Archiv für den Monat: Dezember 2017

Die Wahrheit über den 17. Spieltag

In Dortmund ist das Glück zurückgekehrt, aber nicht das Vermögen, richtig guten Fußball zu spielen, mit dem sie ihre Fans verzaubert haben. Zu Hause gegen Hoffenheim waren sie die schlechtere Mannschaft, die Gäste aus der Provinz spielten die genaueren Pässe, kombinierten geschickter und gewannen mehr Zweikämpfe, jedenfalls hatte man den Eindruck, denn laut Statistik war der BVB zweikampfstärker. Aber die Domäne der Dortmunder mit der Anzahl der gespielten Pässe war mit 493 gegenüber den 586 der Hoffenheimer verloren gegangen, was in den Niederungen der Liga immer mehr zu einem Zeichen der Niederlage wird, denn je mehr eine Mannschaft Pässe spielt, desto häufiger scheint sie zu verlieren, was in der Regel damit zusammenhängt, dass man sich den Ball in der eigenen Hälfte gegenseitig zuschiebt, weil nach vorne niemand anspielbar ist. Zudem waren die Hoffenheimer zielstrebiger und entschlossener und hatten mehr Ballbesitz. Und folgerichtig gingen sie mit einem präzisen Pass in die Tiefe in Führung, eine schöne Kombination, die man gerne auch mal von den Dortmundern gesehen hätte, aber bei denen blieb das Spiel nach vorne Stückwerk. Erst ein Elfer nach der ersten wirklich schnellen Kombination in der 2. Halbzeit brachte den Ausgleich durch den nervenstarken Aubameyang. Hoffenheim aber blieb überlegen, bis Kagawa, der einzige Dortmunder, der so etwas wie Spielwitz versprühte, mit einem präzisen Ball in die Tiefe Pulisic bediente, der den Ball genial am Torhüter vorbeihob und mit dem anderen Fuß direkt verwandelte. Das war bereits in der 89. Minute, eigentlich die Zeit, in der Dortmund sonst die Tore kassiert und nicht erzielt. Symptomatisch für die anhaltende Unsicherheit war Yarmolenko, der sich immer wieder verzettelte und beste Chancen vergab, dessen Körpersprache Enttäuschung und Frust ausdrückte und keinen Kampfgeist. So jedenfalls hat man keine Chance gegen die Bayern im anstehenden Pokalachtelfinale, obwohl die Bayern sogar noch mehr Glück hatten als Dortmund, weil Stuttgart in der Schlussminute einen Elfer verschoss und damit den Ausgleich vergab, und auch sonst hatten die Stuttgarter einige Chancen, die sie leichtfertig vergaben, und das unterscheidet eben die Bayern von den anderen Bundesligamannschaften, weil sie sich immer auf die schlechte Chancenverwertung des Gegners verlassen können. Und auch sonst war es der Tag der last-minute-Tore. Die Bremer, die trotz des Ausfalls ihres wichtigsten Mannes Kruse mit 2:0 gegen Mainz in Führung gingen, kassierten in der letzten Minute noch den Ausgleich und verpassten es, den Relegationsplatz zu verlassen. Die Frankfurter führten zu Hause gegen Schalke ebenfalls schon mit 2:0, als in der letzten Sekunde wie schon gegen den BVB Naldo noch der Ausgleich gelang. Und auch Freiburg lag schon mit 2 Toren in Augsburg vorne, als der Heimmannschaft in der Nachspielzeit noch zwei Treffer zum Ausgleich gelangen. Während man sich in der deutschen Liga abarbeitete, gelang es Real Madrid mit Standfußball gegen die argentinische Mannschaft Gremio mit einem 1:0-Sieg, Klub-Weltmeister zu werden. Wenn es schon in der Liga nicht klappt, wo man weit abgeschlagen hinter Barcelona steht.

Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Immerhin hat Stöger das Kunststück fertig gebracht, Köln vier Jahre lang in der Liga zu halten und am Ende sogar in die Euroleague zu befördern. Er konnte sich sogar einmal einen Sieg gegen den BVB auf die Fahnen schreiben. Jetzt feierte er seinen ersten Sieg in dieser Saison, denn mit Köln schaffte er gerade mal drei Remis, so dass die Rheinländer die schlechteste Punkteausbeute vorzuweisen haben, die jemals einer Mannschaft gelungen ist. Und auch gegen Bayern reichte es nur zu einer 1:0-Niederlage. Fast hätte man die Bayern mit der Defensive und zwei Kontern zermürbt, aber einer geht bei den Münchnern eben immer irgendwie rein. Der Sieg der Dortmunder war ebenso alles andere als glanzvoll, und wenn Mainz in seiner ersten besseren Halbzeit aus seinen Chancen ein Tor gemacht hätte, hätte auch das Elend des BVB seinen Lauf genommen. So kamen die Dortmunder, die auf ihr bewährtes System mit Viererkette umstellten, zum Führungstreffer durch einen Gewaltschuss von Sokratis. Die Mainzer mussten in die Offensive gehen, es ergaben sich Konterchancen und Räume, in denen Aubameyang und Kagawa ein bisschen so wie früher glänzen konnten. Es ist allerdings kaum anzunehmen, dass Dortmund schnell wieder zu alter Stärke zurückfindet, weshalb es am Samstag zu einer Zitterpartie gegen Hoffenheim kommen wird mit einem völlig offenen Ausgang, der davon abhängig sein wird, welchen Tag Hoffenheim mit seinen schwankenden Leistungen erwischt. Zwar reichte es gerade mal noch gegen Stuttgart zu einem 1:0, aber sehr überzeugend war es nicht, und wenn es am Ende 1:0 für den VfB gestanden hätte, hätte sich auch niemand beschweren können. Stöger, dessen größtes Problem sein wird, ob die Spieler sein österreichisches Genuschel überhaupt verstehen, wirkte durchaus sympathisch, denn er widmete den Sieg seinem Vorgänger Peter Bosz, wohl wissend, dass er in zwei Tagen natürlich keine Akzente setzen konnte. Man sah den Spielern die Erleichterung an. Endlich mal kein am Schuh klebendes Pech, kein Glücksschuss, keine abgefälschter Ball, keine Schiedsrichterfehlentscheidung, alles lief normal, und vielleicht deshalb war es dann auch ein Trauerspiel, denn es war ein Spiel ohne Inspiration. Immer noch ist Dortmund eine Mannschaft, an der sich der Gegner aufrichten kann, bei denen sich Selbstvertrauen tanken lässt. Dabei könnten sie glänzen, denn in der Liga gibt es außer Bayern keine Mannschaft, die konstant wirklich gut spielen würde, und auch Schalke, das nach einem schmeichelhaften Unentschieden der Leipziger in Wolfsburg auf Platz 2 steht, verdankte seinen Sieg gegen bessere Augsburger nur einem ungerechtfertigten Elfmeter.

