Archiv für den Monat: November 2017

Die Wahrheit über den 13. Spieltag

4:1 tippte ich für Schalke vor dem Spiel, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass der BVB nach den letzten Auftritten auch nur eine leise Chance haben würde. Aber dann sah man ein Schalke, dass durch übermotivierte Härte die Dortmunder verunsichern wollte, stattdessen aber selbst den Faden verlor, wobei die Schalker Glück hatten, dass Schiedsrichter Aytekin Kehrer nach zwei üblen Fouls nicht vom Platz stellte. Das holte er dann später bei Aubameyang nach, der für einen normalen Zweikampf und ein harmloses Foul gelbrot bekam. Aber das war gar nicht mal spielentscheidend in einem Match, das in zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten auseinanderfiel. Dem BVB nämlich gelang in der ersten Halbzeit alles. Jeder Schuss ein Treffer, und wenn dei Dortmunder nicht trafen, dann halfen die Schalker mit einem Eigentor aus. Nach dem wunderbaren 4:0 durch Guerreiro in der 25. Minute, der einen geblockten Schuss volley in die lange Torecke wuchtete, war für alle das Spiel entschieden, derartig dominant spielte Dortmund, während Schalke nur durch die Großmut Aytekins weiterhin zu elft auf dem Platz stand. Bereits in der 34. Minute korrigierte der Schalker Trainer Tedesco mit zwei Auswechslungen die Spielweise seiner Mannschaft und schaffte es damit zumindest, dass es nicht noch schlimmer kam. In der zweiten Hälfte begann das Spiel zu kippen. Die Schalker spielten jetzt überlegter und geordneter und kamen in der 53. Minute durch Naldo zum Anschlusstreffer, der jedoch wegen einer leichten Abseitsstellung nicht zählte. Drei Minuten später hatte Aubameyang das 5:0 auf dem Fuß, als er dem Schalker Torhüter Fährmann den Ball wegnahm, aber gleich darauf wieder vertändelte. Die große Chance war vertan. Stattdessen schlichen sich wieder die bekannten merkwürdigen Aussetzer in der Abwehr ein, als Burgstaller einen langen Ball über Weidenfeller hinweg ins Tor köpfte, während Toprak und Sokratis zusahen und Weidenfeller viel zu weit vor dem Tor stand. Dann ging es Schlag auf Schlag: Nur fünf Minuten später viel das 2. Schalker Tor und Bosz bekam plötzlich Angst, wechselte Bartra für Yarmolenko ein, und als Aubameyang kurz darauf den Platz verlassen musste, stand Dortmund ohne Sturm da. Bosz setzte weiter auf totale Defensive und wechselte einen der besten Dortmunder Guerreiro gegen Zagadou ein, der kurz darauf sich von Caligiuri gleich zweimal austanzen ließ, während fünf andere Dortmunder im Strafraum interessiert dabei zusahen, wie der Schalker in der 86. Minute den Anschlusstreffer erzielte. Die Dortmunder waren nun vollkommen von der Rolle und schlugen die Bälle nur noch blindlings nach vorne, wo niemand mehr stand, so dass die Schalker einen Angriff nach dem anderen setzen konnten. In der 4. Minute der Nachspielzeit verlor wieder Zagadou die Orientierung und ließ Naldo frei zum Kopfball und zum Ausgleich kommen. Danach hatte niemand mehr eine Erklärung parat. Das, was da passiert ist, hätte nicht passieren dürfen, analysierte Bosz präzise die Lage und drückte damit nur aus, was jeder wusste, aber sich deshalb noch lange nicht erklären konnte. Die große Verunsicherung geht also weiter, und zwar verschärft, weil man es erstmal schaffen muss, einen 4:0-Vorsprung sich wieder abnehmen zu lassen. Das geht noch mehr in die Knochen und die Psyche als eine vermurkste knappe 2:1-Niederlage. Bosz hat einfach kein Konzept und keine Vorstellung, wie der Hebel wieder umzulegen ist. Als er zielsicher Spieler einwechselte, die zur endgültigen und faktischen Niederlage beitrugen, machte er deutlich, dass er kein Händchen besitzt und seiner Mannschaft nichts mehr zutraut. Er hat damit das falsche Zeichen gesetzt und es ist nicht das erste Mal, dass der BVB nach der Halbzeit die Luft ausgeht, eine weitere rätselhafte Seuche, geht man davon aus, dass, wie Bosz behauptet, die Mannschaft fit ist. Am Sonntag nach Redaktionsschluss gibt es eine Mitgliederversammlung, auf der Watzke und Zorc erklären müssen, was sie zu tun gedenken, um aus der Krise wieder herauszukommen. Es würde mich nicht wundern, wenn Bosz entlassen wird. Ein Bekenntnis zu ihm wie noch vor zwei Wochen gab es diesmal nach dem Spiel nicht, stattdessen verschwanden die Verantwortlich schnell und heimlich durch die Hintertür.

Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Es macht keinen Spaß mehr, sich die Spiele der Dortmunder anzusehen. Da ist keine Spielfreude mehr, kein blindes Verstehen, keine schnellen Kombinationen, nur noch eine große Verunsicherung, die sich auch gleich in der 5. Minute zeigte, als Bartra und Bürki slapstickhaft dem Stuttgarter Akolo den Ball vor die Füße legten, damit der nur noch einzuschieben brauchte. Bartra schoss den Ball viel zu scharf zurück auf Bürki, der völlig unmotiviert aus dem Tor gelaufen war, so dass der Ball von ihm abprallte. Den zweiten Treffer der Stuttgarter ließ Bürki durch seine Beine passieren. Wieder zwei dicke Patzer in einem Spiel. Und man fragt sich verwundert, wie lange Dortmund noch mit einem solchen Sicherheitsrisiko dem Gegner die Punkte schenken will, wie lange man noch zusehen will, wie sich die Aktie, die nach Bürkis Patzer im Nikosia-Spiel um 36 Millionen absackte, im Sinkflug befindet. Warum investieren sie nicht mal ein paar Millionen in einen guten Torhüter wie Kevin Trapp, der bei Paris nur auf der Bank sitzt? Stattdessen streichen sie Aubameyang aus Disziplinargründen aus dem Kader, damit er mal sehen kann, dass er unersetzlich ist, denn der Millionenflop Schürrle, der statt Aubameyang stürmen durfte, war eine einzige Blamage, der nicht mal imstande war, einen Elfer zu verwandeln, und niemand kann sich heute mehr vorstellen, dass für diesen Mann einmal an die 30 Millionen verschleudert wurden, der in der 2. Liga wahrscheinlich Schwierigkeiten hätte, einen Stammplatz auf der Bank zu ergattern. Der einzige Dortmunder Unruheherd Pulisic hatte sich verletzt. Die Offensive mit Yarmolenko und Philipp trat eher bieder auf und strahlte keine Gefahr für die Stuttgarter Verteidigung aus. Der einzige Aktivposten auf BVB-Seite war Götze, bei dem es jedoch immer nur für eine Halbzeit reicht. In der 2. Halbzeit jedenfalls war er kaum mehr zu sehen und die Stuttgarter konnten das Heft in die Hand nehmen. Und wieder musste der Gegner den Ball einfach in die verwaiste Dortmunder Hälfte schlagen, um sie auszukontern. Es war so einfach und absehbar, dass man nur ungläubig den Kopf schütteln konnte. Es ist immer wieder das gleiche Vorgehen, mit dem sich die hoch aufgerückte Abwehr der Dortmunder aushebeln lässt. Das alles sind Probleme, die der Trainer offensichtlich nicht in den Griff kriegt. Weder scheint er in der Lage zu sein, die Mentalität der Spieler zu heben, noch kann er ihnen eine Spielweise verständlich machen, mit denen sie umgehen können. Stattdessen schlagen die Abwehrspieler die Bälle blind ins Aus wie in der Kreisliga, wenn ihnen einen Gegner im Nacken sitzt, weil sie Angst haben, einen Fehler zu machen, und genau deshalb machen sie dann auch solche Fehler, wie er Bartra und Bürki unterlief. Wie lange will sich der Verein diesen Trainer noch leisten? Sehen Watzke und Zorc nicht, wie dramatisch die Situation ist? Dass sie den Absturz der Mannschaft in Kauf nehmen? Wie viele Spiele darf eine verunsicherte Mannschaft unter Bosc noch verlieren? Am Dienstag gegen Tottenham? Und dann am Samstag gegen Schalke? Muss der BVB erst wieder auf einen Abstiegsplatz stehen, bis dem Verein vielleicht mal dämmert, dass es vielleicht keine gute Idee ist, den Trainer weiterwursteln zu lassen und den Kader auseinanderfliegen zu lassen? Denn nach einer solchen Saison werden die letzten guten Spieler die Flucht ergreifen.

