Archiv für den Monat: September 2017

Die Wahrheit über den 4. Spieltag

Obwohl in der frühen Phase der Saison noch einiges unsortiert ist, wie man am Aufsteiger Hannover 96 sehen kann, die ihr drittes Spiel gewinnen konnten, diesmal gegen den dankbaren Gegner HSV, der wie immer in den letzten Jahren gar nicht schnell genug in den Tabellenkeller kommen kann, zeichnet sich schon jetzt eine Tendenz ab, die auf the same procedure as every year hinausläuft, denn Bayern München ließ der Niederlage in Hoffenheim und trotz einiger Unstimmigkeiten und Querelen in der Mannschaft ein lockeres 3:0 gegen Anderlecht folgen und einen überzeugenden 4:0-Sieg gegen Mainz, die so ziemlich gegen die Wand gespielt wurden und den Münchnern Gelegenheit gab, sich von der unangenehmsten Seite zu zeigen und sich in atavistischem Torjubel zu üben. Und es sieht nicht so aus, als ob die Dortmunder ihnen gefährlich werden könnten, denn gegen das schwache torlose Remis in Freiburg folgte eine herbe 3:1-Pleite bei Tottenham. Zwar versuchte man sich die Niederlage schön zu reden, schließlich hatte man bis zu 68 Prozent Ballbesitz, aber das heißt im modernen Fußball nicht mehr viel. Und auch wenn den Dortmundern ein wunderschöner Treffer von Aubameyang aberkannt wurde, hatte man am Ende nicht zu Unrecht verloren. Das von Bosz verordnete hohe Pressing birgt eben gewisse Risiken, denen die Dortmunder Abwehr nicht gewachsen ist. Trotzdem kann natürlich noch viel passieren. Dazu gehört allerdings nicht, dass sich Hannover oben wird halten können, denn selten wurden mit solchen schwachen Spielen wie sie Hannover abliefert, so viele Punkte gesammelt, weshalb der Trainer Breitenreiter froh ist, dass er sich schon mal ein gewisses Punktepolster anlegen konnte. Hingegen wird Leipzig wieder um die internationalen Tabellenplätze mitspielen, denn auch wenn sie gegen Gladbach zu Hause nur ein 2:2-Unentschieden schafften, lieferten sie doch ein gutes Spiel ab, das ganz anders war als beispielsweise das mehr als unansehnliche Spiel der Stuttgarter zu Hause gegen Wolfsburg, und auch die Frankfurter lassen schon früh erkennen, dass sie keine Rolle in dieser Saison spielen werden, denn zu Hause gegen Augsburg schafften sie es gegen eine diszipliniert auftretende Mannschaft mit gleichwohl limitierten Mitteln nicht mehr als eine Niederlage. Schalke gelang in Bremen nach einer guten Leistung ein Auswärtssieg, so dass die Bremer jetzt gerade mal mit einem Punkt dastehen, weil sie das Pech hatten, gleich zu Saisonbeginn gegen die schwersten Brocken antreten zu müssen. In England, wo sich ein paar mehr Mannschaften als eine um den Meistertitel streiten, stellte Manchester-City mit einem grandiosen 6:0-Torschützenfest in Watford seine Ambitionen auf den Titel unter Beweis. Und diesmal könnte es klappen, denn Gündogan ist nach 9-monatiger Verletzungspause wieder zurück. Liverpool hingegen kam zu Hause gegen Burnley über ein Unentschieden nicht hinaus, und auch Arsenal schwächelt schon wieder. Zwar reicht ihr Potential noch für einen souveränen 3:1-Sieg in der Euro-League gegen Köln aus, aber in der heimischen Liga hat man es mit anderen Kalibern zu tun.

