Die Wahrheit über den 10. Spieltag

Ein bisschen gelber Nebel im Dortmund-Block sorgte dafür, dass sich alle einig waren in der Verurteilung dieser niedlichen Aktion, Marcel Reif, Bild, Hans-Joachim Watzke, Jürgen Klopp, Horst Heldt, Andreas Rettig. Meine Güte, man sollte den »Chaoten« einen Orden verleihen, daß sie zu dieser seltenen Koalition und Einmütigkeit beigetragen haben. Früher war das in italienischen Stadien ein ganz normales Bild, über das sich niemand aufregte, und selbst deutsche Reporter, die ja ganz besonders viel Wert auf Ordnung legen, schwärmten dann von der tollen Stimmung. Heute kriegt sich Reif auf seinem sicheren Reporterplatz gar nicht mehr ein und schimpft auf die Polizei, weil sie nicht gleich mit Schlagstockeinsatz die »Chaoten« zur Räson bringt. Fünf Minuten verzögerte sich dadurch der Spielanpfiff. Auch nicht gerade weltbewegend, aber gesprochen wurde nur noch über die paar Rauchkerzen und kaum mehr über das Spiel. Und das hat das Spiel nicht verdient, denn die Dortmunder lieferten ein großartiges Spiel ab. Das 1:0 war schon ein sensationell herausgespielter Konter, den Aubameyang versenkte, das 2:0 ein großartiger Schuß von Sahin, der endlich mal wieder traf. Zwischenzeitlich hielt Weidenfeller einen Elfer von Boateng, schon den 4. der letzten acht, womit er sich langsam zum Alptraum der Strafstoßschützen entwickelt. Und in der 74. Minute schließlich kam es zum großen Auftritt von Mkhitaryan, der schon die beiden vorangegangenen Treffer mit vorbereitet hatte. Nun raste er fast über das gesamte Spielfeld, ohne daß ihn ein Schalker zu fassen bekommen hätte, um am Ende den freistehenden Kuba zum 3:1 zu bedienen. Er war zweifellos der Spieler des Tages. Mario Götze, für den er verpflichtet wurde, hätte das nicht hingekriegt, und insofern ist Mkhitaryan weit mehr als ein bloßer Ersatz. Er ist intelligent, spricht fünf Sprachen und hält sich zurück. Götze hat ein Unterwäschemodell als Freundin, die es bei der 7. Staffel von Heidi Klums »Germany‘s Next Topmodel« in die Top 50 geschafft hat und nach ein paar Semestern Psychologie jetzt Marketing studieren will. Schade, daß es fast immer so endet, aber wenn es schon so endet, dann ist Bayern der richtige Verein für solche hoffnungslosen Fälle. Auch im Spiel zu Hause gegen den Aufsteiger Hertha saß Götze zunächst auf der Bank, wurde aber schon frühzeitig eingewechselt, weil Kroos und Robben Leistenprobleme hatten. Er durfte also fast von Anfang an spielen und erzielte ganz untypisch mit dem Kopf das entscheidende 3. Tor der Bayern zum 3:2-Sieg, der allerdings nicht wirklich verdient war, denn Hertha ließ sie Bayern einige Male ziemlich schlecht aussehen und hätte durchaus einen Punkt verdient gehabt. Es ist also kein Zufall, daß Hertha auf dem 4. Platz steht, und Schalke wird sich schwer tun, ihnen diese Platzierung abzujagen. Die ersten drei Plätze hingegen scheinen schon vergeben zu sein. Dort kann man auf einen bequemen 10-Punkte-Vorsprung zurückblicken. Und selbst die Reihenfolge ist die, die von den meisten auch am Ende der Saison erwartet wird. Wenn es Überraschungen gibt, dann auf den folgenden Plätzen, denn von Platz 4 bis 15 gibt es nur einen 6-Punkte-Unterschied, wobei Hoffenheim schon auf Platz 4 stehen würde, wenn man in Leverkusen nicht um drei Punkte betrogen worden wäre. Auch in Hannover zeigten sie mit einem 4:1, daß sie mitmischen werden.