Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Die Vorbereitung sei ganz prima gewesen. Endlich mal drei Wochen am Stück mit allen Spielern an Bord. Das Ergebnis jedoch ist mager. Im Testspiel gegen Düsseldorf vergangene Woche konnte man wieder die üblichen Symptome der Dortmunder Krankheit bewundern. Ein missglückter Pass von Hummels in die Beine des Gegners bescherte den Düsseldorfern gleich eine hundertprozentige Chance. Und aus einer ganz normalen Spielsituation heraus hebelten die Rheinländer mit drei/vier einfachen Pässen die Dortmunder Abwehr aus und erzielten das 1:0. Wenn so eine gute Vorbereitung aussieht, wie sieht dann eine schlechte aus? Für das Spiel gegen Leverkusen war also nichts gutes zu erwarten. Und tatsächlich neutralisierten sich beide Mannschaften in einem Kampfspiel, in dem die Qualität auf der Strecke blieb. Beim BVB wurde eine Fehlpassquote von 54 Prozent gemessen. Und auch Leverkusen machte es als Champions-League-Aspirant nicht wesentlich besser. Die Abwehr der Dortmunder lässt sich nach wie vor leicht ausspielen, was man in einigen Situationen merkte, von denen es Gottseidank nicht viele gab. Klopp war dennoch zufrieden, denn es ging ihm um Stabilität, und die scheint es nur bei einer hohen Passungenauigkeit zu geben, d.h. die Dortmunder bolzten die Bälle aus Gründen der Sicherheit einfach nach vorne oder anders ausgedrückt, sie versuchten, möglichst schnell das dichtgestaffelte Mittelfeld zu überbrücken. Der Abstiegskampf wurde in diesem Spiel Wirklichkeit. Die gute Nachricht: Dortmund hat ihn angenommen. Die schlechte Nachricht: Es geht auf Kosten der Attraktivität. Und eigentlich mag man solche Spiele nicht sehen. Vor allem dann nicht, wenn man weiß, was möglich wäre. Kevin Kampl, für 12 Millionen von Salzburg gekommen, hat sich immerhin gut in das Spiel des BVB eingefügt. Er ist noch mehr gerannt als Großkreutz und setzte zu 36 Sprints an. Das Problem aber bei all dem Gerenne: Es ist nicht mehr effektiv wie früher einmal. Eher schon hat man das Gefühl, dass sie damit ins offene Messer laufen, denn statt dem Gegner den Ball abzujagen, eröffnen sie ihm Räume. Immerhin ein Punkt, und damit tröstet sich auch Klopp, denn auch in den Hochphasen war man nicht unzufrieden, wenn man in Leverkusen einen Punkt mitnahm. Allerdings hat Freiburg mit einem 4:1 gegen die Eintracht, die ein Blackout hatten und einen sicheren Sieg verspielten, nun den BVB überholt und ihm den letzten Platz überlassen. Und dieser Absturz ist einzigartig. Selbst Manchester United unter van Gaal hat sich wieder auf Platz 3 vorgearbeitet und deren Untergang hatte ich für viel wahrscheinlicher gehalten. Immerhin also ein Punkt und keine 4:1 Klatsche, wie sie die Bayern in Wolfsburg bekamen. Leider, denn von mir aus kann Bayern gegen jeden verlieren, aber doch nicht gegen Wolfsburg, gegen eine ordinäre Automarke, die sich einen Verein hält wie ein Maskottchen und von Steuergeldern alles kauft, was der Markt so bietet, so lange es so bieder und angepasst ist wie ein rot- und pausbäckiger Belgier oder ein Trainer, der den VW-Chefs so tief in den Enddarm kriecht, dass nicht mal mehr der Trainingsschuh herausschaut, und dabei die Bayern auf unterwürfige Weise anfleht, ihn doch bitte wenigstens Zweiter werden zu lassen, was sich nur als Bewerbungsschreiben für den Posten als nächster Cheftrainer verstehen lässt.