Archiv für den Monat: März 2018

Die Wahrheit über den 27. Spieltag

Wenn eine Mannschaft in einem ansonsten langweiligen Spiel mit wenig Torraumszenen und noch weniger Chancen zuerst einen Elfmeter verschießt und anschließend ein Eigentor zur 1:0-Niederlage fabriziert, dann handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Wolfsburg, die gegen Mainz um den Relegationsplatz kämpfen. Wenn der glückliche Sieger aber Schalke heißt, die mit diesem Sieg Platz 2 festigt, dann kann man ersehen, dass nicht Können, Souveränität, Spielvermögen entscheidend sind, sondern Zufall die größte Rolle im Kampf um die CL-Plätze spielt, denn die anderen Mannschaften, die da oben herummurksen, sind auch nicht besser, auch sie tun sich schwer, Spiele zu gewinnen, und man hat immer das Gefühl, als ob ein Zufallsgenerator darüber entscheidet, wer welche Spiele gewinnt oder verliert. Auch der HSV hat nach einer stalinistischen Säuberungswelle und neuem Trainer, dessen Namen man sich vermutlich gar nicht merken muss, weil er ganz schnell wieder entlassen wird, noch einmal alles probiert und kam mit einer jungen Mannschaft und einer Spielidee auf das Feld, und sogar optimistische Fans gab es, die die Mannschaft gegen Hertha unterstützten, was sich die eher stumpfen Hertha-Fans jedoch nicht gefallen ließen, weshalb es zu einigen Rangeleien kam. Der HSV war tatsächlich überlegen und erzielte nach einer sehenswerten Kombination sogar das 1:0, aber dann kam die 2. Halbzeit und plötzlich setzte sich in den Köpfen der Hamburger die Idee fest, den Vorsprung verteidigen zu müssen. Sie ließen die Berliner besser ins Spiel kommen und gaben damit selbiges aus der Hand. 2:1 stand es am Ende für die Berliner und damit zementierten die Hamburger ihren Anspruch auf die 2. Liga, während einer der aussortierten Spieler Papadopoulos sich bei den Reportern darüber beschwerte, dass er nicht spielen durfte, womit er ganz wesentlich etwas zum Mannschaftsklima beitrug. Zum Glück muss der BVB nicht gegen einen abstiegsbedrohten Verein spielen, die alles in die Waagschale werfen, denn gegen solche Gegner hat die Mannschaft echte Probleme, wie man beim Ausscheiden aus der Euroleague gegen Salzburg sehen konnte. Kaum tritt den Dortmunder Spielern jemand auf die Zehen, verunsichert man sie, denn spielen und brillieren können sie nur, wenn der Gegner einen Sicherheitsabstand einhält, ihnen quasi Raum für die Inspiration lässt. Deshalb will kaum jemand der BVB-Fans, dass der Verein mit Stöger verlängert, denn auch wenn Dortmund unter ihm noch kein Spiel verloren hat (dafür allerdings reichlich Remis), ist die Spielweise eher unterirdisch, so dass sich nicht mal Mannschaften, die gegen den Abstieg spielen, fürchten, gegen den BVB anzutreten. Nur die Eintracht stach unter dem Mittelmaß ein bisschen heraus und erledigte seinen Job souverän, allerdings gegen völlig indisponierte Mainzer, gegen die jede andere Mannschaft an diesem Tag auch gewonnen hätte, weshalb der Sieg kein stichhaltiges Indiz für einen der internationalen Plätze ist. Immerhin haben sich die Bremer mit einem starken Auftritt in Augsburg und einen 3:1-Sieg von den Abstiegsplätzen weiter distanziert und haben jetzt Anschluss an das große Mittelfeld gefunden, von dem es dann auch nicht mehr weit zu einem der internationalen Plätze ist, von denen sie gerade mal sieben Punkte entfernt sind, weshalb die bei noch sieben Spielen und 21 zu vergebenden Punkten noch durchaus erreichbar sind.

