Die Wahrheit über den 8. Spieltag

Ein verdammt hartes Brot nannte Klopp die Niederlage seiner Elf in Mönchengladbach, und zwar deshalb, weil vor allem in der ersten Halbzeit eine größere Überlegenheit der Dortmunder kaum möglich war. Von einem Klassenunterschied war die Rede, alle Werte sprachen für die Schwarzgelben, und wenn Gladbach überhaupt mal in die Hälfte der Dortmunder gelangte, dann war das etwas besonderes. Dortmund kombinierte wie schon gegen Marseille schnell und in die Tiefe, so daß man sich schon auf die unausweichliche Führung freute, aber sämtliche Großchancen wurden vergeben oder Ter Stegen machte sie mit einigen sensationellen Paraden zunichte. Je länger dann in der 2. Halbzeit das Spiel dauerte, desto mehr ließ sich beobachten, wie das Dortmunder Spiel an Dominanz verlor. Die Pässe hatten nicht mehr die Präzision, die Spieler hielten den Ball zu lange, die Kombinationen fanden um den Sechzehner statt, es wurde zu viel durch die Mitte gespielt, wo die Gladbacher Abwehr dicht gestaffelt stand, man merkte die Frustration bei den Dortmundern, die sich breitzumachen begann. Und plötzlich standen auch die Gladbacher mal vor dem Dortmunder Tor, Hummels mußte in letzter Not grätschen und verursachte nicht nur einen Elfer, sondern verstieß mit der »Vereitelung einer Torchance« gegen das schwachsinnige Reglement, demzufolge er den Platz verlassen mußte. Mit dem 1:0 war das Spiel völlig überraschend gekippt. Die  Dortmunder drängten auf den Ausgleich und wurden ausgekontert, so daß den Gladbachern das Kunststück gelang, mit ca. 5 Torschüssen, denen ca. 30 von Dortmund gegenüberstanden, 2:0 zu gewinnen. Ein selten absurdes Spiel, aber es war schon häufiger zu beobachten, daß die Dortmunder entweder gleich mehrere Tore schießen oder sich eben extrem schwertun, überhaupt eins zu erzielen, obwohl sie nicht unbedingt schlechter spielen. Den Bayern ging es bei Bayer ähnlich. Auch sie spielten drückend überlegen und knüpften an ihre Leistung gegen Man City an, aber es reichte nur zu einem mageren 1:1. Man City allerdings war kein aussagekräftiger Maßstab, denn selten konnte man eine Mannschaft sehen, die so völlig ohne Konzept angetreten war, den Bayern alle Räume überließ, die die benötigten, Zweikämpfen aus dem Weg ging und merkwürdig lethargisch auftrat. Es kommt allerdings selten vor, daß Bayern seine Überlegenheit nicht zu nutzen weiß, aber im Unterschied zu Dortmund verliert sie nicht. Aber wenn Dortmund schon verliert, dann ist es angenehmer, gegen Gladbach zu verlieren als gegen irgendeine andere Mannschaft. Dennoch tun solche Niederlagen deshalb besonders weh, weil man selten einen Gegner so beherrscht hat wie Gladbach. Und letztlich ist es nicht mal Unfähigkeit, sondern schlicht und einfach Zufall, daß die eine oder andere Chance nicht verwertet wurde, denn genauso gut hätte einer der Schüsse drin sein können und dann hätte Gladbach seine Spielweise ändern müssen, was Dortmund wiederum entgegengekommen wäre. Noch überraschender vielleicht war der 2:0-Sieg von Eintracht Braunschweig beim Lokalrivalen Wolfsburg, der erste Sieg des Aufsteigers überhaupt, und ein Sieg, der besonders süß schmeckte. Wolfsburg hingegen schwankt in seinen Leistungen von einem Extrem ins andere und als VW-Arbeiter weiß man nie, ob man nicht vielleicht eine kalte Dusche verabreicht bekommt.