Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Die guten Nachrichten aus Dortmund häufen sich auffällig: Der Fluch des BVB mit dem schon fast in Vergessenheit geratenen Niebaum, der als Präsident sagenhafte 250 Millionen Euro Schulden angehäuft hatte, steht vor Gericht wegen Betrug. Er hat als Anwalt einfach Unterschriften gefälscht, um noch an Geld ranzukommen, das ihm niemand mehr geben wollte. Vielleicht ist das das tatsächliche Ende eines bösen Voodoo-Zaubers. Marco Reus hat sich die Ausstiegsklausel abkaufen lassen, bis 2019 verlängert und mit geschätzten acht Millionen Jahresgage plus Werbeprämien das Gehaltsgefüge des BVB gesprengt, auf das Watzke bislang so viel Wert gelegt hat, aber nun nicht mehr einhalten kann, wenn er nicht weiterhin die besten Spieler an Bayern verlieren will. Dortmund geht ins Risiko, denn es gibt noch ein paar andere Kandidaten, die mit Verweis auf Reus nun ihr Gehalt aufgebessert sehen wollen, und das alles ohne CL-Einnahmen im nächsten Jahr. Und Reus fährt nicht mehr selber Auto, sondern lässt sich jetzt von Aubameyang im Lamborghini nach Hause fahren. Und man hat gegen Mainz zum 2. Mal hintereinander gewonnen, und zwar 4:2. Das hört sich nach den alten Traumergebnissen an, aber bei genauerer Betrachtung war die Sache doch wackliger, als man nach dem Ergebnis vermuten könnte, denn nicht nur kassierte die Dortmunder Wackelabwehr nach Slapstickeinlagen von Subotic und Weidenfeller schon in der 1. Minute das 1. Tor, auch in der Folgezeit glänzten die Dortmunder nicht gerade mit großartigem Fußball, und nichts deutete darauf hin, dass sich das in der 2. Halbzeit ändern würde. Aber es änderte sich und plötzlich fielen die Tore wie reife Früchte. Vor allem die Zaubersteilvorlage von Reus mit dem Außenrist auf Aubameyang war ein Fußballmoment von einem anderen Stern. Schon allein dieser kleine Augenblick versöhnte mit vielen bitteren Stunden. Immer noch aber ist die Abwehr ein Torso und für ein oder zwei Tore gut, d.h. die Offensive muss immer mindestens drei Tore schießen, damit der BVB am Ende gewinnt. Das könnte schwierig werden, ist aber nicht hoffnungslos. Das Problem ist, dass man mit Sahin und Gündogan zwei Spielgestalter auf der sechs hat, die nicht die Abräumermentalität eines Kehl oder Bender haben, die vor der Abwehr der Viererkette etwas das Leben erleichtern. Jedenfalls ist alles wieder offen. Aber es ist noch lange nicht alles in Butter und schon die nächste Partie gegen Stuttgarter, die mit dem Rücken zur Wand stehen, wird zeigen, ob die Dortmunder auch gegen solche Gegner bestehen können. Und sonst? Die Minikrise der Bayern ist schneller abgeklungen als sie überhaupt gekommen ist. Gegen völlig überforderte Hamburger feierten sie mit 8:0 ein Schützenfest und man konnte wieder den selbstgefällig grinsenden Robben sehen, der sich gleich den rechten Schuh putzen ließ, weil er mit dem auch mal getroffen hat. Aber nicht in München, sondern in Leverkusen fand das torreichste Spiel des Tages statt. 4:5 stand es am Ende gegen Wolfsburg, die in der 1. Halbzeit mit einem 3:0-Vorsprung wie die sicheren Sieger aussahen, bevor Leverkusen in der 2. Halbzeit noch den 4:4-Ausgleich schaffte. Erst mit dem letzten Angriff der Wolfsburger köpfte Dost seinen 4. Treffer in diesem Spiel und stürzte die Leverkusener in einen Abgrund der Verzweiflung. Nicht zu vergessen die 1:0-Niederlage der Schalker in Frankfurt. Die war auch schön.