Die Wahrheit über den 26. Spieltag

So langsam macht man sich in Dortmund Sorgen. Als nach dem furiosen Anfangsstart der Knacks kam, dachte man noch an eine vorübergehende schlechte Phase, die jede Mannschaft mal hat, aber mit dem Rausschmiss von Bosz wurde die Sache unter Stöger nicht besser, aber immerhin wurde hin und wieder mal gewonnen, und das hatte man unter Bosz lange nicht mehr. Die Spielweise wurde etwas defensiver, man rannte nicht mehr so häufig ins Messer, aber unter dem Sicherheitsfußball wurde das Spiel nicht attraktiver. Seither kann man sich die Spiele der Dortmunder nur ansehen, wenn man eine gewisse Nervenstärke besitzt oder immun ist gegen Langeweile. Nach ein paar zähen Siegen und nicht minder zähen Remis gegen Vereine, die nicht gerade zur Creme de la Creme des deutschen Fußballs zählen, hat man im Achtelfinale der Euroleague gegen Salzburg gezeigt, dass man für einen der erfolglosesten Vereine im internationalen Fußball ein Herz hat und dass man offenbar gewillt ist, ihm in dieser Kategorie den Rang abzulaufen. Und das, obwohl die Mannschaft in Bestbesetzung auflaufen konnte, wenn man einmal von Schürrle absieht, der mit seinem Gestochere und Ballverluste immer wieder dafür sorgt, dass die Hintermanschaft in die Bredouille kommt, weshalb niemand weiß, wie Stöger auf die absurde Idee kommt, ihn für einen Stammspieler zu halten. Aber Stöger hat sowieso keine Idee, wie der Abstieg der Mannschaft in die Mittelmäßigkeit aufzuhalten ist, denn er hat keine Idee, die im Spiel der Dortmunder irgendwie erkennbar wäre. Gegen Mannschaften jedenfalls, die wenigstens alles geben, wenn sie schon technisch minderbemittelt sind, die jedem Ball hinterherlaufen und die sich sofort auf den Ballbesitzenden stürzen, die also den Gegner auf das chaotische Niveau ihrer Möglichkeiten herabziehen, verzagen die Dortmunder. Als allgemeiner Trend wird es in der Tabelle also nach unten gehen, denn gegen die Mannschaften, die um die CL-Plätze mitmischen, haben sie einfach nicht die Mittel mehr herauszuholen als ein Remis, auch wenn diese Mannschaften auch nicht gerade konstant oder aufregend spielen. Immerhin hat Schalke mit einem knappen 1:0 in Mainz die Pole Position hinter Bayern (mit einem Sicherheitsabstand von 20 Punkten) übernommen. Auch Bayer hat im Derby gegen Gladbach gewonnen und ist den CL-Plätzen näher gekommen. Mit weiteren Remis wird der BVB da nicht weiter kommen. Sieht man dagegen in die Premierleague, dann kann man wenigstens richtigen Fußball gucken und wird nicht ständig mit Unfähigkeit konfrontiert. Auch wenn Liverpool im Kampf um Platz zwei gegen ManU verloren hat, konnte man zumindest den unbändigen Willen der Mannschaft erkennen, den Gegner niederzuringen. Das war ein Spiel auf höchsten Niveau, ein Spiel, das Spaß machte, mit Torraumszenen, Chancen, dramatischen Zweikämpfen, eben alles, was ein Spiel bieten muss, um attraktiv für den Zuschauer zu sein. Das wird es hierzulande aber immer weniger. In Dortmund, in dem in den vergangenen Jahren kaum ein Spiel nicht ausverkauft war, kriegt man jetzt wieder Karten. In anderen Stadien gähnen einen immer wieder leere Ränge an. Und das liegt nicht nur am schlechten Fußball, der einem zu überteuerten Preisen angeboten wird, sondern auch an der mangelnden Spannung, denn nicht nur der Meister, sondern auch die Absteiger stehen längst fest.

