Die Wahrheit über den 27. Spieltag

Das Derby stand unter strenger Beobachtung. Seit es beim letzten Mal Ausschreitungen zwischen den Fans gab und wegen Pyrotechnik sogar mal ein Spiel unterbrochen werden musste, ließ man sich diesmal einiges einfallen, um die Vollidioten auf beiden Seiten auseinanderzuhalten. Dem BVB wurde auf Bewährung angedroht, dass die Südtribüne für ein Spiel geschlossen werden würde, und die Vereine kündigten an, bei den Derbys die gegnerischen Fans auszuschließen. Dennoch verließ man sich nicht auf die Drohungen, sondern auf die Polizei, die mit 3000 Mann anrückte, damit niemand auf dumme Gedanken kam. Dieser Plan klappte. Jetzt musste nur noch ein tolles Spiel her. Das aber kam nur in Maßen zustande. Jedenfalls war es nichts im Vergleich zum einzigen Derby, das noch berühmter ist als das zwischen BVB und Schalke, nämlich dem Classico. In diesem hatten sich Barcelona und Real nur zwei Tage zuvor 4:3 für die Katalanen getrennt, und die Welt erlebte die Wiederauferstehung von Messi und Iniesta. Das allerdings heißt nicht, daß sich die Dortmunder Hoffnungen machen könnten. Das zeigt nur, wie weit mit Ausnahme Bayerns die Spitzenteams der spanischen und der deutschen Liga auseinanderliegen. Mit Schalke, die von Real noch mit 6:1 abgekanzelt wurden, hatte der BVB seine liebe Mühe. Beide Teams mußten eine Menge Ausfälle kompensieren und insofern herrschte eine gewisse Parität im Pech. Die jüngste Bilanz allerdings sieht verheerend für den BVB aus, denn von den letzten sechs Partien im Westfalenstadion hatten die Dortmunder nur eine gewonnen. Und jetzt sind es sieben, denn diese Partie endete torlos. Sie war nicht hochklassig, denn dazu fehlten auf beiden Seiten die verletzten Stammkräfte, aber spannend. Zwar spielte Dortmund überlegen, phasenweise sogar drückend überlegen, aber man merkte auch, dass sie mit dem frühen Pressing des Gegners nicht zurecht kamen und viele Bälle hoch nach vorne schlugen, statt das flache Paßspiel zu nutzen. Piszczek läuft seiner Form immer noch hinterher und kam nicht nur mit Draxler nicht zurecht, auch seine früher gefährlichen Flanken landeten häufig im Toraus. Sokratis befand sich im Kampfmodus und schaltete Huntelaar aus. Hummels ist endlich wieder der Denker und Lenker aus dem Rückraum. Die Überraschung des Abends war Erik Durm, eigentlich Ersatz für Schmelzer, in dieser Form aber sogar besser als Schmelzer. Reus war wieder sehr präsent, vergab aber ebenso wie Lewandowski riesige Chancen. Hätte der BVB nur seine hundertprozentigen Chancen genutzt, hätte es am Ende 3:0 gestanden. So aber musste man bis zum Ende zittern, weil man ja immer damit rechnen mußte, dass irgendein krummes Ding einschlägt, aber bei den zwei einzigen Chancen der Schalker befand sich Weidenfeller auf dem Posten. Die Dortmunder Rumpfelf lieferte also ein gutes Spiel ab, ließ hinten kaum etwas zu und versiebte vorne seine Möglichkeiten. Wie häufig eben. Gegen Real Madrid wird das kaum reichen, und ob es in Stuttgart reichen wird, ist auch noch nicht sicher. Aber immerhin gibt es Lichtblicke.
Ach ja: Die Bayern wurden mit einem 3:1-Sieg in Berlin Meister. Die Bayern sind bekanntlich das Produkt eines kriminellen Wurstfabrikanten, der vor Gericht Angaben machte, die nicht der Wahrheit entsprachen. Weil die zu seinen Ungunsten gesprochen hätten, wurde in einem Schnellgerichtsverfahren ein schnelles Urteil gefällt, das sofort von allen Seiten (u.a. Seehofer und Merkel, die sofort von „Respekt für Hoeneß“ schwafelten) akzeptiert wurde, damit nicht noch mehr von Hoeneß schmutzigen Geschäften ans Tageslicht kommen würde. Erst das Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ wies darauf hin, dass Hoeneß mitnichten seine unversteuerten Devisentermingeschäfte seiner Bank überlassen hatte, sondern jedesmal einen konkreten Auftrag erteilt hatte. Hoeneß hatte geleugnet, bei Geschäften in Millionenhöhe mit der Bank gesprochen zu haben. Die Bank wiederum bestreitet das. Außerdem verfügte Hoeneß sehr viel früher über die 70000 Dokumente, die dem Gericht erst zwei Wochen vor dem Prozeß übergeben wurden. Hoeneß war am Zürcher Bankenplatz eine Zeitlang „der berühmteste deutsche Trader schlechthin“. Zudem betrieb er ein „lukratives Doppelspiel“, denn bei seinem legalen Konto in München tätigte er sogenannte „Backuped Deals“, d.h. in Zürich machte er unversteuerte Gewinne und zu Hause steuerlich absetzbare Verluste. Die Sache ist weit schlimmer als angenommen, aber das Urteil ist rechtskräftig und alle haben vor Hoeneß Respekt. Und der Verein dieses Mannes ist jetzt Meister.