Archiv für den Monat: März 2017

Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Der BVB war die einzige Bundesligamannschaft, der ein Spiel unter der Woche in den Knochen steckte und bereits drei Tage danach wieder auflaufen musste. Das Pokalnachholspiel gegen den Drittligisten Lotte wurde zwar standesgemäß mit 3:0 über die Bühne gebracht, aber die Dortmunder mussten einiges aufbieten, um die mit robusten Mitteln zu Werke gehenden Mannschaft zu bezwingen, und man konnte auch nicht einfach einen Gang runterschalten, weil es lange Zeit 0:0 stand. Bei ähnlichen Gelegenheiten sah der darauf folgende Bundesligaalltag zumeist eher trist aus. Ich erinnere mich mit Grausen an Darmstadt, der gegen den BVB völlig verdient gewann. Und diesmal kam der Tabellenvorletzte Ingolstadt, und auch diesmal wurde es ein zähes Spiel. Und nicht nur das, es wurde das schlechteste Spiel der Dortmunder in dieser Saison, nur machten sie es diesmal wie die Bayern, die auch solche Spiele irgendwie gewinnen. Dieses Irgendwie allerdings hatten sich die Ingolstädter selbst zuzuschreiben, denn sie vergaben alle Chancen, die die Dortmunder ihnen großzügig einräumten, und sie vergaben sie kläglich. Der BVB spielte nicht überragende, aber doch ganz lebendige fünfzehn Minuten zu Beginn, und in dieser Zeit gelang ihnen nach dem einzigen sehenswerten Angriff nach genialem Pass von Kagawa auch Schmelzer, dessen etwas zu sehr in den Rücken gespielte Flanke von Aubameyang auf erstaunliche Weise verwandelt wurde. Danach passten sich die Dortmunder dem Ingolstädter Spiel an und schlugen einfach lange Bälle nach vorne, im Unterschied zu Ingolstadt kamen die langen Bälle der Dortmunder aber so gut wie nie an, während die Ingolstädter den Dortmundern keinen Raum gaben, ihr Spiel aufzuziehen. Unter diesem Druck wirkten die Dortmunder merkwürdig verunsichert, und nach solchen Spielen fragt man sich immer, wie der BVB gegen internationale Spitzenmannschaften bestehen kann. Natürlich fehlten den Dortmundern einige wichtige Spieler, wie der gesperrte Dembélé und der verletzte Marco Reus, aber eigentlich besitzt der Verein genügend großartige Spieler, um auch mit einer kompletten B-Elf gegen eine Mannschaft wie Ingolstadt zu gewinnen, ohne auf deren Hilfe angewiesen zu sein. Solche Spiele werden als Arbeitssiege betrachtet, in Wirklichkeit hatte man einfach Glück. Und dieses Glück hatte man dringend nötig, denn auch die dem BVB im Nacken sitzenden Hoffenheimer gewannen ihre Partie in Leverkusen mit 1:0. Das Ergebnis war zwar genauso knapp, aber Hoffenheim spielte besser, und musste das auch tun, denn Leverkusen hielt durchaus dagegen. Wenigstens verlor die Hertha in Köln mit 4:2 und liegt jetzt schon sechs Punkte hinter den Dortmundern zurück, was ein angenehmes Polster ist. Modeste steuerte für Köln gleich drei Tore bei und überholte jetzt mit 22 Treffern sogar Lewandowski im Duell der Torjäger. Am schönsten war zweifellos das Ergebnis in Bremen, weil Werder mit 3:0 Leipzig eine unverhoffte Niederlage beibrachte, wodurch sich der Abstand zum BVB auf drei Punkte verringerte. Könnte sein, dass sie jetzt langsam nervös werden.

Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Ein paar Fragen an Tuchel stellen sich am Ende der Niederlage der Dortmunder bei der Hertha dann doch. Wenn er schon Dembelé und Pulisic auf die Bank setzt, um ihnen eine Pause zu gönnen, warum tut er das nicht am Dienstag im Pokalspiel gegen Lotte? Warum in Berlin, müsste er doch wissen, wie unangenehm die Hertha schon immer gegen den BVB war? Und darüber sollte auch die 1:0-Niederlage der Berliner zuletzt gegen Hamburg nicht hinwegtäuschen. Und warum vertraute er Schürrle und Durm, die jede Durchschlagskraft vermissen ließen? Und warum brachte er Dembelé und Pulisic erst 15 Minuten vor Schluss und nicht schon eine halbe Stunde früher? Und warum setzte er Ginter ausgerechnet in diesem wichtigen Spiel zentral in die Abwehr, lässt er ihn doch sonst kaum spielen? Und weil Ginter eben die Spielpraxis fehlte, unterliefen ihm gleich die zwei entscheidenden Fehler, die zu den beiden Treffern der Berliner führten. Und das betrifft nur die Personalien, auch das ungewohnte Spielsystem des 3-4-1-2, das Tuchel verordnet hatte, ist bei einer Mannschaft nicht unproblematisch, die nicht nur so noch nie gespielt hat, die dieses Spielsystem mit Leuten umsetzen musste, die wie der nur selten eingesetzte Kagawa auf einer zentralen Position umsetzen sollte. Es war, als wollte Tuchel Ginter und Kagawa einen Denkzettel verpassen, als wollte er ihnen sagen: Ihr beschwert Euch, dass Ihr nicht so oft eingesetzt werdet, aber wenn ich Euch spielen lasse, verliert Ihr. Kann sein, dass ich völlig daneben liege, aber das ist eben der Eindruck, der sich ein wenig aufdrängte. Auch die für einen Außenstehenden völlig sinnlose Hereinnahme des Mittelfeldspielers Merino für Schürrle, als ob Tuchel zum Schluss ein bisschen auf Zeit spielen wollte, gab Rätsel auf. Dennoch schlug sich Dortmund gut und setzte die Hertha vor allem in der 2. Hälfte unter Druck, aber genau in dieser Phase setzte Weiser zu einem Sprint an, den Ginter nur ungeschickt an der Strafraumgrenze zu stoppen wusste. Dass Plattenhardt den Ball mit Wucht zwar, aber eben doch in die Torwartecke drosch, lässt vermuten, dass auch Bürki nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Für nicht wenige Torhüter wäre das keine unlösbare Aufgabe gewesen. Und schließlich kam dann noch die miese Nummer von Weiser hinzu, der nicht nur den Ball wegschlug, sondern sich dann auch noch theatralisch am Boden wälzte, als hätte ihn ein Elefant getreten. Irgendwie war das eine unnötige und ärgerliche Niederlage, aber nicht so ärgerlich wie zu Hause gegen Wolfsburg zu verlieren, wie das den Leipzigern passierte. Oder die 3:0-Niederlage der Eintracht in München, obwohl die Frankfurter in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft war und einige hochkarätige Chancen liegen ließ, während den Bayern die Tore einfach so gelingen, was nur den Ex-Dortmundern zu verdanken ist, Lewandowski, der zwei Tore erzielte, und Hummels, der eine 100-prozentige der Eintracht vereitelte. Jetzt hat Dortmund die Chance liegen lassen, Leipzig bis auf drei Punkte auf den Pelz zu rücken und muss jetzt aufpassen, dass sie nicht von Hoffenheim überholt werden.

Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Gegen Leverkusen zu spielen ist alles andere als ein Selbstläufer für Dortmund, denn gerade wenn die Bayer-Elf eine grottenschlechte Phase wie zuletzt hat, steigt sie gegen den BVB gern wie Phönix aus der Asche und steht plötzlich tiptop auf dem Platz. Und ein weiteres schlechtes Omen war das Unentschieden der Leipziger am Vortag in Augsburg, denn auch bei einer solchen Steilvorlage nahm sich die Dortmunder Elf in der Regel eine Auszeit. Aber diesmal war alles anders. Leverkusen war zwar nicht schlecht, wie der Trainer Schmidt seinem Team konzedierte, das Team kombinierte gefällig, aber nicht wirklich durchschlagskräftig. Und sie wollten durch hohes Pressing die für diese Taktik anfällige Dortmunder Abwehrreihe verunsichern, was ihnen jedoch kaum gelang. Es war wieder einmal Dembelé, der nicht zu stoppen war, der den Gegner schwindlig spielte und immer für Gefahr sorgte. Ihm zuzusehen ist einfach zauberhaft, und zusammen mit Reus und Aubameyang kann es dieses Trio sogar mit Messi, Neymar und Suarez von Barcelona aufnehmen, oder mit Madrids Sturmtrio. Aber auch das Zentrum mit Castro und Guerreiro ist so einfach nicht zu toppen. Der einzige, der da nicht so ohne weiteres hineinpasst ist Durm, auch wenn er in diesem Spiel sogar eine Torvorlage lieferte. Leverkusen versuchte es wieder mit üblen Fouls den Dortmundern den Schneid abzukaufen. 20:7 stand es am Ende in der Foul-Statstik. Und diese Fouls hatten es in sich. Musste schon in der ersten Halbzeit Aranguiz ausgewechselt werden, weil er rotgefährdet war, erwies sich der für ihn eingewechselte Bellarabi als noch gefährlicher für die Unversehrtheit der Dortmunder Spieler, und dass er nicht gelb-rot bekam, war einzig der Ansicht des Schiedsrichters zu verdanken, die er exklusiv für sich hatte. Auch wenn es am Ende 6:2 stand, war die Partie lange Zeit offen, vor allem, weil Aubameyang ein Riesenchance zum 3:0 ausließ. Damit wäre das Spiel entschieden gewesen, so aber ließ man die Leverkusener noch einmal herankommen durch ein Tor von Volland, bei dem Sokratis nicht gut aussah. Und nach dem 3:1 durch Aubameyang rückten die Leverkusener dem BVB wieder mit einem Freistoßtor auf die Pelle, aber nach dem 4:2 durch Pulisic war der Drops gelutscht, Leverkusen brach ein, entnervt durch die schnelle Spielweise, auf die sich der im Sommer zu Dortmund wechselnde Toprak schon mal freuen kann, der, wie man leider zugeben muss, Aubameyang ziemlich gut im Griff hatte und auch keinem Laufduell aus dem Weg ging. Jetzt sind die Dortmunder bis auf sechs Punkte an Leipzig herangekommen. Das ist kein uneinholbarer Vorsprung, aber Leipzig macht einen zu gefestigten Eindruck, als dass sie sich den 2. Platz wieder abnehmen lassen werden. Viel gefährlicher für den BVB ist da Hoffenheim, die nur zwei Punkte hinter Dortmund stehen, während die anderen Verfolger, außer vielleicht Hertha, wohl kaum eine Rolle spielen werden für die CL-Plätze. Schon gar nicht die Schalker, die gegen Gladbach untergingen und jetzt auch noch in der Euroleague gegen die beste Rückrundenmannschaft antreten müssen.