Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Mit den guten Nachrichten, die sich, wie ich vor einer Woche schrieb, in Dortmund auffällig häufen, ist es schon wieder vorbei. Dortmunder Fans solidarisierten sich mit den »Boyz Köln«, die vor einer Woche das Spielfeld gestürmt hatten mit dem Plakat »Je suis Boyz Köln«. Was für Fans das waren, darüber war nichts zu erfahren, aber innerhalb der geölten Medienmaschine mit Spielern, die mehr Gel im Haar haben als Grips im Kopf, war es immerhin eine nette Provokation. Dann ließ noch Immobile seinem Frust in der »Gazzetta dello Sport« freien Lauf, weil er nur noch auf der Bank sitzt. Obwohl er 10 bis 11 Kilometer im Spiel laufe, werde er kaum angespielt. Das ist ein wenig so wie früher auf dem Bolzplatz, als sich auch jeder darüber beschwerte, weil er nicht dauernd den Ball kriegte. Das Problem ist vielmehr, dass er offenbar immer noch nicht das Spielsystem Klopps begriffen hat. Er sieht sich als ein Einzelspieler, auf den das Spiel zugeschnitten sein muss. Dann würde er wahrscheinlich auch glänzen, wenn alles klappt, aber würde er einen schlechten Tag erwischen oder ihn jemand aus dem Spiel nehmen, dann würde das ganze Spiel darunter leiden, weshalb ein solche Spielweise nicht sonderlich zeitgemäß ist. Dass er allerdings unter der Mentalität der Deutschen leiden muss, kann ich gut verstehen, vor allem, wenn es wie in den letzten Wochen, wenig zu lachen gab, wobei ich mir nicht so sicher bin, ob die Leute in Turin, wo Immobile zuletzt gespielt hat, wirklich so viel anders sind als die Deutschen, auch wenn dort Revolten und Streiks stattfanden, wie es sie in Dortmund meines Wissens nie gab, was für die historische Psyche der Einwohner nicht ganz unerheblich ist. In Dortmund lässt sich die in einem Wort zusammenfassen: »Maloche«. Noch bedenklicher erscheint mir, dass er offenbar keinen freundschaftlichen Kontakt zu seinen Teamkollegen hat. Wenn da was dran sein sollte, dann wäre es zumindest kein Wunder mehr, dass es bei Dortmund gerade so schief läuft, auch wenn sie zum 3. Mal hintereinander gewonnen haben. Aber auch der Sieg in Stuttgart war keine große Meisterleistung, denn der VfB ist völlig von der Rolle und war kaum in der Lage, mal in den gegnerischen Strafraum zu kommen. Aber es reichte zweimal dort aufzutauchen, um zwei Tore zu schießen. Und wenn Baumgartl nicht die schöne Vorlage auf Reus gegeben hätte, die der zum 3. Dortmunder Treffer nutzte, dann hätte es ein Unentschieden gegeben, egal wie verdient letztlich der Dortmunder Sieg war. Trotzdem kommen die Dortmunder langsam wieder in Tritt, aber ob es gegen Juve und Schalke reichen wird, ist noch lange nicht ausgemacht, denn das sind Gegner von einem anderen Kaliber. Erschreckend hingegen war die Leistung des für Kampl eingewechselten Mkhitaryan, dem kaum etwas gelingen wollte. Da lief ein Schatten seiner selbst auf dem Platz herum, dem fast alle Zuspiele mißlangen und der so zuverlässig beim Gegner hängen blieb wie sonst nur Großkreutz. Leider muss man konzedieren, dass die guten und aufregenden Spiele z.Z. woanders stattfinden, nämlich in Augsburg, wo es ein verrücktes 2:2 gegen Leverkusen gab, weil dem Torwart Hitz in der allerletzten Sekunde der Verlängerung der Ausgleich gelang, der hochverdient war, weil den Augsburgern ein glasklarer Elfmeter verweigert wurde und die Leverkusener um eine rote Karte herumkamen.