Die Wahrheit über den 7. Spieltag

Kaum hat Favre bei Mönchengladbach gekündigt, geht es mit zwei Siegen hintereinander wieder aufwärts. Und obwohl die Gladbacher in Stuttgart nur mit Glück gewannen, weil die Stuttgarter sich als Meister der ausgelassenen Chancen erwiesen, war Favres Entscheidung wahrscheinlich nicht voreilig. Es ist tatsächlich so, dass ohne ständige Erneuerung sowohl im Spielerkader als auch im Verein und im Trainerstab es irgendwann einmal zum Einbruch kommt, für den es zwar auch immer andere Gründe gibt, aber gewisse Abnutzungserscheinungen machen es nun mal schwerer als sonst, wieder aus dem Loch zu kommen. Favre musste schon in früheren Phasen immer wieder davon überzeugt werden, weiter zu machen, aber da es in der vierjährigen Erfolgsgeschichte trotz immer wieder großen Aderlasses von Spielern wie Reus und Dante von der Relegation bis in die Champions-League ging, ließ sich der selbstkritische und nie zufriedene Tüftler Favre immer wieder überreden. Vielleicht lag es ja nur an der Rückkehr einiger verletzter Stammspieler, vielleicht aber eben auch an der überraschenden Kündigung, dass der Knoten plötzlich platzte. Dennoch dürfte es sich auch in Gladbach herumgesprochen haben, dass die Erfolgsgeschichte spätestens mit dem Einzug in die Champions-League vorbei sein dürfte. Zu oft hat man bereits gesehen, dass Vereine, die es nach einer großartigen Saison überraschend in die Champions-League geschafft haben, nicht nur dort grandios gescheitert sind, sondern auch in der Liga plötzlich extreme Schwierigkeiten haben, weil man die auf allen Ebenen steigenden Ansprüche, angefangen bei den Spielergehältern, nicht mehr so ohne weiteres befriedigen kann, weil letztlich die Struktur und das Knowhow fehlen. Der Traum, den die Gladbach-Fans seit den Achtzigern träumen, als man in Europa mitmischte, ist schnell wieder ausgeträumt, und man muss kein Hellseher sein, um mit großer Wahrscheinlichkeit darauf wetten zu können, dass Gladbach kein einziges Spiel in ihrer CL-Gruppe  gewinnen wird, vor allem auch deshalb, weil das Augenmerk jetzt auf die Liga gerichtet ist, um nicht ganz und gar unten reinzurutschen. Gegen Stuttgart hatte man Glück. Andere Gegner werden den Gladbachern nicht den Gefallen tun, mit den Chancen so großzügig umzugehen. Zorniger Stuttgarter sind nach Gladbach die andere Überraschung dieser jungen Saison, denn keine Mannschaft spielt einen so bedingungslosen offensiven Fußball und spielt so viele Chancen heraus mit so wenig Erfolg wie die Schwaben. Die immerhin auf Platz 3 stehenden Schalker so an die Wand zu spielen und trotzdem 1:0 zu verlieren wie am letzten Spieltag, so dass auch Breitenreiter zugeben musste, dass den Schalkern drei Punkte geschenkt wurden, das muss man erstmal zustande kriegen und dann auch verdauen. Nachdem Wolfsburg von Lewandowski in nur zehn Minuten mit 5:1 zerlegt wurde, fiel ihnen auch gegen Schlusslicht Hannover nicht viel ein, außer blind anzurennen. Wolfsburg scheint den Weggang von de Bruyne also nicht so richtig verkraftet zu haben. Aber das ist ja auch gut so.