Die Wahrheit über den 11. Spieltag

Immerhin waren die Dortmunder besser als man erwarten konnte nach den zuletzt eher erbärmlichen Auftritten. Aber bei einem Gegner wie Bayern hat man es natürlich auch nicht mit einer Mannschaft zu tun, die sich hinten einigelt und auf Konter lauert, d.h. die Dortmunder waren selbst defensiv gefordert, aber obwohl sie versuchten forsch aufzutreten, gaben sie den Bayern einfach zuviel Räume, und das ist bei diesem Gegner tödlich, wie sich gleich beim ersten Treffer zeigte, als Robben von seiner Lieblingsposition innerhalb des Sechszehners in aller Ruhe seine Ecke anvisieren konnte. Danach war es eigentlich schon vorbei, denn das sowieso schon angeknackste Selbstbewusstsein löste sich dadurch noch mehr auf und spätestens in der 37. Minute, als Lewandowski ein abgefälschter Hackentrick gelang, war klar, dass die Glücksgöttin auf seiten der Bayern stand. Dortmund hingegen hatte durchaus Chancen, und zwar ziemlich klare, aber sie ließen sich ablaufen wie Aubameyang oder schossen den Torhüter an wie Yarmolenko, oder sie standen sich beim Abschluss gegenseitig im Weg. Mit Glück hätte der BVB sogar gewinnen können, wenn sie diese Chancen konsequent genutzt hätten und Bayern ihre Chancen nicht, weil dann vielleicht ein anderes Spiel entstanden wäre, vielleicht hätten die Bayern dann aber auch den Druck erhöht, dem die Dortmunder wahrscheinlich nicht standgehalten hätten, aber das sind alles Spekulationen. Sicher ist nur, dass der BVB verdient verloren hat, nicht nur weil die Bayern mit dem Rückenwind von sechs Siegen in Folge antraten, während der BVB nur auf einen Sieg gegen einen Drittligisten zurückblicken konnte, sondern weil Bayern auch die besseren Einzelspieler hat, die sich obendrein in besserer Form befinden. Die Ausnahme war wieder einmal nur Pulisic. Der BVB hätte nur dann eine Chance gehabt, wenn sie als Mannschaft aufgetreten wäre, die sich spielerisch blind versteht, wie z.B. der SC Neapel, der ohne Neuzugänge und Stars sogar Manchester City Paroli geboten hat und auf Platz 1 der Serie A steht. Aber davon ist der BVB weit entfernt. Und das liegt auch am Trainer, wenn er im Training so wenig so bieten hat wie in den Interviews. »Das war nicht gut«, »wir waren nicht aggressiv genug« oder »wir standen zu weit weg« ist eine magere Bestandsaufnahme, aber keine Analyse. Und irgendwie verhält sich die Mannschaft gerade wie Bosz am Spielfeldrand: Unbeweglich und irgendwie unbeteiligt, ohne Regung. Die Krise kam schleichend und verdeckt durch die anfänglichen Erfolge gegen mittelmäßige Mannschaften. Da hätte Bosz bereits sehen müssen, dass etwas nicht stimmt, dass es im Mannschaftsgefüge nicht stimmt, dass sich die Dortmunder selbst einlullten mit ihrer Siegesserie, mit dem Gefühl, alles würde von allein gehen, weshalb die Anspannung verloren ging. Bosz aber ist nicht in der Lage, der Mannschaft das Gefühl zu geben, sie könnte das ändern, wie auch, sieht Bosz doch selbst nicht so aus, als könne er Spannung und Leidenschaft erzeugen. Fußball ist aber keine technokratische Angelegenheit, wo man an bestimmten Stellen ein Schräubchen dreht, damit das Ganze wieder funktioniert. Hinzu kommt allerdings auch, und das muss man fairerweise sagen, dass Dortmund von großem Verletzungspech geplagt ist, vor allem in der Verteidigung. So richtig deutet nichts darauf hin, dass der BVB so schnell wieder aus der Krise kommt.