Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Zählte man nur die Rückrunde, dann stand der Club vor Dortmund, denn sie hatten bis auf das Spiel gegen Bayern alle Spiele gewonnen. Und bei Dortmund muss man auf alles gefasst sein. Starke Gegner können ihnen genauso gefährlich werden wie abstiegsgefährdete. Das Vertrauen in die eigene Mannschaft hat seit der 3:0-Pleite in Hamburg einen echten Knacks wegbekommen, denn noch immer wird gerätselt, wie der Leistungseinbruch zustande gekommen war. Und die Nürnberger bewiesen in der 1. Halbzeit, dass sie gefestigt waren. Sie hatten mehr Ballbesitz als die Dortmunder und gingen weite Weg, um ständig zu stören. Die Dortmunder hatten zwar Chancen, aber keine hochkarätigen, die sie sonst immer auslassen. Und wäre bei Sokrates‘ missglücktem Zuspiel auf Hummels für die Nürnberger mehr herausgekommen als nur ein Pfostenschuss, dann hätten nicht wenige geglaubt, dass das Unglück wieder seinen krummen Verlauf nimmt. Mit dem zurückgekehrten Hummels machten die Dortmunder aber diesmal nicht den Eindruck als würden sie an den Hamburger Krankheit leiden. Nach der Pause nahm der Druck der Schwarzgelben zu, dem die Nürnberger irgendwann nicht mehr standhielten. Und nach dem 2:0 fingen die Dortmunder auch noch an zu zaubern. Das 3:0 war hohe Fußballkunst. Eine präzise Vorlage Sahins auf Hofmann in den Strafraum, der den Ball elegant annimmt und durch die Beine von Pogatetz eine perfekte Vorlage auf Mkhitaryan spielt. Es waren diesmal aber vor allem die Außen Schmelzer und Piszczek, die die Nürnberger durch ständige Vorstöße in die Geflügelzange nahmen. Und Lewandowski spielte wieder so grandios, dass niemand die leiseste Ahnung hat, wer diesen Mann jemals ersetzen kann. Da Leverkusen zu Hause gegen Mainz verlor, steht Dortmund wieder auf Platz 2. Und wenn man die schwarze Serie Bayers von fünf Pflichtpielniederlagen in Folge betrachtet, dann lässt sich die Hamburger Pleite schon gleich besser verschmerzen. Auch wenn die jetzt im 100. Nordderby in Bremen wieder auf ihre Normalform zurechtgestutzt wurden und 1:0 verloren. Der Sieg gegen Dortmund bleibt also ein Ausrutscher, die Pleite in Bremen, einem direkten Abstiegskonkurrenten, wurde von den Dortmunder Fans ausgiebig beklatscht, die nichts dagegen hätten, wenn das 3:0 in Hamburg die Ausnahme bleibt. Schalkes kleines Zwischenhoch hat ein abruptes Ende genommen. In der CL gegen Real Madrid machten sie vor, wie man gegen eine Mannschaft auf diesem Niveau nicht spielen sollte. Die Schalke dachten ernsthaft, sie könnten mithalten und ließen den Real-Spielern jede Menge Platz, den diese dankbar ausnutzten, um zu zeigen, was sie alles können. Die Schalke Verteidiger Matip und Santana wurden bei dem 6:1-Desaster auf nicht besonders nette Weise gegen Bale, Ronaldo und Benzema allein gelassen, eine Strategie, die sich Jens Keller ankreiden lassen muss. Aber er hat keine Konsequenzen gezogen. Gegen Bayern war es dann zwar nur ein 5:1, aber das lag nur daran, weil Mandzukic in einer Glanzrolle als Chancentod auftrat. Ein perfekter Spieltag.