwelt und ließ die Bundesligaspiele dagegen verblassen. Eine magische Nacht im Liverpooler Stadion an der Anfield Road brachte das Aus für den Favoriten im Euroleague-Wettbewerb Borussia Dortmund. Aber da ist nicht nur ein Favorit ausgeschieden wie Barcelona gegen Atletico Madrid in der CL-League, sondern eine Mannschaft, die bis eine halbe Stunde vor Schluss noch souverän mit 3:1 geführt hatte, aber Klopp, die Spieler und das Publikum gaben bis zur letzten Minute nicht auf, an das Wunder zu glauben. Und die Dortmunder haben die Zeichen nicht erkannt, obwohl sie selbst vor ein paar Jahren so eine magische Nacht erlebten, damals gegen Malaga, als man in den letzten Minuten noch zwei Tore schoss. Damals war Klopp beim BVB Trainer. Und insofern hätten die Spieler nicht überrascht sein dürfen, aber auch wenn man das selbst einmal erlebt hat, scheint man kein Mittel dagegen zu haben, sich gegen die hereinstürzende Katastrophe zu wehren. Obwohl man in allen taktischen und spielerischen Belangen überlegen waren, ließen sich die Dortmunder niederkämpfen von leidenschaftlich kämpfenden und nie aufgebenden Liverpoolern, man ließ sich in die eigene Hälfte drängen und begab sich auf das Niveau der Liverpooler. In diesem Moment war man tatsächlich unterlegen, und in dem Moment, als die Dortmunder hofften, das Spiel über die Zeit zu retten, waren sie auch schon verloren. Wenn es eine Lehre aus diesem Spiel gibt, dann die, dass Dortmund unter Tuchel vielleicht variabler, taktisch versierter und cooler spielt, aber unter Tuchel hätte der BVB vermutlich das CL-Endspiel nicht erreicht, während Klopps Fußball vielleicht limitierter und einfältiger ist, er dafür aber in der Lage ist, solche Nächte zu inszenieren, die niemand, der dabei war, jemals vergessen wird, die sich ins kollektive Gedächtnis einbrennen, weshalb die Fans Klopp dann auch schwächere Leistungen in der Liga vergeben, wo man sich vermutlich nicht mal für die Euroleague qualifizieren wird. Für Dortmund hat die Niederlage Folgen, die noch nicht abzusehen sind, denn auch dieses Jahr wird man keinen Titel holen, weil die Dortmunder, sollte man im Pokal gegen Hertha gewinnen und ins Finale kommen, gegen Bayern kaum eine Chance haben dürften. Die magische Nacht, als der BVB die Bayern mit 5:2 einmal im Finale besiegte, fand unter der Regie Klopps statt. Inzwischen hat Tuchel das System Guardiolas kopiert mit dem Erfolg, dass man in der Liga mehr Punkte als jemals zuvor gesammelt hat, aber trotzdem ohne Chancen gegen die Bayern ist. Und wenn man keinen Titel holt, wird nicht nur Gündogan nach Manchester City zu Guardiola wechseln, sondern auch einigen anderen wird dämmern, dass Titel in Dortmund auf Jahre hinaus nicht zu holen sind. Aber all das ist immer noch besser als die Situation der Wolfsburger, die sogar gegen die Bremer verlieren und im Niemandsland der Tabelle herumdümpeln, obwohl auch die anderen Mannschaften, die noch um die internationalen Plätze mitspielen, eine geheimnisvolle Schwäche befallen hat. Gladbach verliert sogar gegen Hannover, die so gut wie sicher schon in der 2. Liga sind, und auch Hertha hilft mit einer Niederlage in Hoffenheim dem Hoppschen Provinzverein dabei, erstklassig zu bleiben. Nur Frankfurt vergeigt es wieder in Leverkusen, obwohl man ein gutes Spiel machte, aber mit dem Fehlen von Mayer ließ man auch gute Chancen aus, und als schließlich Kampl mit einem Glücksschuss das 1:0 machte, fing der Widerstand der Frankfurt an zu bröckeln. Und da die Eintracht das bei weitem schwerste Restprogramm hat und noch gegen Mainz, Darmstadt, Dortmund und Bremen antreten muss, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Eintracht mal wieder absteigen wird, während die ganzen überflüssigen Werksvereine mal wieder drin bleiben.