Die Wahrheit über den 3. Spieltag

Es war eins der schlechtesten Spiele Dortmund seit sehr langer Zeit, und ich sage es ungern, aber mit einem Dembélé hätte das Spiel anders ausgesehen, weil er einer der Ausnahmespieler ist, der durch seine verwirrenden Finten ein Bollwerk, wie es die Freiburger vor dem 16er errichtet hatten, auch mal durchbrochen hätte, auch wenn er vielleicht zehnmal vorher hängen geblieben wäre. So kann Dortmund noch von Glück sagen, dass sie nicht verloren haben, denn schon früh tauchte ein Freiburger mit dem unglücklichen Namen Kleindienst allein vor Bürki auf, brachte es aber nur fertig, den Dortmunder Schlussmann anzuschießen. Im übrigen versuchten es die Freiburger mit hartem Einsteigen. Vor allem Ravet tat sich da hervor und trat den gerade wiedergenesenen Schmelzer so um, dass dieser vom Platz getragen werden musste. Ravet erhielt dafür nur gelb, aber als der Schiedsrichter sich das ganze nochmal auf dem Bildschirm angesehen hatte, zückte er völlig zu recht rot. Dortmund spielte also eine Stunde lang in Überzahl. Die Freiburger zogen sich noch mehr zurück, und häufig befanden sich alle Feldspieler außer Bürki 25 Meter vor dem Freiburger Tor. Die ließen sich einschnüren und konnten sich darauf verlassen, dass die Dortmunder sich hintenrum die Bälle zuschoben, weshalb Sokratis die meisten Ballkontakte der Dortmunder hatte. Wenn aber ein derart langweiliges Spiel entsteht, in dem sich präzise wie ein Uhrwerk bestimmte Spielzüge wiederholen, wie z.B. Sahin auf den linken Flügel zu Zagadu und wieder zurück. Wenn man aber sieht, wozu man kein großer Fußballkenner oder Stratege sein muss, dass das Spiel völlig schematisch verläuft und auch Spieler wie Sahin, Götze oder Castro nichts daran ändern, dann ist man gezwungen, mehr Risiko zu gehen, d.h. häufiger mal eins gegen eins zu spielen, um eine Lücke zu reißen, und häufiger auch mal von 20 Metern aus zu schießen. Nichts davon war zu erkennen. In der 2. Halbzeit kam zwar etwas mehr Zug ins Spiel und Pulisic (wer auch sonst) gelang nach einem schönen Zuspiel von Sahin ein gefährlicher Drehschuss, der aber nicht gefährlich genug war, um nicht von Keeper abgewehrt werden zu können. Und dann schloss sich auch noch der Schiedsrichter der allgemeinen schlechten Leistung an und ließ nach einem Foul an Sokratis zunächst das Spiel weiterlaufen, um es erst genau zwei Sekunden, bevor Aubameyang der entscheidende Treffer gelang, doch noch abzubrechen und den Dortmundern den Vorteil zu nehmen. Und das muss man auch erstmal hinkriegen. Wieso gilt da eigentlich kein Videobeweis? Und auch, dass der Schiedsrichter und nicht mal die Videoanalysten nach einem Ellbogencheck gegen Piszczek im Sechzehner, bei dem ihm Stenzel eine blutige Schläfe verpasste, nicht auf Elfer entschieden, ist ein Geheimnis. Die Dortmunder Ideenlosigkeit war jedenfalls erschreckend, Schmelzers Verlust herbe, denn der Beamtenfußball Zagadus auf der linken Seite war noch einschläfernder als das übrige Spiel. Sahin, Götze und Castro bemühten sich zwar, brachten aber kaum etwas zustande, und der 25 Millionen-Mann Yarmolenko, der am Ende eingewechselt wurde, glänzte lediglich mit einem imposanten Fehlschuss. Da sahen die Bayern in Hoffenheim wesentlich besser aus, jedenfalls wurde ihnen von allen Seiten ein hervorragender Fußball attestiert, verloren haben sie aber trotzdem. Und das war noch das schönste an diesem Tag.