Archiv für den Monat: Dezember 2016

Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Der letzte Spieltag in diesem Jahr endete so übel wie 2016 auch in jeder anderen Hinsicht war. Und von den schlechten Nachrichten ist die Entlassung des sympathischen André Schubert nur eine. Dabei war sein Vertrag erst im September bis 2019 verlängert worden. Nach einer neuerlichen Pleite der Gladbacher, diesmal nun auch noch zu Hause gegen Wolfsburger, die bislang völlig von der Rolle waren und deswegen Dieter Hecking feuerten, wird nun genau dieser erfolglose und unsympathische Dieter Hecking als Notnagel engagiert. Die Unsicherheit, die die Gladbacher ausgestrahlt haben, hat Max Eberl gezwungen, »einvernehmlich diese Entscheidung zu fällen«. Und wieder kann eine Mannschaft, die im Vorjahr sensationell spielte, im Folgejahr das Niveau nicht halten, weil die CL einfach zu viel Substanz kostet. Dass Bayern in einer souveränen Vorstellung die bisherige Überraschungsmannschaft Leipzig mit einem deutlichen 3:0 abfertigte, ist ebenfalls eine Nachricht, die die Laune nicht unbedingt hebt, denn nachdem es auch aufgrund der Niederlage der Bayern in Dortmund kurz so aussah, als ob wieder Spannung im Kampf um die Meisterschaft geben könnte, machten die Bayern schnell wieder deutlich, dass es sein wird wie immer: the same procedure as every year. Und da wird keine andere Mannschaft mitmischen, auch nicht Hertha, die gegen Darmstadt gewann. Und auch die einzige Mannschaft ohne Niederlage in dieser Saison, Hoffenheim, kommt zu Hause gegen den Tabellenfünfzehnten Bremen nicht über ein Remis hinaus. Und das ist schon eine der wenigen guten Nachrichten, abgesehen von der Pleite der Schalker in Hamburg in einem Festival der Fehlpässe, aber diese kleine Freude wurde durch den Sieg der Hamburger getrübt, die es endlich verdient gehabt hätten abzusteigen. Und ebenfalls deprimierend, dass der BVB einfach nicht mehr gewinnen kann und nun schon elf Punkte weniger hat als zum gleichen Zeitpunkt der letzten Saison. Selbst gegen limitierte Augsburger geriet man schon nach einer halben Stunde in Rückstand. Behilflich bei diesem Treffer war wieder einmal Bartra, der zur Halbzeit dann auch prompt ausgewechselt wurde. Und wieder mussten die Dortmunder eine Aufholjagd starten, ließen aber jede Menge Chancen links liegen und verdankten es am Ende Dembélé, dass man nicht auch noch die erste Heimniederlage der Saison hinnehmen musste. Die Statistik spricht Bände: 23:8 Torschüsse, 732:256 gespielte Pässe, 74% Ballbesitz, 54% Zweikampfquote, aber durch die dicht gestaffelte Augsburger Verteidigung schien kein Durchkommen zu sein. Die Dortmunder Kreativabteilung Götze, Dembélé und Kagawa stand sich im Zentrum selbst im Weg, und man beginnt in Dortmund bereits zu munkeln, dass nicht nur das ständige Personalkarussel, hervorgerufen durch ständige Verletzungen, eine stabile Leistung verhindere, sondern auch die von Tuchel vorgenommenen ständigen taktischen Veränderungen die Mannschaft verwirre. Und dann kommt auch noch Sammer wieder zurück, als TV-Experte. Es wird wirklich alles getan, um einen den Fußball zu vermiesen.