Die Wahrheit über den 29. Spieltag

Da hat Hertha seinen Verfolgern eine Steilvorlage geliefert und zu Hause gegen Hannover, die nach der Entlassung von Schaaf einen neuen Trainer installiert haben und dennoch nur noch rechnerisch zu retten sind, 2:2 unentschieden gespielt, und was macht Gladbach? Verliert in Ingolstadt 1:0! Noch vor einer Woche fegten sie die Berliner mit 5:0 vom Platz und jetzt das! Es ist unbegreiflich, aber Ingolstadt holt sich seine Punkte gerne von den Anwärtern auf die internationalen Tabellenplätze, denn auch Schalke hat man zu Hause 3:0 besiegt. Aber Schalke ist z.Z. nicht wirklich ein Maßstab. Eigentlich ist das keiner ab dem 3. Tabellenplatz, wo sich jeder Verein immer wieder unerklärliche Schnitzer leistet und dann mit zwei Siegen plötzlich wieder vorne mitspielt. Entsprechend sauer war Gladbach-Manager Max Eberl, der meinte, dass die Mannschaft eine gute Moral bewiesen habe, aber dafür nicht belohnt worden sei. Warum aber sollte man für eine »gute Moral« belohnt werden? Und Ingolstadt feiert nicht nur seinen Klassenerhalt, sondern ist mit 11 Punkten Abstand vom Relegationsplatz weiter entfernt als vom 6. Platz. Überhaupt gab es fast nur merkwürdige Ergebnisse, bis auf das 3:1 der Bayern in Stuttgart, als Vidal wie ein Berserker auftrat und in fünf Minuten drei Stuttgarter umsenste, so dass er bereits in der 29. Minute ausgewechselt wurde, d.h. Vidal bekam die zweifellos verdiente rote Karte nicht etwa vom Schiedsrichter, sondern vom eigenen Trainer, und selbst sein nicht gerade für Fairness bekannte Kollege Xabi Alonso zeigte Vidal den Vogel für sein rabiates Rugby-Auftreten. So kann man natürlich die noch fehlenden Punkte für die Meisterschaft auch einspielen. Und Götze, der gerne sagt: »Für mich ist es wichtig, dass ich nach meiner Verletzung wieder auf dem Platz stehe und spiele«, gewinnt von 17 Zweikämpfen gerade mal einen. Nicht viel für einen, der immer auf dem Platz stehen und spielen will. In den unteren Tabellenregionen geht es drunter und drüber, aber in gleich zwei direkten Abstiegsduellen lässt sich bereits eine Tendenz ablesen. Werder jedenfalls verlor zu Hause gegen Augsburg 2:1. Skripniks Stuhl wackelte, aber er bleibt wohl im Amt, obwohl auch seine Mannschaft wackelt, denn der Ausgleich der Augsburger verunsicherte die Werderaner derart, dass den Augsburgern in der 87. Minute noch der Siegtreffer gelang. Das führte zum Aufstand der Fans, die aufgebracht waren wie nie, weil dieses Spiel eines der wichtigsten Endspiele war und Bremen auf den Relegationsplatz abrutschen lässt, wo man, wenn es so bliebe, sich mit dem Club aus Nürnberg messen müsste, um in der ersten Liga zu bleiben. Und die Eintracht verliert zu Hause gegen Hoffenheim mit 2:0, obwohl die Frankfurter besser waren, aber vorne eben auch harmlos. Weniger harmlos waren die Eintracht-Fans, die auf die Spieler wütend einteufelten. Vermutlich wird das wenig helfen, denn nächste Woche muss man zu den wiedererstarkten Leverkusenern, die unbedingt die in die CL wollen. Um in der Liga zu bleiben war Kovac eine denkbar schlechte Wahl. Von vier Spielen hat er bereits drei vergeigt, und jetzt hofft er auf die Fans: »Die Fans leben Eintracht und sie möchten, dass wir in der ersten Liga bleiben.« Tja, wer hätte das gedacht. Und wahrscheinlich ist der Ball auch noch rund.