Die Wahrheit über den 25. Spieltag

Der BVB macht so langsam aber sicher Wolfsburg Konkurrenz als Remis-König, wobei der VfL alternativ verliert, so wie diesmal gegen Leverkusen und wieder einmal unter Beweis stellte, wie dringend es ihn in die 2. Liga zieht, was auch die Fans so sahen, die sich in sarkastischen Sprechgesängen schon darauf freuen, zusammen mit Labbadia abzusteigen. Die Wolfsburger Verantwortlichen haben davon aber nichts mitgekriegt, wie sie auch sonst nicht allzuviel mitkriegen, weil sie vermutlich von dem Elend, das die Wölfe auf dem Platz bieten, vollkommen absorbiert sind. Der skandalgeschüttelte Konzern, der trotzdem von Rekordgewinn zu Rekordgewinn eilt, scheint das Interesse an seinem Spielzeug verloren zu haben, weil die Mannschaft die Ausstrahlung von Valium hat und ein überzeugendes Argument darstellt, sich alles mögliche zu kaufen, aber bestimmt keinen VW. In der Abteilung Inkompetenz aber kann selbst Wolfsburg dem HSV das Wasser nicht reichen. Im Abstiegsduell ließen die Hamburger gegen völlig indisponierte Mainzer selbst beste Chancen liegen und wenn sie mal das Tor trafen, scheiterten sie an den Mainzer Schlussmann Müller, der zum ersten Mal das Tor hüten durfte und das richtig gut machte. Sogar einen Elfmeter hielt er und vermittelte den Hamburgern das Gefühl, an diesem Tag kein Tor mehr zu treffen. Ein Noname hat also den sog. »Dino« auf dem Gewissen, und wenn diese Bezeichnung hält, was sie verspricht, dann kann man sich schon mal auf eine HSV-freie Bundesliga-Saison freuen. Auch den Verantwortlichen dämmert neun Spieltage vor Saisonende, dass sie mit diesen Vorstellungen die Liga nicht werden halten können und dass ein Trainer wie der Haudegen Bernd Hollerbach, der von 18 möglichen Punkten gerade mal drei holt, auch nicht die richtige Lösung ist. Aber auch der BVB quält sich, nur ein bisschen weiter oben, beim Kampf um die CL-Plätze, denn der Abstand zum Relegationsplatz ist geringer als der zu Platz eins. Immerhin war die Vorstellung in Leipzig beim 1:1 ein bisschen attraktiver als zuletzt zu Hause gegen Augsburg, als die Dortmunder mit Hängen und Würgen auch nur ein 1:1 zustande brachten. Gegen die offensive Spielweise der Leipziger kam man irgendwie besser zurecht, zudem profitierte man von der Ladehemmung Timo Werners der seit sechs Spieltagen nicht mehr trifft, obwohl er allein vor dem Tor nur Bürki traf, was fast schon eine Kunst war. Allerdings stand ihm Batshuayi in nichts nach, denn der traf nach einer Flanke nicht mal den Ball, um ihn irgendwie ins leere Tor zu stolpern. Wieder musste Reus ran, um nach genialem Pass vom ansonsten indisponierten Dahoud, wenigstens einen Punkt zu retten. Da alle anderen um die internationalen Plätze sich balgenden Vereine diesmal gewannen, rutschten die Dortmunder auf Platz 3 ab. Immer noch Champions League, aber mit Frankfurt, 96 und den Bayern vor der Brust, sind die Chancen mehr als gering, weiter vorne mitzumischen. Dabei wäre die Chance, sich für die Heimpleite gegen Leizig in der Hinrunde zu revanchieren, ziemlich gut gewesen, denn bei einem Gegner, der wie Leipzig zu Hause sogar gegen Hertha verliert – ein Kunststück, das nicht mal dem BVB gelungen ist –, hätte zur Abwechslung auch mal ein Sieg drin sein können, aber das Können der Stars blitzt immer nur kurz auf. Dann sieht man von ihnen nichts mehr. Bis sie ausgewechselt werden.