Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Am Mittwoch im Pokalspiel des BVB gegen Werder Bremen war der 21jährige Kevin B. betrunken in einen Treppenschacht gefallen und dabei zu Tode gekommen. Vor Spielbeginn gegen Leverkusen gab es eine Schweigeminute, die Schwarzgelben trugen einen Trauerflor am Arm und der Stadionsprecher Norbert Dickel sagte in den Stadionlautsprecher: »Wir sind alle sehr traurig, aber sein Tod ist auch für uns eine Mahnung mehr aufeinander zu achten. Auf uns, unseren Nebenmann und unsere Nebenfrau.« Mir wurde ganz warm. Der Verein hat nicht nur ein Herz für die Beladenen und Betrunkenen, was nicht selbstverständlich ist, weil gerade die Betrunkenen häufig genug ausgegrenzt werden, auch die Mahnung Norbert Dickels, mehr auf die »Nebenfrau« zu achten, ließ mich dahinschmelzen. Das Westfalenstadion, eine Hochburg der Polygamie! Diesen Verein muß man manchmal einfach lieben. »Kevin, wir vergessen dich nicht«, sagte Norbert Dickel noch, denn Norbert Dickel kennt jeden. Und Kevin wird es auch gefreut haben zu hören, als Kringe nach dem Spiel sagte: »Natürlich haben wir auch für Kevin gespielt.« Das hat dann zwar nur ein Unentschieden gebracht, aber ein Unentschieden der glücklichen Art, denn Leverkusen war spielerisch überlegen. Das allerdings schmerzt, denn dieses Urteil ist schlimm, es heißt, daß man eigentlich nicht mithalten kann, daß die anderen einfach technisch bessere Spieler haben. Okay, dem BVB fehlten ein paar wichtige Spieler wie Kuba, Kehl, Hajnal und Dede, aber es standen immer noch genügend Leute auf dem Platz, die eigentlich so viel drauf haben sollten, daß sie nicht als »spielerisch unterlegen« abqualifiziert werden müßten, schon gar nicht gegen »Scheiß-Leverkusener«, die allerdings auch Glück hatten, weil Vidal trotz mehrerer übler Fouls die Protektion des Schiedsrichters genoß. Und deshalb war es in gewisser Weise auch wieder gerecht, daß Leverkusen hochkarätige Chancen versemmelte und es den Schalkern nachmachte, die in Hannover trotz Überlegenheit durch einen Sonntagsschuß drei Punkte abgaben, wogegen ich selbstverständlich nichts einzuwenden habe. Auch nichts gegen das 1:0 der Hamburger gegen Bayern. Und wer war der Goalgetter? Kein anderer als Petric, den man in Dortmund gegen Zidan eingetauscht hat, der wiederum gegen Bremen im Pokal gleich drei Großchancen ausließ und von dem gegen Leverkusen nichts zu sehen war. Keine Ahnung, vielleicht kann sich Dortmund das ja leisten, aber eine gute Idee sieht anders aus. In Köln traten die Wolfsburger an und holten sich mit einem Remis mühsam den 5. Auswärtspunkt in dieser Saison. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn Köln nicht unangenehm aufgefallen wäre. Dort drehen sie völlig durch, weil der Trottel »Poldi« zurückkommt, der für Bayern einfach zu schlecht ist. Rentner erheben im Kirchenchor ihre brüchigen Stimmen für grauenhaftes Poldiverherrlichendes Liedgut, wie überhaupt jeder sich zum Affen macht für eines der größten Mißverständnisse im deutschen Fußball. »Diese Verbindung zwischen Kirche und Karneval ist eklig. Sie ist skandalös«, sagte meine Freundin, und sie muß es wissen, denn sie war schon mal in Köln und kennt dort Leute. Niedecken ist wahrscheinlich gerade dabei, eine Hymne auf »Poldi« zu »komponieren«, wie es bei Niedecken heißt, wenn er irgendwas Schreckliches auf Kölsch zusammenreimt und -leimt. Und deshalb will ich ausnahmsweise mal ein wenig beten, und zwar dafür, daß Köln absteigt. Dann muß »Poldi« in München weiter versauern und der Kölner Jeckengeist krögte einen Dämpfer.