Die Wahrheit über den 5. Spieltag

Bobic, der Meister des smarten Gestammels, ist plötzlich wegen anhaltenden sportlichen Misserfolgs entlassen worden, nur wenige Tage, nachdem der Vorstand volles Vertrauen in seine Tätigkeit gesetzt hat. Bobic war schon als Spieler überschätzt und ist in einer dunklen Phase des BVB, an die ich mich nur ungern erinnere, auf dem Rasen herumgestolpert. Und weil er das ganz vorne tat, nannte man ihn Stürmer. Aber man muss sich keine Sorgen um ihn machen, denn er wird, wie Armin Veh richtig vermutet, irgendwo in der Bundesliga wieder auftauchen, denn einer wie Bobic fällt immer auf die Füße, eine Kunst, die man ja auch erst einmal beherrschen muss. Die Stuttgarter haben sich von der Entlassung nicht beeindrucken lassen. Armin Veh hat sie in Dortmund hervorragend defensiv eingestellt und aus dem Kader, dem er mangelnde Qualität bescheinigt hat (ein Verdienst von Bobic), alles herausgeholt. Und vorne kann sich z.Z. jede Mannschaft auf die Böcke verlassen, die die Dortmunder Abwehr verlässlich schießt. Gleich dreimal luden die Dortmunder die Stuttgarter zu hundertprozentigen Chancen ein, zweimal nutzten die Stuttgarter die Angebote. Nach vorne fehlte es den Dortmundern an Kreativität, nachdem nun auch noch Mhkitaryan für vier Wochen verletzt ausfällt. Nur wenige Male blitzte etwas vom Können der Dortmunder auf, wie die wunderbare Vorlage von Piszczek auf Kagawa, der den Ball herrlich annahm und über den Keeper hob, aber nur die Latte traf. Als es dann 2:0 stand war Dortmund gezwungen, mit der Brechstange vorzugehen. Aubameyang wurstelte sich in einer feinen Einzelleistung an den Keeper vorbei und erzielte den Anschlusstreffer, während den Ausgleich kurz vor Schluss zwar Immobile machte, aber auf ein Blackout des Stuttgarter Keepers zurückging, der in einer plötzlichen Eingebung die Hand zurückzog, statt den Ball einfach wegzuboxen. Wenigstens ist Hummels wieder zurück im Kader und absolvierte seine ersten 15 Minuten nach dem Endspiel in Brasilien. Aber auch er wird einige Zeit brauchen, um wieder in den Spielrhythmus zu kommen, wie alle anderen auch, die lange Zeit verletzt waren. Und das ist das Problem der Dortmunder Mannschaft, dass sie nicht nur viele Verletzte hat, sondern auch viele, die einfach noch nicht bei ihrer vollen Leistungsfähigkeit angelangt sind. Da wird es am Samstag gegen Schalke schwer, auch wenn die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Und dennoch: Es war wieder ein Spiel mit hohem Aufregungsfaktor, kein drei-Punkte-eingefahren-Mund-abputzen-Spiel. Stuttgart ist aus unerfindlichen Gründen ein Angstgegner Dortmunds, selbst in Phasen, in denen der VfB für jeden anderen Verein ein Selbstbedienungsladen ist. Gegen Dortmund sind die Schwaben immer punktgenau da und hellwach. Warum auch immer, denn sie sind keine Konkurrenz oder überhaupt ein Gegner, über den sich Gutes berichten ließe. Beim VfB hat man eine Werbeagentur mit der Erfindung eines neuen Slogans beauftragt, um dem Verein ein neues Image zu geben. Heraus kam »Furchtlos und treu«. Warum muss man eine Agentur damit beauftragen, wenn dann nur etwas nazimäßiges dabei herauskommt? Furchtlos, so spötteln die etwas aufgeklärteren Anhänger der »Kickers«, müssen die VfB-Fans in der Tat sein, nämlich gegenüber der Leistung ihrer Mannschaft.