Die Wahrheit über den 20. Spieltag

Hoffenheim liegt den Leverkusenern. Schon in der Hinrunde gab es ein 5:2, und jetzt ein 4:1. Das kommt eben dabei heraus, wenn zwei offensiv ausgerichtete Mannschaften aufeinandertreffen. Viele Tore und ein ständiges Auf und Ab, krasse Fehler und geniale Momente, und manchmal ist es nur Zufall, daß das Spiel so und nicht andersrum ausgeht. Seit Labbadia in Leverkusen ist, bringe ich für die Mannschaft sogar rudimentäre Sympathien auf, denn es sieht gut aus, was die auf dem Platz zaubern. Nur für die Meisterschaft reicht es lange nicht, denn da braucht es noch die entsprechende Portion Abgezocktheit, wie sie die Bayern besitzen. Die haben zwar die »Steilvorlage«, die Hoffenheim durch die Niederlage geliefert hat, wie Hoeneß knirschend konzedierte, in Berlin unbegreiflicherweise ungenutzt verstreichen lassen, eingeschläfert vom ebenso öden wie pragmatischen Fußball einer ausschließlich auf Taktik ausgerichteten Hertha, aber van Bommels »Arroganz«, daß Bayern dennoch Meister wird, ist ja nicht nur selfullfilling prophecy, sondern auch kühle Berechnung. Meister wird der, der über die gesamte Spielzeit die meisten Chancen herausspielt. Das kann manchmal zwar schiefgehen, aber auf Dauer ist gegen ein Chancenübergewicht wenig auszurichten. Übel ist da nur, daß sich die Bayern wieder mal gegen den BVB in überragender Verfassung befanden, als ob man sich immer noch für die Niederlagen in den Neunzigern und in der CL rächen müßte. Und auch wenn dem BVB ein Elfmeter nicht gegeben wurde und zwei Treffer der Bayern nicht regulär zustande kamen, schaffen die Bayern es einfach durch drückende Überlegenheit, es sei denn der Gegner heißt Hertha. Von einem Pferdeschwanzträger und mittelmäßigen Spieler, der in Liverpool nicht mal zweite Wahl ist, ließen sich die Münchner besiegen. Zweimal schoß Voronin aufs Tor, zweimal traf er. Hört sich nach Effektivität an, ist aber reiner Zufall, denn ähnliche Chancen versiebt er normalerweise in Serie. Jetzt steht Hertha auf Platz eins und wundert sich. Dieter Hoeneß übt sich in Demut und wäre schon froh, wenn Hertha am Ende auf einem Uefa-Cup-Platz stünde. Um diese Plätze gibt es ein größeres Gerangel als um die ersten drei, als ob Bayern nicht nur Platz eins, sondern auch gleich Platz 2 und 3 belegen könnte. Abgemeldet haben sich von diesem Kampf Schalke und Bremen, die beide richtig in der Scheiße stecken. Schalke schaffte es nicht mal gegen eine stark ersatzgeschwächte Bochumer Mannschaft, die alles gab und die alles gewann, naja, zumindest dieses eine Revierderby, aber das kann bekanntlich über eine ansonsten vollkommen vergurkte Saison hinwegretten. Jetzt liegen auf Schalke die Nerven blank. Farfan und Rafinha erwehrten sich hartnäckiger Bochumer Gegenspieler, indem sie sie einfach niederschlugen, und die Fans bewarfen Fred Rutten mit vollen Bierbechern. Bremen steckt zwar in einer ähnlichen Krise, geht aber wenigstens sportlich damit um. Gegen den Tabellenletzten aus Gladbach erspielten sich die Grünweißen ein Dutzend Großchancen, aber der für 2,5 Millionen Euro verpflichtete Torwart aus Belgien Bailly machte sie bis auf eine zunichte. Mit 62 Ballkontakten hatte er die meisten in seiner Mannschaft. Den Gladbachern genügte eine Viertelchance, um zum Ausgleich zu kommen. Bailly hat sich für einen Kalender schon mal mit BH und Strapsen ablichten lassen. Vielleicht ein Tip zur Leistungssteigerung für Weidenfeller, in diesem Gewerbe aber auf jeden Fall mutig und auch nicht schlimmer als bierbecherwerfende und grölende Fans aus Schalke.