Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Man muß nicht immer haushoch überlegen spielen, um zu gewinnen, dachten sich die Dortmunder, als sie gegen Gladbach haushoch überlegen spielten und dann trotzdem verloren. Also spielten sie deshalb nicht haushoch überlegen und gewannen. Zu Hause gegen Hannover wurde Durm schon in der 3. Minute im Strafraum gefoult und Reus verwandelte sicher zum 1:0. Da ich zu spät in die Respectbar kam, verpaßte ich den Höhepunkt des Spiels, denn der Rest war dann doch sehr mäßig, und obwohl Hannover die auswärtsschwächste Mannschaft ist, hatten sie vor allem in der 2. Hälfte mehr vom Spiel und hätten eigentlich ein Unentschieden verdient gehabt, wenn es eine Gerechtigkeit im Fußball gäbe. Aber wer will die schon? Dann wäre der Fußball vollkommen langweilig, denn dann gäbe es nichts mehr zu diskutieren, auch nicht das »Phantomtor« Kießlings, der im Freitagsspiel gegen Hoffenheim den Ball durch ein Loch im Außennetz köpfte. Zunächst drehten sich alle enttäuscht ab, aber als der Ball plötzlich innerhalb der Netzes herumkugelte, sah man ein ungläubiges Staunen, und Jubel setzte erst dann ein, als Schiedsrichter Brych den irregulären Treffer anerkannte. Daß der Ball durch das eine kleine Loch im Netz flutschte muß man als Wunder bezeichnen, weshalb man eigentlich vom Wunder in Leverkusen sprechen müßte, aber da es in Leverkusen keine Wunder gibt, sondern nur Bayer, heißt das Tor jetzt »Phantomtor«. Eine Torkamera hätte das Tor sofort als Nichttor entlarvt, sagen die Fürsprecher der Torkamera, weil sie dem merkwürdigen Irrglauben anhängen, im Fußball könne es Gerechtigkeit geben. Aber die wird es so lange nicht geben, solange Schiedsrichter über das Spiel bestimmen, deren Entscheidung über eine umstrittene Situation einem Lotteriespiel gleicht, weil manchmal sogar eine Kamera nicht ausreicht, um zweifelsfrei entscheiden zu können. Wäre das Spiel durch die Augen einer Kamera entschieden worden, hätte Hoffenheim 2:1 gewonnen, denn es wäre nicht nur das »Phantomtor« nicht gegeben, sondern ein auch regulärer Treffer der Hoffenheimer anerkannt worden, der wegen angeblichen Abseits nicht gegeben wurde. Aber wer will schon, daß Hoffenheim gewinnt? Na gut, auch Leverkusen gehört zu den überflüssigen Vereinen in Deutschland, die sich ein Konzern aus Gründen der PR leistet, Vereine also, die meist in der Pampa liegen, wo der Standort für den Konzern günstig ist wie eben Leverkusen und Wolfsburg, weil dort niemand wohnen will und die deshalb toter sind als der Stuttgarter Friedhof. Kießling hätte zum Held werden können, wenn er gesagt hätte, dass er daneben geköpft hat, aber nachdem Brych das Tor gab, hat er sich nicht dagegen gewehrt. Nach dem Spiel wurde er vom Pressesprecher instruiert, er solle sagen, daß er das Tor nicht gesehen habe, um Unheil von ihm abzuwenden. »Bild« hat dafür extra eine Lippenleserin engagiert, weshalb inzwischen die meisten Spieler sich inzwischen hinter vorgehaltener Hand unterhalten. Aber die Reaktion nach dem Kopfball verrät etwas anderes: Kießling dreht sich ab, weil er gesehen hatte, daß der Ball daneben ging. Er macht die typische Geste eines Spielers, der sich darüber ärgert, eine gute Chance vergeigt zu haben. Im nachhinein zu behaupten, er hätte nicht gesehen, ob der Ball ins Tor ging, weil er sich abgewendet habe, ist natürlich gelogen. Jetzt geht es darum, ob das Spiel wiederholt wird oder nicht. Die Fifa ist dagegen, weil sie an den Tatsachenentscheidungen des Schiedsrichters festhält. Und das ist gut so. Wer will sich schon so ein Spiel nochmal ansehen?