Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Der Alptraum nimmt kein Ende. Herr Dobler aus Augsburg wäre vorher mit einem 4:4 zufrieden gewesen, aber er wusste nicht, wie Dortmund in den letzten Spielen aufgetreten war. Dortmund galt als haushoher Favorit, aber ich wusste es besser und war zumindest skeptisch. Außerdem hatte Augsburg immer wieder aufs Neue bewiesen, dass sie oben mitspielen können und inzwischen sogar auf dem CL-Qualifikationsplatz stehen. Es war also klar, dass Augsburg aus einer kompakten Deckung heraus nur auf die Fehler der Dortmunder warten würde, genau das Konzept, gegen das Dortmund einfach kein Mittel findet. Aber Augsburg kann auch noch mehr. Sie hatten sich mehr klare Möglichkeiten als die Dortmunder und deshalb war der Sieg auch verdient. Dortmund spielte in seiner nominell stärksten Aufstellung. Gündogan und Sahin waren wieder dabei, und vorne tummelten sich Aubameyang, Reus und Kampl, später Kagawa und Mkhitaryan. Alle sind fit, wie Klopp noch einmal betonte. Zumindest daran liegt es also nicht mehr, wie noch am Anfang dieser Saison, als keine vernünftige Vorbereitung möglich war. Und dennoch: Es läuft nichts mehr zusammen, was man zu sehen bekam, war von erschreckender Hilflosigkeit, und als man am Ende in die Gesichter blickte, da sah man Verzweiflung, Niedergeschlagenheit und Ratlosigkeit. Jeder einzelne ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Schmelzer schlug sensationelle Luftlöcher, ließ sich den Ball durch die Beine schieben, niemand traute sich etwas zu. Und so kam wieder ein kurioser Treffer zustande. Altintop spazierte durch die gesamte Abwehr, bis Schmelzer in einer letzten Rettungsaktion den Ball Bobadilla vor die Füße spitzelte, der sich diese astreine Vorlage gar nicht entgehen lassen konnte, obwohl er einen Ruf als Chancentod zu verteidigen hat. Und auch der Platzverweis des Augsburgers Jancker in der 64. Minute und die zahlenmäßige Überlegenheit in der letzten halben Stunde trug nicht dazu bei, dass der BVB in irgendeiner Weise souveräner aufgetreten wäre. Das Rätsel bleibt. Der Schrecken nimmt kein Ende. Jetzt geht es nach Freiburg, dem direkten Abstiegskonkurrenten, der allerdings gegen Gladbach weit besser aufgetreten ist und nur unglücklich verloren hat. Wie überhaupt keine einzige Mannschaft in der Liga derzeit solche desolaten Leistungen zeigt wie der BVB. Der steht so schlecht da wie noch nie, sieht man von der Saison ab, als sie abgestiegen sind. Immerhin sind sie in der Rückrunde bisher auch nicht schlechter als Bayern, die ebenfalls nur einen Punkt aus zwei Spielen gezielten. Allerdings gegen gut aufgelegte Wolfsburger und gegen ein unfähiges Schalke, die mit einem Mann mehr fast über die gesamte Spielzeit, und einem Elfer, den Choupo-Moting quasi wie einen Rückpass auf Neuer schoss, ein sehr unglückliches Unentschieden herausholte. Jetzt quält Guardiola die Vision, es könne den Bayern so ergehen wie den Dortmundern, und daran sieht man, dass auch fähige Trainer sich um möglichst große Geistesverlassenheit bemühen. Selbst Bremen trumpfte mit einem Auswärtserfolg in Hoffenheim auf, Frankfurt bewies mit einem Remis gegen Wolfsburg, dass die Pleite in Freiburg nur ein Ausrutscher war, und Hamburg setzte sich mit einem 3:0 in Paderborn auf Platz 13 ab. Nur Stuttgart, Berlin und Freiburg halten den Dortmundern da unten noch die Treue.