Die Wahrheit über den 15. Spieltag

2:2 hieß es am Ende des spektakulärsten Spiels an diesem Wochenende Hoffenheim gegen Dortmund, aber selten wurde ein Spiel von so krassen Fehlentscheidungen des Schiedsrichters bestimmt wie dieses. Dortmund lief mit seiner letzten Elf auf, denn zehn Spieler waren verletzt, darunter so wichtige Leute wie Guerreiro, Sokratis, Castro und Piszczek. Aber diesmal hatten sie keine schwere englische Woche in den Knochen, und man sah von Anbeginn, dass beide Mannschaften bis in die Haarspitzen motiviert waren. Es entwickelte sich ein sensationeller Hochgeschwindigkeitsfußball, bei dem vor allem Weidenfeller nicht mithalten konnte, denn beide Treffer der Hoffenheimer war nicht unhaltbar, vor allem beim 2:1 machte er eine schlechte Figur. Eine weit schlechtere Figur allerdings machte der Schiedsrichter Benjamin Brand, dessen Entscheidungen meist zu Ungunsten der Dortmunder ausfielen, vor allem der 2:1-Führungstreffer der Hoffenheimer, dem ein Foulspiel von Sandro Wagner vorausging, der im entscheidenden Moment Sven Bender wegschubste und das nach dem Spiel auch zugab. Und schließlich stellte der Referee auch noch Reus vom Platz, der jedoch umgekehrt von seinem Hoffenheimer Gegenspieler gefoult worden war. Mit zehn Spielern aber drehte Dortmund noch einmal auf und das Spiel um nach einer genialen Vorlage von Dembélé, die Aubameyang hervorragend verwertete. Beide Mannschaften hatten noch den Siegtreffer auf den Fuß, aber es blieb beim Remis. Die Hoffenheimer spielten zwar hochklassig und stellten sich nicht hinten rein, aber auch sie nahmen Zuflucht zu vielen taktischen Fouls, unter denen vor allem Dembélé zu leiden hatte, der mit seinen beiden Vorlagen das Spiel für den BVB rettete, the man of the match, der wie von einem anderen Stern spielte, leichtfüßig, blitzschnell und mit Körpertäuschungen, die den Gegner immer wieder in tiefe Verwirrung stürzten, weshalb sie zu meist groben Mitteln griffen und ihn schließlich mit einer Oberschenkelverletzung vom Platz schickten. Götze konnte da nicht mithalten. Er ist zwar immer noch ein Zauberer und verteilt die Bälle sicher, aber auch uninspiriert, wurde aber von fast allen Gegenspielern überlaufen und ausgespielt und man hat den Eindruck, dass er mit Anabolika vollgepumpt sich kaum mehr bewegen kann. Und sonst: Die Eintracht, die noch gegen Dortmund sich ins Zeug warf, blieb ausgerechnet gegen Wolfsburg blass und verlor zu Recht 1:0. Und Hertha, ebenfalls gegen Dortmund sattelfest und taktisch gewieft, sah gegen die schnellen Leipziger, gegen die es immerhin um die direkte Konkurrenz um die oberen Plätze geht, ganz alt aus und ließ sich, ohne auch nur eine Chance selber zu generieren, in die eigene Hälfte drängen, was aussah wie ein fußballerischer Offenbarungseid. Mönchengladbach kann auswärts einfach nicht gewinnen und setzte diese Tradition in Augsburg mit einem 1:0 fort. Und Heribert Bruchhagen, der bei der Eintracht sein Amt niederlegte, um beim Abstiegskandidaten HSV anzuheuern, konnte sich ansehen, wie die Rautenelf in Mainz 3:1 abgefertigt wurde. Glückwunsch!

Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Nach dem rauschhaften 2:2 in Madrid war es klar, dass Dortmund nur schwer wieder in den Bundesligaalltag zurückfinden würde, vor allem nach nur drei Tagen Regenerationszeit. Und dann noch in Köln, wo der BVB in den letzten Jahren nicht mehr siegen konnte und wo man bei der letzten Begegnung in der Schlussphase eine 1:0-Führung verspielte, weil die Mannschaft einfach zu platt war. Das hatte ich noch in Erinnerung, als ich in Hamburg die BVB-Kneipe »30« in der Fruchtallee ansteuerte. Ich hatte also alles andere als ein gutes Gefühl, aber dann saß ich neben drei Pärchen aus dem Ruhrgebiet, die Pils tranken und Pizza aus Pizzapappschachteln verspeisten. Da konnte eigentlich alles nur gut werden. Und in der Anfangsphase sah es dann auch so aus, als ob die Reus-Aubameyang-Dembele-Offensive mit ihrem schnellen Spiel an das Wunder von Madrid würde anknüpfen können. Und dann fiel auch ganz schnell das 1:0, das wegen Abseits leider nicht gegeben wurde, aber sofort spürte ich dieses Gefühl der Leichtigkeit, das einen unbesiegbar macht. Aber dann fingen die Kölner wieder an, das zu tun, was sie eben können, nämlich das Spiel zu zerstören. 26 Fouls begingen sie, und das war in der Statistik der einzige Wert, in der die Kölner führten. Und es genügte ihnen ein genial ausgeführter Freistoß, den Rudnevs ins Tor köpfte, weil Durm nicht aufpasste. Dortmund hatte einige Fehlbesetzungen zu verkraften. Schmelzer verursachte den Freistoß, weil ihm der Ball zu weit vom Fuß sprang, wie er überhaupt immer den Ball engagiert nach vorne trieb, bis sich ein Kölner näherte. Dann bremste Schmelzer ab und spielte zurück. Durm fiel nur bei haarsträubenden Fehlern auf und Castro trottete lustlos auf dem Platz herum. Die Kölner hatten ihr Ziel erreicht und den Dortmundern die Lust am Spiel genommen, dennoch hielten die Schwarzgelben dagegen und wehrten sich mit überdurchschnittlich vielen Fouls, weil sie wussten, dass sie gegen die Kölner nicht anders bestehen würden. In der 90. Minute ging ich deprimiert aufs Klo, wo ich dann das Torgeheul hörte. In der Vorbereitung glücklich, aber dann toll herausgespielt und genau zum richtigen Zeitpunkt traf Reus genau die kleine Lücke ins Tor, um die Kölner zu deprimieren. Mit dieser rituellen Handlung habe ich dem BVB schon viele Punkte beschert, auch wenn ich es nur in den allernötigsten Fällen mache. Der Tabellenerste Leipzig verlor beim Tabellenletzten Ingolstadt mit 1:0 und wehrte sich gegen seine erste Niederlage mit Hauen und Stechen, was Leipzig nicht sympathischer macht. Wolfsburg fuhr als williges Opfer nach München und nahm demütig ein 5:0 hin. Draxler saß nicht mal mehr auf der Bank und steht jetzt aufgrund von Lustlosigkeit auf der Transferliste. Ihn am Saisonanfang für unverkäuflich erklärt zu haben, das sei, erklärte Manager Allofs zerknirscht, ein großer Fehler gewesen. Jetzt wird wohl kaum jemand mehr etwas für ihn ausgeben wollen. Wolfsburg trudelt gerade unaufhaltsam dem Abstieg entgegen. Und Hertha verlor zu Hause gegen Bremen. Dabei hatte man einen Sieg sicher eingeplant, denn Bremen galt bislang als sicherer Punktelieferant.