Die Wahrheit über den 15. Spieltag

Ein Sieg »ohne Wenn und Aber« sei Pflicht, nahm Nuri Sahin seine Mannschaft in die Pflicht, aber schon nach kurzer Zeit wurde klar, dass es jede Menge Wenn und Abers gab, und zwar soviel wie Dortmunder auf dem Platz standen. Man konnte dem Offenbarungseid einer Mannschaft zugucken, die kein Konzept hatte, keinen Mut, keine Zweikampfstärke, kein Selbstvertrauen, weshalb das nach dem Trainerwechsel und der Rückkehr Kruses wiedererstarkte Werder völlig zu Recht gewann, denn sie verstanden es, die Schwächen der Dortmunder zu nutzen. Sie konnten sich die Bälle am Sechszehner zuspielen, ohne von einem Dortmunder in Bedrängnis gebracht zu werden. Die Bremer wussten genau, was sie taten. Sie hinderten beispielsweise den schnellen Pulisic daran, überhaupt erst Fahrt aufnehmen zu können, sie waren nah am Mann und nahmen die Zweikämpfe auf, denen die Dortmunder vornehm aus dem Weg zu gehen schienen. Es bot sich das gleiche Bild wie sonst auch: Am Ende hatte der BVB stolze 68 % Ballbesitz zu verzeichnen, 725 gespielte Pässe mit einer Quote von 84 %, die Bremer hingegen spielten 344 Pässe mit einer lausigen Quote von 66 %, am Ende aber stand es 2:1 für Bremen und niemand hegte Zweifel daran, dass der Sieg in Ordnung ging. Nur die ersten zehn Minuten nach der Pause baute der BVB etwas Druck auf. Es gelang ihnen sogar der Anschlusstreffer, der mehr erzwungen als erzielt wurde, was aber in einer solchen Situation keine Rolle spielt. Und dann kam das Erstaunliche. Für die Dortmunder war der Ausgleich nicht etwa ein Aufbruchssignal, sondern ein Grund, wieder in die alte Letharie zurückzufallen und den Bremern den Platz zu überlassen, die das Angebot dankend annahmen und nach einer Ecke erneut in Führung gingen, und das, obwohl nach Verletzung von Bartels und Junuzovic zwei wichtige Bremer ausfielen. Bislang haben die Fans den Spielern trotz mauer Leistungen den Rücken gestärkt, aber diesmal verfiel auch sie in Lethargie, um nach dem Schlusspfiff den Spielern ein Pfeifkonzert zu geben. Die Verunsicherung sitzt also sehr tief, und sie geht immer tiefer, je länger Bosz als Trainer weitermachen durfte. Das hat die Vereinsführung nicht wahrhaben wollen. Jetzt aber war sie gezwungen zu handeln. Nachdem sie aus den letzten beiden Spielen einen Sieg gefordert hatte, musste sie das auch. Bosz jedenfalls würde sich ja nicht um die Abfindung bringen wollen, weshalb er weitergemacht hätte, bis die Mannschaft auf dem letzten Platz gestanden wäre. Aber es war nicht nur das unglaubwürdige Mantra, mit dem er verkündete, die Mannschaft weiterhin erreichen zu können, es stand ihm auch die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben, die zeigte, dass er auch nicht mehr wusste, was er noch hätte machen können. Noch am Samstag hat sich die Vereinsführung beraten und den Mannschaftsrat (Sahin, Schmelzer und Reus) hinzugezogen. Heute um 12 Uhr verkündete man in einer kurzfristig einberaumten Pressekonferenz, dass Bosz entlassen worden war, und präsentierte gleichzeitig den neuen Trainer: Peter Stöger, der eilig aus Wien importiert worden war. Wer sich die Pressekonferenz allerdings angesehen hat, hatte anschließend nicht das Gefühl, es würde ein neuer Aufbruch stattfinden. Zu sehr wanden sich Watzke, Zorc und Stöger, dem ganzen eine positive Seite abzugewinnen, aus der Not eine Tugend zu machen. Aber klar, wie soll das auch gehen, jedenfalls kann sich niemand sicher sein, ob unter einem Trainer, der beim 1. FC Köln gerade mal drei Punkte gemacht hat, also bewiesen hat, dass auch er keinen Zugang zu seiner Mannschaft mehr herstellen konnte, wirklich alles besser wird, der also in der Lage ist, das Selbstvertrauen der Dortmunder wieder herzustellen. Auch Watzke und Zorc sind sich nicht sicher, weshalb Stöger erstmal nur bis Ende der Saison verpflichtet wird. Danach soll dann Nagelsmann verpflichtet werden. Alles keine schöne Aussichten.

