Die Wahrheit über den 20. Spieltag

Hat man bei 3:0 in Freiburg wieder den alten BVB gesehen? Es sah jedenfalls so aus. Allerdings hat Freiburg einen schwarzen Tag erwischt. Das sind alles Dinge, die sich nicht rational erklären lassen, denn die letzten beiden Spiele der Freiburg waren beeindruckend. Warum der Freiburger Frantz gleich in den 9. Minute einen Pass zu seinem Torwart spielt, der zu einer genauen Vorlage für Aubameyang wird und zum 1:0 durch Reus führt, wird niemand verstehen. Nicht nur, dass das eigentlich bislang eine Spezialität der Dortmunder war, auch sind solche Bälle unerklärlich, wenn sie aus einer völlig unbedrängten Situation heraus gespielt werden. Sicher, die Dortmunder spielten Pressing und liefen die ballführenden Spieler an, aber wie man sich aus solchen Situationen löst, ist ja wohl Bestandteil eines jeden Trainings. Dennoch, es lässt sich nicht alles mit einem schlechten Tag der Freiburger erklären. Die Dortmunder haben diesmal mit Kagawa, den man schon in der Versenkung hat verschwinden sehen, wieder ordentlich Wirbel veranstaltet, und wenn man das 3:0 gesehen hat, dann war man fast wieder mit all den schlimmen Niederlagen versöhnt, denn dem Tor ging eine die Freiburger völlig verwirrende Kombination über sechs, sieben Stationen voraus bis zum freistehenden Aubameyang, der immer noch der Coolste im Torabschluss ist, während Immobile sich diesmal nicht mal im Kader befand. Kaum zu glauben, wenn Klopp sagt, er habe nur an »kleinen Stellschrauben gedreht«, so unterschiedlich war das Spiel im Vergleich mit dem letzten gegen Augsburg. War es wirklich nur das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, das gefehlt hat und diesmal vorhanden war? Jedenfalls könnte das tatsächlich der Wendepunkt gewesen sein, denn diesmal gab man das Spiel nicht mehr aus der Hand wie gegen Paderborn, diesmal war wieder so etwas wie Spielfreude zu erkennen. »Es reicht nicht«, sagte Klopp, »wenn nur ich an die Spieler glaube. Die Spieler müssen auch selbst an sich glauben. Das haben sie heute gut gemacht.« Auch wenn man weiß, dass Vorhersagen im Fußball nicht sehr zuverlässig sind, Dortmund hat jetzt die Chance, gegen Mainz mit dem zweiten Sieg in Folge dieses in Freiburg aufkeimende Selbstbewusstsein zu stabilisieren, denn Mainz verlor zu Hause gegen eine Hertha, die nach drei Niederlagen zuletzt völlig von der Rolle und ein leichtes Opfer schien. Aber Mainz spielte ohne Druck und Tempo, und so lässt sich auch eine Mannschaft nicht schlagen, die einen Manager hat, der mit der Trainerentlassung von Luhukay wieder einmal nur seine eigene Unfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Jedenfalls ist Dortmund wieder dran, und das nächste Spiel wird richtungsweisend sein, denn man muss auch wieder die Fans zurückgewinnen, die nach langer Leidenszeit zuletzt zu Hause gegen Freiburg zum ersten Mal die Schnauze voll hatten und riefen: »Wir wolln euch kämpfen sehn.« Am Kampf jedoch lag es am allerwenigsten, denn die Spieler gaben ja alles, sie waren nur nicht in der Lage, vernünftig zusammenzuspielen. Und sonst? Hamburg gewinnt durch zwei abgefälschte Tore unverdient gegen Hannover. Bayern schießt zweimal aufs Tor und gewinnt 2:0 gegen bessere Stuttgarter, und niemand weiß, warum das so ist. Und Schalke grätschte und ackerte sich gegen Gladbach zu einem dreckigen 1:0.