Die Wahrheit über das letzte CL-Gruppenspiel Real-BVB

Nach dem Spiel sagte Zinedine Zidane, dass Dortmund den Gruppensieg verdient gehabt hätte. Ein größeres Lob hätte man nicht einheimsen können. Vom großartigsten Spieler seiner Zeit, vom erfolgreichsten Trainer und vom bestaussehendsten Mann seiner Branche. Tuchel kann da in keinem der Punkte mithalten, aber was die beiden Mannschaften im Bernabeu-Stadion boten, war ganz großer Fußball, und das, obwohl es nur noch um Platz 1 oder 2 ging. Es ging für den BVB also um die nicht gerade alles entscheidende Frage, ob man im Achtelfinale auf die Gruppenersten oder Gruppenzweiten treffen wird, und da hat man nach dem sensationellen Unentschieden nun das nur leicht bessere Ende erwischt, auf ManCity, Benfica, Sevilla, Paris oder Porto zu treffen, auch nicht gerade Mannschaften, gegen die man in jedem Fall weiterkommen wird. Nach dem Eindruck jedoch, den Dortmund in Madrid hinterlassen hat, scheint alles möglich. Vielleicht hatten die Dortmunder etwas Glück, weil Ronaldo nur den Pfosten traf und die Madrilenen auch sonst zwei bis drei Großchancen liegenließen, aber als dann der das 1:0 durch dämliches Herumstehen verschuldende Schürrle endlich für Reus ausgewechselt wurde, nahm das Spiel noch einmal durch zwei grandios herausgespielte Treffer Fahrt auf. Und in diesem Spiel konnte man beobachten, was passiert, wenn zwei Mannschaften auf hohem technischen Niveau aufeinandertreffen. Dann nämlich kommen die spielerischen Möglichkeiten der Dortmunder zum Vorschein, die gegen hartbeinig verteidigende und zerstörerische Mannschaften häufig untergehen. Sonst ging es bei den meisten Spielen um nichts mehr. Arsenal und Paris waren schon durch, während Benfica noch zittern musste, weil man zu Hause in einem ausgeglichenen Spiel gegen die zweikampfstärkeren Neapolitaner knapp mit 2:1 unterlag. Besiktas hätte also gegen das bereits als Gruppenletzter feststehende Dynamo Kiew noch eine Chance gehabt, eine Runde weiterzukommen, versiebte dies aber auf grandiose Weise mit einer 6:0-Schlappe. Barca war schon lange durch und gewann gegen Gladbacher, die nie einen Zugriff aufs Spiel bekamen, mit 4:0, ohne dass man den Eindruck hatte, sie hätten sich dafür anstrengen müssen. Bayern durfte sich gegen Atletico, die ebenfalls bereits als Gruppenerster feststanden, mit einem 1:0 revanchieren. Und auch Leverkusen bestritt gegen Monaco ein Freundschaftsspiel ohne Wert, das nur dafür taugte, sich ein bisschen Mut anzuspielen für die bislang vergeigte Saison. Und Ranieri ließ sein bereits auf Platz 1 platziertes Leicester City so rotieren, dass man in Porto ein 5:0-Fiasko hinnehmen musste, was ein wenig gemein gegen Kopenhagen war, denn indem man den Portugiesen die Punkte schenkte, hatten die Dänen keine Chance mehr, weiterzukommen. Und auch in der letzten Gruppe war Juventus Turin längst qualifiziert und gewann gegen den mit Null Punkten Tabellenletzten Zagreb. In der derart aufgeblasenen CL können einige Mannschaften einfach nicht mithalten, die Spannung ist in der Regel raus, weil häufig schon vor dem letzten Spieltag die Gruppenplatzierungen feststehen