Die Wahrheit über den 14. Spieltag

BVB-Boss Watzke forderte einen Tag nach der unerklärlichen 4:4-Niederlage der Dortmunder auf einer Mitgliederversammlung Bosz dazu auf, jeden Stein umzudrehen und »alles auf den Prüfstand« zu stellen. Leider konnte niemand in Erfahrung bringen, ob sich nun jemand erklären kann, wie die merkwürdige Serie von sieglosen Spielen zustande kommt. Ein Werbefilmchen für Opel gibt darüber vielleicht unfreiwillig Auskunft. Vier Dortmunder Spieler steigen in einen Opel, während sie auf ihren Handys daddeln und ihren Spaß haben, bis Schmelzer auffällt, dass niemand auf Steuer sitzt und alle zu schreien anfangen. Kein Steuermann an Bord, oder wie die SZ vermutet, lauter Indianer, aber kein Häuptling. Immerhin eine Erklärung, aber natürlich keine, die wirklich standhalten könnte, denn der BVB wurde im letzten Jahr trotz flacher Hierarchie und trotz Anschlag auf den Mannschaftsbus immerhin Pokalsieger und erreichte den 3. Platz. Das alles kann auch nicht mit dem Weggang von Dembélé erklärt werden. Als Grund des ganzen Desasters bleibt da nicht mehr viel übrig und kann eigentlich nur mit dem Trainer zu tun haben, der mit seiner ruhigen Art die Spieler eher einschläfert als aufrüttelt. Daran hat sich auch im Spiel gegen Leverkusen nichts geändert. Immer wieder versuchen die Dortmunder sich langsam nach vorne zu tasten, wo dann eine dicht- und gutgestaffelte Abwehr nur auf einen Fehler lauert, um die alle in der gegnerischen Hälfte herumstehenden Dortmunder auszukontern. Diesmal war es Subotic, dem im Zentrum mit einer verunglückten Kopfballabwehr der Fehler unterlief, so dass Volland steil geschickt werden konnte und das gesamte Dortmunder Halbfeld für sich allein hatte. Da hatten die Leverkusener  schon einige Großchancen vertan und einmal nur die Querlatte getroffen, während sich auf Dortmunder Seite schon früh Philipp schwer verletzte und auch Castro vom Platz humpelte, weil Wendell ihm kurz vor dem Pausenpfiff auf den Knöchel sprang. Dafür bekam der Leverkusener dann völlig zu recht die rote Karte. Der BVB konnte also die gesamte 2. Halbzeit mit einem Mann mehr spielen, was sich aber nur in optischer Überlegenheit ausdrückte. Die Chancen hatte weiterhin Leverkusen. Denn wieder konnte Volland allein auf Bürkis Tor zulaufen und hatte das 2:0 auf den Fuß, aber er traf nur den herauslaufenden Bürki. Stattdessen gelang Yarmolenko im Gegenzug der Ausgleich. Typisch für das Spiel sind folgende Statistikwerte: 744:266 gespielte Pässe und 88 Prozent Ballbesitz für den BVB, aber 15:9 Torschüsse für Leverkusen. Und dennoch bleibt Bosz aus Mangel an Alternativen im Amt. Wie groß die Not beim BVB ist, zeigt die Tatsache, dass offenbar auch Sammer als Trainer angefragt wurde, den in Dortmund niemand leiden kann. Jedenfalls kann man ausschließen, dass es mit Dortmund in diesem Jahr nochmal aufwärts geht, während Hoffenheim, die auch eine Flaute hatten, sich mit einem beeindruckenden 4:0 gegen Leipzig durchsetzten. Und selbst Köln schaffte mit einer starken Vorstellung auf Schalke ein 2:2. Das wird Stöger allerdings nicht retten. Und damit wird ein Mann arbeitslos, den Dortmund bei seiner Trainersuche im Sommer auf den Zettel hatte. Schön wäre das nicht, wenn Stöger als Bosz-Ersatz weiterwursteln dürfte, aber die Alternativen sind rar gesät. »Klopp muss wieder zurück«, sagt Guy. Er ist 8 Jahre alt.