Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Die Vereine würden nicht genug und fleißig trainieren, sagte Sammer. Aber die Bayern würden immer trainieren als ob es kein Morgen gäbe. Wenn es aber kein Morgen gäbe, warum sollte man dann trainieren? Außer der verbissene Sammer natürlich. Sammer versuchte den 20-Punkte-Vorsprung der Bayern zu erklären. Aber dieser Ansatz ist natürlich ein bisschen schwachsinnig. Viele empören sich darüber, aber es ist nichts zum Empören, sondern man muss mit Sammer höchstens Mitleid haben, dessen Intelligenz durch Ehrgeiz ersetzt wird. Und Ehrgeiz ist dumm. Dummheit aber kommt überall voran. Natürlich ist es nicht das Training, dass den 20-Punkte-Vorsprung erklärt, sondern das Geld, mit dem man sich alles für den Erfolg Nötige zusammenkaufen kann. Und deshalb kann man sich über Sammer nur lustig machen und ihm mit feiner Ironie antworten, die Sammer aber sowieso nicht versteht. Klopp sagte: »Ich glaube nicht, dass Bayern ohne Sammer einen Punkt weniger hätte.«
In Wolfsburg gewannen die Bayern wieder 6:1. Aber erst nach einer Stunde fielen die Tore der Bayern, als die Wolfsburger Kräfte nachließen. Totales Pressing ist also auch nicht der Schlüssel zum Erfolg, wenn man es nicht bis zum Schluss durchhalten kann. Dann ist die Ballsicherheit entscheidend, und zwar die Ballsicherheit jedes einzelnen Spielers. Und das ist ja auch das Credo von Guardiola. Es sieht also nicht so aus, als ob die Bayern irgendetwas aufhalten könnte zum neuerlichen Triple. Höchstens die Tatsache, dass bis auf Badstuber alle Spieler wieder einsatzfähig sind, während andere Vereine eine lange Ausfallliste vorweisen können. Aber gerade die Tatsache, dass viele Spieler nur noch sporadisch eingesetzt werden, würde in allen anderen Vereinen zu Missstimmungen führen. Bei Bayern kriegen die Spieler zu viel Geld, um sich dafür nicht auch klaglos auf die Bank zu setzen. Die Sache sieht also sehr aussichtslos aus, und deshalb hilft nur Ignorieren, wenn man den Fußball noch genießen will, dessen Reiz ja in der Überraschung liegt.
Und überraschend war an diesem Spieltag der 2:0-Erfolg der Bremer in Nürnberg, und das in einem attraktiven Kampfspiel, in dem Aron Hunt zuerst einen Elfer schindete und danach beim Schiedsrichter zugab, dass es keiner war. Eine nette Geste, die sicherlich etwas leichter fiel, da Bremen sowieso 2:0 führte. Und mit der Niederlage der Gladbacher zu Hause gegen Augsburg setzte sich nicht nur die Negativserie der Gladbacher fort, sondern auch der Aufschwung der Augsburger, die jetzt auf einem der internationalen Plätze stehen. Und Stuttgart gab einen sicheren Sieg gegen Braunschweig in der 82. Minute aus der Hand. Danach kochte die Stuttgarter Volksseele und wünschte alle zum Teufel. Und man sah Bobic sehr sehr nachdenklich vor den Kameras stehen. Inzwischen hat er schon Kontakt mit seinem alten Kumpel Balakow aufgenommen, aber der wird den Karren auch nicht aus dem Dreck ziehen können. Stuttgart hat nur das Glück, dass es mit Hamburg eine noch schlechtere Mannschaft gibt, die gegen Hannover nur ein 1:1 schafften.

Und der BVB? Hat mit Müh und Not ein dreckiges 1:0 gegen Freiburg erreicht und damit die Steilvorlage der Leverkusener genutzt und nun einen 4-Punkte-Vorsprung als Tabellenzweiter. Klopp sagte, wer solche Spiele gewinnt, wird normalerweise Meister. Der BVB war überraschend schlecht, aber ohne Reus und den vom Länderspiel verletzten Lewandowski war vielleicht auch gar nicht mehr drin. Schon gar nicht mit Schieber, der einfach nicht das Format hat, um gegen eine konsequente Bundesligahintermannschaft zu bestehen. Aber auch Mhkitaryan verlor auf merkwürdig einfache Art häufig den Ball und wahrscheinlich tut ihm die Pause im nächsten Spiel nach der fünften gelben Karte mal ganz gut. Immerhin Hummels spielte überragend, während man sich bei den Freiburgern fragt, wieso die eigentlich auf Platz 17 stehen. Auch wenn sie vielleicht keine großen Chancen hatten, spielerisch und kämpferisch waren sie den Dortmundern durchaus ebenbürtig. Und als sie die letzten zehn Minuten aufmachten und alles nach vorne warfen, hatten die Dortmunder einige Riesenchancen durch Konter, die sie allesamt kläglich versiebten. Am Ende waren die Dortmunder ziemlich froh durch einen eleganten Heber, der für Kehl nicht unbedingt typisch ist, gewonnen zu haben. Nur der ausgewechselte Sahin wurde da gerade von Klopp an der Seitenauslinie zusammengefaltet. Aber die Kamera befand sich hinter Klopp, sonst hätte Bild wieder einen Lippenleser engagiert.