Die Wahrheit über den 13. Spieltag

Angesprochen auf seine Brandrede nach dem Spiel gegen die Eintracht, sagte Tuchel, er hätte von „wir“ gesprochen, d.h. er hätte sich ausdrücklich mit einbezogen. Das macht die Vorwürfe, die er erhob, allerdings nicht verständlicher, denn das hieß, dass auch seine Leistung als Trainer unter allem Niveau blieb und er nichts getan hat, um seine Spieler zu motivieren und sonstwie voranzubringen. Aber das alles störte niemanden mehr, denn der BVB glänzte zu Hause gegen angeschlagene Mönchengladbacher mit einer Galavorstellung. Zwar musste Dortmund bereits früh ein Gegentor durch Raffael hinnehmen, weil Bartra eine Flanke in die Mitte des Feldes köpfte, aber nicht mal eine Minute später hatte Aubameyang nach Vorlage von Reus schon wieder ausgeglichen. Überhaupt war Marco Reus der Spieler des Tages. Er war nicht nur an allen Toren beteiligt, er glänzte immer wieder durch präzise Pässe und Spielintelligenz. Vor allem das 4:1 war eine hinreißende Kombination auf engstem Raum, als Reus mit einem Hackentrick Aubameyang für ein todsicheres Tor freispielte. Dortmund war im Vergleich zum Frankfurt-Spiel auf vier Positionen verändert, Reus, Dembele, Sahin und Bartra kamen für Götze, Schürrle, Weigl und Ramos, der nicht mal auf der Bank saß. Leider musste Sahin schon in der 36. Minute verletzungsbedingt wieder vom Platz, aber dass Tuchel wieder auf ihn zurückgreift und Weigl wenigstens ab und zu eine Verschnaufpause gönnt, hat dem Dortmunder Spiel gut getan. Die Dortmunder hatten in manchen Phasen des Spiels bis zu 80 % Ballbesitz, was, wie man weiß, manchmal nicht allzuviel aussagt, aber Mönchengladbach hat hinten nicht die Stabilität der Eintracht und spielte auch nicht Manndeckung oder Pressing. Sie wollten selbst kombinieren und nach vorne spielen, weil das ihre Spielanlage ist (die sie in besseren Zeiten ja auch auszeichnete), und es ist auch nicht so, dass sie es vollständig verlernt hätten, aber das Selbstbewusstsein ist weg nach vielen z.T. völlig unnötig verlorenen Spielen. Immerhin haben die Gladbacher tolle Fans, denn sie feierten trotz Niederlage die Mannschaft, weil sie anerkannten, dass ihre Jungs nicht etwa schlecht gespielt haben, sondern die Dortmunder an diesem Tag einfach besser waren. Richtig aussagekräftig ist das Spiel allerdings nicht, denn Gladbach ist angeschlagen. Bei den nächsten Auswärtsgegnern Köln und Hoffenheim ist das nicht der Fall, denn obwohl Köln in Hoffenheim gleich mit 4:0 unterging, war Köln nicht unbedingt die schlechtere, wohl aber die unglücklichere Mannschaft. Und wie man sich vielleicht erinnern wird, sah Dortmund in den letzten Jahren nicht sehr gut in Köln und Hoffenheim aus. Sonst sah alles nach business as usual aus. Die Bayern gewannen in Mainz und Leipzig war gegen Schalke die bessere Mannschaft und spielte so wie die Dortmunder früher unter Klopp, also mit Pressing und Hurra, was gegen konventionelle Schalker immer noch funktioniert. Allerdings gewann Leipzig nur wegen eines ergaunerten Elfers, aber das Ergaunern gehört ja nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb des Platzes zum normalen Gebaren.