Archiv für den Monat: Mai 2016

Die Wahrheit über den 34. Spieltag

Die Bundesliga ist voller Superlative und war dennoch noch nie so vorhersehbar. Bayern wurde zum vierten Mal hintereinander Meister. Und in der nächsten Saison werden sie zum fünften Mal hintereinander Meister werden. Und ein Jahr später zum sechsten Mal. Spannend ist das nicht. Und deshalb kann ich nur noch einmal meinen Vorschlag wiederholen: Wenn Bayern schon Meister wird, warum schicken die Vereine dann nicht ihre B-Mannschaften auf das Feld und geben der ersten Mannschaft eine verdiene Ruhepause? Verlieren tut man sowieso. Da spielt es auch keine Rolle mehr, ob man 3:0 oder 8:0 verliert. Den Nachwuchsspielern macht man damit eine Freude und Bayern hat keinen Gegner mehr, den sie allerdings sowieso nicht haben. Sie können sich dann ganz auf ihre internationalen Spiele konzentrieren und kommen dann vielleicht mal wieder ins Endspiel. Es wäre dann immerhin spannend zu beobachten, ob es für die besten Spieler in Deutschland und auf dem internationalen Markt wirklich attraktiv ist, gegen Jugendspieler und Ersatzmannschaften antreten zu müssen, von denen sie nicht wirklich gefordert werden. Aber vermutlich ist Bayern sowieso schon mit der Ausarbeitung eines Masterplans beschäftigt, um sich die lästige Bundesliga zu ersparen und in einer europäischen Liga zu spielen. Dann würde die Bundesliga vielleicht wieder spannend. Sogar in der Respect-Bar waren die Reihen deutlich gelichtet, denn auch bei Dortmund ging es um nichts mehr. Und das sah man der Mannschaft auch an, denn wie schon gegen Frankfurt fanden die Dortmunder kein Mittel gegen die tief gestaffelte Abwehr der Kölner, denen immer wieder gefährliche Konter gelangen. Das 2:2 am Ende war für die Dortmunder sogar schmeichelhaft, weil beide Tore haltbar waren. Tuchel meinte, dass die Spieler nicht bereit waren, das Spiel anzunehmen, und ob sie es gegen Bayern im Pokalendspiel seien, müsste man erst sehen. Niemand aber, nicht mal in der Respect-Bar, glaubt an einen Sieg. Es reicht einfach nicht, wenn Weigl im Mittelfeld die Bälle hin und her schiebt, die wenigen langen Bälle aber nicht ankommen und kein Überraschungsmoment vorhanden ist. Und davon auszugehen, dass man nochmal das Glück wie im letzten Jahr hat, als die Bayern einen Elfer nach dem anderen verschossen, wird man kaum haben. Dortmund muss sich damit begnügen, der beste Zweite in der Geschichte der Liga zu sein, der mit 78 Punkten in den vergangenen zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren sechzehn Mal Meister geworden wäre. Spannend war an diesem Spieltag nur ein einziges Spiel, und das war Werder gegen Eintracht. Und das endete eigentlich voraussehbar mit einem Sieg der Bremer, wenngleich auch erst in der 88. Minute. Denn auch wenn die Eintracht gegen den BVB eine Woche zuvor mit 1:0 gewonnen hatte, war das mehr durch Glück als durch Können zustande gekommen. Die spielerischen Möglichkeiten der Frankfurter sind doch sehr beschränkt, während die Bremer immer wieder gezeigt haben, dass sie es können, wenn es darauf ankommt. Und sogar gegen die Bayern im Pokalhalbfinale flogen sie nur durch die aktive Mithilfe des Schiedsrichters raus. Jetzt muss die Eintracht gegen Nürnberg in die Relegation. Es treffen also zwei erfahrene Fahrstuhlmannschaften aufeinander, und das ist schon mal spannender als das, was die Liga sonst zu bieten hatte.

Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Nun ist es klar und ausgesprochen: Mats Hummels verlässt nach Gündogan und möglicherweise noch vor Mkhitaryan den BVB in einem Moment, in dem es mit Tuchel wieder aufwärts zu gehen schien. Jedenfalls hat Dortmund noch nie soviel Punkte eingesammelt wie bisher. Früher hätte es zu einer souveränen Meisterschaft gereicht, inzwischen hat Bayern durch Guardiola einen Modernisierungsschub in der Spielweise erhalten, und durch ihre Möglichkeiten, jeden Spieler zu kriegen, den sie haben wollen, halten sie den BVB auch bei dieser Punkteausbeute auf Distanz. Als ob die Ankündigung des Weggangs von Hummels Kräfte und Inspiration freigesetzt hätte, zeigten sich die Dortmunder gegen Wolfsburg zu Hause von ihrer besten Seite und überrollten den Tabellenzweiten der letzten Saison furios mit 5:1. Und das obwohl Hummels bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde. Hummels meinte, es wären ja nur vielleicht 400 Fans, die das gemacht hätten (Watzke sprach von 5 Prozent der Besucher, also ca. 4000), aber sie machten sich bemerkbar, denn fast alle Fans finden, dass er zu jedem Verein der Welt hätte gehen können, nur eben nicht zu den Bayern. Und es gab dann ja auch gleich den ersten Knatsch, als Hoeneß süffisant bemerkte, Hummels hätte bei den Bayern angefragt, was Hummels als »größten Humbug, den er je gehört« hätte, abqualifizierte, woraufhin Rummenigge die Wogen glätten musste mit dem Hinweis, das Bayern auf Hummels zugegangen sei. Natürlich ist Hummels schwer und vielleicht auch gar nicht zu ersetzen, aber auf der anderen Seite ist es vielleicht auch nicht schlecht, wenn ihn der Ehrgeiz nach München lockt, denn dort wird ihm mit Sicherheit nicht die Rolle und die Bedeutung zugemessen wie bei den Dortmundern. Bei den Bayern ist er einer unter vielen, der sich erstmal gegen Martinez oder Boateng durchsetzen muss, die beide für ihn eine ernsthafte Konkurrenz darstellen und auch ähnliche Spielertypen sind. Er wird sich da häufiger auf der Bank finden als ihm lieb sein dürfte, ganz abgesehen davon, dass das Klima der Konkurrenz und des Neids nicht die Millionen wert sind, die er bei Bayern vielleicht mehr erhalten wird. Aber er will Titel sammeln, was wie ich finde, total überschätzt wird. In Dortmund hätte er zur Legende werden können, bei den Bayern ist er einer unter vielen. Natürlich hat Dortmund als eine der unattraktivsten Städte Deutschlands einen Standortnachteil, aber solange es Watzke nicht versteht, die wirklich guten Spieler vom Verein zu überzeugen, wird die Abwanderungsbewegung weiter gehen. Aber vielleicht ist es auch gut so, dass Dortmund gezwungen wird, sich mit neuen Spielern immer wieder neu zu erfinden, Talente heranzuziehen, aber auch natürlich als zweiter in der Nahrungskette anderen Vereinen die guten Spieler wegzukaufen. Das heißt dann leider, dass sich vor allem auch durch die Verteilung der Fernsehgelder ein System verfestigt, das früher oder später auf eine internationale Liga zusteuern wird. Und auch, dass in Deutschland nicht zuletzt durch den Einfluss der Bayern Scheichs und Oligarchen nicht die Möglichkeit haben, sich Vereine zu kaufen oder in sie zu investieren, also zu möglichen ernsthaften Konkurrenten der Bayern zu werden, verfestigt die Vorherrschaft der Bayern, während man in England beobachten kann, dass die irrsinnigen Investitionen und Fernsehgelder immerhin für eine große Überraschung gesorgt haben, denn keiner der Favoriten hat sich für die Meisterschaft durchsetzen können. Nach dem Sieg der Leverkusener gegen Hertha steht jetzt, zwei Spieltage vor Schluss, auch schon der 3. Teilnehmer der CL fest. Umkämpft ist jetzt nur noch der 4. Platz und die Abstiegsplätze. Die Eintracht hat im direkten Duell mit seinem verhassten Konkurrenten aus Darmstadt mit Ach und Krach 2:1 gewonnen, wobei sie in der ersten Halbzeit mit einem 1:0-Rückstand noch gut bedient waren. Auch die Begleitumstände waren einem Abstiegsderby angemessen. Darmstadt hatte so viel Angst vor den Eintracht-Fans, dass sie für alle ein Stadionverbot aussprach, und wenn sich ein Fan mit Kutte und Schal in der Sadt zeigte, musste er damit rechnen, Prügel zu beziehen oder verhaftet zu werden. Mit dieser rigiden Politik, die natürlich eine Kapitulation ist, konnten die Schlägereien auf ein Minimum beschränkt werden, es stellt sich dann nur die Frage, warum überhaupt noch Fußball, wenn er ohne Fans stattfindet.