Die Wahrheit über den 28. Spieltag

»Mailand oder Madrid. Hauptsache nicht Dortmund. Götze verpiss dich«. Dieser Spruch zierte groß die Südtribüne als Antwort auf das von Bild in die Welt gesetzte Gerücht, Götze und der BVB hätten wieder aneinander Interesse gefunden. Die Geschichte vom verlorenen Sohn ist ja auch zu schön und außerdem fand schon zweimal eine Rückholaktion statt. Sogar abstimmen ließ Bild, derzufolge 49 % der Anhänger dagegen waren, die anderen 51 % dafür. Immerhin keine Enthaltungen. »Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien!«, hatte einst ein ähnlich wichtiger Mann für den BVB, Andy Müller, gesagt, ein Spruch, der unvergessen blieb. Aber wer braucht schön Götze? Bis jetzt hat ihn niemand vermisst, denn Dortmund hat nach dem Sieg gegen Bremen bereits jetzt 67 Punkte, und das sind mehr als in den Meisterschaftsjahren. Dabei war es gegen Bremen nicht so einfach, denn im Gegensatz zum Spiel in München, als sich einige Bremer sich schon vorher mit einer Gelb-Sperre absentierten, präsentierten sich die Bremer als stabiler defensiver Verbund, den die Dortmunder eine Stunde lang nicht zu knacken wussten. Erst nach einer grandiosen Kombination von Reus auf Mkhitaryan auf Aubameyang, der mit einem Bilderbuchheber den Ball ins Tor lupfte, war der Riegel endlich geknackt. Aber nicht etwa für die Dortmunder, sondern für die Bremer, die mit einem abgefälschten Schuss und nach einer ebenfalls nicht schlechten Kombination plötzlich 2:1 führten. Das vielleicht tatsächlich Neue der Tuchel-Elf besteht inzwischen darin, dass sich die Dortmunder nicht aufgeben. Weigl sagte später, dass er nie daran geglaubt habe zu verlieren, obwohl nur noch eine Viertelstunde zu spielen war. Mit Kagawa, Ramos und Pulisic kamen zudem frische Kräfte ins Spiel, die dann das Spiel tatsächlich noch drehten, so dass es nach einer eher drögen ersten Stunde doch noch ziemlich spannend wurde. Natürlich waren die Bremer enttäuscht, denn sie hätten die Punkte im Abstiegskampf dringender gebraucht als Dortmund für einen CL-Platz, der mit diesem Sieg bereits gesichert ist, aber wenn Bremen in den restlichen Partien ähnlich gut spielt, haben sie die Nase gegenüber Darmstadt, Augsburg und Frankfurt vorne. Von diesen drei Konkurrenten konnte nur Darmstadt zu Hause gegen Stuttgart einen Punkt ergattern, Augsburg verlor gegen Mainz und Frankfurt 1:0 in München, und das auch nur, weil Ribéry ein Glücksschuss gelang. Schalke hingegen spielte wie ein Absteiger und verlor in Ingolstadt völlig verdient 3:0. Wäre nicht schlecht, wenn diese Form noch ein wenig anhält, denn Schalke ist der nächste Gegner Dortmunds, und ganz so einfach wie es aussieht, wird das Spiel nicht, denn natürlich werden die Schalker im eigenen Stadion versuchen, den BVB auszukontern. Und Dortmund hat dann noch das schwere Spiel gegen Liverpool in den Knochen. Wieder oben mit dabei ist nach drei gewonnenen Spielen Leverkusen, die Wolfsburg mit 3:0 abfertigten. Jetzt kann Real Madrid beruhigt nach Wolfsburg reisen, denn in Barcelona hat Ronaldo und Co. 2:1 gewonnen und deren Serie von 39 Spielen ohne Niederlage beendet. Dabei war Barca überlegen. Als Ramos, der Fußball für eine Kampfsportart hält, endlich rot sah, gelang Ronaldo der Siegtreffer und hält sich jetzt wahrscheinlich wieder für den Besten der Besten. In der Kategorie eitler Trottel ist er es auf jeden Fall.